Fremdbetreuung in anderen Ländern?

    • (1) 06.02.18 - 08:18

      Wie man an dem Beitrag weiter unten sieht, ist die Kinderbetreuung in Dtld sehr heterogen. Mich würde mal interessieren wie das in anderen Ländern so aussieht?

      Ich wohne in Schweden. Es sagen ja immer viele Politiker, dass Dtld sich an Skandinavien orientieren soll. Trotzdem ist das System hier nicht so perfekt wie das gerne in den Medien dargestellt wird.

      Betreuungsschlüssel hier ist super:
      U3: 1:3
      Ü3: 1:6
      Hort: 1:15

      Alle Krippen, Kindergärten und Betreuungsangebote in der Schule sind generell 6-18. Wenn beide (!) Eltern Nachtschicht haben oder am WE arbeiten, gibt es auch Übernachtungsmöglichkeiten oder Wochenendbetreuung. Aber wie gesagt, nur, wenn beide Eltern das nachweisen.

      Vollzeit sind hier 30 Stunden die Woche, den Rest müssen die Eltern selbst abdecken (Elternzeit, Verwandtschaft).

      U3 Betreuung (bis 30 Stunden) gibt es hier nur, wenn beide (!) Eltern arbeiten. Wenn einer zu Hause ist (arbeitslos, in Elternzeit mit Geschwisterkind), wird geschaut, ob es einen Platz gibt. Und wenn, dann nur 15 Stunden die Woche (3 Tage).

      Ü3 Betreuung bekommt jedes Kind automatisch 15 Stunden die Woche. Man kann auf 30 Stunden aufstocken, wenn beide (!) Eltern arbeiten. Aber: wenn ein Elternteil zum Beispiel montags frei hat, darf das Kind dann nicht in den KiGa. Die Eltern müssen immer ihren Arbeitsplan einreichen, es werden Pendelzeiten hinzugerechnet, und länger darf das Kind dann eben nicht bleiben. Auch wenn ein Elternteil Teilzeit arbeitet, darf das Kind nur während der Zeit im KiGa sein, wenn beide Eltern außer Haus sind.

      Krippen/KiGa Kinder, die einen nicht-arbeitenden Elternteil haben, bleiben alle Schulferien zu Hause! Sommer zum Beispiel Mitte Juni bis Ende August. Auch die Kinder mit zwei arbeitenden Eltern haben im Sommer ein Recht auf 3 Wochen Urlaub am Stück, die verbleibende Zeit gibt es Ferienbetreuung.

      Nur im Vorschuljahr gehen alle Kinder 5 Tage die Woche in die Vorschulklasse - etwa 6 Stunden täglich.

      Schulen bieten generell Betreuung/Verpflegung vor und nach dem Unterricht an, wenn die Eltern dann arbeiten müssen.

      Kosten inklusive Verpflegung: nie mehr als das Kindergeld. 15 Stunden sind immer kostenlos. Wenn man mehrere Kinder im KiGa hat, bezahlt man nur für eins. Ausflüge, alle Materialien (auch in der Schule vom Bleistift über Ranzen zum Laptop) sowie Bücher wird komplett aus Steuern finanziert.

      Aber: es besteht natürlich eine Art "Zwang", dass beide Eltern Vollzeit arbeiten. Irgendwie muss das System ja finanziert werden. Außerdem gibt es nicht die Möglichkeit, sein Kind länger als 30 Stunden im KiGa zu lassen - das wissen aber natürlich auch die Arbeitgeber und sind entsprechend flexibel.

      Also, berichtet mal wie es in eurem Land so läuft. ☺️

      • Hey,
        für mich klingt das ziemlich cool. Der Staat springt sehr individuell ein, wenn die Eltern arbeiten, aber eben nur dann. Mich ärgern ja bei uns in der Kita durchaus die Leute, die 45h-Plätze "besetzen", obwohl dauerhaft ein Elternteil daheim ist, während Doppel-Arbeitende mit 25h klarkommen müssen, weil es mehr Plätze eben nicht gibt.

        Heißt: "Ü3 Betreuung bekommt jedes Kind automatisch 15 Stunden die Woche. Man kann auf 30 Stunden aufstocken, wenn beide (!) Eltern arbeiten.", dass auch immer ein Platz zur Verfügung steht? Das ist ja in D oft das größte Problem.

        • Ja, sowohl U3 als auch Ü3. Man bekommt innerhalb von 3 Monaten einen Platz, wenn man arbeiten geht. Vielleicht nicht im Wunsch-KiGa, aber der Platz ist garantiert. Man muss hier auch nicht die Stadt verklagen 😉

          Arbeitende werden immer vor Eltern in Elternzeit oder Arbeitslosen bevorzugt. Übrigens, wenn ein Arbeitsloser ein Vorstellungsgespräch hat, kann das Kind währenddessen auch betreut werden.

          Bei uns in München im Stadteil gibt es mehrere Grundschulen. Die uns zugewiesene zB hat in der hart erkämpfte Nachmittagsbetreung viele Kinder, dessen Eltern beide Arbeitslos sind. Gleichzeitig kenne ich mehrere Arbeitende Eltern, die kein Platz bekommen haben. Nachweise sind nicht erforderlich.
          Andere Grundschulen im Stadteil handhaben es anders, bereits für die Anmeldung braucht man eine Bestätigung von Arbeitgeber. Bei der anderen beim Vertragabschluss erst. Jeder kocht sich sein eigenes Süppchen!

          • Ja, das ist echt blöd.
            Auch, dass Kitagebühren kommunal geregelt und dadurch extrem unterschiedlich sind. Wir zahlen 800 im Monat, zwei Kilometer weiter kostet es nix.

            Ich kann ja das Argument nachvollziehen, dass man als Arbeitsloser ohne Betreuungsplstz quasi dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht. Aber ich meine trotzdem, dass bereits arbeitende das größere Problem haben.

            Nach dem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, der schon schwer realisierbar Ist, folgt für mich auch logischerweise ein Rechtsanspruch auf Nachmittagsbetreuung. Sonst kann ich ja mit Schuleintritt gleich wieder aufhören.

      Der Mangel an Kita/Kiga/Krippenplätzen in Deutschland ist ein echtes Problem. Insbesondere der westliche Teil Deutschlands hat einen enormen Aufholbedarf. Hier wurde die Entwicklung in den letzten 30 Jahren definitiv verschlafen.
      Die Betreuungsmöglichkeiten in unserer Stadt sind gut, aber schon einen Ort weiter sieht es katastrophal aus - viel (!!) zu wenig Plätze, zu wenig Erzieher und Öffnungszeiten, die unmöglich sind (Kita schließt Freitags grundsätzlich um 13 Uhr). Von den langen Schließzeiten im ganzen Jahr mal abgesehen.
      Die skandinavischen Länder haben da eine echte Vorbildrolle!

    • Du hast geschrieben, vollzeit Kindergarten Plätze sind 30 Stunden. Wie ist denn bei euch die wöchentliche Arbeitszeit von Erwachsenen geregelt? Vollzeit arbeiten bedeutet in Deutschland zwischen 38-41 Stunden die Woche. Ist das bei euch weniger? Und wie ist das mit Selbstständigkeit? Hier gibt es Leute, die wöchentlich auch 60 Stunden arbeiten, wenn sie selbstständig sind.

      • Mit jüngeren Kindern haben die Eltern das Recht, nur maximal 30 Stunden zu arbeiten. Der Einkommensverlust wird ausgeglichen, wenn man dann eben Elterntage nimmt (darf man bis das Kind in die Schule kommt).

        Wenn das Kind dann eingeschult wurde/man vorher mehr arbeiten möchte, bekommt man seine Vollzeitstelle zurück.

        Aber allgemein funktioniert das System am besten, wenn sich beide Eltern an der Betreuung beteiligen.

        • Selbständige haben ein Problem und sind da klar benachteiligt. Funktioniert nur, wenn Verwandtschaft da ist, man eine extra Tagesmutter bezahlt oder eben nur ein Elternteil selbständig ist und der andere Teilzeit arbeitet.

          Deswegen gibt es hier oft Diskussionen. Landwirte zum Beispiel können ja nicht eben mal weniger melken, weil sie ein Kleinkind haben. Und dadurch, dass jeder Elternteil eben seine eigene Anzahl Elterntage hat, die nicht auf den Partner übertragen werden kann, kommen Selbständige da oft ins Schleudern.

          Das klingt ja super! Der eumzugehen Nachteil ist halt, wenn man selbstständig ist. Aber im großen und ganzen klingt das echt toll bei euch!

          Das ist ja cool. Hab ich das richtig verstanden? Mit kleinen Kindern arbeitet man 30 Stunden, da sind die Kinder betreut. Und der Staat gleicht den finanziellen Verlust zur Vollzeitstelle aus? Voll gut. Zwei Fliegen mit einer Klappe: Kinder verbringen mehr Zeit mit ihren Eltern und diese können trotzdem arbeiten. Ein Traum.

    Wow, da is Schweden Norwegen ja einiges voraus! So flexibel ist unser System hier nicht.

    Dürfen Kinder wirklich nicht mehr wie 30 Std die Woche in den Kiga?
    Hört sich super an!
    Und Kosten nicht mehr wie Kindergeld? Bei mir reicht das Kindergeld nicht mal ganz für die Hälfte des Kigabeitrages, bei uns gibt es allerdings Vollverpflegung, das gibts nicht überall und es ist ein privater Träger, d.h. Kiga ist ein bisschen teurer wie ein kommunaler. Kiga ist aber trotzdem gut bezahlbar.
    Frühstück, warmes Mittagessen und Nachmittagsnack wird gestellt.
    So was wie Arbeitspläne einreichen gibt es hier nicht.

    Man kan z.B. 50%, 80% oder 100% (max. 50Std/Woche) Platz nehmen (unabhängig davon wieviel die Eltern arbeiten). Anmelden geht nicht direkt über den Kiga, sondern immer über die Kommune, die die Plätze verteilt. Im Online portal gibt man Wunschkindergärten an und den gewünschten Prozentsatz. Es gibt eine Anmeldefrist (glaub 1.3.), danach werden die Plätze (meist zum 1.8., oder Wunschdatum) verteilt. In der Regel bekommt man einen Platz im Wunschkindergarten, es sei denn Plätze sind rar (war bei Kind 1 der Fall, Kind hat einen Platz weit weg vom Wohnort bekomkmen, sie konnte aber nach einem Jahr wechseln).

    Betreuungsschlüssel ist hier gleich wie in Schweden.
    Super Betreuungsschlüssel!
    Ich finde auch, dass die Erzieher (zumindest bei uns) relativ bedürfnisorientiert handeln. Gerade bei den Kleinen. Die Kinder essen und schlafen nicht star nach Uhrzeit, sondern eher nach Bedarf. Es gibt klar feste Essenszeiten und Rutinen, aber wenn ein Kind halt mal früher wie sonst am vormittag müde ist (weil es z.B. schlecht geschlafen hat), kriegt's halt sein Mittagessen und wird hingelegt. Gerade die ersten Wochen und Monate nach Eingewöhnung ist das oft so. Aber Kinder sind Rutinemenschen und gewöhnen sich nach und nach an den Tagesrhythmus.
    Ausserdem schlafen hier alle Kinder draussen im eigenen Kinderwagen. Auch im Winter. So wie heute bei -10Grad! :-D
    Das draussen schlafen find ich total klasse! Ich kann mir immer gar nicht vorstellen, wie 10 Einjährige in einem Raum schlafen sollen...So kuschelig warm eingepackt im eigenen Wagen schläft sich's an der frischen Luft doch viel besser wie in einem Raum voll verrotzter Einjähriger.

    Unser Kiga hat von 6.45-17.15 Uhr geöffnet. Da mein Mann und ich beide Bürojobs haben und Vollzeit arbeiten, heisst das für die kids ca 8-9 Std Tage. So geht es den meisten. Kids die Geschwisterkinder zu Hause haben, Grosseltern in der Nähe oder Eltern mit anderen Arbeitszeiten (z.B. Schichtdienst) haben oft kürzere Tage.

    Die meisten Kids fangen mit 1 Jahr an, wenn die Elternzeit vorbei ist. Die Väter bekommen 10 Wochen Elternzeit.

    Meine Kids haben mit 14 bzw 17,5 Monaten angefangen. Davor war jeweils der Papa ca 4 Monate zu Hause während ich schon wieder Vollzeit gearbeitet habe. Mein Mann hat eben Resturlaub und Überstundenabbau mit dazugerechnet, deshalb war er so lange zu Hause.

    Im ersten Kigamonat hab ich meine Arbeitsstunden reduziert, so dass die Kids nur jeweils max. 6 Std im Kida waren. Hat für den Anfang gereicht und ich bin meinem Arbeitgeber sehr dankbar, das ich das so machen konnte.

    Hier sind für die Eingewöhnung auch in der Regel nur 3 Tage vorgesehen. Aber: es wird immer individuell angepasst. Vom Arbeitgeber bekommt man diese 3 Tage und muss dafür keinen Urlaub nehmen. Braucht man mehr, muss man Urlaub nehmen. Viele fangen mit der Eingewöhnung schon am Ende der Elternzeit an. Bei Kind 1 haben die 3 Tage gereicht, bei Kind 2 wäre eine langsamere Eingewöhnung vllt besser gewesen, aber nach 6 Wochen war das Geschrei beim abgeben vorbei und er geht gerne hin. So was wie wochenlanges Eingewöhnen à la Berliner Modell kennt man hier nicht.

    Auch wird hier frei spielen gross geschrieben, was ich sehr gut finde. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Kinder funktionieren müssen. Die Erzieherinnen haben klar Pläne usw und es gibt natürlich einen festen Rhythmus, aber wenn sich die Kinder für etwas spezielles interessieren, wird das eben weiterverfolgt und es entstehen hier und da mal spontane Aktionen. Die Kinder dürfen also Kind sein so wie es sein soll.

    Allgemein hab ich den Eindruck, dass Erzieherinnen sehr liebevoll und respektvoll mit den Kindern umgehen, und bei den Kleinen wie gesagt relativ bedürfnisorientiert. Nix von autoritär und strenge usw. Es ist immer jemand da, der die Kids in den Arm nehmen kann. Man trifft auch selten gestresste Erzieherinnen an und alles ist relativ entspannt. Man kann die Kids im Prinzip bringen/holen wie man will, so was wie "Türen schliessen um 9 Uhr" wäre hier undenkbar!

    Wenn ich hier so manchmal lese wie es in deutschen Kindergärten zu geht, nein danke! Da bin ich wirklich froh, das meine Kids das nicht mitmachen müssen.
    Hut ab, wer's bis hier hin geschafft hat!

    • Kindergeld sind 100 Euro im Monat, KiGa für unseren Kleinen 70 Euro inklusive Essen. Wenn man mehr verdient, werden es maximal 100 Euro. Die Große ist schon über 3 und geht 15 Stunden, das kostet nichts.

      Ja, 30 Stunden sind wirklich Vollzeit. Die Eltern haben das Recht, nicht mehr als 30 Stunden zu arbeiten, wenn sie KiGa Kinder haben. Danach bekommen sie ihre Vollzeitstelle wieder. Außerdem können hier viele Jobs flexibel gestaltet werden - dann arbeitet Mama eben früh und der Papa bringt die Kids in den KiGa und Mama holt sie wieder ab, während der Papa noch arbeitet.

      Draußen schlafen gibt es hier auch ☺️ Unter -15 schlafen sie drinnen.

      Ich finde den KiGa auch sehr bedürfnisorientiert - genau wie du es beschrieben hast. Aber das ist eben möglich, wenn der Betreuungsschlüssel so gut ist. Aber wie gesagt: ein so guter Betreuungsschlüssel kann (hier zumindest) nur gewährleistet werden, wenn die Eltern nicht alles auf den KiGa abschieben, obwohl sie den Platz gar nicht bräuchten. Wenn ein Elternteil Urlaub hat, sind die Kinder auch zu Hause.

      • Ja der Betreuungsschlüssel ist wirklich gut und hat viel zu sagen!
        Mich erschreckt der deutsche Betreuungsschlüssel!
        Ich weiss noch im letzten Herbst als meine 3-Jährige zu den Grossen gewechselt ist, fand ich den Übergang von einem 1:3 zu einem 1:6 Betreuungsschlüssel schon echt krass #rofl
        Die 1-2 Jährigen sind hier getrennt von den 3-6 Jährigen.

        Das Recht auf Teilzeit bei Kleinkindern gibt es hier glaub ich auch.
        Nur gibt es keinen finanziellen Ausgleich.
        Also müssen eben beide Eltern Vollzeit arbeiten, da hier die Lebenshaltungskosten sehr hoch sind.
        Ich würde liebend gerne auf max. 30 Std verkürzen, aber es geht halt leider einfach nicht.
        Das Modell das einer bringt und der andre holt machen bei uns auch sehr viele, wir auch.
        Ich fang in der Regel früh an und hol die Kids, mein Mann umgekehrt. Pendelzeit mit eingerechnet gibt trotzdem lange Tage für die Kids.
        Ich finde allgemein übrigens, dass sich die Väter viel mehr in die Erziehung der Kids mit einbringen #pro

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