4-jährigen mit „eigenem Tempo“ - Laisser-faire oder mehr Strenge??

Hallo ihr,
Brauche dringend Rat. Mein Mittlerer hat schon immer sein eigenes Tempo gehabt. Er braucht für alles eeeeeeewig lang und kommt doch meist nicht zum Ziel, weil er sich durch jeden Fussel ablenken lässt. Es treibt uns noch in den Wahnsinn 😫 seit Baby an gehört er zur sehr bequemen Sorte Mensch.

Leider passt sein Tempo einfach nicht zur Hektik unserer Gesellschaft. Mir tut es so leid für ihn, aber was sollen wir machen? Wenn die große Schwester in die Schule muss, geht trödeln eben nicht. Früher aufstehen ist auch nichts. Beim Heim kommen ist es ähnlich oder beim ins Bett gehen. Es wird getrödelt und endet immer im Weinen.

Wir sind Eltern, die viel Verständnis haben, aber wir können auch streng sein. Uns sind Werte wichtig wie Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Pünktlichkeit... wichtig. das vermitteln wir auch. Genauso sind wir aber alle sehr kuschelig und liegen uns oft in den Armen. Diese Disharmonie gefällt uns allen nicht, die durch seine Trödelei entsteht, und wir sind gerade mit der Frage einfach überfordert: gibt man da jetzt nach - Laisser-faire? Oder müssen wir noch strenger sein? Wir können ja nicht entgegen seiner Natur arbeiten?! Und dennoch muss er doch lernen, mit zu ziehen?

Haben übrigens schon alles probiert, von Smiley-Systemen über Tagesablaufs-Spielpläne... funktioniert eine Woche und dann ist es schon wieder vorbei. Es ist ja ein Problem, das uns jeden Tag über Jahre noch begleiten wird. Wir brauchen also eine Lösung die dauerhaft funktioniert.

Daher meine Frage an euch: wie geht ihr um mit euren Trödlern?
Und gibt es Möglichkeiten seine Konzentrationsfähigkeit zu fördern? Das wird in der Schule ja sonst eine Katastrophe!?

Vielen Dank!!

Hallo,
meine jüngere Tochter ist jetzt schon 5, aber ähnlich trödelig.
Sie lässt sich wahnsinnig schnell ablenken, ist total kreativ und verspielt... und manchmal einfach auch überfordert. Dann heißt es im Sommer auch schon mal "ich will jetzt nicht Eis essen. Lieber spielen."

Etwas besser ist es insgesamt, wenn sie genug geschlafen hat. Da sie noch nicht gut ausschlafen kann, fehlt ihr hier und da mal eine Stunde Schlaf - dann ist sie erst Recht unkonzentriert.

Wir müssen auch oft die große Schwester sehr zurückhalten: das ist eine Labertasche, die ständig quasselt. Dabei kann die Kleine sich erst Recht nicht aufs Anziehen konzentrieren. Allerdings will die Kleine auch nicht alleine in ihrem Zimmer sein, das ist also immer eine Gratwanderung.

Und last but not least möchte die Kleine auch oft klein sein und findet es selbst völlig ok, wenn ihr noch bei allem geholfen wird...

Alles in allem funktioniert es bei uns am besten mit ganz engmaschiger Beobachtung. Die Kleine soll möglichst alles alleine tun - aber wir stehen daneben und nehmen ihr jedes Spielzeug, nach dem sie greift, gleich wieder aus der Hand und sagen "mach weiter".
Richtig gut klappt es nicht - auf die Schule im nächsten Sommer bin ich sehr gespannt. Aber vielleicht sind wir auch nur verwöhnt von der Großen, die schon immer wahnsinnig selbstständig war...? Schwer zu sagen, was normal ist.

LG!

Ich weiß nicht ob meine Beobachtung euch hilfreich sein kann. Aber bei uns muss ich morgens aufpassen das wir keinen Leerlauf haben, in dem die Kinder anfangen zu spielen. (z. B. nach dem Frühstück wenn ich schnell die Küche aufräumen will). Spielen Sie, dann möchten sie natürlich nicht mehr Zähneputzen, sich anziehen etc. Sind langsam, ich meckere, Kinder werden bockig etc. Seitdem ich das beherzige, und ein paar Reihenfolgen morgens geändert habe, klappt es super. Vielleicht ist es ein Denkanstoß in die richtige Richtung? LG

Das mache ich genauso. Wenns schnell gehen muss haben wir inzwischen absolut fixe Abläufe, die auch so intus sind, dass es kein Kampf mehr ist, pünktlich aus dem Haus zu kommen. Auch bei uns war die Reihenfolge und das Unmöglichmachen von Spielen (leider, dafür ist morgens eben keine Zeit) der Schlüssel zum Erfolg. Ich muss nicht meckern und die Kids haben sich daran gewöhnt und schätzen umso mehr das Wochenende, an dem wir ihnen jegliches Trödeln erlauben und auskosten.

Ich habe meinem Sohn einfach geholfen. Ich habe ihn angezogen, obwohl er das längst selbst konnte, während er auf dem Sofa gefrühstückt hat. Morgens wären wir sonst nie pünktlich im Kindergarten gewesen. Auch zur Einschulung war das dann teilweise noch so. Inzwischen ist er auf dem Gymnasium und macht alles allein. Der schnellste ist er immer noch nicht, auch teilweise verpeilt, aber Anziehen, Frühstücken, Zähne putzen etc. bedarf keiner Unterstützung mehr.

Mit Druck und Zwang kommst du nicht weit bei Träumerkindern. Mir liegt das aber auch generell nicht.

So mach icj es auch, slso ich zieh ihn nicjt wäjrend dem frphstück an, sondern danach, aber je nach laune und uhrzeit helf ich ihm.
Er ist morgens einfach noch nicht fit genug.
Und nach dem Kindergarten ist er meist zu überdreht zum ausziehen und bockt auch oft wenn er sich ausziehen soll. Wenn ich das mache nimmt das irgendwie den Druck raus und mich stört es nicht.
Wenn der große aber sieht dass ich gestresst bin und ihm nicht helfen kann zieht er jetzt viel besser mit und zieht sich selber an und bringt mir manchmal sogar meine Schuhe.

Hallo,

wir haben die Konzentrationsfähigkeit testen lassen um zu wissen ob es wirklich daran liegt, und die Ergo nach dem Marburger Konzept für Kindergartenkinder tut ihm sichtlich gut was das Spielen und sonstige "sich Konzentrieren" im Hinblick auf die Schule angeht. Anziehen tut er sich trotzdem nicht schneller.
Den Tagesablauf haben wir einfach straff und ablenkungsfrei gestalten bei den Dingen bei denen es eilt: Angezogen wird im Bad wo kein Spielzeug liegt, dann wird sich erst komplett fertig gemacht sprich sobald er angezogen ist gehts Frühstücken, Sachen packen, Zähne putzen und dann darf er nochmal spielen wenn noch Zeit ist. Und wir arbeiten mit Sanduhr, er hat eine 7 Minuten Sanduhr Zeit sich anzuziehen und danach helfen wir. Das Spielen ist dann quasi die Belohnung wenn er "durchgezogen" hat.
"Strenge" ist vielleicht das falsche Wort, vielleicht "Disziplin lernen"? Geht aber langsam und nur altersbedingt gut.

Ich glaube nicht, dass ihr mit mehr Strenge weiterkommt.
Ich würde ihn morgens wenn er trödelt einfach anziehen. Ich mach das mit meiner 5 1/2 Jährigen morgens auch so. Sonst würden wir mind. 20 Min mehr im Bad sitzen #schwitz Ist ansonsten recht selbstständig für ihr Alter. Sie ist auch manchmal ein Träumer-Typ und kann sich in manchen Situationen nicht auf eine Sache konzentrieren, z.B. eben beim Anziehen morgens. Ansonsten ist die Konzentrationsfähigkeit aber sehr gut.
Ich würde mir an deiner Stelle noch keine Sorgen machen was in 1 oder 2 Jahren sein kann, Kinder entwickeln sich doch ständig weiter.
Ich glaub nicht, dass man mit 4 Jahren die Konzentrationsfähigkeit besonders fördern muss. Aber bei einfachen Dingen wie malen, puzzeln, schneiden (egal ob Papier, Obst oder Gemüse), vorlesen muss man sich ja auch konzentrieren.

Hallo,

"Leider passt sein Tempo einfach nicht zur Hektik unserer Gesellschaft. "

Das war nie anders. Du konntest auch vor 100 Jahren nicht ewig herum trödeln. ;-)
Da mussten die Kinder auch in die Schule, und wurden im Haushalt oder auf dem Bauernhof eingespannt.

Ich sage es ja ungern, aber Harmonie könnt Ihr Euch im Umgang mit der Trödelei so eines Träumerkinds abschminken.
Da gibt es immer Konflikte.
Entweder man wartet ewig und drei Tage bis das Kind fertig getrödelt hat. Dann wird es aber hektisch, wenn man Termine hat bzw. man selbst ist genervt, weil man die ganze Zeit dumm herum steht.
Oder man treibt das Kind an. Das findet wiederum das Kind blöd.

Vielleicht habt Ihr Glück, und es wächst sich bei Eurem Sohn aus.

Unser Sohn ist 9, in der 5. Klasse und auch so ein Trödler.
Wir treiben ihn meistens an, weil der Tag nun einmal nur 24 Stunden hat, in denen Dinge zu erledigen sind.
Smiley-Systeme haben bei unseren beiden Kindern nie funktioniert. Das geht nur über Konsequenzen.
Wenn wir ihn machen lassen würde, würde er morgens regelmäßig den Bus verpassen, säße den ganzen Nachmittag an den Hausaufgaben und käme abends so spät ins Bett, dass er nicht genug Schlaf bekommen würde. #schwitz

Unser Sohn KANN sich übrigens sehr wohl konzentrieren, wenn er will. Er kann sich blitzschnell fertig machen. Er kann zügig die Hausaufgaben erledigen usw.
Wir dachten auch, dass die Schule eine Katastrophe wird, weil er im Kindergarten so verträumt war. Wurde sie auch - weil er unterfordert war.
Er hat dann eine Klasse übersprungen und den fehlenden Stoff mit uns in gut drei Monaten zu Hause nachgeholt, weil er das unbedingt wollte.
Das heißt aber nicht, dass er nicht trotzdem etwa 3 Stunden für 5 einfache Mathe-Aufgaben brauchen kann... #augen
Er baut auch regelmäßig so viele Schusselfehler in Klassenarbeiten ein, dass er fast nie über eine 2 hinaus kommt. Wenn er den Stoff nicht so gut verstehen würde, hätte er 3en und 4en.
Ich bin jetzt mal gespannt, wie es auf dem Gymnasium läuft.

Tja, keine Ahnung, was man da machen kann. Wir haben noch nichts gefunden, was nachhaltig funktioniert.
Wir wissen zwar, dass unser Sohn leichtes ADS hat, aber das hilft auch nicht weiter. Für Medikamente ist es nicht schlimm genug. Irgendwelche Therapien bringen nichts, weil unser Sohn ja kann, wenn er will.

LG

Heike

Kann ich voll unterstreichen. War bei meinen Kindern vor 35 Jahren nichts anderes wie heute bei meinen Nachbarinnen, wo es fast täglich lautstarke Kämpfe gibt;-) morgens, bis sie alle draußen sind und bei den Größeren mittags, wenn Hausaufgaben gemacht werden.
Hektik gab es zu allen Zeiten.
LG Moni

Kinder in dem Alter können Zeit nicht einschätzen. wir schauen auf die Uhr und können sofort abschätzen, wie lange ein Handlungsablauf dauert und wie viel Spielraum wir haben. Kinder können dies nicht.

Oft hilfr eine Sanduhr. Diese auf 10 Minuten einstellen und das Kind kann in dieser Zeit sich anziehen. Wieder 10 Minuten für das Zähne putzen usw. Das Kind bekommt ein Zeitgefühl dafür.

Druck rausnehmen. Wie kann es beim "Zubett gehen" Probleme geben? Wenn er sich fertig macht, weiss man, es dauert ca 30 Minuten. Und wenn es 20 Minuten länger dauert, dann geht er eben später ins Bett.

Viele Kinder brauchen zB beim Essen sehr lange. Auch hier Druck rausnehmen. Geduld üben!

Um jetzt mal das Klische zu bedienen - es ist der Mittlere....

Ich denke ihr macht das genau richtig : Es gibt ein "MUSS", es git aber auch ein "KANN".
Es ist sicherlich richtig ihm das jetzt schon bewußt zu machen, den spätestens, wenn er zur Schule MUSS ist es Realität für ihn.

Was genau für deine Familie passt, kann dir hier keiner sagen. Ich war mal ALLEINE bei einer Familienberatung und habe mit ihr einige Alltagssituationen durchgesprochen, die mich stressen. Das Gespräch hat mir sehr viel Entlastung gebracht und viele neue Ideen für meinen Familienalltag. Auch eine Option für dich?

Bei uns es ist auch der Mittlere. Ich musste schmunzeln, als ich gerade die Antwort mit dem Klischee las.

Er war schon in der Schwangerschaft so. Ich war ein paar mal bei der Hebamme, da ich ihn nicht gespürt habe und er auf ruckeln und Co nicht reagierte, so wie ich es vom ersten Kind kannte. Er wurde auch er in der 42. Woche geboren ;-)

Seit zwei Jahren haben wir die Diagnose ADS für ihn. Aber, nicht alles ist darauf zurück zu führen. Manches ist sicher auch eine Frage der Aufmerksamkeit, die er so erhält. Wir ziehen in immer noch an morgens. Er ist in der dritten Klasse. Mir ist es das einfach nicht wert bereits vor dem Schulstart zu streiten und das Stresslevel hochzutreiben. Er kann das alles selbst. Und wenn die Motivation stimmt auch sehr zügig. Er bekommt in vielen Dingen Unterstützung, obwohl er es theoretisch selbst kann.

Wir hatten lange Gespräche mit Therapeuten und Ärzten, waren zum Elterntraining, zum MKT mehrfach und zur Ergo. Und irgendwann haben mein Mann und ich für uns als Familie beschlossen eben unseren eigenen Weg zu finden. Indem wir zum Beispiel morgens nicht aus Prinzip auf Selbstständigkeit bestehen. Auch wenn so viele Menschen das als wichtiges Ziel ihrer Erziehung definieren. Wir konnten für uns den Mehrwert bei diesem einen Kind nicht erkennen. Und seit wir es hinnehmen wie es ist und einfach helfen wie bei einem Kleinkind ist unser Morgen besser. Alle 5 starten besser in den Tag.
Leider schaffen wir es nicht das auf alle Bereiche des Alltags zu übertragen. Wir sind aber offener geworden. Das will heißen, wir sehen mehr unser Kind und unsere Familie, weniger die üblichen Erziehungsgrundsätze.

Bei manchen Sachen üben wir schon die Selbstständigkeit. Aber eben bei Dingen, bei denen das Kind mehr eigene Motivation mitbringt. Da hat es dann auch Erfolgserlebnisse auf die es aufbauen kann. Wir möchten also die Stärken stärken und weniger auf den Schwächen rumreiten. Er kümmert sich zum Beispiel sehr eigenständig und zuverlässig um sein Tier. Füttern, misten, pflegen.

Mein Rat wäre daher wirklich gut hinzusehen und die Bedürfnisse eures Kindes zu erkennen. Findet einen Weg der Euch gerecht wird. Und der Rest ergibt sich dann leichter.

Ich bin jetzt 39 und würde sagen seit 3 Jahren habe ich das Trödeln langsam im Griff ... 😂
Die Schule ging trotzdem, das Studium auch.
Auf Antreiben habe ich immer mit noch mehr Langsamkeit reagiert (unbewusst und unabsichtlich), allerdings bleibe ich auch in hektischen Situationen ruhig, was sich meist sehr gut auf das Team auswirkt.
Mein Mann hat auch gelernt damit umzugehen, besteht aber bei unseren Kindern darauf dass sie lernen sich auch mal zu beeilen, zum Beispiel mit konkreten Fahrplänen (wenn der große Zeiger unten ist machen wir erst x und y und dann z) das klappt ganz gut.
Insofern empfehle also Laisser-faire mit ein bisschen Übung für bestimmte Situationen

Ihr Lieben, ich danke euch sehr für eure Antworten!! Inzwischen hat er - oh Wunder - eine Phase, in der er sich freiwillig ganz schnell anzieht. Hauptsache schneller als die große Schwester 😏