KiTa-Leitung verbietet Injektion im Notfall

Guten Tag.

Bei meiner Tochter wurde eine schwere Erdnussallergie festgestellt und wir bekamen diverse Notfallmedikamente und einen Notfallplan für die KiTa.
Bei ersten Anzeichen würde sie Saft und Zäpfchen bekommen und Notarzt rufen - was „nichts Neues“ für die KiTa ist.
Bei einem schweren anaphylaktischen Schock muss ihr Adrenalin gegeben in Form einer Injektion.
Jetzt hat uns ihre Erzieherin gesagt, dass die Leitung das ablehnt - bitte was?😳
Wir haben ihr dann gesagt, dass das unterlassene Hilfeleistung ist.
Nun werden wir das nochmal genau mit der Leitung besprechen und auch die Erzieher „schulen“ und hoffen, dass sie niemals einen solchen Anfall bekommt😔
Wir sind doch im Recht, wenn wir der Leitung sagen, dass sie verpflichtet sind ihr das Medikament zu geben oder?

PS.: Die Feststellung der Allergie kam mit dem Jahreswechsel und ihre Bezugserzieherin hat die Woche Spätdienst und ich wollte das alles mit ihr eigentlich nächste Woche in Ruhe besprechen.

LG

Ganz ehrlich stelle ich es in Frage ob ihr da im Recht seit. Ich denke jede Erzieherin hat das Recht zu sagen, dass sie sich so etwas nicht zu traut.

Bei uns im Kindergarten wird nicht mal ein Pflaster geklebt. Meine Tochter nimmt Blutverdünner....auch hier waren sie "nur" angehalten den Notarzt zu rufen.

Bei uns kam es nie zum ernsten Vorfall. Gott sei dank.

Aber ich glaube, dass ihr da Probleme bekommen werdet. Entweder ihr findet euch damit ab. Oder aber ihr findet eine Kita, die sich bereit erklärt, die Maßnahmen im Ernstfall durchzuführen.

Zwingen könnt ihr die Kita nicht.

Nein, ihr seid nicht im Recht:

https://www.kindergesundheit-info.de/fuer-fachkraefte/kita/kranke-kinder-in-der-kita/medikamente-kita/

Hallo,
Also aus einem Gespräch mir meiner Schwägerin (Erzieherin und Rettungsassistentin) weiß ich, dass man die Kita nicht zwingen kann, medikamente zu geben. Sie sind kein medizinisches fachpersonal, die Pflicht zur Hilfe ist mit dem absetzen des Notrufs getan. So wie bei jeder Privatperson auch.
Gleiches gilt ja auch bei Kindern mit Diabetes und asthma die auf regelmäßige Medikamentengabe angewiesen sind, dort müssen entweder sie Eltern die gäbe übernehmen oder es muss z. B. eine medizische Kraft zur Hilfe angestellt werden (Krankenschwester o. ä.).
Meine Schwester und ich leiden beide unter schweren Wespenallergien. Meine Schwester wurde letztes Jahr gestochen und ich musste ihr das Adrenalin verabreichen. Und auch wenn ich genau weiß was zu tun ist, ist es nicht leicht. Da ist viel Angst dabei. Ich kann die Kita ein Stückweit verstehen. Trotzdem:sucht das gesprach mit dem Träger/der Leitung. Vielleicht könnt ihr gemeinsam einen Nenner schaffen.

Alles Gute für euch.

Das finde ich aber sehr traurig.

Du willst mir sagen, das sie lieber ein Kind vor sich liegen haben, blau angelaufen und am ersticken, sprich kurz vorm Tod, anstatt kurk eine Spritze in die Haut zu stechen?

Leben die Menschen denn nur noch nach Bürokratie?

Hallo,
Ich bin auch Erzieherin.
Sei den Erzieherinnen in der Kita nicht böse, wir stehen immer mit einem Bein im Gefängnis, eine Winzigkeit falsch gemacht bei der Medikamentengabe, das Kind hat im Zweifel bleibende Schäden und die Eltern können uns anzeigen.
Das hat nicht mit Wollen zu tun sondern ist halt leider sehr nüchtern gedacht. Es haben Eltern schon eine Anzeige gemacht, weil eine Kollegin ein einzelnes Haar mit einer Nisse dran abgeschnitten haben.

LG Vanessa

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Die Kita muss den Notarzt rufen, aber keine Medikamente verabreichen. Unsere Kita trägt nicht mal Sonnencreme auf

Richtig. Unsere hat das auch nicht gemacht. Die Kinder mussten zu Hause eingecremt werden von den Eltern.

Hallo,
also in der KIA-Praxis, in der ich arbeitete, bekamen die Eltern für die Kita eine ärztliche Verordnung incl. Adrenalin-Fertigspritze. Diese wird ja bei Nichtwirken der anderen Medis in den Oberschenkel injiziert und eigentlich müsste das Kita-Personal dafür auch geschult sein. Schließlich kann es immer mal zu Notfällen kommen und da wäre es unterlassenen Hilfeleistung, einfach abzuwarten, wenn man handeln könnte! Allerdings muss bei uns halt eine Verordnung vom Arzt vorliegen. LG

Nein, es wäre lediglich unterlassen Hilfeleistung, wenn das Personal nichts tut, also auch keinen Notruf absetzt. Zu allem anderen können private Personen, also personen ohne medizinische Ausbildung nicht gezwungen werden. Und auch da gibt es keine einheitliche Rechtssprechung, dass sie im privaten solche Hilfe leisten müssen.

https://www.allergieinformationsdienst.de/aktuelles/news/article/erzieher-muessen-helfen.html

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Ich glaube nicht das sie „müssen“: aber vielleicht kannst du der Leitung ja sachlich darstellen das es sehr wichtig(lebenswichtig)ist, und die Erzieher mit ins „Boot“ holen(wenn die alle einverstanden wären im Notfall eine Injektion zu geben)

Wir sind in einer integrativen Kita, da ist das Kein Problem, da werden sowohl Medis verabreicht als auch gespritzt - haben Diabetikerkinder- usw. auch nicht verschreibungspflichtige Sachen wie Homöopathische Kügelchen oder Nasentropfen dürfen sie geben,( wenn die Eltern einverstanden sind)

Hallo,
mein Sohn ist schwerer Allergiker und hat diese Notfallmedis inkl.Pen auch schon seit Kitazeiten.
Ich selber bin auch Erzieherin.

Ich kenne es aus Erfahrung wie schwer es war einen Kita-Platz für unseren Sohn mit diesen Medikamenten zu bekommen!

Aber auch er müsste in eine Kita , später zur Schule und damit auch auf Klassenreisen.

Ich habe die Erzieher und Lehrer einfach ins Boot geholt.... Gespräche geführt, aufgeklärt,geschult (Handhabung des Pens) und auch die Angst genommen etwas falsch zu machen. Ich habe große DinA4 Notfallpläne ausgedruckt,ebenso einfache Ausdrucke mit der Handhabung.Auf YouTube gibt es ein Video dazu (das habe ich den Lehrern für die Klassenreise geschickt).
Außerdem habe ich den Erzieherin gesagt das sie mich Zeitgleich am Telefon haben und ich dann sage jetzt die Spritze geben. Krankenwagen muss dann zeitgleich auch gerufen werden.

Mittlerweile ist unser Sohn 14 Jahre und zum Glück brauchte Erzieher und Lehrer den Pen noch nicht anwenden....
Einfach noch mal des Gespräch suchen und lasse dir von der Apotheke/Hersteller der Notfallspitze einen Übungspen geben.Den gibt es kostenlos und damit kann man super den Notfall üben bzw.die genaue Handhabung.

LG Kerstin

Ich finde, du hast die Situation toll gelöst. Anstatt zu "verlangen" und zu drohen, hast du es geschafft, Angst zu nehmen und auch zu Schulen. Total toll!
Das mit dem am Telefon bleiben finde ich auch eine tolle Hilfe. Respekt für seine Klarheit

die kita entscheidet, welches kind sie aufnimmt und wenn sie keine injektion geben wollen, dann werden sie das kind einfach nicht aufnehmen. da kannst du leider nichts machen.

sollten sie sie allerdings aufnehmen und dann nicht die notwendigen maßnahmen bei einem schock treffen, ja, dann ist es unterlassene hilfeleistung.

aber wenn dir schon offen gesagt wird, dass eine injektion zu vergeben unerwünscht ist, solltest du das kind dort gar nicht erst hingeben.

Danke für deine Antwort.
Meine Tochter geht seit 5 Jahren in die KiTa - sie wird dieses Jahr eingeschult.
Ich frage mich nur, wie das dann in der Schule wird🤔

oh, sorry, ich hatte das überlesen, dass sie schon lange dort ist.

ich weiß leider nicht, ob die kita dann einfach kündigen kann... aber wenn sie eine injektion wirklich verweigern, würde ich an deiner stelle so schnell es geht einen anderen platz suchen.. wer weiß, ob nicht wirklich mal was passiert.

das mit der schule würde mir auch sorgen machen. ich denke mal, dass auch einige lehrer verweigern werden.

Vor vielen Jahren als Au Pair habe ich auch ein Kind (damals 4) mit Nussallergie betreut. Den No-Nut-Bag mit Pen musste ich überall hin mit nehmen und ich war von den Eltern soweit drauf geschult, dass ich das im Notfall auch gekonnt hätte. Mit der Primary School war das so geregelt, dass sowohl die Lehrerin als auch ein anderer Kollege darauf geschult waren. Die britische Rechtssituation dazu kenne ich nicht. Aber ich würde an eurer Stelle mit der Leitung das Gespräch suchen. Schulungen für den Pen anbieten. Und vielleicht findet sich im Kollegium (heißt das im Kiga auch so?) ja jemand der sich sowas zutraut? Es müsste ja nicht zwingend ein(e) ErzieherIn aus eurer Gruppe sein. Aber nicht gleich losrumpeln mit der unterlassenen Hilfeleistung. Konstruktiv. 😉

Danke für deine Antwort.
Das war vielleicht wirklich etwas losgerumpelt, aber unsere KiÄ meinte, dass sie dazu verpflichtet sind. Nun kam die Reaktion der Leitung und wir fühlten uns mit dem Gegensatz überrumpelt 🥴

Nein, ihr seid nicht im Recht. Wenn eine Erzieherin es sich nicht zutraut, muss sie keine Injektion geben.
Sie muss lediglich den Notarzt rufen, somit hat sie Hilfe geleistet.
Was wäre, wenn bei der Injektion was schiefläuft?

Ich muss auch nicht in brennende Häuser rennen um Leute zu retten. Es reicht, wenn ich die Feuerwehr rufe. Somit habe ich meine Pflicht zur Hilfeleistung getan.

Noch ein Vergleich, der nicht passt.

Im Großen und Ganzen schon.

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Hi,

Ob im Recht oder nicht. Ich finde es albern und peinlich von der Kita. Und den Richter will ich sehen, der da zum Nachteil der Person urteilt, die Hilfe leistet. Da gibt es doch mindestens eine Rechtfertigungsgeund, falls was schiefgehen sollte.

(Bin Juristin, kenne mich mit dem Fall nicht aus, aber hab da mittlerweile ein ganz gutes Gefühl für.)

Heute mal ganz von der Leber weg: Personen, die das verweigern haben einen Knall. Meiner Meinung nach.

Lg und viel Glück!

Also zusammenfassend:

Rechtlich: Müssen sie wahrscheinlich nicht.
Nach Menschenverstand: bekloppt.

Also ich werde einen Kind seine Notfallmedis geben....und gleichzeitig sofort die Rettung rufen....
Einem Kind sein Asthma Spray im Notfall
Einen Fieberkrampf Kind sein Zäpfchen
Einem Herzkind seine Tablette
Einem Allergiker seinen Pen
Meiner Kollegin ,die eine Wespenallergie hat werde ich auch helfen....und habe ich schon .....und meine anderen Kollegen in der Kita werden dies auch tun...
Danach werde ich Panik & Schwindel bekommen wenn alles vorbei ist ....denn ich weiß das nichts machen schlimmer ist als helfen....meine Einstellung ist so und ich hoffe auch die vieler anderer Menschen... wenn mein Sohn einen Anaphylaktischen Schock hat.
LG Kerstin 🙂

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Hallo, unser Sohn ist Typ 1 Diabetiker, wir haben auch eine Notfallspritze die im absoluten Notfall gegebenen werden muss.
Aber weder Kindergarten noch Schule haben sich bereit erklärt diese zu geben😥
trotz etlichen Gesprächen und keinerlei Druck. Finde es sehr traurig, kann die andere Seite aber auch verstehen😑 wir hoffen das der Notfall nie Eintritt
Lg

Das tut mir sehr leid für euch. Das ist einfach unglaublich.

Unfassbar:-(! Ich glaube, ich würde Amok laufen...ich kann ja noch verstehen, dass "Fremde Menschen" sich nicht trauen, im Notfall zu reagieren, aber Lehrer bzw. Erzieher sollten durch Aufklärung dazu in der Lage sein, einen Pen zu setzen. Zum Glück ist eine Unterzuckerung durch die heutigen Meßmethoden doch ganz ganz selten. Aber die Angst ist wahrscheinlich unbewusst immer da! Ich kann mir das nur so erklären, dass es einfach Unwissenheit ist...da braucht man sich wirklich über nichts mehr zu wundern!

Ich entschuldige mich im Voraus für die Polemik in diesem Beitrag, aber ich bin etwas erschrocken von den Geschichten anderer Eltern hier mit betroffenen Kindern, und auch von der merkwürdigen Argumentation. Da wird die Injektion mit einem Pen mit der Rettung Ertrinkender oder Menschen aus einem brennenden Haus unter Einsatz des eigenen Lebens verglichen, eine Spritzenphobie wird Grund fürs Nichthandeln angebracht... Im Ernst?

Und natürlich die Sorge, etwas falsch zu machen. Trotz Schulung, Bebilderung des Pens etc. Vielleicht ist auch manchen nicht klar, dass man nicht wie in der bekannten Szene in Pulp Fiction eine Retro-Spritze direkt ins Herz jagen muss. Wir reden davon, einen Plastikpen an den Oberschenkel zu pressen.

Man setzt sich selbst dabei keiner gesundheitlichen Gefahr aus (vorausgesetzt, man legt Daumen nicht aufs falsche Ende des Pens, sondern lässt ihn an die Seite).

Sollte ich von durchgeknallten Eltern mal verklagt werden, weil meine erste Hilfe an ihrem Kind nicht professionell genug ausgeführt wurde, würde ich endgültig zum Misantrophen mutieren und trotzdem auf einen vernünftigen Richter bauen. Wäre mir immer noch lieber, als einem Kind beim Ersticken zuzugucken.

Kurz und knapp: DANKE!

Auch von mir einen Daumen hoch.

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Ich bin auch Erzieherin und versuche mal so objektiv wie möglich zu antworten.
Nach etlichen EH Kursen ist mir etwas in Erinnerung geblieben, was der Herr vom
Rettungsdienst uns vermittelt hat:
Das wir als Erzieher bzw. pädagogisches Personal nur dann Injektionen oder
Notfallmedikamente verabreichen dürfen, wenn wir von Medizinern/Fachpersonal
geschult wurden.
Ansonsten könnte das Risiko um ein vielfaches höher sein, von Eltern angezeigt zu werden.
Eine damalige Kollegin hätte fast eine Anzeige bekommen, weil sie einem Jungen ein
Pflaster gegeben bzw. aufgeklebt hat.
Bei dem Träger, wo ich arbeite ist es uns auch untersagt, Medikamente zu geben.
Oder wir müssten entsprechend geschult sein, was wir aber nicht sind.

Auf was für einer Grundlage hat der Herr den dieses Risiko berechnet? Ein hohes Risiko, angezeigt zu werden, weil man ein Medikament verabreicht hat, dass die Eltern des Kindes zu diesem Zweck ausgehändigt haben? Woher hat er das?

Man ist verpflichtet, erste Hilfe zu leisten, wenn es zumutbar ist. Der Einsatz eines Pens dürfte als zumutbar gelten.

Und selbst wenn man von Knalltüten angezeigt wird, was soll passieren? Es gibt ein Haftungsprivileg für Nothelfer. Es gibt eine Unfallversicherung (s. dazu im Zusammenhang mit erster Hilfe bei allergischen Reaktionen im Kindergarten hier: https://idw-online.de/de/news680363).

Genau aus diesem Grund bietet unser Kinderallergologe nicht nur Anaphylaxieschulungen für die betroffenen Familien an, sondern auch für KiTas und Schulen.
In unserem Fall war es so, dass unsere Leitung nach persönlicher Rücksprache mit dem behandelnden Arzt (dieser wurde von uns diesbezüglich von der Schweigepflicht entbunden) einverstanden war, dass die Anaphylaxieschulung durch mich in der Einrichtung durchgeführt wurde.
Es gibt eine schriftliche Bestätigung der Schulung und einen schriftlichen Notfallplan mit Leitsymptomen und den zu verabreichenden Medikamenten (von allen relevanten Parteien unterschrieben (Arzt, Kita, wir)). Darüber hinaus gibt es einen von uns unterschriebenen Haftungsausschluss (gibt es beim DAAB).
Uns war es wichtig all dies zu veranlassen, um dem betreuenden Personal die Angst zu nehmen. Wichtig war uns insbesondere auch, darüber zu informieren wie ein solcher Notfall verhindert werden kann und was wir als Eltern hierzu beisteuern können.
In einem solchen Fall steht die konstruktive Kommunikation zwischen Einrichtung und Eltern einfach an allererster Stelle.

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Hallo,

ich kann euch nur raten, ALLEN Erzieherinnen, v.a. aber der Leitung, sehr genau zu erklären, was passieren kann, wenn so eine Spritze nicht rechtzeitig gegeben wird.
Und gleichzeitig klar machen, dass man damit a) nichts falsch machen kann und ihr persönlich b) niemals jemanden verklagen werdet, der helfen wollte.

Ich habe einige Jahre als Lehrerin gearbeitet und an einer Schule lag im Kühlschrank ein Notfallset für ein Mädchen mit schwerer Bienenallergie.
Die Ansichten der Lehrerinnen gingen sehr weit auseinander. Von "ich könnte das nicht" über "das dürfen wir bestimmt gar nicht" bis zu "das muss sein, sie könnte sonst sterben" war alles dabei.
Ich hatte selbst als Kind eine Klavierlehrerin, die ein ähnliches Notfall-Kit immer bei sich trug. Ich kannte das also und war fest entschlossen, es im Notfall selbst anzuwenden. Denn ich würde meine Hand nicht dafür ins Feuer halten, dass Kollegen im Zweifelsfall geistesgegenwärtig UND mutig genug sind, eine solche Spritze anzuwenden. Aber ich glaube, die Chancen steigen, wenn jeder weiß, wie unglaublich wichtig das ist. Aufklärung ist alles!! Und dabei wirklich immer die schlimmste Möglichkeit erwähnen - selbst wenn man selbst eigentlich lieber nicht drüber nachdenken würde. Denn ein totes Kind ist wirklich die aller- allergrößte Horrorvorstellung auch für verantwortliche Lehrer und Erzieher. DAS zu verhindern, dafür würden die Erzieherinnen alles tun, was ihnen möglich ist, da bin ich sicher.

Liebe

Ich bedanke mich erstmal für die vielen Antworten und hätte nicht gedacht, solch eine Diskussionswelle damit auszulösen.
Ich gebe einigen recht, dass wir mit der „Drohung“ einer unterlassenen Hilfeleistung wohl zu hart waren - unsere KiÄ „impfte“ uns damit, dass die Erzieher es machen müssen.
Wir suchen das Gespräch mit den Erziehern und auch der Leitung und hoffen natürlich, dass im Notfall nicht abgelehnt wird ihr den PEN zu verabreichen.

Was ich aber trotzdem extrem erschreckend finde, dass es wohl wirklich Eltern gibt, die eine Erzieherin anzeigen, weil sie helfen wollte😳 so erklärt sich anscheinend auch die Sichtweise, warum hier so sehr auf dem Recht gepocht wird, dass das Absetzen des Notrufs ausreichend ist!
Das macht mich extrem traurig!
In einem Notfall kann man nichts falsch machen, erst recht nicht als Laie.
Ich bin medizinisches Fachpersonal und mir ist noch kein Fall bekannt, in dem ein Laie verklagt wurde, weil er anstatt einer Reanimation fälschlicherweise eine Kolonmassage durchgeführt hat - überspitzt geschrieben!

Und dann diese Vergleiche mit einem brennenden Haus, einem Ertrinkenden....bitte?
Da setzt man doch den Notruf ab, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen!
Wo besteht hier bitte die Gefahr, wenn man einem am Boden liegenden, blau angelaufenem regungslosen Kind einem PEN in den Oberschenkel „schießt“ - die Nadel kann abbrechen, ja, ABER das kann nur passieren, wenn man agiert. Die Chancen stehen da 50:50, das man einem kleinen Kind das Leben rettet. Wenn man ihn nicht verabreicht dann stehen die Chancen bei 0:100! (Ich hoffe jetzt wird hier nicht meine Wahrscheinlichkeitsrechnung zerpflückt)

Naja, ich hoffe natürlich, dass der Notfallpen nie gebraucht wird und die anderen Medikamenten auch nicht.

Einen schönen Abend noch.

Ich drücke euch ganz doll die Daumen, dass die Kita zustimmt. Und natürlich auch, dass der Notfall niemals eintritt✊

Ich konnte auch kaum glauben, was einige hier so geschrieben haben (brennendes Haus, ertrinken....)....

Das problem ist das es um den Notfall geht. Im Notfall haften die Erzieher nicht.
Aber liegt kein Notfall vor oder nehmen sie in der aufregung das falsche Medikament haften sie.

Und es das sich soviele weigern liegt an anderen Eltern die ständig klagen und sich beim träger beschweren. Lies doch nur hier wie oft geschrieben wird geh zum Träger zeig den Kindergarten an.

Auch wenn ein Richter später entscheidet das die Erzieherin nicht haftet, bleibt es immer hängen das es die Erziehrin war die mal verklagt wurde.

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Weil hier alle ( v.a. die Erzieher) Angst haben, wvtl für irgendetwas haftbar gemacht zu werden:
Wäre es eine Idee, wenn ihr eine (evtl auch anwaltlich formulierte) Erklärung abhebt, dass ihr im Zwiefelsfall ausdrücklich damit einverstanden seid, dass der Pen gegeben wird und ihr auch keinen Erzieher im Zusammenhang mit der Verwendung des Pens belangen werdet, ihn also von jeglicher Haftung- außer durch grobe Fahrlässigkeit- ausschließt?
Ich weiß nicht, ob sowas geht, aber das kam mir-neben Aufklärung und Schulung- als erstes un den Sinn....

Das geht nicht.
Denn nicht nur die Eltern können klagen sondern auch die Krankenversicherung.

Ob du im Recht bist, vermag ich nicht zu sagen, aber eine Meinung habe ich trotzdem:
Wir haben auch ein Allergikerkind mit PEN im Kindergarten und dem Notfallplan und wurden geschult und haben natürlich die schriftliche Erlaubnis zu stechen. ICH WÜRDE ES TUN. Soll dann einer wagen mich zu verklagen!
Kommt vielleicht auch drauf an, wie man Eltern einschätzt und ich hab mir Gott sei Dank noch nie die Finger an Eltern verbrannt.

Also wir gehören definitiv zu den Eltern, die nie auf die Idee kommen würden eine Erzieherin zu verklagen, wenn sie im Notfall agiert.
Wir werden mit den Erziehern und der Leitung in Ruhe darüber reden.
Ich finde es wirklich schlimm, das wohl der Grund der Ablehnung durch die Angst vor Klagen hervorgerufen wird - hier geht es um das Leben kleiner Kinder und leider auch um das meines großen Mädchens.

Einen schönen Abend wünsche ich noch🙂

Vielen Dank für diese gesunde Einstellung. Und es ist sehr unwahrscheinlich, dass man dir irgendwas kann! S.a. https://idw-online.de/de/news680363

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Hi,
Ich habe nicht alles gelesen, gut möglich, dass es jmd schon geschrieben hat.
Genau euer Sachverhalt ist juristisch sehr umstritten - hier gibt es keine eindeutige Antwort, leider, höchstens Tendenzen.
Es gab aber auch schon Urteile, dass dem Kind in einem solchen Fall eine I-Kraft bewilligt werden musste.
Alles gute

Hallo Racebiker,
Ich fühle mit Dir- mein Sohn hat ebenfalls einen Anaphylaxie-Ausweis und das Notfall-Set ist immer dabei.
Wir haben mit der Leitung und der Erzieherin das Gespräch gesucht. Durch einen „Tester“ konnte das Personal den Einsatz des Pens üben und das hat auch ein Stück weit die Angst genommen. Hast Du das ggf. schon versucht? Wir haben vom Arzt eine unterschriebene Anleitung mit farblichen Markierungen und diese hängt im Kindergarten aus.
Ich drücke die Daumen, dass Du durch Gespräche hier weiterkommst!
Viele Grüße, Sabrina
PS: Wo kommst Du denn her? Wir haben in München eine Gruppe von betroffenen Eltern und hier frage ich gerne um Rat.

Guten Abend.
Danke für deine liebe Antwort.
Den Tester mussten wir schon wieder abgeben, aber ich habe gelernt, dass Apotheken den wohl kostenlos zur Verfügung stellen.
Die Anleitung, wann was gegeben werden muss, haben wir erhalten und wird morgen in der Gruppe ausgehangen.

Ich komme aus Thüringen - etwas weit weg🤪

Den Tester Übungspen bekommt man kostenlos über den Hersteller.
LG Kerstin

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Da hier teilweise der Eindruck entsteht, man stünde mit einem Bein im Knast, wenn man erste Hilfe leistet:

Es gibt ein Haftungsprivileg für Nothelfer. Nur wenn man vorsätzlich dem Verletzten weiteren Schaden zufügt, also z.B. den Verletzten absichtlich tritt, oder grob (!!) fahrlässig handelt, kann man haften. Eingerostete Erste Hilfe-Kenntnisse sind keine grobe Fahrlässigkeit.

Wenn man medizinisch ausgebildet ist, z.B. Arzt, sieht es etwas anders aus, da haftet man u.U. auch bei anderen Ausprägungen der Fahrlässigkeit.

Man hat die Pflicht, Hilfe zu leisten, auch über einen Notruf hinaus, außer man gefährdet dabei sich oder andere, muss z.B. sein Kind alleine im Straßenverkehr lassen, um Hilfe zu leisten.

Das ist ja das, was mich so traurig macht.
Es wird nicht über den Notruf hinaus geholfen, weil man Angst hat, verklagt zu werden.
Da müssen wir wohl ansetzen bei den Erziehern - Angst nehmen.

Das Haftungsprivileg für Nothelfer gilt nach der Rechtsprechung nicht für Lehrer und Erzieher.

§ 680 schützt normalerweise diejenigen, die in einer spontanen Notsituation Erste-Hilfe leisten und dabei aber möglicherweise den Schaden durch falsch angewandte Mittel erhöhen, da in einer solchen Situation oftmals keine Zeit für gut überlegtes Handeln bleibt. Dies ist bei Lehrern und Erzieherinnen nicht der Fall. Sie haben die Amtspflicht, notwendige und zumutbare Erste-Hilfe-Maßnahmen durchzuführen, auch wenn es sich hierbei nur um eine Nebenpflicht handelt. Daher ist das Haftungsprivileg nicht auf die anwesenden Lehrkräfte oder Erzieherinnen anwendbar, sodass die Haftung auch bei leichter und mittlerer Fahrlässigkeit nicht ausgeschlossen werden kann.

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Entgegen aller Kommentare bezüglich Notarzt rufen reicht aus, hier ein recht aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs. Hier geht es zwar um Sportlehrer, jedoch wurden auch nach Absetzen des Notrufs weitere Maßnahmen unterlassen. Der Kläger bekam Recht!
Jeder ist verpflichtet zu helfen. Auch wenn es laienhaft ist. Für "Falsch" angewendete Injektionen, Verletzungen, etc. dafür kommt die Versicherung auf.

https://www.bllv.de/vollstaendiger-artikel/news/rette-wer-kann/

Wenn man sich den Volltext der Entscheidung des BGH vom letzten Jahr (Zivilrecht) anschaut, kann man diese Konstellation nur bedingt auf die hier diskutierte Fallkonstellation übertragen.

Bei Atemstillstand hat ein Lehrer (und damit entsprechend ein Erzieher) rettungserhaltende Maßnahmen durch Reanimation durchzuführen. Dies implimziert aber nicht zwangsläufig das Setzen eines PEN oder die Gabe von Medikamenten. Und wichtig ist, dass der Lehrer bei Fehlverhalten auch bei leichter Fahrlässigkeit zivilrechtlich haftet.

Genau 👍Danke, hast du besser zusammengefasst als ich in meinen ganzen Beiträgen.

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Sprich mit eurem Kinderarzt. Die schulen in solchen Fällen in aller Regel das Kindergartenpersonal.

Und ja, es ist unterlassene Hilfeleistung, wenn von einem Pen und der schweren Allergie gewusst wird und ihr nicht geholfen wird.
Die meisten haben halt Angst etwas falsch zu machen. Obwohl man ja mit der Injektion (sollte sie selbst an der falschen Stelle gegeben werden) nichts kaputt machen kann. Also auch das Andrenalin richtet im Körper keinen Schaden an, falls sie keine Allergische reaktion hat.

Hallo,

auch wenn schon viel diskutiert wurde, möchte ich kurz „meine Geschichte“ erzählen.
Ich bin Erzieherin in einer Krippe. Vor ein paar Jahren wurde bei einem Kind eine Ei Allergie festgestellt. Schon Spuren von Ei führten zu Reaktionen. Sie durfte auch keine Spuren zu sich nehmen.
Damals gab es noch keine rechtliche Verpflichtung Notfallmedikamente zu verabreichen. Wir haben auf einer TB ausführlich mit den Eltern darüber gesprochen und auch geklärt, was wir brauchen um uns bereit zu erklären. Die Eltern haben uns mit dem Übungspen geschult und wir haben auch regelmäßig an uns selbst geübt. Wir durften eine großen roten Zettel im Gruppenraum aufhängen mit einer Auflistung, bei welchen Symptomen wir was geben müssen und natürlich bei welchen Lebensmitteln wir genau hinschauen müssen. Wir durften die Eltern jeder Zeit anrufen, wenn wir unsicher waren und die ersten Wochen waren wir sehr angespannt. Die Eltern waren immer verständnisvoll und nie genervt!!! Am Anfang, sind wir den Speiseplan zusammen durchgegangen. Sie haben uns die Angst genommen! Die ganzen zwei Jahre mussten wir, zum Glück, kein Medikament anwenden! Der PEN ist ja nur der letzte Schritt! Das hat uns auch Sicherheit gegeben. Für uns wäre es schlimmer gewesen, diesem Kind im Notfall nicht zu helfen bzw. nach dem absetzten des Notrufes nur zuzusehen obwohl wir auf recht einfachen Wege helfen könnten UND die Eltern haben unsere Angst (etwas falsch zu machen oder verklagt zu werden) immer ernst genommen und uns Sicherheit vermittelt.

Bei uns ist es jetzt verpflichtend, dass Fachkräfte in Kitas Notfallmedikamente verabreichen müssen, weil diese Kinder sonst vom Besuch einer Kita ausgeschlossen wären (Stichwort Inklusion). Voraussetzung ist die genaue Anweisung vom Arzt und den Eltern, sowie eine spezielle Schulung durch den Arzt.

Ansonsten verabreichen wir keine Medikamente in unserer Kita, weder Antibiotika, Hustensaft, Nasentropfen oder irgendwelche Kügelchen.

Eine Bekannte von mir hatte aber ein sehr ähnliche Probleme in ihrer Kita (auch Nussallergie). Nur: die Erzieherinnen hätten es verabreicht aber die Leitung hat es verboten. Nachdem die Leitung überhaupt nicht mit sich reden ließ, ist sie erst zur Presse und dann zum Anwalt. Nicht die „feine englische Art“ aber die Erzieherinnen dürfen jetzt (Sie hätten es auch so gemacht, der PEN liegt ja im Rucksack 😉).

Ich wünsche euch alles gute und viel Erfolg!