Tipps gesucht: Alles ist unfair (6,5 Jähriger)

    • (1) 27.05.19 - 12:55

      Ihr Lieben,
      ich habe zwei Söhne (6,5 und 4,5 Jahre alt) und seit einiger Zeit verbreitet mein Großer den ganzen Tag schlechte Laune. Alles ist unfair. Ich nehme ihn da sehr ernst, weiß aber einfach nicht, wie ich ihm helfen soll. Die ersten 4-5 Jahre hat er im Grunde alles bestimmt ( natürlich nur, was von Seiten der Kinder entschieden werden durfte ;-)), weil der kleine Bruder entweder noch gar nicht da oder zu klein war. Aber selbst heute gibt der Kleine oft nach bzw. besteht viel weniger auf Exklusivität und trotzdem wird alles aufgerechnet. Ein Paar Beispiele: Normalerweise essen wir nur am Wochenende Nutella. Wenn der Papa Dienst hatte, machen wir ab und zu ein Wochenendfrühstück unter der Woche. Aber selbst dann wird das Haar in der Suppe gesucht. Irgendeiner hat dann seiner Meinung nach ein My mehr Schokoaufstrich als er. Selbst wenn es offensichtlich nicht so ist.
      Oder wir hören oft seine Hörspiele auf den Autofahrten. Der Kleine steht auf "Deine Freunde". Wenn ich mit ihm allein zum Schwimmkurs fahre, hören wir natürlich seine Musik. Daraufhin flippt der Große aus, weil es unfair sei, dass der Kleine etwas bestimmen durfte, obwohl er eigentlich dran war. Was ja aber auch total unsinnig ist, denn das Hörspiel weiterzuhören, wäre ja auch nicht in seinem Sinne gewesen und auf "deine Freunde" steht er gar nicht. Wir hätten also einer Meinung nach gar nichts hören dürfen.
      Oder der Große ist auf einem Kindergeburtstag/ bei der Patentante oder was weiß ich. Er hat auf jeden Fall einen tollen Tag. Ich gehe mit dem Kleinen ein Eis essen o.ä und der Große flippt aus, weil er an dem Tag kein Eis hatte, wobei völlig außer Acht gelassen wird, was er stattdessen alles erlebt oder gegessen hat.
      Der Kleine schläft oft alleine ein und durch. Der Große liegt in meinem Bett und schreit rum, wie unfair es sei, dass der kleine Bruder beim nächsten Nachtdienst meines Mannes, neben mir schlafen darf (die Jungs wechseln sich da immer ab.) Er motzt also, obwohl er selbst gerade außer der Reihe neben mir schlafen darf, weil Angst in seinem Zimmer hatte, während der Kleine mal wieder alleine in seinem eigenen Bett schläft. Was ist das für eine Wahrnehmung?

      Ich halte es ehrlich nicht mehr aus. Alles Erklären, Meckern, Weg schicken oder was auch immer kommen nicht an. Er empfindet es wirklich so und ich kann ihm auch nicht helfen. Es ist für mich einfach nicht nachvollziehbar. Ich habe schon überlegt, einfach alles Schöne zu streichen, damit er mal merkt, wie gut er es eigentlich hat. Aber das ist ja auch einfach nur blöd.
      Ich kann ihn aber kaum mehr um mich herum ertragen. Irgendwas muss sich da tun.

      Habt ihr Tipps/ Erfahrungen?
      Liebe Grüße!#winke

      • Woher kenne ich das nur? Woher kenne ich das nur?
        Ach genau – von unserer Beute Kindern zwölf und acht. Den ganzen Tag das gleiche. Alles ist ungerecht und unfair und so weiter und so weiter

        Meiner Meinung nach ist das einzige was in dieser Situation hilft eine ganz klare Ansage. Ich verbiete meinen Kindern wenn sie diesbezüglich meckern auch mal den Mund und sage ich möchte das nie wieder hören. Etc. Manchmal zähle ich auch auf warum etwas mir gegenüber ungerecht ist.

        Und bei meinen Kindern ist es mittlerweile wirklich selten.

        Konsequent und gegebenenfalls mal laut erklären. Zeigen wo der Hammer hängt!

        Viel Kraft wünsche ich dir

        Ich war auch ein "unfair"-Kind. Meine Schwester durfte gefühlt alles - und ich bekam nicht mal ein Butterbrot. (Überdramatisiert).
        Meine Mama hat das eisern gelöst: Keine extrawürste mehr, jedes Mal bei einem "das is unfair!" Kam zurück "Ach du armes armes Hascherl. Dann gibt's halt nächstes Mal gar nichts mehr". Und es gab nichts mehr.
        Lass dich nicht irre machen. Diese drastische Methode meiner Mama hat wirklich gut gewirkt. Vielleicht solltest du es auch mal so probieren.

        • Lieben Dank für deine Antwort! Es ist gut, so ein Empfinden mal aus der anderen Perpektive zu hören. Und vor allem, dass du die "harten Bandagen" im Nachhinein als gut empfunden hast.
          Ich habe einfach Sorge, dass er sich wirklich "ungerecht" behandelt fühlt (warum auch immer, vielleicht weil ich ein echtes Bedürfnis nicht erkenne und er es über solche Sachen kompensiert#gruebel). Wenn dem so sei, wäre erzieherisches Vorgehen im Sinne von Sachen streichen natürlich kontraproduktiv.
          Ich will da keine echte emotionale "Not" übersehen. Schwer zu erklären.
          Lieben Dank nochmal!

          • Ich glaube du machst dir da zu viele Gedanken. Oder vielleicht eher dein Herz als dein Kopf?
            Objektiv gesehen mangelt es ihm ja an nichts und er regt sich über Sachen auf, die Kinkerlitzchen sind.
            Ich verstehe deine Angst. Als neutrale Aussenstehende sehe ich wirklich keine Übervorteilung des kleinen Bruders. Vielleicht ist der junge Mann aber auch mittlerweile so daran gewöhnt, der Bestimmer zu sein und versucht seine "Macht" zurückt zu erkämpfen, die er gefühlt mit dem Bruder teilen muss, dass er zu härteren Bandagen greift und dich emotional erpresst. Kinder sind manchmal ziemlich durchtrieben 😆

            • Da könntest du sehr gut mit allem recht haben.#schwitz
              Immerhin ist es ihm schon etwas unangenehm, wenn er merkt, dass er "falsch" gelegen hat. Ich werde es mal mit etwas "krasseren" Reaktionen versuchen. Grundsätzlich hat es bisher immer gut über Einsicht funktioniert und ich musste meine elterliche Macht nur selten "ausnutzen". Aber bei diesem Thema scheint es schwieriger zu sein.
              Lieben Dank!

      Nicht genug Nutella auf dem Brötchen? Na dann her damit, ein trockenes Brötchen ist vielleicht dann besser (dann auch durchziehen).

      Nur der Kleine bestimmt im Auto die Musik? Gut, dann soll er sich merken, wie es die letzten 2 Wochen war, in den kommenden 2 Wochen wird nämlich tatsächlich mal nur der Kleine die Musik bestimmen.

      Nur der Kleine bekommt ein Eis? Okay, die nächste Geburtstagseinladung (oder Spieleinladung) wird rigoros abgesagt, Eis scheint ja toller zu sein.

      Das Bürschli sollte mal wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht werden und zufrieden sein mit dem, was er hat, statt zu meckern darüber, was er vielleicht (!) NICHT hat.

      Grüsse

      • An sich hast du ja vielleicht keinen schlechten Ansatz aber bei einer Sache würde ich ein wenig aufpassen. Nämlich den kleinen dann offensiv zu bevorzugen/entscheiden zu lassen. Ich denke das führt zu Wut/Hass auf den Kleinen.

    (9) 27.05.19 - 21:07

    Ich würde sagen, er hat Deinen wunden Punkt getroffen.
    Du bist (wie Dein Sohn) der Meinung, das 'fair' 'gleich' bedeutet. Aber das ist nicht so. Fair bedeutet, das die Bedürfnisses eines jeden gleichwertig berücksichtigt werden. Aber die Bedürfnisse jeden Individuums sind nunmal unterschiedlich.

    Dein Grosser hat anscheinend mehr als der Kleine das Bedürfnis bei Euch zu schlafen. Gut: Schläft er halt öfter bei Euch. Dein Kleiner will vielleicht mehr mit Dir auf dem Sofa kuscheln. Gut: Macht er das.

    Der eine mag sein Nutellabrot gerne mit viel Nutella ohne Butter, der andere mit viel Butter und wenig Nutella. Fair ist, wenn jeder sich sein Brot so streichen kann, wie er mag und nicht wenn jedes Brot exakt gleich gestrichen ist.

    Grüsse
    BiDi

    • (10) 28.05.19 - 06:48

      Genau das versuche ich ihm ja beizubringen. Denn er darf ja bei uns schlafen, hat bei Kindergeburtstagen Spaß, durfte entscheiden, als der Kleine es noch nicht konnte, wird gekrault, während der Kleine das nicht mag. Es zählt nur einfach nicht für ihn. Aus mir unerklärlichen Gründen hat er trotzdem immer was zu meckern seit einer Weile. Wir können den schönsten Tag mit allem möglichen Naschkram o.ä. im Tierpark haben. Ein anderes Kind bekommt am Ende Pommes, meine nicht, weil es abends Pizza gibt (auch Schrott genug ;-)) und er motzt als hätte ich ihn den Tag über bei Wasser und Brot im Zimmer eingesperrt. :-(

Hallo,

ich kann mir schon vorstellen, dass die hier vorgeschlagenen Methoden erfolgsversprechender sind, aber ich mach das trotzdem anders.

Solange ich die Kraft hab, wende ich aktives Zuhören an. Also auf: "Das ist unfrair etc.," antworte ich:

"So empfindest du das. Du findest, du wirst weniger berücksichtigt als dein Geschwister."
"Ja!"
"Du hast das Gefühl, deine Bedürfnisse werden weniger gesehen als die anderer Familienmitglieder?"
"Ja, mein Geschwister bekommt immer alles und ich nie!" ... usw usf. Das geht dann ganz unterschiedlich weiter. Manchmal finden wir friedliche Lösungen, manchmal kann ich nur mit dem Kind das Bedürfnis, welches dahinter steht aufdecken, aber wir müssen die Situation trotzdem aushalten, weil ich es gerade nicht ändern kann oder will.

Ich mach das, weil ich zum einen will, dass meine Kinder erkennen, welche echten Bedürfnisse hinter ihren Äußerungen stecken, sie also mit sich selbst in Kontakt kommen und auch zur Empathieschulung. Auch für mich. Ich bin genervt bei diesen Vorwürfen unfair zu sein, erkenne ich aber mit meinem Kind, dass es einfach gerade nur spüren will, wie wichtig es für uns ist, fällt es mir nicht schwer mit ihm nach Lösungen zu suchen. Und das ist es meistens: Das Bedürfnis, für andere wertvoll zu sein.

ABER wenn ich genervt und gestresst bin, erlaube ich mir auch zu sagen:" Ok du findest das unfair, ich hab es gehört, wir machen das jetzt aber trotzdem so." ;-)

Liebe Grüße

  • Lieben Dank für deinen Beitrag! Ich bin einfach unsicher, ob er motzt, weil er verwöhnt ist in Sachen "bestimmen dürfen" oder weil er sich wirklich weniger wertgeschätzt o.ä fühlt. Er ist dann auch schnell so heulend/ wütend, dass er mir nicht hilfreich antworten kann, wenn ich versuche, den Hintergrund herauszufinden. Ach man...

    • Hallo,

      also von dem was ich hier gelesen habe, würde ich sagen - er ist einfach verwöhnt. Nicht hinter allem steckt ein tiefschürfender Hintergrund - er hat bisher die erste Geige gespielt und nun sieht er seinen Prinzenstatus bedroht. Dem solltest Du rigoros entgegensteuern - weinerliche Kinder, die alles gegeneinander aufrechnen und sich immer unfair behandelt fühlen, kann niemand leiden - erst Recht nicht in der Schule.

      LG

(16) 29.05.19 - 20:34

Meine Tochter ist grad ganz genauso (meine sind fast gleich alt wie deine :D)
und ich höre zur zeit öfter das ich ihren Bruder ja mehr lieb hätte wie sie, da werd ich allerdings auch mal sauer.

Ich weiss aber definitiv das bei ihr emotional was dahinter steckt...sie kommt jetzt bald in die Schule, wächst grade, entwickelt sich wieder enorm, sie braucht viel viel mehr Liebe und bestätigung wie ihr Bruder (der allerdings ihr verhalten leider kopiert und sich dann auch ungeliebt fühlt :x)

Es nervt JA, aber ich gehe recht flexibel damit um, ich erkläre ihr logisch wieso das was sie sagt keinen Sinn macht und wieso das nicht so ist wie sie es hinstellt und sie weiss das aber auch selbst sehr gut, ich sehe in ihren Augen ganz genau das sie mich grade einfach mehr braucht, viel viel mehr,seeeeeehr viel mehr im grunde soviel mehr das ich ihr nicht gerecht werden kann da sie grad einfach in sich gekehrt ist, quasi LOST, sie hat grad eine kleine Mini Krise....und wenn ich das so lese von dir, würde ich tippen das es deinem Spatz genauso geht, er weiss grad nicht wohin mit sich,wo sein Platz ist und lässt so einfach die gefühle raus die er nicht zuordnen kann :)

Viel Kraft und viele gute Nerven...vllt ist das Gewünschteste Wunschkind aller Zeiten Buch Teil 2 was für dich...ich kam selbst noch nicht zum lesen,weiss aber schon von anderen das es genau DA durch hilft , Wackelzahnpupertät :)


LG

Ich denke, dass dein Großer sich hinter dem kleinen zurückgesetzt fühlt, egal ob er es jetzt ist oder nicht.
Was da meist hilft ist, auf seine Gefühle und weniger auf den Inhalt seiner Beschwerde einzugehen.
Also: "Nutella ist sooo lecker. Da hättest du sicher gerne eine Schicht, die dicke rist, als das ganze Brot!" oder: "Eis ist echt sooo toll. Welche Sorte hättest du denn gerne gehabt?" oder: "Bei mir zu liegen ist wirlich schön, nicht? Dann haben wir es immer so kuschelig. Am liebsten würdest du sicher immer bei mir schlafen?"

Tatsächlich ist es damit meist gegessen. Das Kind fühlt sich verstanden und kann dann damit umgehen.
Als ich den Tipp das erste Mal las hatte ich Sorgen, dass es das viel schlimme rmacht, aber es hat die Situationen tatsächlich entschärft.

Was ein ganz tolles Buch ist, dass ich jeder Mehrfachmama empfehlen kann: "Hilfe, meine Kinder streiten!" von Fabe rund Mazlish.

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