Sprachentwicklungsstörung fast 4-jähriger und andere Auffälligkeiten

    • (1) 20.05.19 - 11:01

      Hallo ihr Lieben,

      ich weiß nicht, was ich mir von meinem Post hier verspreche...vielleicht Trost/Mut/Zuspruch/Erfahrungen....keine Ahnung, aber vielleicht lest ihr bitte.

      Unser Zwerg (8/2015) leidet unter einer Sprachentwicklungsstörung (SES). Mit ca. 2,5 Jahren waren wir beim Pädaudiologen, er hört wohl und wir bekamen Logopädie. Ab da ging es los mit einzelnen Wörtern.
      In 9/2018 kam er in den Kiga. Seitdem geht es langsam, aber stetig bergauf. Jedoch hinkt er Gleichaltrigen noch sehr, sehr deutlich hinterher 😱. Sein kleiner Bruder (21 Monate) spricht schon sehr deutlich und auch in 2-Wort-Sätzen 🙏🙏. Auch unser Großer (10) sprach schon sehr früh.

      Nun zu den Problemen:
      Er spricht teilweise schon in ganzen Sätzen (auch grammatikalisch richtig, ich und du verwendet er korrekt), aber noch sehr undeutlich 😔. Im Kiga wird er oft nicht verstanden, reagiert dann körperlich (schubsen, hauen) 😨. Meist tritt er mit Kindern in Kontakt, indem er sie berührt (Kopf tätscheln etc), womit er oft aneckt.
      Er hat gute und schlechte Tage.
      Die Erzieherinnen vermuten zudem, dass er mit der Gruppengröße (25 Kinder) und der Lautstärke überfordert ist, denn in Kleingruppen, draußen oder beim Yoga bzw beim Spielen mit Montessori-Spielzeug sei er sehr entspannt.
      Auch uns Eltern fällt immer noch auf, dass er teilweise Aufforderungen/Erklärungen etc. nicht versteht....Erzieherinnen bestätigen das auch. Manchmal meidet er auch Blickkontakt. Einstellen auf Neuerungen fällt ihm schwer, eine Änderung in gewissen Abläufen verunsichern ihn.

      Motorisch ist er topfit und anderen weit voraus.

      Ihr solltet noch wissen, dass Zwerg als Baby wahnsinnig schnell überreizt war, ihm war schnell alles zuviel. Am wohlsten fühlte er sich in der Trage/TT und das 24/7.
      Zudem hat er Neurodermitis. Feste Nahrung wollte er erst mit 8 Monaten zu sich nehmen 😧.
      Auch hier in der Familie zieht er sich ab und an zurück und macht sein Ding. Am liebsten ist er draußen.

      Nächste Woche haben wir einen Termin bei der Frühförderstelle...aus Eigeninitiative heraus, weil wir wissen wollen, was mit unserem Schatz los ist. Irgendwas muss er doch haben oder vielleicht haben wir ja einen Fehler gemacht??

      Habt ihr noch eine Idee, was wir tun können? Dass wir mit unseren Kindern viel unternehmen/uns viel beschäftigen, versteht sich von selbst.
      Ich verzweifle schön langsam 😪, mein Mann ist (noch) positiv gestimmt.

      Seid lieb gegrüßt und danke fürs Lesen,
      incredible

      • Hey,

        kann mir vorstellen wie du da am überlegen bist was wohl los ist mit deinem Kleinen.

        Also

        - verzögerte Sprachentwicklung
        - Lautstärke und große Gruppen überfordern ihn, ist schnell überreizt
        - scheint gelegentlich nicht richtig zu hören
        - Schwierigkeiten die soziale Sprache zu erlernen (ungewöhnliche Kontaktaufnahme, zieht sich gerne zurück)
        - meidet Blickkontakt (gelegentlich)
        - mag routinierte Abläufe

        All diese Dinge kann man mit Autismus in Verbindung bringen. Hat euch in diese Richtung mal jemand angesprochen? Somit würde ich mit dem Kinderarzt sprechen und mir eine Überweisung fürs KJP holen. Falls es so wäre, ist es mir aber wichtig hier gleich zu erwähnen, dass es sich bei Autismus um keine fehlerhafte Krankheit die man therapieren muss handelt. Es ist eine normale Erscheinung in der Bandbreite Mensch und eine Diagnose dient m. M. hauptsächlich dem besseren Verständnis und ggf. einzelne Fördermöglichkeiten die es dem Kind einfacher machen sich selbst anzunehmen und im Leben klarzukommen. Es ist nicht schlimm nicht dem Durchschnittsmenschen zu entsprechen. #liebdrueck

        • Danke für deine Antwort.
          Nein, auf Autismus hat uns noch nie jemand angesprochen.
          Wie gesagt, wir haben bald (nächste Woche) einen Termin bei der Frühförderstelle.
          Beim KIA sind wir auch demnächst, weil die nächste U ansteht. Da werde ich das auf jeden Fall ansprechen.
          Wir lieben 🥰 unser Kind über alles und möchten ihm helfen, so gut wir können.

          • Genau, sprech mal mit den beiden Stellen Kinderarzt und Frühförderstelle. Wenn es aber um eine Diagnosestellung geht, würde ich mir einen Termin in der KJP holen. Die sollten eigentlich bei sowas die Spezialisten sein. Eine schöne Internetseite zu dem Thema finde ich die: https://autismus-kultur.de/

            Alles Gute euch!

            • Dankeschön 😘
              Auf die Seite bin vorhin auch gestoßen....ja, es deutet einiges bei ihm auf Autismus hin. Dabei ist er sooooo unheimlich verschmust und liebesbedürftig und auch so fürsorglich, das spricht eigentlich dagegen 🤷‍♀️....aber naja, wir werden sehen. Spekulationen nützen nichts, handeln ist angesagt.
              Einen guten KJP kenne ich.

              Vielen Dank für dein offenes Ohr!

              • (7) 20.05.19 - 18:07

                JA im ersten Moment klingt es wie Autismus weil das das ist an das irgendwie jeder denkt. Ich dachte das zeitweise auch, aber Aufmerksamkeitsstörungen (jede Art, muss nicht ADS sein) haben ganz ähnliche Symptome. Auch Kinder mit Aufmerksamkeitstörungen meiden Blickkontakt, weil dazu auch eine extreme Konzentriertheit gehört (da fehlt quasi die Aufmerksamkeit auf alles was um sie herum passiert, zuviel Fokus quasi). Weil sie ins Spiel vertieft sind und vertieft bleiben wollen blenden sie teils auch bewusst alles aus was um sie herum geschieht, meiden deswegen auch oft Blickkontakt - weil sie eben nicht gestört werden wollen.Für mich klingt Dein Sohn eher danach.

                Auch da wäred ihr bei Ergo mit Spieltherapie und MKT gut beraten. Aber das wird sich ja alles nächste Woche zeigen Wäre toll wenn du dann berichtest was die meinen. Drück Euch auf alle Fälle die Daumen dass ihr nächste Woche mehr Lösungen als Probleme habt!

                • danke, das ist lieb von dir. Ich berichte bestimmt. Noch ist er nicht unbeliebt bei den Kindern. Diese gehen eigentlich gerne auf ihn zu - das war schon immer so. Er ist ein angenehmes, ruhiges Kind, aber mit seinen „Baustellen“ verscheucht er sie dann.
                  Er mag bis zu einem Grad Kontakt, dann ist er lieber wieder für sich.
                  Aber....wir werden sehen

                  • (9) 20.05.19 - 20:38

                    Moin,

                    ich kenne das, es tut einem in der Seele weh wenn man sieht wie ein Kind Kontakt sucht und dann abblitzt. War für mich ehrlich in der Zeit das härteste, nichtmal die Tatsache dass er jetzt Ergo braucht und Logo. Unser Kleiner ist jetzt ein Jahr älter als Deiner und es hat sich vieles verbessert, er spielt besser mit anderen Kindern, hat Freunde, Spielverabredungen, ...

        (11) 20.05.19 - 21:46

        "Falls es so wäre, ist es mir aber wichtig hier gleich zu erwähnen, dass es sich bei Autismus um keine fehlerhafte Krankheit die man therapieren muss handelt."

        Das kommt darauf an, wie stark ausgeprägt der Asperger Autismus ist.
        Das sind leider nicht alles Menschen, die nur etwas anders ticken, sondern das kann, bei schwererer Ausprägung, eine ernsthafte Behinderung darstellen.

        Stärker betroffene Kinder können nicht selten nicht einmal eine Schule besuchen, weil sie durch die Unruhe dort und viele Situationen überfordert werden, worauf sie dann teilweise sehr heftig reagieren. Das überfordert wiederum Lehrer und Mitschüler.
        Diese Kinder müssen sehr wohl therapiert werden, um hoffentlich irgendwann ein normales Leben führen zu können.

        LG

        Heike

        • (12) 21.05.19 - 14:16

          Wie ich bei einer anderen Antwort erwähnte denke ich nicht an das Asperger Syndrom. Wenn dann an etwas aus dem frühkindlichen Autismus Spektrum.

          Ich denke, beim Blick auf Autisten kommt es auf den Winkel an. ;-) Was ist normal? Wer ist das und wer bestimmt das? Sind Menschen mit einer "autistischen Wahrnehmung" weniger normal? Ich denke, sie bewegen sich - wie wir alle - in der Bandbreite "Mensch". Verstehst du wie ich meine? Auch wenn mir bewusst ist, dass einige Autisten viel Hilfe im Leben brauchen, finde ich es schwierig automatisch von einer Behinderung zu sprechen. Ich glaube, für das Selbstbild, besonders für Kinder, ist das null förderlich ihre etwas andere Art wahrzunehmen und zu denken als "behindert" anzusehen. Selbst wenn manche definitiv nicht nicht mehr von Inklusioin profitieren.

          Mir hat mal ein erfolgreicher erwachsener Asperger gesagt, er versteht nicht, wie ich es schaffe mein Leben zu bewältigen. Mit meiner (angeblich!) chaotischen Art käme ich ihm manchmal vor wie jemand der behindert sei...

          LG

      (13) 27.05.19 - 17:53

      Das ist auch das erste was mir in den Sinn kam!

Hallo,

mein Gedanke war beim Lesen auch Asperger Autismus. Ich denke, das kann der Kinderarzt schwer einschätzen. Hoffentlch kann euch die Frühförderstelle helfen. Ixh drücke die Daumen.

Übrigens kann es auch auch sein, dass es mit Logo erledigt ist. Ein Schub und alle "Defizite" sind weg.

Kopf hoch#liebdrueck

Hallo,

bis auf die Neurodermitis erkenne ich meinen Sohn in deiner Beschreibung. Er kommt im Sommer zur Schule, sprachlich holt er auf seit wir zur manuellen Therapie waren und ihm 2 Halswirbel eingerenkt wurden. Das war im Dezember und der Fortschritt ist unglaublich. Tatsächlich hat seine Logopädin einen Hinweis in der Fachliteratur gefunden, dass diese Blockade und die Sprachentwicklung zusammenhängen können. Ansonsten ist er fit. Sehr eigen was Essen und Regeln angeht, weshalb ich ihn auch immer mal in die autistische Richtung geschoben habe.

Warte den Termin ab.
Empfehlen kann ich manmed.info
Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich nicht früher einen Termin ausgemacht habe.

Lg

(19) 20.05.19 - 18:00

Hallo,

Erst mal Kopf hoch, falsch gemacht habt ihr erst mal überhaupt nix, im Gegenteil. Ihr habt schnell reagiert, schnell Hilfe geholt, auch der Weg zur Frühförderstelle ist ein guter Schritt den viele in dem Stadium noch nicht gehen.

Wenn die undeutliche Sprache an der Mundmotorik liegt könnte auch eine spezialisierte Physiotherapeutin zusätzlich helfen, es gibt da welche die sich auf Kiefer- und Mundmotorik spezialisiert haben. Wenn ihm Trinken / Essen schon immer auch Thema waren kann es auch gut sein dass seine gesamte Mundmuskulatur total verspannt ist, Kiefer blockiert, dass das deutliche Aussprache erschwert.

Bei so "diversen" Problemen die ihr habt kann auch Ergo viel helfen. Sensomotorik, sensorezeptive Wahrnehmung, ist so ein großes Gebiet das Ergo mit abdeckt, dazu gehört das Überfordert sein in großen Gruppen, überfordert sein in neuen Situationen.

Zusätzlich geht er noch zu einer Ponyspielgruppe, ist zwar kein echtes
heilpädagogisches Reiten, aber die Reitlehrerin schaut sich da vieles ab. Da haben wir das Glück dass es hier einen Reitverein gibt der das für Kleinkinder ab 3 Jahren anbietet. Auch das hat ihn viel selbstsicherer und unempfindlicher gemacht.

Als bei uns am Anfang immer wieder Baustellen aufkamen war ich auch am Verzweifeln, mein Mann war und ist immer optimistischer. Aber bisher hat alles was wir gemacht haben etwas gebracht, und so bin ich auch wenn noch nicht alles gut ist optimistisch dass wir auch das alles hinbekommen. Bisher haben wir immer die passende Lösung gefunden :-) Man wächst da rein, am Anfang verunsichert es einen "wenn was ist" mit dem Kind, aber irgendwann weiß man was man machen kann, weiß wen man fragen kann.

Alles Gute!

  • Er hat ja erst sehr spät angefangen, feste Nahrung zu sich zu nehmen, aber das tat er dann gut.
    Jedoch ist er beim Thema „Essen“ bis heute eigen.
    Als Baby/Kleinkind weigerte er sich lange mit der Hand zu essen (wollte Fingerfood geben), er wollte erst nur gefüttert werden (Familientisch, kein Brei), später aß er Obststücke oder Brot nur mit Gabel 🍴, bis er irgendwann sowas in die Hand nahm.

Habt ihr die Ohren schon richtig gut untersuchen lassen? Manche Kinder haben häufig Paukenerguss oder sogar dauerhaft und hören schlecht, daher die ganze Sptrchentwicklungsstörung. Sonst ist die Frühförderstelle sicher das richtige für ihn.
Und manche Kinder brauchen einfach länger

  • Wir waren beim Pädaudiologen. Sogar 2x wurden diverse Tests durchgeführt...er kann wohl normal hören.
    Sprachlich hat sich in diesem 1 Jahr ja wirklich viel bei ihm getan, auch Sprechfreude ist etwas vorhanden, aber bei weitem nicht so wie bei seinem kleinen Bruder (21 Monate), der förmlich danach lechzt, nachzusprechen.....Balsam auf unserer Seele.

Hallo,

ich glaube nicht, dass Ihr einen Fehler gemacht habt.
Da wird irgend etwas sein.

Es ist doch schon einmal gut, dass er sprachlich Fortschritte macht.
Wenn die Kinder sich nicht richtig verständigen können, verursacht allein das schon einen Haufen Probleme mit anderen Kindern.
Ich weiß ja nicht, was bereits an Hörtests gemacht wurde, aber es gibt auch solche Sachen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Auditive_Verarbeitungs-_und_Wahrnehmungsstörungen

Ich glaube, wenn man z.B. Schwierigkeiten hat, das, was jemand zu einem sagt, aus den Hintergrundgeräuschen heraus zu filtern, ist das ganz schön anstrengend. Da ist man vermutlich froh, wenn man wo ist, wo keine 25 Kinder kreischen. #schwitz

ADS kann man auch ohne Hyperaktivität haben. Diese Kinder sind furchtbar verplant und verträumt und hören häufig nicht, was gesagt wird, weil sie so vertieft in ein Spiel oder in eine Tagträumerei sind. Denen ist viel Trubel auch zu viel und sie haben Schwierigkeiten, sich sozial angemessen zu verhalten und halten ungern Blickkontakt.

Sprachliche Probleme sind da nicht typisch, aber das Kind kann ja mehrere Baustellen haben.

Autismus kann es auch noch sein, aber das dürfte am schwierigsten zu diagnostizieren sein, erst recht in dem jungen Alter.
Wenn das weiterhin im Raum steht, würde ich mich an ein Autismus-Zentrum wenden. Frühförderstellen und ähnliches sind dafür häufig nicht ausreichend qualifiziert.

LG

Heike

  • Danke dir für deine ausführliche Antwort und den Tipp mit dem Autismus-Zentrum. Werde ich im Hinterkopf behalten.
    Wir waren beim Pädaudiologen....sogar 2x wurden diverse Tests durchgeführt.
    MOE‘s hatte er bisher noch nie, von Paukenerguß war auch noch nie die Rede.

    • Ich würde zum jetzigen Zeitpunkt einen Termin beim SPZ ausmachen. Sollte es nach der körperlichen Untersuchung im SPZ herausstellen, dass es doch mehr in den Bereich von psychischen, psychosomatischen und neurologischen Störungen geht, ist das KJP der bessere Ansprechpartner.
      Den Termin bei der Frühförderstelle würde ich trotzdem whrnehmen und jetzt schon einen Termin beim SPZ ausmachen (Wartezeit könnte länger sein). Wichtig ist sie Ursache der Probleme zu finden. Sollte der Verdacht auf Autismus nach den Untersuchungen im Raume stehen, gibt es auch dafür spezielle Zentren.
      Wichtig: ich würde mich nicht verrückt machen, was er alles haben könnte und dann zB nach ASS googlen. Wichtig ist, zu handeln und die Arzttermine voranzutreiben.

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