Kind hat Angst vorm Sterben/Möchte nicht sterben

    • (1) 04.07.19 - 08:11

      Hallo zusammen,

      meine Tochter ist 5 Jahre alt und hat immer wieder Fragen zum Thema Tod. Da wir nicht religiös sind, haben wir ihr kindgerecht anhand des Films „Küss den Frosch“ versucht zu erklären, dass wir Menschen nach dem Tod zu Sternen werden.
      Das hat ihr bisher immer gereicht. Sie weiß, dass der Körper dann nichts mehr spürt und es nach dem Tod „schön“ sein wird.

      Nun gab es einen Unfall vorm Kindergarten, den die Kinder zwar nicht unmittelbar mitbekommen haben, aber sie dennoch mitgenommen hat.
      Gestern hat sie mir dann weinend vorm zu Bett gehen erzählt, dass sie nicht sterben möchte. Nie. Auch nicht, wenn sie so alt wie Oma ist.

      Nun bin ich auf der Suche nach Tipps, Erfahrungen und guten Kinderbüchern, die dieses Thema kindgerecht und nicht (allzu) religiös aufgreifen.
      Habt ihr Ideen? Ist das bei euch auch ein Thema?

      Liebe Grüße

      • In Januar ist die Mutter meiner besten Freundin gestorben. Sie war für mich auch soetwas wie eine "Mama" und in gewissem Maße eine "Oma" für meine Tochter.
        Allerdings sind wir religiös.
        Noch am selben Abend haben wir einen Stern ausgesucht, den L jetzt bewohnt und nachts vom Himmel aus zu uns herunter schaut und sie betet jeden abend für L. Sie weiß, dass L im Himmel ist, zusammen mit der Schnecke die sie mal überfahren hat und meinem Opa und vielen anderen lieben Leuten und Tieren.
        Natürlich hat sie mich auch gefragt wann sie stirbt und wie das dann ist und dass sie das nicht will. Ich will das auch nicht und mir macht es genauso Angst, dass es irgendwann vorbei ist. Aber leider kann man nichts dran ändern.
        Ich hab versucht ihr zu erklären, dass Kinder nur ganz ganz selten sterben und auch nur wenn sie sehr krank sind. Dass es für alte, schwache oder kranke Menschen meistens sogar befreiend ist, das es zu Ende geht und das niemand so ganz verschwindet.
        Für sie ist es halt sehr tröstlich, das es den Himmel und den lieben Gott gibt.
        Ich finde den Film Coco auch ganz toll zu diesem Thema. Da ihr Disney mögt vielleicht auch eine Idee?

        • Danke für deinen Erfahrungsbericht!

          Den Film Coco haben wir tatsächlich erst letzte Woche gekauft, jedoch wissen wir noch nicht, ob er bereits etwas für sie ist. Wir wollten ihn erst einmal alleine anschauen...

          Kann man ihn deiner Erfahrung nach gut mit einer fast 5-Jährigen anschauen?

      Hallo

      habt ihr einen konkreten Anlass oder warum wird das Thema so stark bei Euch thematisiert?
      Ansonsten würde ich einfach eher versuchen, dem nicht soviel Raum zu geben.
      Ich möchte auch nicht sterben und wenn meine Söhne manchmal mit dem Thema anfangen, sprechen wir kurz darüber aber gehen dann relativ schnell auf die schönen Dinge des Lebens ein die wir noch so alle erleben wollen. ;-)
      Also wenn ein Anlass besteht finde ich es auch wichtig darüber zu sprechen, aber ansonsten finde ich kann man ein solches Thema auch eher mal "übergehen" - zumindest machen wir das so.

      Alles Gute!

      • Meine Mutter ist bereits seit 20 Jahren tot und sie fragt, wo die andere Oma ist. Und sie fragt mich auch immer, wie meine Mama so war usw.

        Dann gab es diesen Vorfall im Kindergarten gestern. Und sie ist grundsätzlich irgendwie sehr sensibel und total interessiert an dem Thema. Einen konkreten Todesfall hatten wir bisher aber noch nicht, bis auf ein paar tote Vögel, Mäuse etc.

        Ich bin sehr religiös aufgewachsen. Meine Mutter ist gestorben, als ich 16 war. Mir hat dieses "Wir reden nicht über dieses Thema" eher Angst vor dem Tod gemacht und ich merke, wie sich das bis ins Erwachsenenalter zieht.

        Deswegen möchte ich das Thema offen kommunizieren. Der Tod gehört zum Leben, wird aber nur in unserer westlichen Kultur so aus dem Leben "verbannt".

        Letztens habe ich den schönen Satz gelesen "Tod ist wie Geburt, nur andersrum" ;-)
        Wenn meine Tochter Fragen hat, möchte ich ihr diese so gut und so ehrlich wie möglich beantworten. Aber eben auch kindgerecht. Dies ändert sich ja immer wieder mit den Jahren.

        Jedenfalls möchte ich vermeiden, dass sie ins "kalte Wasser" geworfen wird, sollte irgendetwas passieren. Und das kann leider jeden Tag sein. Sie soll aber auch wissen, dass es nichts schlimmes ist, man aber dennoch traurig sein darf.

        Alles irgendwie schwierig :-(

        • Nein, ich meinte auch nicht das Thema "totschweigen".
          Aber ich finde es gibt einen Unterschied zwischen offen über das Thema sprechen, aber dann auch wieder sich anderen Dingen zuwenden und das Ganze mit Büchern etc. zu thematisieren.
          Aber das muss ja jeder für sich wissen.

          Meine Tochter ist auch 5 und als letztes Jahr unser Hund starb war der Tod auch großes Thema bei uns. Wer wann stirbt und was dann passiert, warum, wie gemein das ist. Sie hat auch oft gesagt sie will nicht sterben und wenn dann nur mit mir zusammen.
          Ich habe einfach immer wenn sie Bedarf hatte mit ihr drüber geredet, sie in den Arm genommen und versucht mir dann ganz Zeit für sie zu nehmen. Das Ganze ging über ein halbes Jahr lang. Dann war es auf einmal erledigt.
          Ich habe auch ein Buch gekauft und Coco mit ihr angeschaut. Aber im Endeffekt hatte ich das Gefühl dass es ihr am meisten gebracht hat dass ich einfach offen mit ihr drüber geredet habe und für sie da war als sie das Thema beschäftigt hat. Es war allerdings schon oft ein Drahtseilakt die Wahrheit so kindgerecht wie möglich zu verpacken.

          Ich glaube mit ihr darüber reden und für sie da sein ist jetzt das Beste was du für deine Tochter tun kannst.

    Hallo!

    Kinder gehen mit den Themen Tod und Trauer ganz anders um als Erwachsene. Erwachsene versuchen die Themen eher zu vermeiden und nicht offen darüber zu reden. Kinder sind da unbefangen, noch nicht so stark geprägt von der Gesellschaft und von Natur aus Neugierig. Ich finde es erstaunlich von Deiner Tochter, dass sie ihre eigene Endlichkeit schon begreift. Ist sie insgesamt ein sensibles Kind?
    Weil Deine Tochter mit Angst auf das Thema reagiert würde ich es auf jeden Falls mit Ihr thematisieren. Ich würde mit dem Kindergarten auch darüber sprechen, wie sie den Unfall mit den Kindern im Kindergarten besprochen haben.

    Ich bin gar kein Fan von Filmen, um Kinderthemen zu besprechen. Ich finde es eher unkommunikativ einen Film anzusehen. Ich bin mir auch sicher dass Filme in Spielfilmlänge Kinder in dem Alter oft noch überfordern und plädiere für Bücher bei so einem Thema. Da hat man einen besseren Zugang zu den Gefühlen und kann besser über die Bilder und den Inhalt ins Gespräch kommen und Pausen zwischen dem Lesen machen.

    Bücher, die ich gut finde sind
    Die beste Beerdigung der Welt
    Der Baum der Erinnerung

    Ich hoffe sehr, dass ich Dir etwas helfen konnte!

    • Danke für deinen Beitrag!

      >> Ich finde es erstaunlich von Deiner Tochter, dass sie ihre eigene Endlichkeit schon begreift.<<

      Ich habe erst gestern einen Vortrag eines Notfallpsychologen gehört, da hat er Kinder auch grob in Altersgruppen gegliedert. Kinder von 3-6 wissen wohl, dass andere sterben, begreifen aber noch nicht, dass sie selber auch sterben müssen. Umso erstaunter war ich auch, weil sie wirklich nur von sich gesprochen hat.

      >>Ist sie insgesamt ein sensibles Kind? <<
      Ja, ist sie. Ich weiß nicht, ob man sie schon "hochsensibel" nennen kann, aber viele Dinge nehmen sie oft tagelang mit.

      Vielen Dank für deine Buchtipps. Die werde ich gleich mal recherchieren...

      • Da hat Deine Tochter eine tolle Fähigkeit und wenn Du mit der Sensibilität gut umgehen lernst wird sie sie selber sicher auch gut nutzen können!

        Hey,

        hast du eine Quelle dazu? Meine Tochter ist 3 und sie hat auch sehr viele Fragen zum Tod und dem danach. Und vor ein paar Tagen meinte sie das erste Mal, wie traurig es ist, wenn sie sterben muss und dass sie nicht sterben will.
        Ich finde es genau wie du sehr schwer, damit richtig umzugehen. Ihr einerseits ihre Fragen zu beantworten und andererseits keine Ängste entstehen zu lassen.

        Liebe Grüße

        • Ja, das ist gar nicht so einfach. Mir hat der Vortrag vom Notfallpsychologen da auch sehr geholfen. Seine Tipps fand ich sehr gut. Meinst du die Quelle des Vortrags?

          Habe ich auf Youtube gehört: "Gernot Brauchle: Wie man mit Kindern über den Tod spricht"

Also, berichtige mich falls ich falsch liege, aber Leichen werden zu Sternen? 🙈 Die Uroma von unserem Sohn wurde beerdigt als er eineinhalb Jahre war und wir haben in dem Alter schon klar gesagt dass die Oma in dem Sarg liegt und wir sie vergraben. Beim nächsten Friedhofsbesuch hat er mit den Händen versucht sie auszugraben, das war ein bisschen schräg und wir haben gesagt dass die Oma ganz ganz alt war und jetzt ihre Ruhe genießt/braucht ,weiß nicht mehr genau. Und wenn wir jetzt das Thema haben (er ist jetzt drei) dann sagt er auch dass, wenn Mama und Papa sterben er ein Loch gräbt und uns da rein legt. Und wenn er mal alt ist wird er auch vergraben. Und letztens lag ein toter Vogel im Garten, den wollte er auch vergraben, den hat sich dann aber die Katze geschnappt 😲 also wir gehen sehr offen und locker damit um. Sterben gehört zum Leben 🤷‍♀️

  • ..."Leichen werden zu Sternen..." ernsthaft? So was wie ne Seele kennst du nicht?

    • Selbst wenn es Seelen geben sollte, werden diese nicht zu Sternen 🤪

      • Wie kann man nur so herzlos und kalt sein...

        • Herzlos und kalt? Echt jetzt? Mir ist nicht bekannt dass es Seelen erwiesenermaßen gibt und selbst wenn, dann werden die nicht in einem merkwürdigen Prozess auf einmal zu Gasanhäufungen im Weltall 🤷🏻‍♀️ Der Mensch verwest im Boden,wird von Käfern und Bakterien zersetzt. Was ist daran falsch oder herzlos?

          • Das ein Mensch eben nicht nur aus Fleisch und Knochen besteht. Was is dann dein Bewusstsein? Elektrische Impulse in deinem Gehirn? Was tut weh, wenn du einsam bist, traurig? Sind das alles nur Reflexe? Was is Liebe?
            Sorry aber diese Einstellung finde ich wirklich krass.
            Es geht nicht darum, dass das Kind wissenschaftlich aufgeklärt wird. Ich hoffe du erzählst deinen Kindern dann konsequent auch nicht vom Nikolaus, dem Osterhasen, Christkind oder der Zahnfee. Die gibt's erwiesenermaßen auch nicht. Trotzdem wird es den Kindern weltweit erzählt. Einfach weil es schön ist und gut tut, weil sowas den Zauber der Kindheit prägt.

            (23) 07.07.19 - 01:52

            Du,meine Kids sind auch aufgeklärt...auch über deine erwähnten Fantasie Figuren...und stell dir vor, der Zauber wohnt hier trotzdem ;)

            Aber trotz der aufklärung glaube ICH zb an Seelen und das sag ich meinen Kids...aber ich stell es nicht als das richtige hin...sie wissen das manche an gott glauben,an engel,an seelen,an garnichts,an reinkarnation (das ist was ich ebenfalls glaube und dann sitzen meine Tochter und ich manchmal da und philosophieren als was wir wieder kommen wollen)

            Herzlos und kalt ist das sicher alles nicht...jeder hat seinen eigenen Glauben und wenn sie eben an nur wissenschaft glaubt,ist das vollkommen ok.
            Fakt ist das die Hülle eben unter der erde liegt,verwest und gefressen wird von würmern und maden usw ^^ alles weitere handhabt jeder wie er es eben meint.

So haben wir das auch erklärt, leider waren unsere Omas schon früh gestorben und die Kids demnach auch auf Beerdigungen...
Zu Sternen möchte ich nicht sagen,denn meine Kids vor allem die große liebt das Weltall...der Gedanke das Sterne lauter tote sind ist doch iwie creepy xD
Nein da möchte ich doch eher realistisch bleiben,grad wenn man nicht religiös ist.

Wir gehen auch offen damit um und ich habe das Anhand des kreislauf des Lebens erklärt und oft hat man eben auch das "unnatürliche" sterben.

Angst haben beide Kids bisher nicht vom Tot gehabt,lediglich 1x meine Tochter das ich sterbe und da habe ich offen gesagt das ich ihr nicht versprechen kann es nicht zu tun,denn morgen könnte mir ja auch was passieren...aber gesundheitlich ist es unwahrscheinlich und auch ein Unfall kann passieren ist aber eher unwahrscheinlich...damit war sie Zufrieden...das Thema kann man einfach nicht wirklich "schön" reden,es ist wie es ist...sterben gehört zum leben dazu.

  • Danke für deine Antwort, ich hatte einfach keine Lust mehr mehr mich für die Realität zu entschuldigen 🤔 Ich bin halt eher auf der wissenschaftlichen Schiene unterwegs und finde das auch keinesfalls falsch oder herzlos. Wie gesagt, Weihnachtsmann und Co. werden hier nicht gehypt aber auch nicht abgetan. Wir als Eltern sind generell sehr pragmatisch eingestellt,aber ich finde das gut so. Außerdem ist es sehr niedlich wenn ein dreijähriger Dinge erklärt ohne das schmusi schmusi und einfach Fakten auf den Tisch knallt. 😁 Heute früh hat er gefragt wie die Kuhmilch in das Tetrapak kommt, da hab ich auch mit der Besamung der Kuh begonnen und der Produktion von Kalbfleisch geendet. Nur so lernen sie doch.

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