3,5 Jahre und weit vom trocken werden entfernt

Hallo,

Meine Tochter ist nun 3,5 und leider weit davon entfernt, trocken zu werden.
Wir sind echt mittlerweile weit und breit die einzigen, wo es gar nicht klappt.

Es ist nicht so, dass sie nicht weiß wie es geht oder es nicht spürt, sie weigert sich wirklich mit Weinen und Schreien, das Klo oder Töpfchen zu benutzen.

Anfang des Jahres ging sie hier und im Kindergarten aufs Klo zum Pipi machen, zwar meist nur nach viel gutem Zureden von den Erziehern und uns, aber immerhin.

Dann stellte sie das wirklich komplett ab. Sie macht Pipi und groß auch immer nur, wenn keiner dabei ist. Es darf keiner im Raum sein. Entweder noch in die Windel oder wenn wir draußen sind, in den Garten. Aber das ist ja nicht Sinn der Sache. Sie sagt, sie will einfach nicht.

Ich denke, sie ist zu bequem, weil sie auch bei anderen Dingen dazu neigt, eher faul zu sein. Aber sie würde eher stundenlang einhalten und dann unbeobachtet in die Ecke machen als das Töpfchen zu benutzen.

Was kann man jetzt tun? Echt noch warten bis sie von selbst bereit ist? Einfach trotz Protest die Windel weglassen?
Nachts ist sie übrigens seit vielen vielen Monaten trocken. Sie wartet immer bis nach dem Aufstehen.

Freu mich über Tipps.

LG Yanis

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Hallo Yanis!

Ich antworte mal, da ich bis vor wenigen Wochen selbst in der Situation gewesen bin.
Allerdings mit unserem Sohn, dieser ist auch 3,5 Jahre. Allerdings geht er schon seit 2,5 Jahren in Krippe bzw. Kindergarten.
Unser Sohn ist auch in der Fraktion "ich kann, aber ich will nicht", ist bei vielen Sachen so.
Komischerweise klappt es seit 2 Wochen, dass Pipi recht zuverlässig und auch groß (wird immer besser) in den Topf gemacht wird.
Den Ausschlag hat bei uns denke die Kita gegeben und tatsächlich auch ein bissl Bestechung. Er war der einzige in einer Doppelgruppe mit 24 Kindern der noch eine Windel brauchte.
Als Bestechung gabs in der Kita z.B. für einen Tag ohne Unfall ein Ei mit kleinem Spielzeug drin. Die Abstände wurden dann immer länger., für die er was bekommen hat und sein Erzieher hat sich wirklich ehrlich gefreut. Bei uns bekommt er wenn er noch heute und morgen ohne Unfall bleibt eine Schatzkiste mit Badezusatz. Er hatte sich beim Einkaufen eine Schatzkiste gewünscht und das hab ich gleich genutzt.
Gibt es etwas, was sie sich wünscht? Egal ob materiell oder Unternehmung?
Oder habt ihr das schon probiert?
Hoffe zwar das es nicht nach hinten losgeht und er nachdem er seinen Schatz bekommen hat wieder anfängt in die Hose zu machen, aber wir werden sehen. Ich bin guter Dinge.

LG und viel Erfolg!
Lisa

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Danke dir.

Sie ist auch mit Belohnungen nicht dazu zu bewegen, weshalb ich diese Methode auch angestellt habe. Meine Mutter verspricht ihr regelmäßig kleine Geschenke, aber da weiß meine Tochter, dass sie auch was bekommt, wenn sie nicht aufs Klo geht, irgendwann. Also sinnlos. Auch dass alle anderen Kinder hier zuhause unsere Toilette benutzen, scheint sie nicht zu tangieren.
Sie reagiert einfach nur mit kompletter Verweigerung.
Mein Freund sagt, dranbleiben und einfach keine Windel mehr anziehen und ich denke, etwas warten wäre sinniger, wobei ich das ja nun schon lange genug tue.

LG

2

Glaub mir, ihr seid nicht die Einzigen. ;-)

Da das ein sehr sensibles Thema ist, würde ich da ohne Druck dran gehen. Auch eine (unterdrückte) Erwartungshaltung der Eltern oder ein Belohnungssysteme empfinde ich als Druck.

Und ich glaube auch nicht, dass Ihr weit vom Trockenwerden entfernt seid. Viele Kinder haben für einige Monate noch mal einen "Rückfall" zur Windel. Wenn man sie dann mit dem Thema in Ruhe lässt, können sie von sich aus entscheiden, wann sie soweit sind.

An Eurer Stelle würde ich einfach nur abwarten. Das kommt von alleine.

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Vielen Dank.
Wie lange würdest du warten? Also ich denke, 4 Jahre wäre für mich schon ein Alter, wo ein Kind trocken sein sollte.
Zumal sie ja nicht zu unreif dafür ist, sondern ja schon weiß, wie es geht. Meine Tochter ist eher so das Typ Kind, dass sehr bequem ist. Das ist auch das einzige, was die Erzieherinnen stets zu uns sagen. Sie ist total gewitzt, offen und gut entwickelt, aber etwas faul.....

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Man sagt, dass man ein Kind ab 5 beim Urologen vorstellen soll, wenn es nicht trocken ist. So lange habt Ihr Zeit.

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Hi, das Problem kenne ich. Vorab: Meine Tochter ist inzwischen fast 11 und geht seit längerem zuverlässig auf die Toilette 😁
Als sie klein war, dachte ich, dass das Trocken werden ein Spaziergang wird, da sie schon immer sehr vernünftig und sprachlich sehr weit war. Leider weit gefehlt. Obwohl wir sämtlich Bücher Toilettensitze, Belohnungssysteme durchhatten, weigerte sie sich standhaft aufs Klo zu gehen.
Die KiGa Leitung erklärte mir im 1.Telefonat bei der Anmeldung (da war die 3 Jahre) und ohne uns gesehen zu haben, dass das ein Machtspiel zwischen mir und meiner Tochter sei und ich mich da durchsetzen müsse. Im KiGa selbst wurde sie nicht mehr gewickelt, sondern sie wurde konsequent auf die Toilette geschickt. Sie nässte sich einmal im KiGa ein und dann nie wieder. Der KiGa klopfte sich also auf die Schulter und ich war ratlos, wieso ich so ein Loser war.
Allerdings fiel mir auf, dass ihre Nachtwindel morgens sehr nass war, sie also kurz vor dem Wechseln, wenn sie bereits wach war, anscheinend nochmal reinmachte und die sofort nach dem KiGa vehement eine Windel forderte, in die sie dann sowohl klein als auch groß rein machte.
Im Laufe der Zeit ging sie dann bei der Oma, auf die Toilette, bei mir musste es eine, Windel sein 😫
Im Sommer, als sie 3,5 Jahre alt war, erklärte ich ihr, dass es im Urlaub sehr blöd sei sie zu wickeln, da es dort keine richtige Wickelkommode gibt und ob sie nicht vielleicht im Urlaub mal für Pipi aufs Klo gehen könnte. Darauf ließ sie sich dann ein und ging dann auch GsD nach dem Urlaub zum Pinkeln aufs Klo
Zum großen Geschäft war sie weiterhin nicht zu bewegen. Nur mit Windel. Mein Versuch, einfach die Windel auszulassen, irgendwann wird sie schon nachgeben, endete mit einem Besuch Abends in der Kindernotfallhilfe im Krankenhaus, da sich schmerzhafte Kotsteine gebildet hatten und ihr After eingerissen war und blutete.
Das war keine schöne Erfahrung und diese Schmerzen für das Kind waren das schneller sauber werden nicht wert.
Gleichzeitig hatte ich mich mit online mit einem tollen KiPsychologen ausgetauscht, der mir erklärte, dass das sauber werden auch einen psychischen Prozess voraussetzt, auch wenn die Kinder physisch dazu in der Lage sind.ixj müsse ihr einfach Zeit lassen und den Druck rausnehmen.
Also hab ich zähneknirschend, die Kackewindel gewechselt, und gewechselt und gewechselt.
2 Monate vor ihrem 4.Geburtstag fragte ich mal vooorsichtig, wann sie gedenkt, fürs große Geschäft die Toilette zu benutzen und sie meinte "Wenn ich vier bin". Das sagte sie mir immer wieder. Am Tag nach ihrem 4. Geburtstag, wir hatten an dem Tag ihren Kindergeburtstag gefeiert, sagte sie abends plötzlich :"so, ich mach jetzt Groß" Ich völlig ungläubig :Echt? Sie' ja, ich habs Dir doch gesagt!. Und seit dem Tag war die Sache erledigt. Sie sagte übrigens auch zu mir, dass sie jetzt auch im KiGa die Toilette benutzt. Da hatte ichs kapiert:sie ist zwar aufs Klo gegangen, als sie die Erzieher geschickt hatten, hat aber nix gemacht, sondern eingehalten, bis, sie daheim war!
Soviel zum Thema, der KiGa hatte es im Griff 😜
Naja, jetzt wurde es doch länger als gedacht.
Also Lange Rede, kurzer Sinn: Gib Deiner Tochter noch Zeit und lass Dich nicht (vor Allem nicht von Außenstehenden) verrückt machen!

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Danke für deinen sehr hilfreichen Beitrag...
Tatsächlich waren wir letzte Woche auch im Urlaub, wo die Vermieterin der Ferienwohnung auch meinte, sie sei ja viel zu alt für Windeln. Und Freunde von mir auch....natürlich auch meine Eltern und selbst mein Freund.
Aber ich möchte auf keinen Fall, dass sie Schmerzen bekommt und ärztliche Behandlung benötigt, das klingt absolut schrecklich 😮
Schön dass du deiner Tochter dann noch Zeit gegeben hast und es von selbst ging.
Ich hoffe das ja auch bei uns...
Momentan haben wir wahrscheinlich so viel und eindringlich geredet, dass sie absolut innerlich sich dagegen sperrt...

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So, jetzt hab ich nochmal die Antwort des Kinderarztes (nicht Psychologe) der sich auf frühkindliche Entwicklung spezialisiert hatte, rausgesucht:

Zur Windelfreiheit gehört neben der organischen Kontrollfunktion der Ausscheidungsvorgänge die innere Bereitschaft des Kindes zu sozialen Verantwortung in puncto Sauberkeit. Die lässt sich aber nicht verordnen. "Draußen" im Kiga unterwirft sich sich das Kind den Forderungen der Erzieherinnen. Auch wenn nicht immer mit Zwang gearbeitet wird, Druck wird auf versteckte Weise jedenfalls gemacht. Um in der Gruppe mitzuhalten und nicht negativ aufzufallen, passt sich das Kind an. Aber die soziale Reife ist noch nicht da. Also geht das Kind nach hause in seinen geschützten Raum und lebt dort den unerfüllten Teil des Reifeprozesses zu Ende. Da aber auch dort jetzt Anpassung erwartet wird, entsteht ein Konflikt. Das Verhalten Ihrer Tochter sind die Auswirkungen diese Konfliktes. Genau genommen verfällt Ihre Tochter zu Hause in eine Regression ausgelöst durch Anpssungsspannung oder -zwang im Ki.ga.
Beim Stuhlgang hilft ihr noch der Ekel vor der Ausscheidung in die Hose. In schlimmeren Fällen geht auch der verloren, bzw. wird umgedreht zur Provokation. Die Schlussfolgerung ist die, dass es immer falsch ist, ein Kind durch Druck oder Zwang vorzeitig zu einem Verhalten zu bewegen (aus eigener Bequemlichkeit), Sie können jetzt die Spannung nur dadurch herausnehmen, dass Sie Ihrer Tochter zu Hause die Windel lassen und ihr zu verstehen geben, dass es Ihnen nicht ausmacht, wenn sie noch weiter die Windel benutzt. Sie dürfe selbst bestimmen, wann sie auf die Windel ganz verzichten kann. Das kann natürlich noch eine geraume Zeit dauern. Viele Grüße

Gerade muss ich schlucken, wenn ich das wieder lese. Vor Allem den Satz mit der Bequemlichkeit.

Zwischen der Antwort und dem Sauber werden lagen dann aber doch noch fast 10 Monate.
Und das war keine leichte Zeit. Ich musste immer gegen meine Angst kämpfen, sie tanzt mir auf der Nase rum. Ich hab sogar dem Arzt nochmal geschrieben, um mich nochmal bestärken zu lassen, dass ich auf dem richtigen Weg bin

Hätte mir jemand vor meiner Tochter gesagt, ich ziehe mal meinem Kind eine Windel zum Sch... an, hätte ich lauthals gelacht, und gesagt, dass MIR das nicht passiert,, da ICH mal mein Kind im Griff haben werde...

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Hallo,

ich bin auch der Meinung, dass abwarten die beste Methode ist. Mein Sohn ist auch eher von der bequemen Sorte und hätte tagsüber schon viel früher trocken werden können aber wollte nicht. Im KiGa wurde er auch immer auf Toilette geschickt (trug dort Schlupfwindeln), zuhaue wollte er nur für das große Geschäft freiwillig auf die Toilette. Letztendlich ist er ca 2 Wochen vor der Geburt seiner Schwester (mit 3 Jahren und 7 Monaten) tagsüber trocken gewesen und ca 1-2 Wochen nach der Geburt seiner Schwester dann auch Nachts.

Ich hab ihn immer wieder mal gefragt, ob er Windel oder Unterhose tragen möchte. Für den KiGa wollte er eine Windel, zu Hause dann öfter mal eine Unterhose. Ich hab nie ein großes Thema draus gemacht und ihm eine Windel angezogen, wenn er es wollte.

Letztendlich mochte er die Windeln nicht mehr, weil sie im Gegensatz zu Unterhosen unbequemer waren.

Vielleicht kann’s Du sie so ein bisschen zum Umdenken bringen, wenn Du Windeln kaufst, die vielleicht etwas zu klein und dadurch unbequemer sind (sollen natürlich nicht einschnüren oder schmerzen) oder eine andere Marke?

LG

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Hi,

Druck rausnehmen und einfach mal lassen.
Unser Großer hat es kurz vor seinem 4. Geburtstag geschafft. Meine Kleine ist gerade 2 geworden und es klappt ganz gut schon, selbst unterwegs, wenn sie Windeln an hat, sagt sie oft Bescheid.

Jedes Kind hat sein Tempo und unser Sohn hat total abgeblockt je mehr wir versucht haben ihn von der Toilette zu überzeugen.
Ich hab ihn dann irgendwann komplett gelassen und plötzlich, ohne Druck, ging es.

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Lass sie einfach in Ruhe. Sie zeigt ja deutlich, daß sie dazu nicht bereit ist.
Mein Sohn war tagsüber mit 5 trocken. Nachts noch etwas später. Meine Tochter auch "erst" mit 4. Wo ist das Problem? Weil andere das erwarten? Die Ärzte vom SPZ haben gesagt, daß das vollkommen in Ordnung ist. Ab einen gewissen Alter sollte man es mal überprüfen lassen, aber ganz sicher nicht mit 3,5.
Deine Tochter bestimmt ihr Tempo selbst. Wenn es im Kiga zu erst dazu bereit ist, heißt es noch nicht, daß sie es zuhause auch ist. Irgendwann ist sie es aber.
Und normal ist es durchaus noch. Nur viele wollen es nicht unbedingt zugeben, weil es ihnen peinlich ist.

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Ich danke dir und allen anderen für die doch sehr einheitlichen Antworten.
Ich werde versuchen, es zu akzeptieren, dass ich das Ganze nicht beschleunigen kann.
Man hat wirklich, wie hier jemand schrieb; Angst zu versagen und dass das Kind einen "auf der Nase rumtanzt". Dass das nicht so ist, weiß ich eigentlich und sollte es dann gegenüber Außenstehenden auch so vertreten.