Ich hab ein Extrem-Träumerle...

    • (1) 09.02.18 - 09:59

      Guten Morgen!

      Ich bin gerade etwas ratlos und bitte euch um eure Meinung.

      Mein Sohn ist 4,5 Jahre alt und wird im September Vorschüler.
      Gestern hat mich die Erzieherin beim Abholen drauf angesprochen dass er zum Logopäden soll damit wir die s-Laute in den Griff kriegen bevor er in die Schule kommt. Sehe ich auch so.
      Dann hat sie aber den Satz fallen gelassen dass man von seinem Verhalten her nicht merken würde dass er bald Vorschüler wäre.
      Ich habe heute früh nochmal nachgefragt was sie damit gemeint hat. Gestern standen mir zu viele Mütter drumrum 😉
      Es geht darum dass er zur Zeit sehr unkonzentriert ist. ZB fragt er eine Erzieherin, in welchen Mülleimer er was schmeißen soll. Sie sagt es ihm. Statt den Müll dann aber einfach zu entsorgen, fragt er erst noch alle anderen Erzieherinnen das gleiche. Wenn er auf Toilette muss, das gleiche Spiel.
      Schuhe, Jacke, ... an- und ausziehen kann er nicht behauptet er. Wenn er es dann macht, dann sehr langsam.
      Das kenne ich von zu Hause auch. Er war schon immer eher verträumt. Er ist eher ein ruhiger Junge, der sich erstmal alles Neue genau anschaut bevor er sich "ins Abenteuer stürzt" und macht Dinge erst, wenn er sie kann. Sprechen zB: Er hat erst mit 1,5 oder 2 Jahren angefangen zu sprechen. Dafür aber gleich ganze, korrekte Sätze. Heute spricht er (bis auf die S-Laute) besser als viele in seiner Altersgruppe. Grammatikalisch richtig, ausgeprägter Wortschatz und in Vergangenheitsformen.
      Laufen genauso. Mit 15 Monaten hat er sich sicher genug gefühlt, ohne Hilfe zu Laufen, obwohl er es schon früher gekonnt hätte. Da wäre er dann aber vllt noch hingeplumpst...😉

      Aber momentan ist es wirklich anstrengend weil er die Gedanken überall hat, nur nicht bei dem, was er gerade macht (bei ihm unangenehmen Sachen - im Spiel ist er völlig bei der Sache, egal wie lange)
      Wenn er den Schlafanzug anziehen soll, zieht er zB oft mal die Schlafhose über die normale Hose, weil er nicht merkt (?) dass er diese noch anhat. Hat er die Schlafhose dann endlich drin, sage ich ihm, dass er jetzt seinen Pulli ausziehen soll und reiche ihm dann das Oberteil vom Schlafanzug. Dabei ist er dann aber entweder so am erzählen oder hat ein Spielzeug oder irgendwas in seinem Zimmer entdeckt, was ihn so ablenkt, dass er grad die Hose wieder auszieht.. Ich versuche dann zwar ruhig zu bleiben, aber oft sage ich ihm dann im genervten Ton dass er sich konzentrieren soll etc...
      Wenn ich ihm sage, dass ich kurz oben bin zum Wäsche aufhängen etc, lasse ich ihn das Gesagte wiederholen weil er mich sonst doch nach kürzester Zeit sucht und fragt wo ich bin...

      Auf der anderen Seite macht er in der Entwicklung große Fortschritte und nabelt sich mehr und mehr von uns ab. Beim Spazieren gehen ist er immer an der Hand gelaufen. Jetzt springt er voraus.
      Er spielt mit den anderen Kindern statt ständig nur an mir oder meinem Mann zu kleben.
      Er malt plötzlich tolle Bilder mit einer Leidenschaft... vor ein paar Monaten hab ich mir noch Sorgen gemacht weil er nur ab und zu mal halbherzig rumgekritzelt hat.
      Es macht ihm Spaß, Mama zu schreiben. An seinen Namen traut er sich noch nicht ran, obwohl er ihn schon ganz gut schreiben kann wenn er "muss" (Unterschrift im Freundebuch, das macht er dann auch gerne). Aber da weiß ich, dass es wieder nur eine Frage der Zeit ist und lasse ihm die auch.
      Ich denke, es ist teilweise auch ein Ausgleich von ihm weil es ihm wahrscheinlich irgendwie auch Angst macht, selbstständiger zu werden.
      Noch dazu kommt, dass er im Juli, kurz nach seinem 5. Geburtstag, großer Bruder wird. Er freut sich riesig darauf und hat es sich schon sehr lange gewünscht.
      Aber das wird ihn denke ich auch irgendwie unbewusst verunsichern.
      Meine Mutter ist sich sicher, dass er nochmal einen Riesensprung machen wird wenn das Baby da ist. Die Erzieherin hat das auch gesagt.

      Ich frage mich jetzt, wie ich damit umgehen soll.
      Eigentlich ist es sicher nur eine Phase, die auch wieder vorbei geht. Aber es ist halt auch einfach anstrengend und nervig im Moment.
      Soll ich gegensteuern? Auch mit der Vorschule im Hinterkopf, obwohl bis dahin ja noch viel Zeit ist.
      Wenn ja, wie? Erzwingen kann ich bei ihm nichts, selbst wenn ich wollte. Das machts nur schlimmer.
      Aus allen unangenehmen Dingen ein Spiel machen möchte ich nicht. Ich finde, Lästiges gehört zum Leben dazu und muss einfach ausgehalten werden.

      Ich bin für eure Meinung und euren Rat dankbar und sorry für den laaaaangen Text...

      • Hallo,

        also ich bin nicht Mutter, habe also dahingehend auch keine Erfahrungen. Was ich aber dazu beitragen kann, ist, dass ich genauso war wie dein Sohn.
        Ich hab ganz spät angefangen zu reden, aber vorher heimlich abends in meinem Bettchen geübt, weil ich dachte, dass das ja keiner mitbekommt.

        Außerdem war ich SO verträumt. Ich war immer woanders. Habe nur kalt gegessen, weil es keiner geschafft hat, mich aus meiner Welt rauszuholen. Ich war ziemlich fantasievoll und kreativ. Trotz der Träumerei hatte ich aber keinerlei Schwierigkeiten hinsichtlich Sozialverhalten, Entwicklung oder Schule.

        Mit den Jahren legt sich das etwas. Obwohl ich manchmal immer noch so vor mich hin träume und "wegtrete" :D

        Wie du schon erkannt hast, kann man da nicht so richtig was machen. Solange er aber auch keine Defizite oä aufweist, muss man das doch aber eigentlich auch nicht, oder?

        Ich hab übrigens später dann angefangen, Geschichten zu schreiben und so meiner Fantasie freien Lauf zu lassen.. cih glaube, damit legte sich die Träumerei auch noch ein bisschen :)

      Hallo... ich bin zweifache Mama und zufällig auch Logopädin. Was man Anhand deiner Beschreibung noch vermuten könnte ( das häufige Nachfragen), dass dein Sohnemann Probleme mit der auditiven Aufmerksamkeit und der Verarbeitung von Gesprochenem hat. Wie sieht es denn mit deiner auditiven Merkspanne aus? Also nur Gesprochenes, ohne Bilder, wie zum Beispiel bei dem Spiel „ Ich packe meinen Koffer und nehme mit...“
      Und, wenn es z.B. Familienfeste oder einen Kindergeburtstag gibt, ist er dann voll mit dabei, oder gibt es da Momente indem er sich dem ganzen Trubel lieber entzieht?
      Lg

      • Dir auch vielen Dank für deine Antwort.
        Das häufige Nachfragen ist eigentlich nur im Kindergarten. Aber da ist die Geräuschkulisse halt auch entsprechend hoch. Das war aber nicht immer so, das hat wohl auch erst vor ein paar Wochen angefangen. Es hängt natürlich auch viel von seiner Lust ab, aber eigentlich hat er Anweisungen, auch mehrteilige, immer gut befolgt. Bei Feiern genauso. Wenn die Vorraussetzungen stimmen, macht er Party ohne Ende 😅
        Wenn ich ihm Geschichten erzähle, hört er auch gerne zu und kann sie nachvollziehen. Ich merke auch, wie er sich manches in der Gedchichte oder auch irgendwelche Bemerkungen dann bildlich vorstellt und darüber lachen muss.
        Aber ich werde das auf jeden Fall gezielt beim Logopäden ansprechen wenn wir uns dort vorstellen.

        • Hallo,

          " Das war aber nicht immer so, das hat wohl auch erst vor ein paar Wochen angefangen."

          War er da erkältet? Dann hat er vielleicht Flüssigkeit im Ohr und hört deswegen schlecht.
          Ich würde das mal beim Kinderarzt oder HNO abklären lassen.

          LG

          Heike

          • Hallo Heike,

            Nein, mit seinem Gehör ist alles ok und die Erkältung kam erst jetzt 😅 die geht ihm aber auch immer auf die Lunge, nicht auf die ohren 😅

            Aber danke für deinen Tipp 😊

    Ich habe in deinem Text meinen eigenen Sohn wiedererkannt. Was das Wesen angeht (kein Draufgänger, eher vorsichtig und überlegt) und die ganze Entwicklung ("macht alles erst, wenn er sich sicher ist, dass er es kann.")

    Ich persönlich bin zu dem Schluss gekommen, dass das Problem nicht mangelnde sondern eigentlich zu viel Konzentration ist. Mein Sohn kann sich wunderbar auf eine Sache konzentrieren und zwar so gut, dass er sonst nichts mehr wahrnimmt. Das Problem ist nur: Es geht nur, wenn ihn etwas interessiert, bzw. wenn er es aus eigenem Antrieb tut.

    Wie du selbst festgestellt hast, passiert diese "Verträumtheit" oder "Zerstreutheit" bei Beschäftigungen, die für deinen Sohn unattraktiv sind. Bei Dingen, die er aus eigener Motivation tut, ist er ja anscheinend konzentriert bei der Sache.
    Ich habe das Problem mit dem unkonzentrierten Anziehen z.B. so gelöst (bzw. einfach für mich den Stress aus der Situation genommen), indem wir morgens früh genug aufgestanden sind, ich am Abend vorher die Kleider hergerichtet und ihm nach dem Aufstehen gesagt habe: "Hier sind deine Kleider, du kannst das ja schon, zieh dich an und komm dann runter zum Frühstück. Ich rede dir jetzt nicht rein."
    Das "Reinreden" war nämlich das Problem. Sobald ich ihm diktiert habe, was er zu tun hat und auch das Tempo ("Jetzt mach schon!") lagen das Kommando und die Verantwortung bei mir. Er selber hat sich dann "ausgeklinkt" und konnte währenddessen mit den Gedanken abschweifen. Und ich war dann aber gleichzeitig ein Störfaktor, der ihn am Wegtriften hinderte. Da waren wir beide echt völlig entnervt irgendwann.
    Sobald er eigenverantwortlich fürs Anziehen zuständig war, lief es besser. Ich hab mich ans Frühstückrichten gemacht und er kam dann tatsächlich früher oder später runter und war angezogen.
    Okay, ganz so glatt lief es auch nicht, oder läuft es immer noch nicht. Je nach Tagesform kommt er auch mal im Schlafanzug. Oder behauptet tatsächlich, er könne das nicht. (Argh! Die kleine Schwester kann's ja schon seit sie 2 ist! Aber dadurch lässt er sich nicht unter Druck setzen!) Ich sag ihm dann immer: "Dich nervt es doch nur, wenn ich dich anziehe!" und er weiß ja auch, dass es stimmt. (Außerdem will er nicht im Schlafanzug in den Kindergarten. So weit ist es auch nur ein Mal gekommen.) Manchmal zieht er sich auch doch falsch an (Pulli über Schlafanzugoberteil etc.) aber es hilft, wenn kein Gesprächspartner (= Ablenkung) da ist, von daher ist es in jeder Hinsicht gut, wenn ich nicht anwesend bin.
    Manchmal bittet er mich aber auch drum, ihm zu helfen. ("Mama, kannst du mir die Socken anziehen und ich mach dann den Rest?") Dann weiß ich aber auch, dass es seine Entscheidung war und dann hält er auch still und rennt nicht zwischendurch einfach weg, weil was Anderes wieder interessanter ist.

    Dass er alle Erzieherinnen fragt, in welchen Mülleimer er was werfen soll, oder ob er aufs Klo darf (so hab ich das verstanden?) kann ich mir jetzt auch nicht ganz erklären. Kriegt er da auch die Antwort nicht mit, weil er sofort wieder in Gedanken mit was anderem beschäftigt ist? Oder will er von allen die Bestätigung, nicht nur von einer Person? Oder hört er tatsächlich schlecht? Oder hat er sich nur einen Tick angewöhnt, wie er sie aus der Fassung bringen kann? (Kann auch vorkommen, wenn er Aufmerksamkeit will?) Da musst du mal die Erzieherinnen fragen, wie sie das einschätzen, woran es liegt.

    Was die Sprache angeht, das hatten wir auch. Grammatik, Wortschatz: kein Problem. Bei uns war es das "SCH" und das "CH". Das Problem haben wir auch mit einer Logopädin gelöst. Theoretisch konnte er die Laute nämlich sprechen. Nachdem sie mit ihm geübt hat, und seine Sinne dafür geschärft hat, dass diese Laute in bestimmten Wörtern vorkommen und wir ihn daheim auch korrigieren durften (vor der Therapie hätten wir aus seiner Sicht keine Autorität dazu gehabt) ging es sehr schnell. Jetzt spricht er fehlerfrei, da kann es im Herbst dann ja in die Schule gehen!
    Ich weiß aber nicht, ob das vor dem 5. Geburtstag schon so geklappt hätte, er hat erst mit 5 1/2 Jahren mit der Therapie (10 Sitzungen) angefangen.

    Wenn dein Sohn tatsächlich so drauf ist wie meiner, dann lösen sich die meisten Probleme von ganz allein. Ich finde es wichtig, selbst nicht zu starr an einem Muster festzuhalten, wie mein Kind "zu sein hat" in einem bestimmten Alter. Und sieh da: Oft hat es mich überrascht, wie verändert er plötzlich war. Mit Anfang 4 in der musikalischen Früherziehung musste ich wochenlang dabei bleiben, während alle anderen Eltern die Kinder dort lassen konnten, und er hat oft "gestreikt" bei Spielen, die ihm aus seiner Sicht zu dumm waren, und außerdem lange mit den anderen Kindern keinen Kontakt aufgenommen. Jetzt, mit fast 6 Jahren im Schwimmkurs, kennt er auch keines der anderen Kinder aber hat gleich einen Jungen angesprochen und ist vom erstem Mal an freiwillig dort geblieben und hat richtig mitgemacht. Man muss denen nur Zeit geben.

    Tatsächlich gibt es Entwicklungssprünge. Großer Bruder zu werden, war einer davon, endlich Vorschulkind zu sein, ein anderer. Es hat ihm gutgetan, dass die großen Rabauken endlich weg waren und er plötzlich Derjenige, der von den Kleinen gefragt wird, ob er ihnen 'nen Papierflieger falten kann. Das hat ihm auch einen großen Schub in Sachen Selbstvertrauen gegeben.

    Also, lass dich nicht verunsichern. Ich habe auch immer mal Experten gefragt (je nach Problem entweder Ärzte, die Logopädin oder auch mal 'nen Erziehungsberater, oder im Kindergarten die Erzieherin meines Vertrauens, die selbst so ein Exemplar daheim hatte…) aber grundsätzlich muss man sowieso auf sein Bauchgefühl hören.

    Haha, das war jetzt eine entsprechend lange Antwort auf deine lange Frage ;-)

    • Vielen, vielen Dank für deine lange Antwort 😊 unsere Jungs scheinen sich wirklich sehr ähnlich zu sein und das allein tut gut. Auch durch den Kiga habe ich manchmal das Gefühl dass mein Sohn sozusagen nicht normal ist, weil er nicht mit den anderen Buben rumrennt und anderen die Bauklotztürme zerstört und andere haut und beißt übertrieben gesagt.

      Den Tipp, ihn alleine zu lassen beim Anziehen werde ich auf jeden fall ausprobieren. Ich wäre auf die Idee nicht gekommen, aber der Gedankengang klingt einleuchtend 😅

      Ich könnte mir schon vorstellen, dass er die viele Fragerei durchzieht, um den Erzieherinnen auf den Keks zu gehen. Dass das seine Art des Grenzen austestens ist. Mich versucht er schon lange auf die Palme zu bringen, bei meinem Mann und meinen Eltern passiert das auch immer häufiger.
      Hören kann er auf jeden Fall wie ein Luchs 😉 und manchmal kommen Tage später Fragen von ihm über Dinge, bei denen ich gedacht habe dass er eh auf Durchzug gestellt hatte oder es meiner Meinung nach garnicht mitbekommen hatte...

      Ich warte jetzt mal was der Logopäde im März sagt und ansonsten meinem Sohn vertrauen. Ausser beim Anziehen, das nervt wirklich 🤣

      Vielen Dank nochmal.☺

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