Montessori Pädagogik

    • (1) 03.03.19 - 14:57

      Hallo liebe Leute,

      Wir haben ein sehr 'spezielles' Kind (mädchenhafter Junge, 5, ohne Interesse an Anschluß mit anderen Kindern, Einzelkind, hoch intelligent), der im normalen Schulsysthem total untergehen würde. Jetzt möchten wir die beste Bildungseinrichtung für ihn finden.

      Was sind eure Erfahrungen mit Montessori Pädagogik? Inwiefern ist das anders als bei Waldorf?

      Wird auf einzelne Kinder und deren Bedürfnisse eingegangen, oder werden die Kinder meist sich selber überlassen, unter dem Deckmantel: 'Freies Spiel'?

      Ist das Lern-Niveau dort wirklich dem Kind angepasst, also werden Schlauköpfe gefördert, während sich andere mehr Zeit lassen können?

      Sind die Kosten (bei uns ca. das Doppelte und mehr als in anderen Privat-Kigas) gerechtfertigt?

      Vielen Dank im voraus!

      • Das kann man meiner Meinung nicht pauschal sagen. Schau dir die in Frage kommende Einrichtung an, sprich mit den Erziehern und wenn möglich geh hospitieren. Aber geht es denn um Kindergarten oder Schule?

        (3) 03.03.19 - 21:50

        Das steht und fällt mit dem Erzieher - lebt er es richtig - hat er das richtige Auge aufs Kind - dann ist es perfekt ! Hilf mir es selbst zu tun - suche das aus was dein Interesse gerade weckt - in dieser Phase lernst du es am besten - ich für mich finde es klasse ! Aber es passt nicht zu jedem Kind und fällt und steht mit dem Engagement des Personal

        (4) 04.03.19 - 04:35

        Pädagogik war früher eine Philosophie. Schon die alten Griechen haben über Erziehung schwadroniert. Aber es blieb beim reden. Das Konzept von Maria Montessori ist aus der Zeit der Reformpädagogik, Steiner auch, da wusste man noch nicht wirklich mehr aber hat einfach Mal rumprobiert.
        Beides widerspricht Erkenntnissen die man später in der Neuropsycholgie und Entwicklungspsyhologie gewonnen hat.

        Aber: in den Nischen sammeln sich ambitionierte Kindergärtnerinnen und Lehrer. Und deswegen funktioniert es dort oft besser. Das hat aber nix mit dem Konzept sondern den Personem zu tun. Daher: schau Dir die Einrichtungen an und spüren hin ob es für Deinen Sohn passt.

        • (5) 04.03.19 - 10:49

          Hast du da Quellen oder mehr Informationen zu, welche der Ansätze wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen und in welcher Form? Würde mich interessieren..

          • (6) 04.03.19 - 21:05

            Ich hab in dem Bereich studiert und mich tiefer damit auseinandersetzen müssen. Also ne leichte kurze Lektüre hab ich Die dazu nicht. Aber du kannst grade Montessori komplett zerfleddern wenn du willst.

            Wenn du dich wirklich reinlesen willst kannst du bei Montada Entwicklungspsyhologie was zu körperlicher Reife als Grundvoraussetzung für einen Lernfortschritt nachlesen und die dort beschriebenen Phasen. Teilweise werden Dir da Dinge ähnlich vorkommen auf den ersten Blick Montessori hat andere sensible Phasen. Die sind nicht mit dem decken was heute bekannt ist und auch viel "gröber". Die körperliche Reife fehlt bei ihr komplett.
            Ich mach Dir ein konkretes Beispiel. Sie sagt das Kind muss Sprache passiv wahrnehmen um sie zu lernen. Die Forschung heute ist differenzierter Man weiss zB heute dass nicht/zu schlecht hören ab dem Alter von 6 Monaten für den Spracherwerb negative Auswirkungen hat. Hast Du ab da technische Unterstützung am Kind lernt es ohne Folgeprobleme. Verpasst du die 6 Monate gibt es Defizite die Nummer hat oder nur mit intensiver Logo aufzuholen sind.
            Du siehst wo ich mit dem Beispiel hin will?

            • (7) 04.03.19 - 21:08

              https://www.zeit.de/2013/02/Paedagogik-John-Hattie-Visible-Learning

              Zur Lehrerpersönlichkeit.
              Die Hattie-Metastudie. Und wir haben immer noch keine vernünftigen Eignungstests bevor wir jemanden 30 Jahre lang Bildungskarrieren ruinieren lassen.

              (8) 04.03.19 - 21:11

              Ok danke für die Erläuterung! :-)
              Ich kenn mich mit Montessori gar nicht wirklich aus muss ich sagen, man hört es ja nur immer als Stichwort bei "alternativen Lernmethoden" sag ich mal.
              Finde ich auf jeden Fall sehr interessant das Thema - wünschte ich hätte auch eher sowas in der Richtung studiert :-D

              • (9) 04.03.19 - 21:23

                Vieles war sehr dröge oder durch ekliges auswendig lernen versaut. Manches weiss ich erst heute zu schätzen.

                Die Reformpädagogik war Sturm und Drang der Bildungsarbeit. Sowas wie Pfadfinder und Landschulheime kamen mit den Reformern in Mode. Man hat einfach ausprobiert. Teils krasse Sache. Sh Summerhill in UK.

                Psychologie und Soziologie als nötige Nachbarwissenschaften gibt es erst seit rund 120 Jahren. Daher sind sowas wie Pestalozzi und Co eher historische Relikte. Aber, die Leute waren ja auch nicht doof. Einige haben extrem gute Beobachtungsgabe gehabt und deswegen gibt's doch viele Parallelen zu dem was man heute gesichert weiss.
                Janusz Korczak zB fand ich extrem spannend zu lesen. Muss man aber noch die Zeit und Zustände im Ghetto Warschau dazu lesen wenn der Zusammenhang stimmen soll.

                Am Ende des Tages macht es aber wenn man das weiss ganz wenig Sinn, sklavisch an so einem nicht fundierten Konzept zu hängen. Da die, dies richtig gut machen wollen sich aber gern so ein Steckenpferd suchen geht es vom Lehrer her wieder auf. Aber ob der jetzt Steiner oder Pestalozzi oder oder oder... Das ist dann egal...
                Schau Mal zu Artikeln zu Hottie. Da gibt es viel.

      (10) 04.03.19 - 21:59

      Hallo,

      unsere Kinder waren in einem Montessori-Kindergarten mit sehr engagierten Erzieherinnen.
      Da wurde kein Kind ausgebremst, sondern Forscherdrang gefördert, wofür sich gerade das Montessori-Material sehr gut eignet.
      Normales Spielzeug gab es dort aber auch. Die waren nicht so dogmatisch.
      Außerdem waren die Erzieherinnen sehr kreativ. Die haben wirklich tolle Sachen mit den Kindern gemacht.
      Von daher tut man schlauen Kindern, die gerne lernen, damit auf jeden Fall etwas gutes. Unsere Kinder haben sich im Kindergarten nur im letzten Jahr ein bisschen gelangweilt, aber das ist normal, würde ich sagen.
      Die sind beide ziemlich fit. Der Kleine (9) ist überdurchschnittlich begabt und hat eine Klasse übersprungen. Die Große (11) ist nicht getestet, aber ich würde sagen, sie ist die intelligentere von beiden.

      Der Kindergarten war übrigens nicht teurer als der andere Kindergarten hier im Dorf. Das sind beides Elterninitiativen.

      Ob Montessori-Schulen etwas taugen, weiß ich nicht. Bei uns in der Nähe gibt es keine.

      "Wir haben ein sehr 'spezielles' Kind (mädchenhafter Junge, 5, ohne Interesse an Anschluß mit anderen Kindern, Einzelkind, hoch intelligent), der im normalen Schulsysthem total untergehen würde."

      Ehrlich gesagt, wäre mein Ziel da weniger, eine Schule zu finden, die sich an das Kind anpasst, als dass mein Kind lernt, wie man mit anderen Menschen klar kommt.

      Selbst wenn Ihr eine Schule finden würdet, wo er vor den anderen Kindern geschützt wird, mit denen er nichts zu tun haben will und optimal lernen kann.
      Wie soll so ein Mensch denn im Leben zurecht kommen?

      Das einzige, was mir da einfällt, ist der IT-Nerd im Kellerbüro.
      Auch in der Wissenschaft macht man heute keine Karriere mehr als einsames Genie im Elfenbeinturm. Die müssen sich präsentieren und Kontakte knüpfen können, sonst bekommen sie kein Geld für ihre Forschungen.

      Ich denke, am besten für besonders schlaue Kinder sind Schulen, wo man jahrgangsübergreifend in seinem Tempo lernen kann (JÜL). Das sind aber staatliche Schulen, die lediglich ein anderes Lernsystem haben.

      LG

      Heike

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