Wie auf Schimpfworte/ Beleidigungen reagieren?

    • (1) 15.05.19 - 11:49

      Mein Sohn ist 3,5 Jahre alt. Im Kindergarten sind gerade Worte wie Pipi, Kacke, Kacka.. total in und er setzt diese Worte ständig passend und unpassend an andere Worte an. Nimmt es nicht überhand, hab ich es bisher ignoriert.. aber ist er mit Freunden zusammen, schaukelt sich das hoch und man hört ungelogen in einer Stunde 50 mal diese Worte aus BEIDEN Kindermündern. Ignorieren funktioniert dann bei mir nicht mehr.. Vor allem möchte ich nicht. dass er solche Worte an Personen richtet - also "Du Kacka-Maria" z.B. zu seiner Freundin. Er sagt es mit einem Lachen im Gesicht, also einem offenen und freundlichem Lachen, nicht im Streit. Trotzdem gehört es sich nicht und ich möchte ihm nun mal beibringen, dass andere sich verletzt fühlen können.

      Nun hat er in den letzten zwei Tagen je einmal "scheiß Mama" gesagt. Auch nicht richtig böse an mich gerichtet, sondern mehr so zu sich selbst. Allerdings natürlich in Situationen, die ihm nicht passten. Beim ersten mal sollte er zu mir kommen, bevor er auf das Klettergerüst stieg, verneinte und ich sagte: "Doch, komm bitte her. Ich möchte dir was sagen" Er kam zu mir und sagte es dabei zu sich selbst.. wahrscheinlich um seinen Unmut irgendwie los zu werden.

      Gestern sollte er noch kurz zur Toilette bevor wir in die Stadt zum Eis essen gingen. Auch hier ging er dann zwar zur Toilette, sagte es aber auf dem Weg dorthin zu sich selbst.

      Meine Reaktion war bei Situation 1, sofort den Spielplatz zu verlassen und Situation 2, dann nicht mehr Eis essen zu gehen. Ich erklärte, dass ich traurig bin, da er das zu mir gesagt hat und habe darum keine Lust mehr darauf hätte.. außerdem versuchte ich zu erklären, dass sch.. eben ein noch schlimmeres Wort als blöd ist.

      Wie würdet ihr vorgehen? Ich weiß, es gibt keine Patentlösung - und ich glaube auch gerade, dass das so der richtige Ansatz ist. Er weiß im ganzen Ausmaß sicher noch nicht, was er da sagt.. und es ist tatsächlich für mich auch noch ein Unterschied, ob er das so zu sich sagt oder mir wutentbrannt ins Gesicht brüllen würde.

      Hauptfrage eigentlich: Wie erzieht man Kinder zu empathischen Menschen?

      Er ist ein pfiffiges Kerlchen mit großem Interesse an der Welt und einem riesen Speicher im Kopf. Er hat für sein Alter eine große Allgemeinbildung.. aber wie unterstütze ich ihn darin, "emotional intelligenter" zu werden? Wahrscheinlich wird hier eine andere Festplatte im Kopf genutzt.. :D

      • (2) 15.05.19 - 12:30

        Dein Sohn ist erst 3 Jahre alt. Hast Du ihn gefragt, ob er weiß, was die Wörter bedeuten?
        Das wäre mein erster Ansatz. Oftmals sprechen die Kinder in dem Alter doch nur irgendetwas nach, was sie von andern gehört haben. Sie wissen vielleicht, dass es ein schlechtes Wort ist, aber nicht genau, was es bedeutet und dass es andere verletzen könnte.
        Ich persönlich finde, Du hast in beiden geschilderten Situationen übertrieben reagiert.
        Erstmal denke ich, wenn Du etwas von ihm willst (mit ihm sprechen auf dem Spielplatz), wieso muss er dann zu Dir kommen, wieso gehst Du nicht zu ihm hin?
        Wie auch immer. Dort hat er also das Wort Scheiß-Mama zum ersten mal in seinem Leben gesagt. Ich hätte mich mit ihm hingesetzt und ihm kurz erklärt, dass das ein Wort/Ausdruck ist, der Dich traurig macht/verletzt/..., weil es ein sehr schlechter Ausdruck ist und ich dieses Wort nicht mehr hören will. Biete ihm vielleicht ein, zwei Alternativen an, die er statt dessen sagen kann (z.B. "Ich finde das blöd, dass ich jetzt nciht klettern kann." oder was auch immer.
        Er lernt doch erst die Sprache und deren Bedeutung. Da würde ich das nicht so eng sehen.
        Tipp: Klar und deutlich sagen, dass man sowas nicht hören will, aber auch nicht so einen Aufstand machen und gleich ganze Ausflüge deswegen streichen. Und vor allem dem Kind sprachlich helfen und Beispiele bringen, wie er seinen Ärger denn besser und ihne Beleidigung ausdrücken kann.

        • (3) 15.05.19 - 13:39

          In dem Fall sollte er zu mir kommen, weil er vorgerannt ist. Ich sagte noch warte, aber er ließ sein Rad fallen und rannte los. Ich wollte mit ihm abklären, ob wir länger bleiben und ich unsere Räder somit an der Stelle abschließen würde und rufe ungern 30m über den Spielplatz.

          Ich rede viel mit ihm, erkläre ihm die Welt und alles was ihn interessiert. Er hat einen enormen Wortschatz und ich denke ein großes Verständnis. Ich denke auch, dass 3 Jahre ein schwieriges Alter ist, Abgrenzung, den eigenen Willen entdecken und durchsetzen... An unserer Pipi, Kacka Phase bemerkte ich aber, dass ich mit reden hier nicht weit komme. Schrieb ich ja im Ausgangstext.. ich weiß nicht genau, was die Kinder an diesen Worten so faszinieren.. obwohl ich 100mal erklärt habe, dass ich das nicht hören möchte und natürlich erklärt habe, dass es andere verletzen kann, sagt er es weiter. In dem Moment wo diese Worte an Menschen gerichtet sind, finde ich, muss etwas anderes kommen als reden. Durchs reden toppt er seine Ausdrücke ja bisher nur.. oder ich habe noch nicht die passenden Worte gefunden. Kann natürlich auch sein. Wobei wir wie gesagt viel im Gespräch sind..

          • (4) 15.05.19 - 13:46

            Ja aber vielleicht machst Du auch viel zu viel Wirbel drum.
            Über dieses "pippikackafurz" haben wir gemeinsam gelacht. Mal ehrlich, warum siehst Du das so verbissen? Je weniger man sich über solche (in meinen Augen) Kleinigkeiten aufregt, desto uninteressanter wird es für die Kinder.
            Reagiert habe ich nur bei richtigen Beleidigungen und wirklichen Schimpfworten. Ich habe mir erklären lassen, was das Kind denn meint, welche Bedeutung dieses Wort hat. Dann habe ich kurz (!) erklärt, was es bei anderen Menschen auslöst und das ich das Wort hier nicht hören will. Und fertig. Keine ellenlangen Erklärungen und drastischen Konsequenzen wie gestrichene Ausflüge usw. Das finde ich einfach sehr übertrieben und ich schließe mich der anderen Userin an: warte mal ab, bis die wirklichen Schimpfworte kommen (Vorschul-/Grundschulzeit). Was willst Du denn dann machen?

            • (5) 16.05.19 - 11:58

              Die Pipikackafurz - Geschichte führte ich als Erklärung an, warum ich nun härter reagiert habe. Ich versuchte wochenlang diesen Wörtern keine Beachtung zu geben, trotzdem sind sie super interessant geblieben. Wenn mein Sohn die Pupsi-Mama bittet, ihm den Kacka-Apfel zu geben, kann ich das auch noch überhören - wenn es aber tatsächlich als Beschimpfung gedacht ist, muss ich ihm klar machen, dass das einfach GAR nicht geht. Punkt. Er versteht sicher noch nicht, die komplette Bedeutung, trotzdem gibt es Regeln, wie zB, dass wir uns nicht beschimpfen. An diese Regeln sollte sich auch ein Dreijähriger halten bzw kann lernen sich daran zu halten. Die Frage ist nur wie. Ich möchte eben NICHT die Vorschul- Grundschulzeit abwarten. Ich denke, das ist der Fehler.

              • Er hat doch gar nicht Dich beschimpft, sondern vor sich hin geschimpft, das ist in meinen Augen ein großer Unterschied und ich denke, Du erwartest 1. Zuviel von einem 3jährigen und fährst viel zu große Geschütze wegen Pipifax auf.

      (7) 15.05.19 - 13:28

      Ich bin gespannt wie du reagierst, wenn dein Sohn mit 8 bei einem Spiel sagt „dieses kleine arschgefickte Schaf“ ....

      • (8) 15.05.19 - 13:41

        Mit 8 waren meine Großen aufgeklärt. Ich denke, ich würde ihm tatsächlich erläutern was er da gesagt hat.

        Es gibt aber leider 8 jährige, die das dann erst recht witzig finden und weiter nutzen. Dann wüsste ich tatsächlich auch erst mal nicht weiter :D

        • (9) 15.05.19 - 15:56

          Ich wollte eigentlich darauf hinweisen, dass es total harmlos ist wenn Kindergartenkinder diese FälslSprache nutzen. Je mehr du es reglementiert und darauf rumhakst umso schlimmer wird es. Meine Güte, lass ihm doch den Spaß. Das geht auch wieder vorbei!

          An Beleidigungen beziehungsweise Dingen, die man nicht in der Öffentlichkeit sagen soll kannst du später arbeiten.

    (12) 15.05.19 - 13:29

    Hallo
    Ganz ehrlich, so was ist nervig aber so einen langen Text nicht wert.
    Wenn du sowas hörst, schnapp ihn dir sofort, geh auf Augenhöhe und sag klipp und klar: „Das ist kein schönes Wort und sowas will ich von dir nicht hören. Hast du das verstanden?“
    Mehr braucht man bei einem 3 jährigem nicht zu sagen. Ausflüge streichen fände ich bei einem 6 jährigem angebracht, mit 3 find ich’s schon sehr streng.
    Du kannst ihm in einer ruhigen Minute erklären was solche Wörter bedeuten oder ihm sagen er kann allein in seinem Zimmer so lange fluchen wie er lustig ist. Mit Tür zu und ohne Publikum selbstverständlich.
    Liebe Grüsse und gute Nerven;-)

    (13) 15.05.19 - 16:00

    Hi!
    Ich stimme den anderen zu, dass dein Sohn die Bedeutung von z.B. „ Scheiss-Mama“
    noch nicht wirklich versteht. Aber er versteht sehr wohl schon, dsss er solche Wörter nicht sagen soll, zumal du ihn ja oft genug darauf hingewiesen hast. Ich hätte in Situation 2 wahrscheinlich ähnlich reagiert. Hätte geantwortet: Weißt du eigentlich, dass Scheiss-Mamas mit ihren Kindern nicht Eis essen gehen? Überleg dir nochmal, ob ich denn wirklich eine Scheiss-Mama bin!
    Manchmal ist es einfach so, an gewisse Regeln muss man sich halten, auch wenn man sie noch nicht wirklich versteht.
    Ein kleines Kind hat auch noch keine Vorstellung davon, was alles passieren kann, wenn es auf die Straße läuft. Das kann man schon versuchen zu erklären, aber so richt nachvollziehen können die Kiddies das noch nicht. Trotzdem lässt man es an der Hand gehen usw.
    Gruß Pfreni

    • (14) 16.05.19 - 12:10

      Wahrscheinlich wird es so sein, dass er nicht versteht dass sch.. Mama schlimmer ist als zB blöde Mama. Aber natürlich versteht er, dass so etwas nicht nett ist und hat es dementsprechend "richtig genutzt", er hat seinen Unmut damit Ausdruck gebracht. Nun muss man ihm beibringen, was er sagen kann, wenn er sich ärgert.

(15) 15.05.19 - 16:28

Hallo,

die Pipi-Kacka-Pupsi-Phase haben fast alle Kindergartenkinder, und gerade bei den Jungs ist die teilweise bis ins Grundschulalter angesagt. #schwitz

Ich glaube, die Kinder finden das gerade deswegen spannend, weil sie wissen, dass man so etwas nicht sagt.

Ignorieren würde ich es trotzdem nicht.
Ich kenne ein Mädchen, wo die Mutter diese Taktik für gut hielt. Das Kind hat dann irgendwann fremden Leuten auf der Straße solche Sachen an den Kopf geworfen. #schock

Klar, man sollte die Begriffe erklären. Aber das führt, nach meiner Erfahrung, nicht dazu, dass die Kinder sie nicht mehr sagen.

Ich habe unseren Kindern immer gesagt, dass ich diese Worte nicht hören will.
Wenn sie sich nicht daran gehalten haben, sind sie auch schonmal in ihrem Zimmer gelandet, damit ich diese Worte nicht hören muss.

3-jährige verstehen sehr wohl, was sie dürfen und was nicht.

"Scheiß Mamas" haben damals übrigens gestreikt. Die lesen nichts vor. Die gehen nicht mit ihren Kindern auf dem Spielplatz usw.

LG

Heike

(16) 15.05.19 - 18:41

Hey,

Ich habe fünf Kinder und alle hatten diese kackapupsphase. Ich glaube, die gehen drauf so ab, weil es verboten ist und man sofort reagiert, sobald ein Kind so etwas sagt.

Ich hab mit meinen Kindern eine Sanduhr gestartet und alle durften so viele kackawörter sagen, solange der Sand lief. Nach 40 Sekunden war schon Schluss und sie haben sich immer wiederholt, weil ihnen nichts mehr einfiel. Und lustig war das dann auch nicht mehr. Artete eher in Anstrengung aus:)))

Das haben wir immer mal wiederholt. Versuch das doch mal.

  • Das mit der Sanduhr finde ich eine gute Idee. Das kann man daheim machen und die Kinder können da mal richtig Dampf ablassen und dann ist wieder gut.
    Möchte noch meinem Beitrag hinzufügen, dass ich es weniger tragisch finde, wenn die Kinder so Sachen wie „Pupskacka...“ sagen. Bei mir hört es aber auf, wenn sie andere damit betitulieren, z.B. Kacka-Lisa! oder so.
    Gruß Pfreni

    • (18) 16.05.19 - 12:13

      Das finde ich auch eine gute Idee. Werde ich bei Gelegenheit mal testen..

      Als seine Freundin da war und sie sich am Tisch solche Worte zuwarfen, hab ich auch schon mal gesagt, sie sollen sich das gegenseitig ins Ohr flüstern. Ich mag eben keine Kackawurst essen.. #hicks

(19) 20.05.19 - 00:52

Benutzt du das wort scheisse selbst?
Grad da wo er es zu sich selbst sagt,klingt es sehr als kenne er das iwoher...u d ganz ehrlich finde ich deine Reaktion darauf richtig mies...was er zu sich selbst sagt cor sich her nuschelt ...dafür kannst du ihn doch nicht bestrafen...du vermittelst ihm damit das er nicht mal was scheisse, doof, mies oder sonst was finden darf, du verbietest ihn quasi seine emotionen.
Ansonsten sehe ich das wie die meisten ausser das ich nie sagen würde " das will ich nicht hören" das impliziert nämlich nur das es eben so gemacht wird das Mutter es nicht hört.
Ich würde verdeutlichen wieso,weshalb und warum.
Solange natürlich andere Kinder mit ihm drüber lachen usw ist es natürlich auch nicht ganz logisch für das Kind wieso es denn angeblich so was schlimmes sein soll.
Daher habe ich sowas z.b nie ignoriert ausser man wollt mich veralbern, macht mein kleiner gern...ich schaue ihn dann an,sage das ich das nicht witzig finde und gehe weg. Fertig.
Meine Kinder dürfen aber auch sehr wohl "Doofe Mama" zu mir sagen wenn sie das so empfinden...muss ich damit leben,kann ich oftmals sogar auch sehr gut da ich zu 100% als Kind gewisse Dinge auch doof gefunden hätte 😁
In den Situationen die du beschreibst hätte ich eher gesagt "Ja ich weiss das ist dopf, aber...."
Und nicht gleich so mit Strafen...ist für mich total unlogisch und unfair.
Lg

(20) 20.05.19 - 15:43

Wenn Du unterscheidest, ob er diese unerwünschten Worte zu sich selbst sagt oder Dir ins Gesicht, möchte ich ehrlich gesagt nicht wissen, wie Deine Konsequenzen für den Kleinen aussähen, hätte er Dich direkt beschimpft.
Er weiß doch trotz aller Allgemeinbildung nicht, was diese Worte bedeuten und anrichten und das versteht er auch nicht besser, wenn Du so drakonische Strafen verhängst.

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