Septemberkind zurückstellen - Was sind Knackpunkte der Schulfähigkeit?

    • (1) 29.09.18 - 22:30

      Hallo,

      als ich den Beitrag unten gerade las mit dem vorzeitigen Einschulen, fiel mir unser "Problem" wieder ein:

      Wir haben ein Muss-Kind für nächstes Schuljahr. Ein September-Kind:
      Die Erzieherin sprach uns auf eine eventuelle Zurückstellung an.

      Unsere Tochter

      - ist kognitiv fit
      - will schreiben und rechnen
      - ist an allem interessiert
      - offenherzig und selbstbewusst

      ABER auch

      - ziemlich verträumt (Hose über den Schlafanzug ziehen,...)
      - kann sich sehr schlecht konzentrieren, wenn noch etwas anderes im Zimmer passiert (alleine kein Problem)
      - kann sich bei Aufforderungen mit mehreren Dingen, die Sachen schlecht merken (z.B. ziehe deine Softshelljacke und die Gummistiefel an und nimm bitte eine Mütze mit. Garantiert kommt sie ohne Mütze)

      Ich finde es sehr schwierig, diese unterschiedlichen Komponenten zu gewichten.
      Kognitiv wäre die Schule sicher kein Problem. Am Handwerkszeug hapert es aber.

      Noch dazu der Gedanke: Ist "Verpeiltheit" vielleicht auch Charaktersache und verwächst sich eben nicht in einem weiteren Jahr?

      Habt ihr Erfahrungen, die ihr teilen würdet?

      Lg

      • (2) 30.09.18 - 08:06

        Moin,

        Ich würde mit dem Kinderarzt reden und versuchen Sie zurückstellen zu lassen.
        Es trifft alles zu. Charaktersache ... Aber es verwächst sich auch und gerade im Vorschul Alter kann das Gehirn noch viel lernen. Vielleicht kann dir der Kinderarzt Tipps geben oder eine Ergotherapeutin... Es gibt ganz tolle Spiele die das Schulen ohne dass das Kind mitbekommt dass es gefördert wird 😉 zum Beispiel abstrakte Memo Spiele so man nicht Gleiches sucht sondern zusammen gehörendes. Baustellen Memo gibt es für Jungs da muss dann der Bagger und BAugrube zusammen gebracht werden. Oder ein Memo bei dem Dinge zusammen gehören die sich reimen.
        LG wuschelke

        Ansprechpartner ist der Kinderarzt. Es stellt sich aber auch die Frage ob sie überhaupt noch im Kindergarten bleiben kann? Hier geht das kaum und die Kinder landen in der Grundschulförderklasse. Kümmere dich drum, aber schnell so dass ihr vielleicht mehr Entscheidungsspielraum habt. Auch Gespräch mit dem Kindergarten ob sie dort bleiben kann.

        (4) 30.09.18 - 21:11

        Hallo,

        unser Sohn (8) ist auch ganz schön verplant und leicht ablenkbar.

        Aber man kann schon beobachten, dass es besser wird, je älter er wird.

        Die September-Kinder sind sowieso häufig grenzwertig, was Schulreife angeht, und wenn da noch so ein Konzentrationsproblem oben drauf kommt, würde ich raten, zu versuchen, Deine Tochter zurückstellen zu lassen.

        Wahrscheinlich wird ihre Verplantheit sich in dem Jahr nicht komplett auswachsen, aber wenn es besser wird, habt Ihr auch schon etwas gewonnen.

        LG

        Heike

      • (5) 01.10.18 - 09:42

        Hallo,
        je nachdem in welchem Bundesland Ihr wohnt, wird es schwierig, Eure Tochter zurück stellen zu lassen.
        Wir wohnen in NRW und unser Sohn hatte einen Jungen in der Klasse, der zurückgestellt wurde, aber das war eine Odyssee mit den zuständigen Stellen, obwohl selbst Aussenstehende sagen konnten, dass dieses Kind nicht schulreif war (der Junge war ein Extrem-Frühchen mit starker Entwicklungsverzögerung). Die Familie hat fast ein Jahr gekämpft.....
        Die Dinge, was die Konzentration und die "Verpeiltheit" anbetrifft, hatte unser Kleiner auch, als er mit 6 3/4 Jahren eingeschult wurde. Das hat sich aber irgendwann gelegt. Er ist heute in der 4. Klasse und ein guter Schüler.
        Wir haben aber auch Ergo gehabt und auch viel zuhause spielerisch gemacht, was die Konzentration angeht.
        Wenn Deine Tochter in die Schule will, würde ich sie lassen. Das "Schlimmste" was passieren kann, ist doch, dass sie die Schuleingangsphase in 3 statt in 2 Jahren macht. Ja und? Da fragt später kein Mensch mehr nach.
        LG
        Elsa01

        Hallo September13,

        ich bin Erzieherin und so gesehen jedes Jahr mit dieser Frage konfrontiert (meine beiden Kinder sind erst 3,5 und 8 Monate) und es fällt oft schwer eine Entscheidung zu treffen.

        Der "1. Teil" spricht definitiv für schulreif - da hätte ich schon bedenken, dass da wohl sehr schnell langweile aufkommen wird, wenn sie noch ein Jahr im Kiga ist.

        Der "2. Teil" - um den du dir ja auch Sorgen machst ist nicht pauschal zu beantworten. Es gibt auch Kinder die schon 6,5 sind bei Schuleintritt und ebenfalls noch "verträumt" sind. Das eine Kind kann besser damit umgehen, das andere eben weniger. Dazu kenne ich deine Tochter natürlich noch zu wenig.

        Ich würde auch ein Gespräch mit Kiga und KiA führen wo/wann genau sie sich ablenken lässt und unkonzentriert ist und dann schauen wie man ihr da helfen kann. Bedenke auch, dass im Kindergarten ja auch viel "Gewusel" ist. Überall spielen die Kinder, laufen umher, es kommen Eltern oder andere externe Leute rein, es ist mit unter auch sehr laut. In der Schule läuft nicht ständig jemand "fremdes" durchs Klassenzimmer, die Kinder sitzen überwiegend an ihren Tischen, jeder macht soweit das gleiche etc.
        Im Kindergarten lenkt das manche Kinder extrem ab. Sie müssen einfach immer schauen was die andere machen und gucken was so los ist - man könnte ja etwas verpassen!

        Bei uns muss eine Rückstellung zur Schulanmeldung entschieden sein - das ist hier in BaWü immer meist zwischen Ende März und Ende April. Und von da an ist es ja auch noch mal ein halbes Jahr bis zum Schulstart (bei uns September). Also ingesamt noch fast ein ganze Jahr... da hat sie noch viel Zeit sich zu entwickeln.

        Und die Konzentration üben kannst du auch durch spielen daheim. Verschafft euch Zeit (je nachdem ob es noch Geschwister gibt) wo ihr alleine sein könnt, ohne Ablenkung und spielt Memory oder anderes Gesellschaftsspiele, macht Puzzles, malt ein Bild - vorher besprechen was, z.B.: jeder von Euch mal ein Haus, Mama und Kind und einen Baum (sind ja auch wieder mehrere "Aufträge"), Bügelperlen mit einen bestimmten Muster (jede Reihe eine Farbe, die 2. Reihe im Wechsel rot und blau etc.).

        Aktuell würde ich sie nicht zurückstellen und die Zeit (wohl so ca. ein halbes Jahr) bis zur Schulanmeldung noch warten und sehen wie sie sich entwickelt!

        • Wie unterschiedlich das alles wieder ist.
          Hier in NRW sind nächste Woche schon die Schulanmeldungen, verstehe aber auch nicht warum schon so früh.
          Und zum Schularzt geht es erst im März/April. Wäre ja eigentlich logischer wenn das zuerst käme.

          • Hallo!

            Hui, das ist ja ein riesen Unterschied. Ich nehme an der Schularzt ist wie bei uns in BaWü die ESU (Einschulungsuntersuchung) vom Gesundheitsamt... die ist hier nämlich 2 Jahre vor Einschulung (vom Stichtag ausgehend)!

        Hier mal stellvertretend Danke an alle, die sich die Mühe gemacht haben, zu antworten!

        Wir sind auch aus BaWü und sind tatsächlich in der komfortablen Lage, das noch bis April entscheiden zu dürfen. Auch ist der Kiga-Platz für ein weiteres Jahr sicher, sie müsste nicht in eine Grundschulförderklasse. Das gibt es hier schon, dort kommen aber eher die Kinder mit echten Defiziten hin, die es aufzuholen gilt.

        Ich schwanke jeden Tag. Vorallem, weil in unserem Umfeld die Antworten genauso variieren, wie hier im Forum. Ich finde die Argumente für beide Seiten logisch.

        Im Moment macht sie täglich (von sich aus!) Konzentrationsaufgaben von Mini-LüK, Blöcke mit Rätseln, spielt Memory, malt viel, bastelt viel...
        Zuhause ist das auch alles entspannt.

        Wir bleiben dran...

        • (10) 04.10.18 - 07:42

          Hallo,

          das ist ne sehr schwierige Situation. Wir selbst haben auch ein Septemberkind. Sie wurde vor einem Jahr mit noch nicht ganz 6 eingeschult. Auch sie ist ein Träumerle. Ein Jahr später einschulen wäre bei uns problematisch gewesen. Im Kindergarten hätte sie nicht bleiben können. Sie hätte die Einrichtung wechseln müssen. Förderklassenkind war sie definitiv nicht.
          Auch wir schwankten hin und her, waren uns in manchen Phasen sehr unsicher. Das spürte unsere Tochter natürlich auch. Sie wollte in die Schule und wir haben es dann einfach auch drauf ankommen lassen. Vor allem im letzten halben Jahr im Kindergarten hat sich aber doch noch wahnsinnig viel getan. Im Frühling hat sie dann angefangen zu lesen und bis zum Schuleintritt konnte sie fast alle Buchstaben lesen uns zu Wörtern zusammenziehen. Nicht geklappt hat es nur bei ck, ü,ö,ä und ß. Vom Typ her ist sie nach wie vor verträumt und sehr schüchtern. Beides wird langsam etwas weniger. Sie fühlt sich wohl in der Schule.
          Es ist eine echt schwere Entscheidung. Wir hätten sie vermutlich noch im Kindergarten gelassen, wenn sie hätte bleiben können.

          LG

          Isabel

    (11) 01.10.18 - 12:02

    Stell sie zurück. Das Interesse für Zahlen und Buchstaben ist Altersbedingt und wird von allen Seiten ....Eltern, Kita, Spielzeugindustrie propagiert. Kein Wunder also wenn sie für Kinder interessant werden mit wachsenden mentalen Fähigkeiten.

    Ausgangspunkt muss aber das "Handwerkszeug" sein. Und da ist der springende Punkt Sozialverhalten, Sozialverhalten, Sozialverhalten. Und damit ist nicht gemeint, dass sie lieb und brav sind, sondern zuhören, Aufgabenstellunfen genau verstehen, sich konzentrieren, diese umsetzen, bei einer Sache bleiben, sich etwas zutrauen, Geduld und Zielstrebigkeit zeigen. Diese Kompetenzen sind oft der Gradmesser, ob es ein guter oder schlechter Schüler wird. Und gerade die sollten vorhanden sein. Den Stoff lehrt die Schule. Das ist egal. Aber wenn ich viel träume und Schwierigkeiten mit Zuhören und Umsetzen habe.... Oder nicht genau arbeite, dann habe ich Probleme. Und sobald die Noten hinzukommen ist alles was hier und da ein bisschen verschusselt würde, eben falsch. Egal warum.

    Lass ihr lieber noch Zeit bis es da Klick macht. Das tut es nämlich auch bei den Träumern. Meine war auch so eine. Wir hatten sehr stressige erste Jahre weil in Berlin die Einschulung mit 5 zu ihrer Zeit galt. Dann wurde sie 7. Es machte Klick... und seitdem läuft es, wo wir vorher Stunden gesessen haben, weil sie einfach im Unterricht "woanders" war und wir es Zuhause ausgleichen mussten. Und den Stress würde ich euch ehrlich gesagt gerne ersparen. Sie hat Gott sei Dank noch gelernt, dass sie gut sein kann, aber manche glauben dann wenn der Start zu holprig ist gar nicht daran, gut sein zu können. Und das finde ich immer schade. Und wenn die Erzieher diese Bedenken auch haben, würde ich dafür kämpfen, dass sie ihre Klick-mach-Zeit bekommt und dann einen entspannten Schulstart hat.

    Hallo,

    Wann ist dein Kind geboren?
    Mein Sohn ist gerade 6 geworden und kommt nächstes Jahr (regulär) in die Schule.

    Ich würde mein Kind immer lieber später als zu früh einschulen!

    Lg

    Das sollten Kinder der 1. Klasse können:

    Rücksicht nehmen - Gesellschaftspiele an die Regeln halten
    angemessen streiten - Konflikte verbal lösen, friedlich handeln
    Selbstbewußtsein - es grenzt sich klar ab zu anderen Kindern
    zuversichtlich sein und zutrauen haben
    belastbar sein
    eigene Bedürfnisse eine Zeitlang zurückstellen
    Frustrationstoleranz besitzen
    Beachten von Absprachen und Regeln
    Kontakte und Freundschaften aufbauen können
    gruppenfähig sein
    zuhören können
    Ausdauer haben
    Anweisungen verstehen
    sich etwas merken können
    folgerichtig denken
    alleine an und ausziehen

    Wenn du dabei deine Tochter zu 80-85% erkennst kannst du sie einschulen, sonst gib ihr ruhig noch ein Jahr.

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