Reinsteigern bis sie Sicht nicht mehr beruhigen lässt

    • (1) 07.07.19 - 21:50

      Guten Abend zusammen, ich bräuchte mal einen Rat. Meine fast 5 jährige Tochter hat das Problem, dass sie sich bei einer Unstimmigkeit (Trotz, eigener Wille, Unstimmigkeiten, was auch immer) so in Rage steigert, dass sie zum einen irgendwann nicht mehr weiß was eigentlich los war und dann auch aus der Situation nicht mehr heraus kommt. Irgendwann nach vielleicht ab ner viertel Stunde, funktioniert hin und wieder ein Perspektivwechsel mit Ablenkung. Aber sie lässt sich vorher nicht in den Arm nehmen, trösten, möchte nicht woanders hin, alleine sein, man darf nicht bei ihr sein, aber auch nicht gehen.... Irgendwann sagt sie im weinen, sie könne sich nicht beruhigen.... Was können wir probieren damit sie besser auch der Situation wieder rauskommt oder sich schneller beruhigt?

      Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten und jetzt schon dankbar um Hilfe.

      Danke und Gruß
      Nicole

      • Ich kann dir leider keinen Tipp geben, bin aber ebenfalls sehr gespannt auf antworten.
        Wir erleben dasselbe mit meinem sprachlich sehr begabten 3,5-Jährigen, der bei diesen anfallen irgendwann verzweifelt weint: „ich kann nie wieder aufhören!“.... er kommt nicht raus. Und genau wie bei euch: er mag nicht in den Arm, aber weg darf man auch nicht.
        Schwierig.

        Ich habe meine Tochter (mit viel Kraft) umarmt. Das wollte sie auch nie aber ansonsten hat nichts funktioniert oder ewig gedauert

          • Meine Tochter ist mittlerweile 19. Sie vor diesen "Anfällen" zu beruhigen hat nie funktioniert. Es hat auch ziemlich lange angehalten und war dann plötzlich von einen Tag auf den anderen komplett weg. Meine Jungs steigern sich da zum Glück nicht so rein. Hoffentlich geht es an unserer Kleinen auch vorbei

        So habe ich das mit meinem mittleren Sohn auch gemacht - zwischen 2 - 6 Jahre. Nicht reinsteigern lassen hat nicht funktioniert: er war in solchen Momenten so angespannt, dass er den Streit, das Schimpfen quasi "gesucht" hat, um mit dem Heulen & Schreien diese Anspannung wieder los zu werden - trotz ständiger Bewegung (sein Kopf & Körper brauchte das scheinbar - er musste auch als Baby abends vor dem Einschlafen jeden Abend 1-3 Minuten schreien & heulen, dann ist er seelig eingeschlafen). Meine 3 anderen Kinder haben das nicht, aber er brauchte das einfach.

    (7) 08.07.19 - 08:06

    "möchte nicht woanders hin, alleine sein, man darf nicht bei ihr sein, aber auch nicht gehen.... "
    Irgendwann ist auch mal gut mit "möchte nicht dies, möchte nicht jenes", "man darf nicht"....Theater macht nur mit Publikum Sinn. Ist das Publikum nicht mehr da, wird's schnell langweilig. Von daher würde ich sie sich in ihrem Zimmer austoben lassen und solchen Ausbrüchen weniger Raum geben. Danach hilft ein kühler feuchter Waschlappen und evtl. eine Umarmung, um die Tränchen abzuwischen und sich abzukühlen. Grüsse

    • (8) 08.07.19 - 08:50

      Ne, dass ist hier nicht so. Sie bekommt den Raum und das Publikum gar nicht. Und wenn ich merke, es bringt nix mehr, oder es mir selber zu viel wird ... das schraubt ja auch an meinen Nerven... verlasse ich bin selber die Situation...

      Glaub mir, ich habe alles versucht. Und das war mit Abstand die schlechteste Lösung. Wenn ich das Zimmer verlassen habe, wäre sie fast erstickt. Lehrbuch Methoden hören sich zwar immer so einfach an, ergeben auch einen Sinn. Nur in der Realität funktionieren die (zumindest bei meinen Kindern) nicht immer

(11) 08.07.19 - 08:26

Wenn sie allein sein möchte, dann geh doch raus. Sag ihr "ich bin in der Küche wenn du was brauchst". Stell dir vor du bist fürchterlich angep*sst, weißt nicht mehr ein und aus vor Wut und dann steht da jemand daneben, der dich unbedingt umarmen und trösten will... Also ich würde da auch ausrasten.
Es is kein "allein in einer schrecklichen Situation lassen" wenn du eine bockige 5Jährige ein paar Minuten in ihrem Zimmer wüten lässt.
Wir haben die Regel: dein Zimmer, dein "Nest". Wenn sie stinksauer ist geht sie ins Zimmer und wütet. Schmeißt ihre Kissen und Kuscheltiere, schreit und schimpft so lang, bis der Ärger raus ist. Ich bin dann im WoZi oder der Küche, lasse sie nicht allein aber in Ruhe.
Wenn der größte Ärger raus gebrüllt und geweint ist, klopfe ich an und frage, ob ich rein kommen darf. Bei ja reden wir in Ruhe mit Kuscheln, Trösten, Tränen abputzen.
Bei nein braucht sie noch ein bisschen.

  • (12) 08.07.19 - 08:52

    Mache ich so. Sie weiß ja auch irgendwann gar nicht mehr, warum sie so weint. Wütend im
    Sonne von Sachen einschweißen, macht sie nicht.

    • (13) 08.07.19 - 08:58

      ... und wenn sie sich dann irgendwann, wohl nur mit Hilfe schwer beruhigt hat, ist es auch als wäre nix gewesen... und natürlich werden dann Tränchen getrocknet und geschmust.

      Aber wie kann man denn einem Kind beibringen, dass es gar nicht erst so weit kommt?!

      Beispiel:
      Wir sind im
      Urlaub, und hatten ihre Freundin dabei. Es gab ein zwei folgen Bibi und Tina und dann wollten wir die Kids fertig machen. Eincremen, anziehen, Zähneputzen.... der Deal war, bis wir erwachsenen dann alles fertig hatten, dürften sie weiter schauen. Meine hat das abernibehaupt nicht verkapselt bekommen, schnell fertig machen und dann darf ich wieder Fernsehen. Die Unterbrechung war schlimm für sie. Vermutlich bin ich aber auch zu rational. Schnell fertig machen um dann weiter TV zu schauen ist für mich ja ganz logisch. Für sie ja aber nicht. Wie bekomm ich ihr denn erklärt, dass alles halb so wild ist und das Theater
      Vollkommen sinnlos. Naja bis es sich dann verselbstständigt und sie gar nicht mehr weiß was los war und sie auch nicht mehr da raus kommt.

      • (14) 08.07.19 - 10:00

        Ich glaube du hast da eine ziemliche Dramaqueen. Lass sie doch einfach mal stehen und ignoriere das ganze Gezeter. Wie eine andere Userin schon schrieb "wo kein Publikum, da kein Theater". Ich persönlich hätte das TV erst beendet und dann alles weitere gemacht und nicht zwischendurch. Aber gut, das is ja letztlich auch egal. Wer sich aber wegen so einem bullsh*t dermaßen aufregt, hätte bei mir überhaupt kein TV mehr bekommen.
        Es liest sich ein bisschen als hätte deine Tochter das alles verselbstständigt. Es passiert was, das mir nicht in den Kram passt, also führe ich mich auf wie Rotz am Ärmel. Dann fühlt sich Mama wenigstens auch schlecht.
        Ihr habt das Thema ja vorher besprochen, TV, anziehen, weiter schauen. Jetzt passt ihr das nicht mehr und sie wird unleidig.
        Ich an deiner stelle würde die Zügel einfach fester in die Hand nehmen und Madame bocken und zetern lassen.

        • (15) 08.07.19 - 12:06

          Wie gesagt, es gibt kein Publikum und keinen Raum. Das sie etwas doof findet, was wir entscheiden und regeln, kann ich ja verstehen. Und es gibt auch klare Regeln. Normalerweise ist der to bei sowas auch aus. In dem Fall gab es das Besucherkind noch. Ein Kind wird fertig gemacht, dass andere guckt und andersrum. Ist ja auch Wurscht...

          mir geht es nur um tips, wie es vielleicht nicht unbedingt in die Spirale geht in der sie nicht mehr weiß worum es eigentlich ging und da nicht mehr raus kommt.

          • (16) 08.07.19 - 12:54

            Deswegen sag ich ja - lass sie doch einfach stehen und heulen bis sie wieder ansprechbar ist. Du kommst mit reden nicht durch und mit kuscheln auch nicht. Zurück schreien nützt nie irgendwas, also aussitzen. Ich bin mir sicher, dass sich das wieder legt. Eine "Phase" wenn du willst.
            Verhindern dass sie sich reinsteigert wirst du nicht können. Sie ist 5, ich glaube sie weis wohl, worum es ging und dass ihre Reaktion darauf überzogen ist.

(17) 08.07.19 - 10:10

Hallo,
Wir haben hier auch so ein Kind (fast 4), das den Streit sucht und dann anfängt zu schreien und zu kreischen und alleine nicht mehr raus kommt. Es ist wie eine Spirale. Ich lasse sie bocken und schreien, ich darf auch nicht in ihrer Nähe sein aber auch nicht weg gehen. Ich schicke sie in ihr Zimmer zum Bocken und "räume" die Schübe im Flur auf. So dass ich in ihrer Reichweite bin.
Wir haben einen Verstärkerplan, sprich wenn sie so schreit bekommt sie zb. Für Abends ein rotes Gesicht gemalt, ihr Ziel ist es eine ganze Woche nur grüne Gesichter zu haben. Bei uns klappt es gut, weil sie dann sieht wie sich sich verhalten hat. Es gibt Rot, gelb und grün und der Plan hängt auf Augenhöhe am Kühlschrank.
Ich hab sie aber auch schon Mal 2 Stunden schreien lassen, dann gab es halt am Abend nur den Sandmann und nicht noch ihre Lieblingssendung.

  • (18) 08.07.19 - 12:12

    Nach 2 Süd wüsste sie gar nicht mehr was los war. Wenn es jetzt wie bei uns eigentlich um den TV ging, erkläre ich ihr dann noch mal was los war und dass sie leider kein tv schauen kann, wenn es sich dann bis zu so einer Situation entwickelt. Dann versteht sie das und fragt auch nicht mehr nach dem TV. Das ist alles kein Thema.... nur der Weg bis in diese Spirale eben,

Kinder brauchen diese Situationen. Es ist wichtig, dass sie diese auch durchmachen können und dabei liebevoll begleitet werden.
Bestrafen sollte man da nicht.
Wenn du es nichts schaffst sie da raus zu holen und auch nicht so weit kommen zu lassen, dann würde ich einfach bei ihr sein.
Frag sie was ihr beim nächsten Mal besser machen könnt, damit es ihr nicht so schlecht geht. Sag ihr auch wie du dich dabei fühlst.
Vielleicht kannst du selbst ein Vorbild sein. ZB wenn du dich in Situationen, die dich sehr wütend machen adäquat handelst.
ZB du kannst sagen "Du machst mich gerade unheimlich wütend. Ich muss kurz rausgehen, um mich zu beruhigen." Oder "Ich werde gerade so wütend, dass ich kurz tief durchatmen muss."
So lernt sie, dass Wut ok ist, aber man muss lernen diese zu regulieren.

  • Ist ein Versuch wert.... wenn sie aber bereits in der Spirale hängt, bringt das auch nichts.

    Im Kindergarten hat sie hin und wieder auch ne Situation wo sie nicht mehr alleine raus kommt. Sie ist ein liebes Kind. Hält sich - meist - an regeln und fragt lieb nach. Es gibt ja aber auch mal nen schlechten Tag, wie bei uns auch. Und dann kommt sie in diese Spirale. Und da dann nur mit Ablenkung wieder raus. Wie konnte sie das selber schaffen.

    • Wenn die Situation erst aufgetreten ist, wird nichts mehr helfen. Also Augen zu und durch.

      Kinder lernen aber meist durch nachahmen.

      Deshalb mit ihr Reden, wenn die Situation vorbei ist. Und ihr Wege aufzeigen, wie es besser funktioniert, indem du ihr ein Vorbild bist.

      Irgendwann hat sie dann genug Kontrolle über sich, dass sie es nicht mehr macht. Denn das ist für Kinder alles andere als schön.

      • (22) 08.07.19 - 19:07

        " Und ihr Wege aufzeigen, wie es besser funktioniert, indem du ihr ein Vorbild bist."

        Gibt es tatsächlich Kinder, wo das funktioniert? #kratz

        Ehrlich gesagt, habe ich noch nie beobachtet, dass Kinder durch reine Nachahmung zu besseren Menschen heran gereift sind. Da war immer Erziehungsarbeit im Spiel oder sie blieben, wie sie waren.
        (Da unsere Kinder schon 9 und 12 sind, habe ich diverse Kinder mit aufwachsen sehen.)
        Dafür kenne ich aber viele Gegenbeispiele von sehr netten Eltern mit unmöglichen Blagen.

        Das lag/liegt dann daran, dass diese Eltern keine Grenzen setz(t)en.

        Die Mutter des Jungen, der mich als Kind jahrelang gemobbt hat, war auch ein herzensguter Mensch. Die hat ihm immer gesagt, er soll nett zu mir sein, nur interessierte das den Knaben einen feuchten Dreck. Der war als Erwachsener noch asozial.

        LG

        Heike

        • (23) 09.07.19 - 08:39

          Nett und lieb sein hat nichts mit Vorbildfunktion zu tun.
          Kinder lernen definitiv durch Nachahmung. Natürlich hat jeder einen eigenen Charakter und auch das restliche Umfeld spielt eine Rolle.

          Es sind meist Kleinigkeiten, die einem nicht auffallen können, aber die sind da.

          Bei meinem Sohn (3,5) merke ich es ganz deutlich. In dem Alter haben Kinder sogar fast ausschließlich Verhaltensweisen, die er irgendwo gesehen hat.
          Er spricht zB in manchen Situationen so wie ich. Oder nimmt eine Pose auf der Couch ein, die er bei Opa gesehen hat. Legt das Bein über das andere, so wie ich. Möchte eine Sonnenbrille, wie Papa usw. Das ist in dem Alter extrem ausgeprägt.

          Ab einem bestimmten Alter ist es nicht mehr so deutlich, weil das Umfeld wächst und man nicht weiß woher er das hat.

          Grenzen setzen ist aber definitiv notwendig und wichtig. Aber altersentsprechend und entsprechend dem Entwicklungsstand des Kindes.

          In diesem Fall geht es aber um die emotionale Entwicklung des Kindes und da sind Grenzen völlig fehl am Platz.

          Und du wirst nicht glauben, wie wenig das Verhalten des Kindes mit Erziehung zu tun hat. In einem bedürfnisorientierten Umgebung bedarf es überhaut keiner Erziehung.

(24) 08.07.19 - 19:10

Versucht täglich mit dem Kind über Gefühle zu sprechen, diese benennen indem Kind Strategien zu zeigen, wie es die Gefühle regulieren und kontrollieren kann. Und dann konkret die Situation des Vortages besprechen. Während des Wutanfall hast du keine Handlungsmöglichkeiten.

(25) 09.07.19 - 08:47

Hallo,

manche Kinder sind eben mit mehr Temperament und weniger Frustrationstoleranz gesegnet.
Das hat weder etwas damit zu tun, wie lieb ein Kind an sich ist, noch lassen sich solche Wutanfälle verhindern.
Das kann immer hochkochen, auch bei Situationen, die sonst entspannt vonstatten gehen, wenn das Kind irgendwie schlecht drauf ist.
Das kennen wir auch.

Aufgabe der Eltern ist es, den Kindern zu vermitteln, wie man damit umgehen kann.

Deine Tochter möchte dann offenbar weder in den Arm genommen werden, noch funktioniert es, wenn man sie alleine lässt.
Dann muss man nach weiteren Alternativen suchen.

Ich würde sie in einem ruhigen Gespräch mal fragen, ob sie Vorschläge hat, was man machen kann, damit sie von der Palme wieder runter kommt.
Es gibt z.B. Wutbälle, die man an die Wand werfen kann, oder sie könnte in ein Kissen boxen, oder sie könnte eine Runde rennen oder hopsen und schimpfen.

Ihr könntet auch mal den Kindergarten fragen, was die machen. Die erleben ja eine Menge Kinder.

LG

Heike

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