Waldkindergarten - gibt es ein gängiges Konzept?

    • (1) 07.06.18 - 12:56

      Hallo,

      Unsere Große geht in eine städtische KiTa mit "Teilzeit-Waldkonzept" das heißt wenn es der Betreuungsschlüssel zulässt gehen die Kinder ganzjährig vormittags an verschiedene Orte draußen. Wenn zu wenige Erzieher da sind, dann ist es meist nur der nächstgelegene eingezäunte Spielplatz oder auch Mal nur der KiTa eigene große Garten. Meine Tochter genießt diese Vormittage, vor allem wenn es wirklich in den Wald geht, sehr.

      Von persönlichen Meinungsverschiedenheiten mit 2 Erzieherinnen abgesehen bin ich eigentlich sehr zufrieden mit unserer Kita, weiß aber auch dass lange nicht alle Eltern so denken und einige Eltern in unserem Stadtteil private Einrichtungen die weiter entfernt sind vorziehen. Es gibt viele Gerüchte und es wird von einigen Müttern auch viel miese Stimmung verbreitet aber ich glaube diese Mütter findet man in jeder Einrichtung.

      Eine gute Freundin aus einem anderen Stadtteil hat schlechte Erfahrungen mit Eingewöhnungsversuchen in öffentlichen KiTas gemacht und sich darauf hin für einen Waldkindergarten entschieden. Sie steht voll und ganz hinter ihrer Entscheidung und versucht mich permanent "abzuwerben".

      Allerdings sehe ich einiges kritisch was/wie sie von der KiTa erzählt und wäre interessiert ob das ihre Wahrnehmung ist oder ob das zum Konzept dazu gehört.

      Die Kinder sollen ein Laufrad, ab spätestens 4 ein Fahrrad ohne Stützräder fahren um schneller zwischen Bauwagen, Spielplatz und Schlafgelegenheit "pendeln" zu können. Falls die Erzieher diese doch Mal selbst transportieren müssen legen sie Wert darauf, dass es möglichst leichte Räder der Marken Woom, Kokua usw sind.

      Man legt angeblich Wert darauf dass keine Kinder von Alleinerziehenden angenommen werden. Die berufliche Tätigkeit der Eltern ist angeblich ausschlaggebend "Ihr hättet gute Chancen, dein Mann ist doch Doktor, wir hatten Glück dass wir genommen wurden wo wir beide nur eine Ausbildung haben, aber mein Mann verdient gut genug"

      Wenn die Kinder von der Kita abgeholt werden sind sie von dem ganzen Tag an der frischen Luft müde und reizüberflutet und sollten nachmittags keine Aktivitäten mehr haben. Das bedeutet sie kann nicht mehr zu uns zum spielen kommen sondern wir müssen zu ihnen und dort läuft dann der Fernseher "als Rückzugsort". Das wäre auch von den Erziehern so empfohlen.

      Für uns wäre die Kita nur mit dem Auto mit 30min Fahrtweg zu erreichen, wenn mein Mann im Außendienst ist (er arbeitet in der Nähe) wurde das für mich 2 Stunden Fahrtzeit am Tag bedeuten und für das Kind eben auch 1 Stunde. Das widerstrebt mir und ist auch noch ziemlich unökologisch. Angeblich ist das aber der Normalfall.

      Da wir jetzt bald Ausschau nach einem Platz für das zweite Kind halten müssen will mein Mann dass wir uns auch dort bewerben, aber von den vielen Vorteilen eines Waldkindergartens abgesehen stört mich zum einen das "elitäre". Ich kann mir irgendwie gar nicht vorstellen wie das zusammen passt und für mich kommt es nicht in Frage dass unseren Kindern keine Vielfalt erleben. Auch der Druck Rad fahren zu müssen oder die vorgeschriebenen Marken stoßen mir sauer auf.

      Klar es ist eine private Einrichtung die "machen kann was sie will" aber gibt es ein Konzept, eine Leitlinie für Waldkindergärten, irgend einen Qualitätsstandard über den ich mich unabhängig informieren könnte?

      • Hallo!

        Unser Sohn besucht einen Naturkindergarten, und die Kinder laufen wirklich viel. Auch jetzt (im letzten KiTa-Jahr) noch ist er nach einem Tag im Kindergarten ziemlich k.o. Von daher sind Spielverabredungen am Nachmittag wirklich mitunter schwierig. Allerdings geht bei uns der Kindergarten auch bis 16:00 - das sind wirklich lange Tage.
        Allerdings halte ich Fernsehen als "Rückzugsmöglichkeit" für absolut unpassend. Das widerspricht m.E. auch dem Waldpädagogik-Konzept, was ja doch ein recht ganzheitliches Konzept ist. Unser Sohn genießt es nachmittags alleine in seinem Zimmer zu spielen, mitunter geht er aber auch nochmal raus. Und wenn er wirklich total kaputt ist, kann er auf dem Sofa kuscheln, ein Hörspiel hören, Bücher anschauen... Das muss nicht der Fernseher sein! (Die Gruppenleiterin in unserem Kindergarten würde vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn ihr zu Ohren käme, dass ein Kind den restlichen Nachmittag vor der Glotze verbringen würde).

        Zum Thema Laufrad / Fahrrad - halte ich für ungeeignet im Kindergarten! Die Kinder sind damit deutlich schneller als ein Erzieher, der zu Fuß geht und können schneller entwischen. Also müssen die Erzieher theoretisch auch radfahren - dann können sie wiederum nicht schnell genug reagieren, wenn etwas ist. Außerdem sind mit dem Fahrrad / Laufrad die Kinder vom Tempo her deutlich unterschiedlicher als beim Laufen (wobei es hier auch Unterschiede gibt) - das erschwert es, eine Gruppe zusammenzuhalten. Unser Kindergarten hat jetzt zum 2. Mal einen Fahrradausflug gemacht, der auch bei den Kids super ankommt. Allerdings fahren hier immer Eltern mit und die Gruppe wird entsprechend der Fähigkeiten der Kinder dreigeteilt, sodass sich 3 ziemlich homogene Felder ergeben. Auch wenn wir zu Spitzenzeiten 3 Erzieher und 2 Praktikanten in der Gruppe haben, wären solche Ausflüge ohne Eltern nie denkbar. Dass die Kinder dann auch noch solche hochwertigen Räder für den Kindergarten haben sollen, setzt dem ganzen noch die Krone auf.
        Aber das passt eigentlich wieder zu den anderen Aussagen: keine Kinder von Alleinerziehenden, nur Kinder von Besserverdienern / Akademikern - das Ganze ist in meinen Augen ein hochgradig elitärer Haufen, und einer solchen Gruppe wollte ich persönlich nicht angehören. Ich finde schon das Klientel aus unserer KiTa teilweise grenzwertig (unsere KiTa gehört zu einer großen Behinderteneinrichtung und ist teil der inklusiven Kita, bei vielen Kindern arbeitet ein Eltern- oder Großelternteil in der Einrichtung, die Eltern sind also teils sehr sozialpädagogisch und öko-mäßig angehaucht), aber hier liegt es daran, dass die Eltern eben zu einem Klientel zählen, die sich eher für einen Waldkindergarten entscheiden als die Allgemeinheit. Ich persönlich halte es aber nicht für förderlich, wenn Kinder permanent in einer Umgebung aufwachsen, die nur aus Mitgliedern der oberen Gesellschaftsschichten besteht. Meine Kinder haben das Glück, dass wir doch recht gut situiert sind, aber gerade darum halte ich es für wichtig, dass die Kinder auch mit Kindern aus anderen Gesellschaftsschichten zusammenkommen, damit sie unseren "Reichtum" eben nicht als selbstverständlich ansehen. Das Inklusionskonzept unserer KiTa (eigentlich eine herkömmliche KiTa mit einer Naturgruppe) beinhaltet u.A., dass Kinder aus allen Gesellschaftsschichten aufgenommen werden, und genau das hat mir auch gefallen.

        Nun aber zu Deiner Frage: Es gibt den "Bundesverband für Natur- und Waldkindergärten in Deutschland e.V.",der hat auch eine ganz umfangreiche Homepage:
        http://bvnw.de/
        Außerdem hat die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald einen Teil zur Waldpädagogik auf ihrer Seite:
        https://www.sdw.de/waldpaedagogik/waldkindergaerten/

        Allgemeingültige Leitlinien gibt es aber meines Wissens nicht. Wenn die Kita bei keinem Verband angeschlossen ist, kann sie weitestgehend frei über ihre Konzeption entscheiden.

        LG

        • Danke Dir!

          Die Links werde ich mir Mal in Ruhe anschauen und auch mit meinem Mann teilen.

          Ja, ich hätte es mir auch so vorgestellt dass so ein Wald- oder Naturkindergarten eher was "ganzheitliches" ist und der Fernseher nachmittags da nicht hinpasst (ebensowenig wie die lange Autofahrt). Das man Rücksicht auf ein müdes Kind nimmt ist ja auch im eigenen Interesse.

          Wir selbst sind nachmittags - nach 16:00 Uhr noch viel draußen und das "sollen" die Kinder angeblich nicht.

      (4) 07.06.18 - 17:08

      Hallo,

      "Allerdings sehe ich einiges kritisch was/wie sie von der KiTa erzählt und wäre interessiert ob das ihre Wahrnehmung ist oder ob das zum Konzept dazu gehört."

      Dann sprich' doch mit dem Kindergarten. Die werden Dir sicherlich Deine Fragen beantworten.

      Für unsere Kinder wäre ein Waldkindergarten nichts gewesen. Die wollten nicht immer nur draußen sein.

      Wenn Ihr mit Eurem bisherigen Kindergarten zufrieden seid, spricht doch nichts dagegen, Euer zweites Kind auch dorthin zu schicken.
      Dass Eltern Kindergärten unterschiedlich sehen, ist normal. Da hat eben jeder andere Ansprüche und Erwartungen bzw. es passt auch nicht jedes Kind zu jedem Kindergarten.

      LG

      Heike

      • (5) 07.06.18 - 19:18

        Von unserer Seite aus spricht nichts dagegen aber hier in der Stadt ist es so, dass man sich in jeder einzelnen KiTa bewerben muss. Einzig bei einem Träger genügt eine Bewerbung, man muss aber trotzdem in jede der 5 Einrichtungen die in Frage kommen.

        Unsere KiTa kann uns keinen Platz zusagen und ich habe ehrlich wenig Lust auf diesen Vorstellungsgesprächsmarathon, um Termine betteln, beim Sommerfest aushelfen... Es grenzt hier auch bei den städtischen und kirchlichen teilweise an Erpressung und wir werden sowieso wieder so viele Gespräche führen müssen dass ich einfach auch vorbereitet sein will was ich von einem Konzept erwarten kann.

    Huhu,

    mein Sohn geht vormittags von 8:30-12:30 Uhr in eine Waldgruppe, die an einen "normalen" Kindergarten angeschlossen ist. Nachmittags-Kinder sind dann in der Einrichtung. Die Kinder laufen morgens hin zum Waldplatz ca. 700m bergab und mittags zurück bergauf. Mein Sohn ist auch jetzt nach über einem Jahr platt, wenn wir heim komnen. Aber nach dem Mittagsschlaf wieder fit und offen für alles.

    In unsere Freizeitgestaltung mischt sich der Kindergarten zum Glück nicht ein.

    Aber Vorstellungen über die Ausrüstung der Kinder haben sie schon auch. Kann ich teilweise auch verstehen. Z.B. Latz-Schneehosen unter der Jacke sind einfach unpraktisch.

    Je nach örtlichen Gegebenheiten wird es natürlich umständlicher oder einfacher. Und alle Wald-Kindergärten sind auch sehr unterschiedlich ausgestattet. Es gibt sehr puristische und etwas umfangreicher ausgestattete.

    Wichtig wäre mir bei der Beurteilung (neben den Themen, die auch "normale" Kindergärten und Erzieherinnen erfüllen sollten), wie die Erzieherinnen selbst mit der Natur leben und welcher Umgang den Kindern beigebracht wird.

    Ich würde also auch empfehlen mit dem Kindergarten zu sprechen und am besten mal einen Tag zu hospitieren.

    Nur aus Prestige-Gründen würde ich aber den Kindergarten nicht wechseln.

    LG Jelinchen

  • Hallo,

    neben allem, was schon geschrieben wurde habe ich gerade noch einen anderen Blickwinkel:
    unsere Große kommt jetzt im Sommer in die Schule.
    Bei der Kindergarten-Wahl hätte ich nie über die zukünftige Einschulung nachgedacht; das war noch so fern.
    Ich finde es auch unproblematisch, wenn für ein Kind aus einem Waldkindergarten die Umstellung von "draußen-Bewegung" zu "drinnen-sitzen" noch größer ist als für Kinder aus einer anderen Einrichtung. Kinder packen das schon.

    Aber: wenn zu Kindergartenzeiten der Nachmittag mehr oder weniger dem Ausruhen von der Bewegung am Vormittag dient, wenn kein Hobby und keine auswärtigen Verabredungen möglich sind, dann hat das Kind mit Schuleintritt gleich noch eine zweite "Baustelle" an der Veränderungen anstehen.
    Ich bin froh, dass meine Tochter ein Hobby hat, das nach den Ferien vermutlich weiter läuft und dass ihre Spieleverabredungen weiter gehen werden. Es wird ihr sicher helfen, wenn die Nachmittage (abgesehen von dazzkommenden Hausaufgaben) weitgehend unverändert bleiben.
    Neues packen wir später an.
    Aber auswärtige Spieleverabredungen als "zu anstrengend"? Ich stelle mir gerade ein Kind vor, dass als Zweitklässler zum ersten Mal einen Freund in dessen Zuhause besucht. ..

    Das war so mein erster Impuls, als ich deinen Text gelesen habe...

    LG!

    Du hast dich doch schon gegen diese Einrichtung entschieden - und das finde ich richtig.

    Ich möchte, dass meine Kinder mit den Kindern spielen, die sie nett finden und nicht die, deren Eltern angesehene Berufe haben. Sie sollen spielen, wenn sie spielen möchten und nicht, wenn die Erzieherin es gutheißt. Ihre Hobbys sollen ihnen Spaß machen und gehen Erzieherinnen nichts an. Natürlich ist fernsehen auch mal total in Ordnung, aber jeden Nachmittag finde ich im Kindergartenalter zu viel.

    Für mich mischt sich diese Einrichtung viel zu sehr in Dinge ein, die sie schlichtweg NICHTS angeht. Ich bin kein Kleinkind mehr, ich brauche nicht bevormundet werden. Und ich befürchte, dass sich diese Übergriffigkeit steigern wird, wenn man es zulässt. Das ist "nur" eine Kita, liest sich aber wie eine Sekte!

    lg

    Uiuiui sowas habe ich ja noch nie gehört!
    Ich bin selbst Pädagogin und mein Sohn wird ab Sommer in eine Waldgruppe gehen.
    Sie haben ein Haus im Wald, das ausgestattet ist wie eine "gewöhnliche" Gruppe! Das Haus wird bei besonders miesen Wetter oder Sturm o.ä. genutzt.
    Die Gruppe frühstückt in dem Haus und geht dann ab 10 Uhr in den Wald zu ihren Plätzen. Alle ca. 10 Minuten vom Haus entfernt!

    Sie kehren gegen 12 Uhr zurück zum Haus und um 14 Uhr ist der Kiga vorbei.

    Klar, der Kiga ist abgelegen und hat nur begrenzt geöffnet. Daher kommt er sicher nur für Familien in Frage, die sich leisten können, dass einer halbtags arbeitet. Bei uns sind das tatsächlich auch eher Ärzte , Lehrer o.ä.

    Ja nun...
    Die Einrichtung macht keinen besonders elitären Eindruck und das wüsste ich aber, dass die mir in die Nachmittagsplanung reinquatschen!

    Mir ist es wichtig, dass die Einrichtungen nicht zu dogmatisch ist... Ich mag einfach so extreme nicht! Für mich wäre auch so ein Waldkiga nur mit Bauwagen oder Schutzhütte eher nichts...

    Wir haben großes Glück mit unserem Kiga! Ich fahre ca. 10 Minuten eine Strecke

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