Tod ohne Zusammenhang besprochen

    • (1) 06.07.19 - 12:46

      Hallo Zusammen,

      unsere Tochter wird diesen Monat drei Jahre alt. Gestern ist ihre Oma mit ihr im Friedwald spazieren gewesen, hat ein Picknick gemacht und ihr dann vom Opa erzählt. Opa ist vor über 7 Jahren gestorben. Schnell und nicht schön nach einem Gehirntumor.
      Unsere Tochter hat nie von diesem Opa gewusst. Wir haben ihn nie absichtlich erwähnt (aber auch nicht verschwiegen) und ihr ist bisher nie aufgefallen, dass einer fehlt, obwohl die andere Oma noch ihren Opa hat.

      Die Oma hat sich offensichtlich nicht auf das Thema vorbereitet, nicht mit uns darüber im Vorfeld gesprochen und anscheinend seinen Leidensweg (Rollstuhl etc.) beschrieben. Ich finde das alles ein bisschen heftig für U3. Unsere Tochter wollte nun gestern nicht bei der Oma schlafen und wollte immer über den kranken Opa sprechen bis nachts um elf.
      Ich hab im Affekt ein Donnerwetter der Oma gegenüber losgelassen. Daraufhin hat sie den Kontakt zu mir und der Enkelin abgebrochen.

      Das Oma-Problem löse ich schon irgendwie, weil ich glaube, dass sie eh keinen Kontaktabbruch für immer wünscht.

      Aber wie gehe ich das Thema mit unserer Tochter an? Wir hatten eigentlich vorgehabt zu warten, bis der Fall „Tod“ tragischerweise aktuell wird, oder falls sie anfängt zu fragen, warum nur ein Opa da ist oder so in der Art.

      Soll ich es jetzt ruhen lassen? Selbst das Gespräch mit ihr Suchen?

      Ihr dürft auch gerne einen Kommentar hier lassen, ob es ok ist, dass man aktiv das Thema einem Kind zuträgt in dem Alter. Ist meine Einstellung da übertrieben? Ich hatte das Bedürfnis sie zu schützen, damit sie nicht „einfach so“ mit dem Thema Tod belastet wird.

      Vielen Dank schon mal
      Laura

      • (2) 06.07.19 - 14:25

        Ich würde auf sie hören.
        Wenn sie das Gespräch sucht, dann beschäftigt sie das Thema und dann würde ich sie nicht abweisen (wirkt jetzt auch nicht so, als ob du das tun wolltest). Wenn das Thema für sie erledigt ist, dann muss man es ihr auch nicht aufzwingen.
        Meine Mutter hat in Bezug auf (Klein-)Kinder immer gesagt: Beantworte nur die Fragen, die sie wirklich stellen.

        Wenn sie nachfragt, kannst du ihr das Thema mit Büchern erklären, zum Grab gehen, o. Ä. Wenn ihr gläubig seid, habt ihr da ja auch eine Hoffnung, die ihr ihr vermitteln könnt. Ich denke, dass das das Thema für Kinder auch leichter macht.

        • (3) 06.07.19 - 16:04

          So war auch eigentlich unser Gedanke. Wenn sie mal fragt, oder das Thema auf Grund von Bildern oder so aufkommt, würden wir das natürlich mit ihr besprechen.

          Auch den Aufenthalt dort finde ich per se nicht schlimm. Aber ich glaube von nem Tierpark hätte unsere Tochter mehr gehabt...

          • Sind eingesperrte Tiere, die mit Tieren gefüttert werden, die für die Besucher nicht (oder nicht mehr) attraktiv sind, besser für kleine Kinderseelen geeignet als Erinnerungen an ihren Großvater?
            Dass auch die Krankheit ein Thema war, finde ich durchaus sinnvoll.

            Die Geschichten, jemand wäre einfach so "eingeschlafen" z. B. schüren bei Kindern ja leicht Ängste vor dem Schlafen gehen, da ist es doch vernünftig, dem Kind zu erklären, dass er alt und sehr schwer krank war. Ich gehe dabei natürlich davon aus, dass sie dem Kind nicht detailliert erklärt hat, wie schlimm die Schmerzen waren, die Medikamente irgendwann nicht mehr gewirkt haben und der Opa möglicherweise unter Qualen verstorben ist. Einen Rollstuhl (den man täglich auf der Straße sehen kann) zu erwähnen, ist ja nicht sonderlich grausam.

            • Naja, es ging um ein Wildgehege, da sieht man eher selten Tiere Tiere fressen 😉
              Und wir haben zuhause eine Katze. Die frisst Mäuse. Bzw schleppt sie an und spielt damit. Das bekommt unsere Tochter mit. Da haben wir schon mit ihr gesprochen.

              Das mit dem Rollstuhl an sich finde ich auch nicht schlimm, aber ich finde, die Details wie es dazu kam hätte man wirklich weglassen können.
              Schön, dass du davon ausgehst... die Oma ist manchmal ne Wundertüte, wenn es um sowas geht.

      (6) 06.07.19 - 14:33

      Ich würde erstmal abwarten, ob die Kleine das Thema wieder aufträgt.
      Ich frage mich eher, warum die Oma mit dem Kind im Friedwald picknicken geht. Das ist igendwie makaber...
      Es is zwar jetzt alles nicht so toll gelaufen, abschirmen von Krankheit und Tod finde ich aber auch nicht ganz korrekt. Wie ist die Oma eigentlich auf das Thema gekommen? War vielleicht Todestag oder vermisst sie ihren Mann generell sehr?

      • (7) 06.07.19 - 16:06

        Sie hängt sehr an ihrem Mann und kommt nicht über den Verlust hinweg. Will sich da aber auch nicht helfen lassen.
        Wir haben in den letzten Jahren mehrfach das Gespräch gesucht. Aber sie sagt immer, ja macht sie, aber dann passiert doch nichts. Das ist aber dann auch ihre Sache. Mehr als Hilfe und Unterstützung anbieten können wir ja auch nicht.
        Ich wüsste jetzt nicht, dass ein besonderer Termin anstand.

        Wie kommt man wohl auf das Thema Verstorbener Mann, wenn man ihn im Friedwald "besucht"?

        • Ich denke eher, dass die Frage war: Wie kommt man dazu mit einem Kind in den Friedwald zu fahren zum picknicken.... war sicher irgendein Gedanktag für sie.

          • (10) 08.07.19 - 12:22

            Dafür sind m. E. Friedwälder gedacht, deshalb wunderte mich die Frage und auch die Bemerkung, das wäre makaber.

            Meiner Ansicht nach war das eine durchaus sinnvolle Aktion, die dazu hätte führen können, das das Kind einen natürlicheren und weniger verkrampften Umgang mit dem Thema lernt und wenn die Großmutter gerne dort ist, kann sie doch den Besuch ihrer Enkelin gut damit verbinden.

            • Ja... was weiß ich... vielleicht hätte man vorher ma kurz sagen können

              "Ach du, ich hab vor mit Petra zum Friedwald zu gehen, heute vor 65 Jahren war unsere Kennenlernen, da würde ich gerne mit Ihr dort picknicken und von Karl erzählen... ist das ok für euch?"

              Vielelicht kommt das hier auch noch dazu, das "nicht gefragt woren sein, nicht Bescheid gewußt haben"

              Hätte ja auch sein können, dass sie mit dem Kind zum ersten mal in den tollen Riesenzoo geht und dann hätte die Mutter sich acuh aufgergt, wenn sie es nicht gewußt hätte, weil sie da mit der Kleinen selbst zum ersten mal hingehen wollte....

      (12) 10.07.19 - 15:23

      "Ich frage mich eher, warum die Oma mit dem Kind im Friedwald picknicken geht. Das ist igendwie makaber... "

      Ein Friedwald ist ein ganz normaler Wald. An verschiedenen Bäumen hängen eben Plaketten für Verstorbene - und das nicht einmal immer. Dort kann man sehr schön sitzen, picknicken und ggfs eben auch an die Verstorbenen denken und die Natur genießen.

      Andere gehen für die Grabpflege mit den Kindern auf den Friedhof - ist auch nichts anderes. Oder laufen mit den Kindern über den Friedhof und schauen alte Gräber an.

      Makaber ist das nicht.

(14) 06.07.19 - 15:41

Du gehst davon aus, dass das Thema belastend für dein Kind ist. Normalerweise gehen Kinder in dem Alter völlig neutral mit dem Thema um.
Das Donnerwetter der Oma gegenüber ist natürlich völlig daneben. Sie wollte doch wahrscheinlich nur, dass die Kleine was über ihren Opa hört, und nicht primär das Thema Tod besprechen.

  • (15) 06.07.19 - 16:10

    Ja, da bin ich vllt etwas über das Ziel hinaus geschossen. Aber sie hat ja nicht nur über Opa an sich gesprochen, sondern auch explizit den Krankheitsverlauf besprochen. Das fand ich halt nicht so passend.
    Und wir verschweigen den Opa ja auch nicht. Da gibt es keinen Grund zu. Hätte ich denn ihr gegenüber da gar nichts sagen sollen?

    • (16) 07.07.19 - 17:39

      Und wenn der Opa noch leben würde und im Rollstuhl säße bekäme sie das auch alles mit! In meinen Augen bist Du mehr als nur etwas übers Ziel hinausgeschossen. Kinder gehen mit dem Thema sehr unbefangen um und schauen sehr wie wir Erwachsene damit umgehen. Im Prinzip macht das die Oma in meinen Augen besser indem sie "normal" darüber redet und vermittelt dass Tod und Krankheit nichts Schreckliches sind als Du. Du vermittelst Deinem Kind doch gerade mit dem Tamtam den du über die Sache veranstaltest dass es ein schlimmes Thema sein muss!

      Und jeder verarbeitet Tod und Trennung in einer Art und in einem Tempo wie es ihm selber gut tut, es steht keinem Außenstehenden zu darüber zu urteilen wann man sowas verarbeitet haben muss, bzw ab wann man dem Betroffenen zugesteht es verarbeitet zu haben. Meist verarbeiten Menschen gerade aus diesem unmöglichen gesellschaftlichen Druck solche Sachen nicht sondern verdrängen sie und versuchen wieder zu funktionieren nur damit keiner redet man habe was nicht verkraftet. Überdenke lieber mal DEINE Einstellung zum Umgang mit Trauer und Tod als dass Du der Oma die Leviten liest für die es anscheinend zum Alltag dazu gehört.

      (17) 09.07.19 - 13:22

      Schon mal der Gedanke gekommen, dass "der Krankheitsverlauf" gleichbedeutend mit "die letzten Lebensmonate/jahre von Opa" ist, also seine Lebenszeit (und damit ihre gemeinsame Lebenszeit) .

      (18) 10.07.19 - 15:29

      Hi,

      natürlich hättest du der Oma gegenüber etwas sagen dürfen. So in der Art "es ist schön, dass du xy vom Opa erzählst, aber lass die Details zur Krankheit weg - dafür ist sie zu klein. Das versteht sie nicht. XY hat deshalb den ganzen Abend keine Ruhe gefunden"

      Ich verstehe auch nicht, warum ihr eurer Tochter nicht vom verstorbenen Opa erzählt.
      Gibt es keine Fotos von ihm in der Wohnung von der Oma? Oder bei euch?

      Mein Opa lebt auch seit über 20 Jahren nicht mehr, aber ich habe unserem Sohn auch als Kleinkind erzählt, dass der Mann an der Seite der Uroma sein Uropa ist. Oder dass die Plaketten über Zollwettkämpfe der Hundeführer vom Uropa sind. Irgendwann kam die Frage danach, wo denn der Uropa ist und warum wir ihn nicht besuchen. Das haben wir erklärt und damit war es für meinen Sohn ok.

      Gibt es denn nichts schönes, was ihr vom Opa erzählen könnt? Ihr verschweigt ihn, als wäre er ein schlimmer Mensch gewesen. Erzählt von ihm - er gehörte zu eurer Familie und sicher gibt es lustiges, schönes zu erzählen. Das wird ganz sicher auch der Oma helfen, denn ich kann mir vorstellen, dass sie das Gefühl hat, dass sie ihn einfach vergessen soll.

      Gruß
      Kim

(19) 06.07.19 - 15:51

Hallo,
ich finde so detailliert mit krank, Rollstuhl, Leid, muss man das einer nicht ganz 3 jährigen vielleicht noch nicht auftischen. Ich finde es hätte gereicht zu sagen, dass es auch einen Opa gibt/gab, den die Oma sehr lieb hat(te) und der seine Enkeltochter auch liebend gern kennen gelernt hätte, jetzt aber leider nur vom Himmel aus zusehen kann. Oder wenn man diese Himmel Variante blöd findet, halt etwas anderes. Aber einen Krankheitsverlauf muss man finde ich nicht schildern! Ich vermute aber, dass die Oma gerade traurig war, ihren Mann vermisst hat, ihn ins Gedächtnis bringen wollte und halt nicht recht wusste, wie sie das kindgerecht erklären kann. Ich würde auf sie zugehen und fragen, ob sie ihn gerade sehr vermisst und traurig ist, dass er seine Enkeltochter nicht kennen lernen konnte und sie bitten, so ein Thema zukünftig nicht mehr ganz so detailliert zu erklären. Vielleicht war sie gerade sehr traurig und es ist einfach aus ihr raus gesprudelt.
LG

  • (20) 06.07.19 - 16:13

    Mit letzterem hast du bestimmt recht. Ich fand es nur so schade, dass sie uns so unvorbereitet gelassen hat. Meine Tochter hatte ein paar Fragen und alles und ich war nicht vorbereitet und war einfach sauer.

    • (21) 06.07.19 - 16:15

      Ja das kann ich schon verstehen, wahrscheinlich hat sie darüber nicht nachgedacht in dem Moment. Klärt das doch noch mal in Ruhe und überlegt euch zusammen, wie ihr vom Opa erzählen könnt.

      Wie hättest Du Dich denn auf die Fragen Deiner Tochter vorbereiten wollen und warum hast Du der Oma Deiner Tochter nicht irgendwann mal gesagt, dass das Thema Tod für Euch ein Tabuthema ist genau so wie ihre letzte Zeit mit ihrem Mann (ich nehme an, sie hat nicht auch mit ihrem Opa zusammen gelebt wie die andere Oma Deiner Tochter?)?

      Sie ausgerechnet bzgl. eines für sie so traurigen und offenbar traumatischen Themas zusammenzufalten, weil sie sich nicht an Deine nicht geäußerten Pläne gehalten hat, ist m. E. mit einer kurzen Entschuldigung nicht gutzumachen.

(23) 06.07.19 - 16:23

Ich würde da auch schauen, ob da noch was von deiner Tochter kommt.
Falls nicht, würde ich in dem Fall aber vielleicht sogar aktiv nachfragen oder ein entsprechendes Buch besorgen und mit ihr lesen.
Immerhin hat sie das Thema so sehr aufgewühlt, dass sie nicht bei der Oma übernachten wollte und bis weit in die Nacht hinein Redebedarf hatte.

Unsere Tochter ist grade 3 geworden und nun ist leider ihr Uropa gestorben. Natürlich haben wir mit ihr darüber geredet und auch ein Buch besorgt (“Abschied von Opa Elefant“ - sehr schön gemachtes Buch zu dem Thema). Sie hat es recht gut verstanden, würde ich behaupten. Und auch, wenn sie traurig ist, hat sie das gut weggesteckt (glaube ich). Sie scheint auch keine Ängste entwickelt zu haben.

Trotzdem, “ohne Not“ hätten wir das Thema nicht besprochen. Natürlich ist es unsere Aufgabe als Eltern, unsere Kinder auf die Welt vorzubereiten. Und dazu gehören auch die nicht so schönen, traurigen, furchtbaren, tragischen, schrecklichen und unaussprechlichen Dinge. Aber meiner Meinung nicht so jung. Wir werden es auf uns zukommen lassen, wann wir bestimmte Dinge mit unseren Kindern besprechen.
Denn auf der anderen Seite haben unsere Kinder auch das Recht auf eine möglichst angst- und sorgenfreie Kindheit. Da muss man die richtige Balance und das richtige Timing finden.

Ich kann total verstehen, dass du das Donnerwetter der Oma gegenüber losgelassen hast. Ich wäre auch sauer, wenn jemand ein solches Thema ohne Absprache einfach mit unserer Tochter besprechen würde. Und in eurem Fall hat das eure Tochter ja anscheinend ordentlich durcheinander (Übernachtung, Redebedarf) gebracht. Da wäre ich auch aufgebracht gewesen.
Natürlich sollte man da nochmal ruhiger drüber reden, aber das scheinst du ja eh vor zu haben.

(24) 06.07.19 - 18:30

Hm, leider habt ihr es noch nicht angesprochen, dann passiert sowas. Unsere Tochter wird schon ewig das es noch einen Opa gibt der nicht mehr da ist. Der Mann von Oma, so wie die andere Oma eben auch einen Mann hat, ihren Opa. Ich habe ihr von anfangan von Opa ( meinen Vater) erzählt, sie kennt Fotos ( ich glaube so kahm auch die Frage auf wo er ist) wir zünden auch manchmal eine Kerze für ihn an.
Sie kennt den Fridhof von klein auf, wir nennen es Blumenbeet und auch Grab. Das Opa da rein kahm haben wir nicht gesagt aber auch das fände ich okay wenn es sich ergeben würde. Als sie kleiner war reiche ihr, das es Opa gab und er im Himmel ist. Jetzt fragt sie gelegentlich mehr nach. Z.b. als sie nach dem mann von Oma gefragt hat habe ich ihr die Sachen noch mal erklärt und sie hat viele Fragen gestellt die ich ihr auch ehrlich beantwortet habe aber kindgerecht. Sie weiß auch dass ich da sehr traurig war und geweint habe.
ich würde versuchen ihr alle Fragen zu beantworten aber auch nicht mehr darüber zu reden wie nötig. Oft reicht den Kindern eine Antwort und dann sind sie eh schon wieder beim nächsten Thema sollte sie viel fragen würde ich aber auch viel Antworten. Lg

(25) 06.07.19 - 22:31

Hallo.

Ich finde es nicht schlimm was die Oma gemacht hat.
Das deine kleine nun fragen hat ist doch gut, sie arbeitet die info s ab. stellt Fragen ist neugierig nicht voreingenommen.

Du scheinst das Problem mit dem Thema zu haben.
Denn das Leben ist endlich. Ein Vogel stirbt. Ein Haustier einer Freundin. Die Nachbarn.

Wer auch immer.

Wenn die Oma sonst toll zu deiner Tochter ist, verstehe ich die Aufregung nicht.
Und würde mich eher entschuldigen.

Aber eure Beziehung kennst nur du.

Liebe Grüße

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