Mach mir immer öfter über meinen Großen Gedanken

Heute muss ich einige Gedanken bezüglich meines großen Sohnes loswerden. Ich bin sehr an Erfahrungen und Meinungen interessiert, vielleicht erkennt ja der ein oder andere sein Kind in einigen Zügen wieder.
Alsooo. Wir sind aus meiner Sicht eine völlig „normale“ Mittelschichtsfamilie. Haben zwei Söhne, der Große ist fünf, der Kleine zwei. Eigenes Haus, beide Kinder haben alles was sie brauchen. Beide sind bis 15 Uhr im Kiga, in den Schulferien nur bis um 12 Uhr. An den Nachmittagen und Wochenenden verbringen wir Zeit mit ihnen, ab und an sind sie ein Wochenende bei den Großeltern.
Zu meinem 5jährigen: er ist sehr wortgewandt und sprachlich begabt. Er kommt gut im Kiga klar, hat Freunde und ist ein gern gesehener Spielpartner. Wir müssen an den Wochentagen um 7 Uhr aus dem Haus. An solchen Nahtstellen des Alltags, zB auch bei Arztbesuchen funktioniert es gut bei ihm.
Was mich beschäftigt ist Folgendes: er ist irgendwie etwas egozentrisch. Beispielsweise ist es völlig selbstverständlich, dass andere etwas für ihn tun, zB Glas auffüllen, beim Lego Aufbau helfen. Wenn er aber (wie heute) seinem auf der Couch sitzenden Onkel etwas bringen oder abnehmen soll, macht er das nur nach wiederholter und irgendwann energischer Aufforderung.
Weitere Beispiele:
- er möchte gerne Hilfe beim Ausziehen am Abend, kaspert dabei aber rum, es funktioniert dann wieder nur mit „wenn-dann“
- Begrüßung und Verabschieden in größeren Gruppen,zB an Weihnachten meist nur mit wiederholter Aufforderung
-Aufräumen:“nur wenn du hilfst“
-über Geschenke, die nicht 1000% seinen Erwartungen entsprechen freut er sich auch nicht. Punkt.
-bedankt sich selten von sich aus, obwohl wir ihm das durchaus vorleben
-auch ganz selbstverständliche Dinge wie „Guten Appetit“sagt er nicht
- er zeigt nur dann eigene Motivation, wenn es absolut seine Interessen entspricht

Ich hab manchmal echt Bedenken, dass ich für ihn zu viel mache, ihm zu wenig abverlange und er deshalb so egozentrisch ist.
Oder ist es ein Charakterzug?
Danke für eure Meinungen.

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Hm das klingt wirklich nicht schön und ich finde es gut dass du dir Gedanken machst.
Wie lebt ihr es denn vor?

Ich bin Erzieherin und finde es manchmal gruselig wenn ich so Tipps höre, wie z.B.: Wenn das Kind etwas haben will, aber nicht rankommt soll man bloß nicht reagieren, sondern warten bis das Kind einen kompletten Setz mit dem "Zauberwort" formuliert hat, bevor man ihm hilft.
Wie will man dann Dinge wie Rücksicht, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit seinem Kind beibringen, wenn man so eine Ignoranz vorlebt?
Wie soll das Kind später merken, das es jetzt z.B. eine Tür aufhalten könnte/sollte, wenn ihm selbst nie aufmerksam begegnet wurde?

Ich kenne auch das Motto: "Kind, warum soll ich dir denn was einschenken/dich anziehen/usw., dass kannst du doch schon alleine? Du sollst doch selbstständig werden!"
Leider vergessen diese Mütter/Väter oft, dass sie sich vom Partner aber genauso wünschen würden, dass er Ihnen z.B. eine Tasse Tee macht und nicht antwortet: "Hä, wieso ich, das kannst du doch alleine?!"
(Soll nicht heißen dass es bei euch so läuft, aber so etwas kenne ich leider auch und das könnte für mich ein Auslöser sein.)

Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, erstmal selbst etwas mehr zu "geben" und dann kam eigentlich auch bald das gewünschte zurück.
Also ich sag z.B. 5mal von mir aus zum Kind: "Komm, ich helf dir schnell beim aufräumen/anziehen/ect., dann sind wir gleich fertig!" und wenn ich dann mal frage, ob das Kind mir hilft, ist die Bereitschaft da.

Wenn meine 4jährige sich in Situationen schlecht benimmt (z.B. Theater macht, wenn wir nach einem Besuch heimfahren wollen), spreche ich diese mit ihr am Abend oder Tag darauf in Ruhe durch und dann versteht sie eigentlich warum ich ein gewisses Verhalten erwarte.
Das hätte ich z.B. gemacht als er dem Onkel nichts holen wollte. Oft hilft es dabei, wenn ich die Situation für sie umdrehe (z.B. beim Onkel: Stell dir vor, du sitzt auf dem Sofa aber kannst nicht aufstehen weil dein Fuß gebrochen ist und hast großen Durst...).

Ich wünsche euch, dass es sich bei deinem Sohn zum besseren wendet!

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Das lustige ist, dass ich genauso handle wie du es beschreibst. Automatisch und im Alltag ist das die Art und Weise, wie mein Mann und ich interagieren.
Also zB
-zusammen aufräumen: Komm, es ist schon spät, wir helfen dir, dann geht es schneller
-nach dem Kiga: Ich hab dir schon Punsch eingeschenkt, den Apfel geschnitten etc

Denke eben auch, dass ich ihm das Verhalten vorleben soll, was ich von ihm erwarte.
Mittlerweile frage ich mich, ob es zu viel des Guten ist, was ich für ihn mache.

Den Tipp, eine solche Situation nochmal in Ruhe später zu besprechen finde ich gut. Das könnte ich öfter nochmal aufgreifen im Nachhinein.

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Bin grad echt über die Begriffe Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Rücksicht gestolpert Bzw hab geschluckt. Das sind irgendwie nicht seine Kernkompetenzen.

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Hallo

Ich habe keine eigenen Erfahrungen (mein Sohn ist eher zu hilfsbereit), aber ich könnte mir vorstellen es ist eine Mischung aus allem.
Es gibt Dinge die sind bei uns unheimlich wichtig und da wird auch sehr viel wert darauf gelegt. Eine befreundete Psychologin hat mir mal den Rat gegeben, bei Dingen bei denen er es später gesellschaftlich mal „schwer“ haben könnte (Danke, Bitte, Tischmanieren, Grüßen, gratulieren,...) bzw. Dinge die für ein Miteinander sind wichtig sind, standhaft bleiben (meine Schwägerin hat schon einige Geburtstage frühzeitig verlassen weil der Sohn nicht gratulieren wollte), dafür bei anderen Dingen dann Ebene etwas lockerer sein.
Ich weiß das ist durchaus Ansichtssache, eine andere freundin hält nichts davon Dinge unter Zwang anzuordnen und vermutlich ist das auch sehr typabhängig.
Was sagen denn die Errzieherinnen, wie ist sein Umgang im Kindergarten?

#winke

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Ich verstehe, was du meinst. Ich mache es bislang auch so, dass ich auf manche Dinge viel Wert lege, grad eben diese gesellschaftlichen Dinge, und dafür an anderer Stelle ihm auch mal etwas durchgehen lasse.
Im Kiga wurde in keinem der Gespräche jemals ein solches Verhalten beschrieben. Nur, dass er einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat und manchmal über das Ziel hinaus schießt, aber das hat sich im letzten Jahr auch sehr relativiert.

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Kinder bringen schlicht auch schon Charakterzüge mit,damit muss man leider leben.
Mehr als ihm richtig vorleben kannst Du nicht...
Mein Neffe war auch so als Kind und hat bei Bedarf funktioniert...er ist leider an schrecklicher Egomane geworden ...

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Klingt für mich eigentlich eher normal für einen 5 jährigen....

Meiner wird 5 und ist sehr auf sich bedacht, es muss sich alles um ihn drehen,sonst kann er gut und gern mal ausrasten...Bitte Danke usw ist aber für ihn völlig selbstverständlich, ist es für uns auch und wurde auch nicht explizit anerzogen (vorgelebt,erklärt wieso weshalb warum man das macht und gut war)...es gab ne Phase da kam garnichts mehr von ihm, jetzt ist er wieder höflicher dennje....

Denke kommt immer viel drauf an was sie grad noch zusätzlich so im Kopf haben.

Helfen ist etwas was meiner von sich aus gern tut (vor allem dann wenn es eher nicht hilfeich ist xD) ,aber wenn man ihn drum bittet ist es eher so als hätt man ihm ne Höchststrafe angeordnet lol....ich sag dann gerne "wie du mir,so ich dir....du möchtest doch auch das ich dir öfter helfe?dann kannst du mir ruhig auch mal helfen ohne zu murren!" das hilft!
Ausserdem lass ich auch nicht immer alles stehen und liegen wenn er mal hilfe braucht wenn ich weiss er kann das auch selbst, also ich helfe durchaus auch nicht immer, aber immeröfter aus reiner nettigkeit um ihm eben zu zeigen das es nett ist auch mal bei Dingen zu helfen die man durchaus selbst hinbekommt....quasi ein Geben und ein Nehmen vorleben.

Ich weiss das es bei meinem noch kommen wird ihm fehlt noch eine riesen große Portion von zwei wichtigen Dingen im Leben 1. Weitsicht und 2. Empathie....

Ich denke es ist wichtig den Kids explizit und immer wieder zu erklären WARUM man vllt dem Onkel hilft obwohl er ja durchaus in der Lage ist es sich auch selbst zu holen,Höflichkeit,nettigkeit, soziales miteinander usw....wenn sie das verstehen,fällt es ihnen sicher auch leichter diese Hilfe zu geben ohne groß darüber nachzudenken...ansonsten kann ich mir durchaus vorstellen das Kinder sich da schon fragen wieso sie einem erwachsenen Menschen denn jetzt helfen sollten, der ist doch schon groß ^^

LG

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Hallo!
So wie du deinen Jungen beschreibst, könnte es 1 zu 1 meine Tochter sein, so wie ich sie zu Hause erlebe. Bitte/Danke gibt es nicht, morgens kein Guten Morgen o.ä., aber wehe, wir springen nicht sofort, wenn es um ihre Interessen geht. Dann geht das Geschrei los. Wenn man sie zum Helfen auffordert, passiert nichts, wenn man es nicht mehrfach und in immer strengerem Tonfall wiederholt. Bei Gesellschaftsspielen achtet sie penibel darauf, dass sich alle an die Regeln halten, nur scheinen selbige Regeln ausgerechnet für sie nicht zu gelten. Erstaunlicherweise ist sie aber bei Anderen das genaue Gegenteil. Von den Erzieherinnen im Kindergarten wird sie als sehr höflich und hilfsbereit beschrieben und wenn sie bei Freunden zum Spielbesuch ist und ich anschließend die Eltern frage, wie es gelaufen ist, höre ich immer sinngemäß "wohlerzogenstes Kind aller Zeiten", wo ich mich frage, ob sie wohl ein anderes Kind meinen. Beim Einschulungstest hat sie 45 Minuten still gesessen, in vollständigen Sätzen alle ihr gestellten Fragen beantwortet, schriftliche Aufgaben mit höchster Konzentration gelöst und das ordentlichste und detailreichste Männchen gemalt, dass ich je von ihr gesehen habe, obwohl sie zuhause keine 2 Minuten auf dem Stuhl sitzen kann. Das scheint ja bei euch ähnlich zu sein. Zumal du schreibst, wenn es drauf ankommt, klappt es bei ihm. Da sie sich also offensichtlich sozisladäquat verhalten kann, mache ich mir eigentlich auch keine großen Sorgen, dass sie es später im Leben mal schwer haben wird. Haben das vor einiger Zeit bei der U9 auch mal angesprochen und der Kinderarzt sagte, er fände da jetzt nichts dran bedenklich. Bin jetzt nicht vom Fach, aber sagt man nicht, dass ein Kind sich zu Hause eben nicht perfekt benimmt, weil es sich im sicheren Hafen fühlt?
Liebe Grüße und alles Gute! Würde mir da jetzt nicht solche Sorgen drum machen.

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Ja, so war mein Sohn in dem Alter auch.

Jetzt, mit 15 Jahren, ist er ein fauler Sack!!!

Mit 5 Jahren (auch davor und die Jahre danach) habe ich auch nichts auf sich beruhen lassen und ihn, ohwohl er Nervfaktor hoch war, selber machen lassen.

Aber mittlerweile denke ich, er ist als Typ so, so doof ich das auch finde.

Nicht falsch verstehen, ich kämpfe immer noch für ein gutes soziales Miteinander und manchmal, ganz manchmal kommt er auch von alleine. Aber das ist die Ausnahme.

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Ist nicht jedes Kind erstmal egozentrisch sonst würde es nicht überleben? Und dann kommt nach und nach die soziale Entwicklung dazu. In gewisser Weise finde ich das was du beschreibst normal. Einzelne Situationen würde ich mit ihm besprechen. Zum Beispiel das verabschieden von Personen ( auch in größeren Gruppen) und zwar am besten direkt vor der nächsten Feier oder das bedanken, wenn es beim Bäcker ein Brötchen gibt. Aber einen Schritt nach dem anderen.

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Hallo,

ich glaube, die meisten Kinder haben solche Tendenzen.
Der Mensch ist eben faul.

Da muss man Grenzen aufzeigen. Wenn das Kind nicht hilft, wird dem Kind eben auch nicht mehr geholfen.
Wer nicht Guten Appetit sagt, bekommt nichts zu essen.
Wer über Geschenke mault, bekommt sie wieder abgenommen.
Der Raum wird nicht verlassen, ehe das Kind sich verabschiedet hat.
"er möchte gerne Hilfe beim Ausziehen am Abend, kaspert dabei aber rum, es funktioniert dann wieder nur mit „wenn-dann“
Wer nicht will, der hat schon. Dann muss er eben alleine klar kommen.
etc.

Vorleben ist nur eine Seite der Medaille..
Wenn das automatisch funktionieren würde, hätten alle netten Eltern nette Kinder und umgekehrt. So ist es aber nicht.
Was glaubst Du, wie viele AKs total nette Eltern haben, die nie im Leben auf die Idee kämen, sich so asozial, wie ihr Kind zu verhalten...
Der Oberschläger, Dieb und Mobber der hiesigen Grundschule hatte ganz nette, liebe Eltern. Da hat der sich gar nichts abgeguckt, sondern darüber gelacht, wie naiv die sind. (Ich habe mal ein Gespräch zwischen ihm und einem Freund mitbekommen.) Die haben ihm nämlich auch noch jede Lüge geglaubt, in der er sich als missverstandener Heiliger dargestellt hat. #klatsch

Der Mensch, auch der kleine Mensch, entscheidet selbst, was er will, und warum soll man sich anpassen und sich höflich verhalten, wenn man auch anders zum Ziel kommt?

LG

Heike

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Habe nicht allea gelesen, aber was mir noch einfiel, Kinder sind so herrlich ehrlich, und das von Grund auf. Also zumindest in dem Punkt was das geschenk betrifft welches nicht gefällt... Als Erwachsener verstellt man sich in so ner Situation dann und gibt Freude vor...