Kritikfähigkeit

    • (1) 23.07.18 - 22:23
      Inaktiv

      Guten Abend ihr Lieben,

      Mich beschäftigt mal wieder mein Kind (4,5).

      Er ist ein ziemlich sensibles Kind. Alles gut soweit.
      Was mich aber beschäftigt, ist sein Umgang mit Kritik.

      Beim letzten Gespräch mit der Kita wurde mir bereits mitgeteilt, dass er sehr nah am Wasser gebaut ist, wenn er nur eine leichte Korrektur bekommt. Er will sich noch was zu Essen holen, bekommt eine Rückmeldung was er anders machen soll und schwups laufen Tränen.
      Er ist ein Kind was eben alles richtig machen will, besonders außerhalb von zu Hause. Soweit so gut...

      Wir waren gerade im Urlaub, ich hole Wasser vom Meer, komme zurück und er hängt an einem fremden Kinderwagen und wartet auf mich. Ich habe erstaunt reagiert mit: wo bist du denn? Und mein Kind reagierte sofort beleidigt, verzog sich hinter die Strandmuschel und bockte. Es ging bis zu einem „ich habe dich nicht mehr lieb“.

      Anderer Fall zu Hause: wir sitzen beim Frühstück, er geht aufs Klo, kommt zurück.
      Ich: „ich habe die Klospülung nicht gehört“
      Sofort hatte ich ein tief beleidigtes Kind.

      Habt ihr auch so jemanden zu Hause? Ich sage ihm, dass es nicht schlimm ist, ich ihn nur aufmerksam machen wollte, aber es dauert bis er sich wieder einkriegt.

      Wird das besser? Wie ist eure Erfahrung?
      Reagier ich womöglich falsch?

      VG

      • Solange dein Reaktionston stimmig ist und nicht zu arg Vorwurfsvoll ist, muss er da wohl oder übel da durch und in seiner Entwicklung lernen damit umzugehen.Kinder sind noch in der Lernphase, sie werden weiterhin ihr lebenlang mit Kritik oder Bewertung noch konfrontiert. Er lernt es auch durch andere Kinder in der KiGa und dann in der Schule, das Kritik kein Weltuntergang ist.

        (3) 24.07.18 - 07:30

        inwieweit redest du mit ihm darüber wenn er so ist? Also ihm immer wieder sagen dass das doch nichts Schlimmes ist und so? Ich denke nicht dass du falsch reagierst er muss lernen besser damit umzugehen .

        Ich bin bei solchen Dingen ja Fan von tiergestützter Arbeit. Bei uns gibt es Kleinkind - Ponygruppen mit speziellen Reitlehrern, man kann es zwar klar noch nicht Reiten nennen aber der Umgang mit den Tieren, die klare Struktur beim Fertigmachen des Pferdes und das Hochgefühl auf ihm zu sitzen gibt den Kleinen wahnsinnig viel Selbstwertgefühl. Auch Impulskontrolle , Empathiefähigkeit und so Sachen werden verbessert
        ... irgendwie ist das alles einfach seht Persönlichkeitsbildend. Unser Kleiner war sehr schissig also wirklich schissig im Sinne von er kennt nur Holzschlitten und traut sich nicht auf einen Poporutscher und so. Ein Jahr Ponygruppe und er ist viel sicherer.

        Alles gute
        Wuschelke

        (4) 24.07.18 - 09:56

        Hallo,

        ich würde raten, mit ihm immer wieder darüber zu reden, dass es nicht schlimm ist, wenn man Fehler macht, aber ich würde andererseits auch nicht groß darauf eingehen, wenn er Theater veranstaltet.

        Bei dem Gebocke hinter der Strandmuschel hätte ich bespielsweise gesagt, dass er sich nicht so anstellen soll und ihn ignoriert, bis er wieder rausgekommen wäre.
        Dann kriegt er sich schneller wieder ein, weil er sich selbst albern vorkommt.
        Ich weiß, wovon ich rede, ich war nämlich als Kind auch so. ;-)
        Wenn man dann anfängt zu trösten und das Kind zu betüddeln, suhlt es sich nur weiter in seinem Selbstmitleid.

        Es ist übrigens hilfreich, wenn das Kind in der Schule diese übertriebene Empfindlichkeit überwunden hat, weil der Lehrer keine Zeit hat, darauf einzugehen und die anderen Kinder einen auslachen.
        Leider war ich in der Grundschule noch nicht so weit.

        LG

        Heike

      • (5) 24.07.18 - 12:40

        Mein Großer ist/war auch so. Vielleicht nicht ganz so was den Punkt mit der Klospülung angeht. Aber im Kindergarten flossen bei Kritik sofort die Tränen. Es wurde besser. Jetzt kommt er in die Schule. Kritik mag er immer noch nicht. Ist eben ein kleiner Perfektionist wie ich selber und ich kann mir schon vorstellen wie er sich fühlt. Aber das muss man lernen durch Erfahrung und durch Spiegelung, dass das eben nun zu extrem war für die Situation.

        Wirklich was ernsthaft unternommen haben wir nicht.

        Mein Sohn ist er 2 und er ist auch sehr sensibel und das Verhältnis von Austeilen und Einstecken können muss er auch noch lernen. Aber wenn ich ihm irgendwas sage oder ihn "berichtige" in seinem Handeln dann nimmt er das in der Regel an und nicht persönlich.

        Was anderes wenn es aber um Dinge geht die er kann und wo er aber möchte das wir das für ihn tuen. Wir aber sagen "nein Schatz du bist groß du kannst das alleine"... dann reagiert er auch mal völlig frustriert und wirft sich aufm Boden weil er nicht verstehen will, warum wir ihm eben nicht jeden Pups hinterherräumen den er selbst schon bewältigen kann. Oder er verwendet sein rechten Arm nur sehr eingeschränkt. Wenn der Papa mal strenger sagt "auch die rechte Hand benutzen" ist es formsache. Mal setzt er es um und macht was der Papa sagt oder er schaut beleidigt aufm Boden, zieht ne derbe Schmollschnute und fängt unmittelbar danach das weinen an.

        Man muss halt unterscheiden ob es wirklich Frustration ist oder persönlich angegriffen. Mein Sohn macht eigentlich in erster Linie aus Frust/Wut oder Angst/Schmerzen eine riesen Szene aus dem nichts heraus.

        Letztlich würde ich aber sagen, ist es Charaktersache. Es wird immer Menschen geben, deren Stärke ist es eben NICHT Kritikfähig zu sein! Dafür hat dein Sohn dann vielleicht andere Stärken - Kritikfähigkeit kann man in nem gewissen Rahmen über die Jahre lernen. Aber nur sehr eingeschränkt. Wenn jemand Dinge die selbst wenn sie sachlich gesagt werden, als persönlichen Angriff werten, werden das auch im Erwachsenenalter so tun. Nur wird er über die Jahre lediglich lernen, nicht jedesmal zu heulenen sondern ist dann die beleidigte Leberwurst die schmollend und schimpfend ins Zimmer rennt/wegrennt und Türen zuknallt um seine Ruhe zu haben vor der bösen grauen Welt die Kritik übt.

        Mit solcheinen Charakter umzugehen ist mitweilen sehr schwierig. Weil man sich tendenziell immer auf nem Mienenfeld bewegt und ein falscher Schritt und man weis gar nicht warum der Gegenüber plötzlich eingeschnappt reagiert. Ich hab unzählige im Bekanntenkreis die nicht kritikfähig sind. Der eine ist beleidigt, der nächste wird aggressiv/impulsiv, der nächste meint jeder Kritik mit Gegenkritik kommen zu müssen und der übernächste dreht und wendet es immer so, dass er/sie nie selbst schuld sind sondern nur die anderen und die eigentlich persönliche Kritik auf andere geschoben wird. Ich selbst bin z.b. jemand, der nur mit sachlicher Kritik umgehen kann - vergreift man sich im Tonfall und wird zum Beispiel laut oder persönlich angreifend/beleidigend dann kann ich von Ignoranz/Taub schalten übers heulen bis hin zum aggressiven Gegenschlag (zu letzteren muss man schon sehr unter die Gürtellinie treten) situationsbedingt total verschieden reagieren.

      • Liebe TE,

        ich habe keine Lösung, wollte dir aber trotzdem sagen, dass wir auch so ein Kind haben. Unsere Tochter (fast 3) tut sich sehr, sehr schwer mit Kritik, reagiert schnell empfindlich und weint dann zum Teil heftig.
        Andererseits sehe ich aber auch - seit sie Baby ist, will sie viel. Vieles auch, was sie vielleicht noch nicht 100%ig kann, sie ist hoch ehrgeizig und verzeiht sich selbst schlecht Fehler.
        Wir versuchen auch... zu sagen, dass es nicht so schlimm ist, mal passieren kann... etc., aber es ist schwer für sie.
        Ich hoffe einfach, dass die Zeit für uns spielt.

        Aber.... ich bin auch nicht sonderlich kritikfähig :( Vielleicht sind manche Dinge doch vererbbar ;)

      (9) 25.07.18 - 14:09

      Ich danke euch allen!

      Es reicht ja schon zu lesen, dass es auch anderen so geht ;-)

      Ich hoffe natürlich, dass mein Kind noch die Kurve bekommt und ihn das zukünftig nicht ganz so aus der Bahn wirft.
      Aber klar, er muss eben auch das lernen...

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