Verzweifelt - Kind ist komplett rücksichtslos!

Liebe Communtity,


gestern hatte ich einen Tag, der mich regelrecht an meine Grenzen gebracht hat und ich reflektiere mein Verhalten und zweifel daran, ob ich richtig reagiert habe. Zumindest fühlt sich mein Verhalten nicht richtig an und vielleicht hat jemand eine Anregung, wie ich die Situatuon hätte besser meistern können.


Mein Sohn (3,5 Jahre) geht seit August in einem neuen städtischen Kindergarten und schon bei der Eingewöhnung war ich ziemlich erschrocken, welche Umgangsformen unter den Kindern teileweise herrschen. Alle Gruppen nutzen gemeinsam das Außengelände und für die Erzieher ist es natürlich schwer da den Überblick zu behalten. Somit gilt draußen das Motto "der stärkere gewinnt". Mittlerweile kam mein Sohn schon mit einer Schürfwunde im Gesicht nach Hause, weil ein Kind ihn irgendwo runtergeschubst bzw. getreten hat und täglich erzählt er mir irgendwelche Sachen von hauen und treten.


Jetzt aber zur eigentlichen Situation, gestern waren wir auf einen Spielplatz und er hat nach langer Zeit seinen ehemaligen Kindergartenfreund getroffen. 


Ich muss zugeben, ich habe meinen Sohn gestern nicht wieder erkannt. Er war komplett überdreht, rücksichtslos und wäre für viele quasi das Paradebeispiel für ein "unerzogenes" Kind gewesen. Er hat seinen alten Kumpel beim Karussell ins Gesicht getreten, ist kleineren Kindern in den Rücken gerutscht, hat sie weggeschubst auf dem Klettergerüst etc. Ich war dermaßen erschrocken, weil ich ihn so überhaupt nicht kannte.


Ich bin dazwischen gegangen und habe ihn zur Seite genommen und wollte sein Verhalten mit ihm besprechen. Das war aber leider gar nicht möglich, weil er komplett überdreht war und sich losgerissen hat, um direkt wieder aufs Klettergerüst zu rennen. Ich habe zu ihm von unten gesagt, dass er auf die anderen Kinder Rücksicht nehmen soll und erst rutschen darf, wenn das vordere Kind unten ist und wenn es nicht klappen sollte, wir direkt nach Hause fahren. Und was macht mein Sohn, grinst mich überdreht an und rutscht das vordere Kind in den Rücken und schubst es zur Krönung noch weg. Ich war innernlich auf 180 und wäre gleichzeitig am liebsten im Erdboden versunken. 


Ich habe daraufhin meinen Sohn "geschnappt" und gesagt, dass es jetzt nach Hausr geht. Er hat sich auf meinem Arm mit Händen und Füßen gewährt und extrem laut "Auaaaa, Hilfe gerufen". Da ich mit Fahrrad dort war, habe ich es nicht geschafft, ihn in den Kindersitz zu bekommen, weil er mit aller Kraft gegenan gegangen ist. Er riss sich los, rannte aufs Klettergerüst und schmiss von oben lachend mit Sand auf mich. 


Auch wenn ich innerlich kochte, bin ich ruhig geblieben und habe mir meine Verletzlichkeit in dem Moment nicht anmerken lassen. Ich habe geduldig unten gewartet und mehrmals klar betont, dass ich möchte, dass er runter kommt, weil es für uns jetzt nach Hause geht. 


Irgendwann kam er runter und ich habe ihn mit etwas geringeren Widerstand in den Fahrradsitz bekommen. 


Zu Hause ging es dann weiter. Noch nicht einmal zu Hause angekommen, forderte er lautstark ein Eis ein. Ich habe ihm erklärt, dass ich richtig traurig und enttäuscht über sein Verhalten bin und wir so nicht miteinander umgehen und dass er heute noch in seinem Zimmer spielen darf, aber irgendwelche Sonderwünsche wie Eis, Paw Patrol gucken nicht mehr stattfinden werden. 


Das wollte er natürlich nicht akzeptieren und rannte komplett überdreht zum Gefrierschrank um sich ein Eis rauszunehmen.


Ich habe ihn genommen und habe ihn in sei Kinderzimmer getragen, während er sich auf dem Arm wieder mit Händen und Füßen gewehrt hat. Wir sind zusammen ins Kinderzimmer und ich habe mich vor die Tür gesetzt, damit mein Sohn nicht weiter wütend durchs Haus tobt und sich eigenständig an alle "Sonderwünsche" bedient. 


Das ich die Tür versperrt habe, konnte er natürlich gar nicht akzeptieren und er hat vor lauter Wut auf mich eingetreten, an meinen Haaren gezogen, mich gehauen etc. Ich habe es quasi nur abgewehrt und immer wieder versucht Verständnis für seine Wut zu zeigen "ich sehe, dass du wütend bist, aber wir werden jetzt erstmal in deinem Zimmer bleiben, weil wir beide uns erstmal beruhigen müssen und er gerne mit Lego spielen kann oder wir ein Buch lesen." Er wurde immer wütender, weil ich ihm quasi den Weg zum Eis versperrt habe. Daraufhin fing er an sein Zimmer zu randalieren und seine Spielsachen durchs Zimmer zu werfen. Ich war so sehr erschrocken über so ein Verhalten und musste mich erstmal sortieren, wie ich darauf reagieren soll. Ich habe in der Sekunde beschlossen, dem Randalieren keine all zu große Aufmerksamkeit zu schenken. Ich habe lediglich gesagt "jedes Spielzeug, was du mit Absicht auf dem Boden wirfst und heute Abend nicht aufgeräumt ist, werde ich in einem Karton packen und es anderen Kindern schenken, die vernünftig damit ungehen". 


Daraufhin wurde mein Sohn zögerlicher und man merkte, wie die Wut langsam in Verzweiflung umschlug. Ich breitete meine Arme aus und er kuschelte sich komplett erschöpft in meine Arme und fand langsam wieder raus aus seiner Wut. Abends haben wir gemeinsam sein Zimmer aufgeräumt und er war wieder der "Alte". Heute haben wir nochmal in Ruhe über die Situation gesprochen und sein Verhalten ggü. anderen Kindern reflektiert.


Gestern konnte ich mir nur von meinem Mann anhören, dass wir ihn mehr Grenzen setzen müssen, dass ich quasi selber Schuld sei, weil ich viel mit meinem Sohn verhandel, diskutiere und Kompromisse finde. Mein Mann ist der Meinung, dass wir strenger werden müssen, quasi Richtung alte Erziehungsmethoden. Ich war immer überzeugt von der bedürfnisorientieren Erziehung, aber gestern habe ich wirklich daran gezweifelt, weil mein Sohn ja genau das Verhalten gezeigt, was alle Kritiker der bedürfnisorientierten Erziehung prophezeien. Könnt ihr mir Tipps geben, wie ich ggf. besser hätte handeln können?

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Erstmal Hut ab, dass du tatsächlich ruhig geblieben bist.

Allerdings gebe ich deinem Mann recht: du musst deinem Sohn deine Grenzen zeigen.

Tust du es nicht, werden es ihm andere Kinder zeigen und das wird entweder physisch oder psychisch sehr schmerzhaft für ihn.

Wir haben den gleichen Fehler gemacht.

Inzwischen sagen wir ihm, wenn er uns schlecht behandelt (anschreien, drohen, treten) und gehen. Er möchte ja auch mit niemanden spielen, der ihn schlecht behandelt.

Das funktioniert ganz gut.

Trotzdem wird er mit seiner Wut natürlich nicht alleine gelassen.

Merke ich, dass er schon geladen ankommt, leite ich ihn an, in sein Kissen zu schreien. Manchmal schreie ich mit (auch Erwachsene haben manchmal einen "Wutball" im Bauch), oft feuere ich ihn aber auch einfach so übertrieben an, dass er letztendlich lachen muss. Danach ist es immer besser.

Kompromisse finden ist gut, aber manchmal brauchen Kinder einfach feste Grenzen. Das werden sonst die Azubis, die mit den Chefs rumstreiten, warum sie die Arbeit so zu erledigen haben, wie er das will🤦‍♀️

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Vielen Dank für deine Antwort. Was meinst du genau damit, dass es physisch und psychisch schmerzhaft wird?

Das mit dem aus der Situation gehen, kann ich total gut nachvollziehen und als er mich gehauen und getreten hat, war das mein erster Gedanke "am liebsten aus der Situation flüchten". Aber dann hatte ich Zweifel, ob es richtig ist, ihn mit seiner unkontrollierten Wut alleine zu lassen. Es hätte sich so angefühlt, als hätte ich ihm signalisieren wollen "komm selbst damit klar". Zumal er ja hinterher gekommen wäre, aber sollte so eine verkorkste Situation nochmal vorkommen (was ich nicht hoffe), versuche ich es mal aus.

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Andere Kinder werden ihn nicht damit durchkommen lassen, da kommt es unweigerlich entweder zu Prügeleien oder Ausgrenzung. Beides tut echt weh.

Gehen zum Selbstschutz ist hart, aber manchmal einfach notwendig.

Rede mit ihm, frag ihn, ob er mit Kind XY noch spielen würde, wenn es ihn so behandelt, wie er dich gestern. Erkläre ihm, dass du nicht schlecht behandelt werden möchtest und das nächste Mal aufhörst, mit ihm zu spielen.

Nach diesem Gespräch kannst du in zukünftigen Situationen daran anknüpfen (Fehlverhalten benennen, deine Grenze zeigen "Ich möchte nicht so schlecht behandelt werden", Zeitrahmen festlegen "Ich komme in 10 Minuten wieder, vielleicht hast du dann bessere Laune" und gehen) und hinterher mit ihm darüber sprechen.

Er muss die Chance bekommen, sich selbst zu regulieren. Dazu kannst du ihn anleiten und erinnern, aber letztlich muss es ihm zusagen. Hüpfen ist dafür auch toll, weil es klare Rückmeldungen gibt und Energie abbaut.

Ansonsten hilft es uns, wenn wir ihn richtig auspowern.

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Hey, bevor ich da groß meinen Senf dazu gebe, darf ich mal fragen, was dein Mann mit den "alten Erziehungsmethoden" meint?

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Naja, ich quasi dass man sein Kind so "programmiert", dass es funktioniert und kein Verhandlungsspielraum gibt. Quasi wenn Mama und Papa nein sagen, dann ist es Gesetz. Also das Kind nicht auf Augenhöhe anzunehmen, sondern ein Bild, wo der Erwachsene immer über das Kind steht.

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Okay... als erstes, es klingt schwer danach, dass dein Sohn etwas überfordert mit sich und der Situation war. Die Eingewöhnung ist noch nicht lange her, alles ist noch neu, besonders die Umgangsformen in so großen Kindergruppen. Da ist es verständlich, dass er das Prinzip "Der Stärker gewinnt" versucht vom Kita auf den Spielplatz zu spiegeln. Dass er dabei auf Widerstand stößt, man das nicht möchte, etc, sei einfach mal dahin gestellt. Es war nun einmal die Strategie deines Sohnes und darauf hat er nun eine Reaktion bekommen, die er verarbeiten musste.

Zum Erziehungsstil: Ich denke da müsst ihr ehrlich einen Mittelweg finden, der euch beiden genug gibt um sich wohl zu fühlen und der natürlich auch für das Kind funktioniert.
Dass du Ruhe bewahrt hast, find ich super, Hut ab. Schaffen nicht alle. Dass du ihm die "Belohnung" verweigert hast und standhaft geblieben bist, auch Hut ab, schaffen nicht alle. Dass du dabei ganz klar gesagt hast "Nein, weil..." super, damit kann das Kind was anfangen. Auch wenn ich glaube, dass er das in der akuten Situation nicht verstanden hat. Aber du meintest ja, dass du im Anschluss mit ihm darüber gesprochen hast.
Zu deiner Erziehung: Es ist absolut in Ordnung mit dem Kind zu diskutieren, auch mal Kompromisse einzugehen oder auch mal Ausnahmen zu machen. Natürlich kindgerecht und der Situation entsprechend. Bei Größeren klappt das eben mehr und öfter, als bei kleineren Kindern.
Zur Erziehung deines Mannes: Es ist absolut in Ordnung auch mal auf den Tisch zu hauen und ganz klar zu sagen "Nein! Jetzt nicht!". Natürlich kindgerecht und der Situation entsprechend. Bei "zügellosen" Kind öfter, als bei "selbstregulierten" Kindern.

Kind brauchen klare Grenzen in denen sie sich bewegen und in denen sie austesten können. So können sie sich ins Vertraute zurückziehen, wenn sie überfordert sind. Und können ins Unbekannte ausprobieren, wenn sie sich mutig fühlen. Von daher - so gut ich das halt aus der Ferne beurteilen kann - war es in Ordnung, dass du den Spielplatzbesuch dann beendet hast, es gab eine klare Grenze, die nicht überschritten werden durfte. Das war gut. Nach deinem Mann, ja, hättest stärker durchgreifen können, ihn direkt bei der ersten Ansage nach Hause bringen können. Eben die Grenze deutlicher machen können. Aber ich weiß auch wie schwer es ist ein zappelndes Kind festzuhalten, das packt man dann auch nicht immer direkt.

Dass du deinem Sohn dabei seine Gefühle lässt mit "Ja, ich sehe, dass du wütend bist und das ist in Ordnung" und dir auch gleichzeitig deine Gefühle nicht absprichst ".. weil wir uns beide beruhigen müssen...", finde ich super. Es wird den Kindern so oft gesagt, dass sie mit traurig/wütend sein aufhören sollen, aber die Gefühle sind in dem Moment ja da. Die kann man nicht einfach abschalten, als Kind schon dreimal nicht, aber man muss eben lernen darauf zu reagieren.

Alles in allem würde ich euch raten, dass ihr eure mal hinsetzt und über eure eigenen Grenzen redet. Deine, als auch die von deinem Mann. Wo ist für dich noch ein Spielraum, bei dem man noch verhandeln kann, wo kommt bei dir das deutliche "Nein". Ebenso, wo liegt der Spielraum deines Mannes, wo setzt er ein klares "Nein". Und darauf müsst ihr aufbauen und gemeinsam einen Weg finden, bei dem ihr beide sagen könnt "Das ist vielleicht nicht 100%ig mein Weg, aber es ist der Weg, den wir zusammen gehen können und bei dem wir uns beide noch wohl fühlen." Und dann müsst ihr schauen, was euer Sohn braucht. Ist er sonst ruhig, lässt mit sich reden, versteht im Alltag Grenzen und Regeln und hält sich dran, dann kann man vll lockerer mit ihm umgehen. Fällt es ihm schwer sich anzupassen, Situationen einzuschätzen, Grenzen und Regeln selbst einzuhalten, dann muss man vll strenger mit ihm umgehen. Das kommt aber auf euren Sohn an.
Es gibt Kinder, die brauchen einen ganz, ganz, ganz, ganz kleinen Rahmen, einfach weil sie mit allem anderen überfordert wären. Da wird dann nicht diskutiert, nicht verhandelt und keine Ausnahmen gemacht.
Dann gibt es Kinder, die brauchen diesen engen Rahmen nicht, da sie sich selbst genug regulieren und an den Grenzen stoppen können. Bei denen geht dann mal eher eine Ausnahme, mal eher ein Kompromiss.
Da gibt es aber leider nicht DAS Rezept für alle, das müsst ihr wirklich miteinander ausprobieren.

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen,
liebe Grüße
nakaomi93

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Also... Zunächst einmal... Ja. Kinder haben andere Umgangsformen miteinander und müssen im Kindergarten tatsächlich manchmal mehr einstecken als uns so lieb ist. Ich glaube aber nicht, dass der Kindergarten quasi Schuld ist, dass er sich so anders verhält.

Was ich mir hingegen schon vorstellen kann, dass so ein Tag für ihn noch sehr sehr anstrengend ist und ein Spielplatzbesuch an manchen Tagen auch etwas viel ist. Und.. Sie müssen im Kindergarten schon sehr viel kooperieren, sich anpassen etc... Ich habe mal den Satz gelesen, dass bei Kindern am Ende des Tages der 'Kooperationsspeicher' einfach leer ist. Sie können einfach nicht mehr kooperieren.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass du alles stillschweigend ertragen musst. Dass du vom Spielplatz gegangen bist, finde ich super. Sehr konsequent. Auch sonst finde ich, du hast es doch gut gemacht. Hast Grenzen gesetzt und sie verteidigt.

Bei uns gab es zwei Unterschiede. Wenn unsere Tochter vor Wut überkochte und nur noch brüllte, haben wir sie ab etwa 3 Jahren in ihr Zimmer geschickt. Sie sollte sich dort ausschreien und wieder kommen, wenn sie getröstet werden möchte oder ein Buch lesen will. Denn ich möchte das Geschrei nicht eine halbe Stunde direkt neben meinem Ohr haben und meine Anwesenheit hat ihre Wut zudem oft nur noch weiter angeheizt. Aber...da sind Kinder einfach so unterschiedlich.

Das zweite.. Ich lasse micb weder schlagen noch treten noch sonst irgendwie körperlich attackieren. Da werde ich sehr, sehr streng. Keinesfalls wäre ich einfach sitzen geblieben. Spätestens da hätte ich die Situation verlassen. Das ist eine Grenze, die hier nicht überschritten wird. Da würde ich tatsächlich nochmal überlegen, wie weit du da ertragen willst.

Heute ist unsere Tochter fast 5 und es kommt mir vor als wären diese krassen Wutanfälle schon ewig her. Jetzt wütet sie mal kurz, wenn irgendwas ihr gar nicht passt, aber es ist eine ganz andere Nummer.

Wichtig finde ich, dass du auf dein Gefühl hörst. Wenn mehr strenge nicht zu dir passt, wirst du es nicht authentisch umsetzen können.

Alles Liebe

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Vielen Dank für den Einblick. Darf ich fragen, wie du es geschafft hast, dass deine Tochter bei einem Wutausbruch auch im Zimmer bleibt? Mein Sohn würde dauerhaft wieder raus rennen und niemals mit seiner Wut alleine im Zimmer bleiben, sondern tobend durchs Haus rennen. Das mit dem Hauen und Treten ist auch ganz schwer auszuhalten für mich und ich merke, wie ich innerlich koche und die Gefühle am liebsten Überhand nehmen würden und ich am liebsten meinen Sohn in dem Moment anschreien würde. Aber diese Reaktion möchte er ja in diesem Moment bei mir bezwecken und daher war mein Gedanke immer, dass ich ihm eher zeige, dass er mich mit Hauen und Treten zu nichts bewegen kann und er dadurch keine "Macht" in Form einer Reaktion bekommt. Das war zumindest immer mein Gedanke dazu, aber in den Momenten fühlt es sich so falsch an. Aber mir fällt auch keine Alternative ein, wie man besser handeln könnte ohne auch dabei etwas grober zu werden also in Form von körperlicher Stärke.

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Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Am Anfang habe ich sie immer wieder zurück getragen, aber da war sie noch kleiner und habe ihr gesagt, dass sie jetzt kurz hier bleibt ... Im Alter deines Sohnes hat es irgendwie schon gereicht, ihr zu sagen, dass sie hingehen soll. Ich glaube aber, sie hat auch selbst gemerkt, dass sie sich dort dann auch besser beruhigen kann und wirklich ihre Wut rausbrüllen kann, ohne, dass es weiteren Streit und Ärger gibt. Und ich habe ihr, auch im Nachhinein, immer wieder erklärt, dass es keine Strafe ist. Es geht nicht darum, sie für ihre Wut zu bestrafen und sie deshalb weg zu schicken, sondern darum für uns alle einen möglichst reibungslosen Weg zu finden, mit der Wut, die manchmal auftaucht, umzugehen.

Im Falle des schlagens. Deine Gefühle zu unterdrücken, finde ich auch nicht richtig. Das ist nicht authentisch. In den wirklich wenigen Fällen, in denen meine Große mich versucht hat, zu hauen, habe ich ihre Hand festgehalten, ihren Blick fixiert und ganz klar 'nein' gesagt. 'gehauen wird nicht'. Mehr nicht. Und, wenn sie es dann nochmal versucht hat, bin ich auch laut geworden. Ich finde es aber ehrlich gesagt auch nicht so schlimm, wenn man mal etwas lauter wird. Man sollte seine Kinder nicht grundlos in den Boden schimpfen, aber im Fall von Grenzüberschreitungen kann man diese, finde ich, im Zweifelsfall auch laut schützen.

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Ich finde Deine Reaktion auf dem Spielplatz gut, die zuhause aber zu aggressiv und unberechenbar.

Ich bin auch sehr für bedürfnisorientierte Erziehung. Aber dazu gehören auch Grenzen und Regeln. Nur wie man das durchsetzt, das macht den Unterschied.

Ihn in der Bewegungsfreiheit durch Deine körperliche Präsenz einzuschränken, finde ich sehr gewaltvoll. Ihm zu drohen sein Eigentum wegzugehen ist mindestens genauso schlimm.

Du musst Regeln aufstellen und diese zuverlässig durchsetzen. Dann lernt Dein Sohn, dass Dein Wort gilt. Du bist nunmal die Erwachsene und er ist ein Kind, das selbst durch Regeln geschützt wird, oder dem Regeln helfen die Grenzen anderer zu wahren.

Er ist noch zu klein um sich in andere hinein zu versetzen. Alle gut gemeinten Gespräche bringen da nichts. Eine klar formulierte Regel ist zuverlässig und gibt Halt. (Wehtun (hauen, treten...) ist verboten!)

In der konkreten Situation (abgesehen davon, dass ich das Eis nicht verboten hätte) hätte ich mich vor den Kühlschrank gestellt. Damit "beschützt" Du das Eis, aber schränkst ihn nicht ein. Denn die Regel war ja: "Heute kein Eis!" und nicht "Du bleibst im Zimmer!"

Wenn er dann angefangen hätte zu "randalieren" hätte ich jeden gefährlichen Gegenstand einzeln hoch gelegt. Aber nicht für immer, sondern nur bis morgen.

Am Besten ist es aber, wenn man das Kind wirklich toben lassen kann. Der Frust muss raus. Je weniger man das reguliert und je weniger man redet, desto schneller geht der Wutanfall vorbei.

Auch mit 3,5 lernt Dein Kind Regeln wie das Einjährige an der Steckdose:
- Hingehen
- Kind anfassen/Situation verändern
- Regel formulieren
Und das immer und immer wieder. Jedes Mal und zwar sofort. Dann ist es zuverlässig. Dann wird die Regel irgendwann gelernt sein.

Und Du bist berechenbar. Dein Kind wird Dich ernst nehmen. Wenn Mama etwas sagt, dann meint sie es auch so.

Du brauchst kein "Wenn..., dann...!". Du brauchst nicht erpressen (was Du ja in der Situation zuhause gemacht hast). Du musst nur zuverlässig sein.

Und Du solltest Dir genau überlegen, was für Regeln Du aufstellst. Kein Eis wegen Fehlverhalten ist im Grunde ein willkürliches "Wenn..., dann...!". Das Kind wird daraus nicht lernen sein Verhalten auf dem Spielplatz zu verändern. Eine solche Strafe entspringt nur Deiner Wut. Sie hat keinen erzieherischen Effekt. Sie belastet nur Eure Beziehung.

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Da muss ich dir Recht geben, die Regel kein Eis, ist meiner innerlichen Wut entsprungen, weil ich so enttäuscht, geschockt und was ja auch etwas menschlich ist, beschämt war. Nachdem dann quasi direkt die Forderung nach einem Eis kam, konnte ich nicht ja sagen, weil es sich irgendwie noch nach Belohnung angefühlt hat. Aber wenn man das im Nachhinein reflektiert, hast du sicherlich Recht.

Auch die "wir bleiben gemeinsam in deinem Zimmer"-Geschichte fühlt sich falsch an, auch wenn sein Zimmer 30 qm groß ist. Aber er würde dann durchs ganze Haus wüten und teilweise auch rausrennen wollen. Wenn ich daraufhin die Haustür abschließe, boxt er gegen die Haustür und dann kommt wieder der doofe Gedanke "oh mein Gott, was sollen die Nachbarn denken". Im Zimmer ist es halt begrenzter und kontrollierbarer.

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Ich muss sagen... Ich verstehe die Antwort und finde sie trotzdem schwierig. Natürlich ist das Eisverbot der eigenen Wut entsprungen und dem Gedanken, ihn jetzt nicht auch noch belohnen zu wollen, aber... Ist das nicht irgendwie auch menschlich? Wäre es besser gewesen, die TE hätte ihre eigenen Gefühle zur Seite gewischt und damit wäre es gut gewesen? Ich kenne auch nicht die richtige Antwort, aber irgendwie finde ich es auch komisch, wenn Erwachsene immer sonst wie reflektiert und rational sein müssen und es so wenig Raum gibt für Emotionen, die eben manchmal auch doof und ungerecht sind.

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Die anderen haben schon ganz viel zum Zusammenhang geschrieben. Ich würde gar nicht alles wiederholen, aber ich hab Dir 2-3 Impulse.

Erstmal. Ich finde Du hast gut reagiert. Körperlich werden ist eine Grenze die nicht fallen darf und Deine Ansage “sonst gehen wir” und dann durchziehen war gut und richtig. Dass er ausgebüchst ist suboptimal, das hast Du gemerkt, aber mei. Ggf. klemmst Du ihn nächstes Mal bis zur nächsten Kurve unter den Arm und setzt ihn dann erst in den Sitz. Dann kann er nicht aufs Gerüst abhauen, der Spielplatz ist “aus den Augen”. Könnte besser funktionieren.

Was bisher noch keiner angesprochen hat... Du sagst er war total überdreht. Hättest Du eine Chance gehabt, die Situation abzufangen bevor er körperlich wird? Ich hätte jetzt vom lesen her gesagt, er war irgendwie durch. Müde, hungrig, überdreht. Wenn dafür Anzeichen da sind wäre es ggf. besser gleich einen ruhigen Rest-Tag daheim zu machen. Du siehst, ich ziele auf ein “ganz frühes” abfangen ab. Was dafür spricht: er ist neu im neuen Kindergarten. Und das ist Arbeit für die Kids. Zudem er nun zu den Kleinsten gehört, das fordert die Kids mächtig, auchwenn sie davor schon betreut wurden. Bei uns war die Gruppenumstellung zu den Grösseren jetzt über Corona, da war alles viel ruhiger (ich lebe nicht in Deutschland, Kindergarten ist später und die Krippen waren nie geschlossen) aber mein Sohn war trotzdem signifikant mehr erschlagen nach einem Tag Betreuung. Wir haben das massiv gemerkt. Ggf braucht Dein Sohn im Moment nachmittags mehr ruhiges Spiel und Pause als sonst...

Was ich nicht verstehe ist, warum Deine Reaktion darauf, dass er Dir ggü körperlich wird, fast konträr zu der ggü den Kindern aufm Spielplatz ausfällt. Das ist genauso eine harte Grenze und statts wieder sofort einzuschreiten tobt er sich völlig an Dir aus. Ich finde, da darfst Du ihn am Arm halten, schnappen “Nicht schlagen” sagen und ihn ggf. 2-3m weiter absetzen (minimaler Ortswechsel oder absetzen wenn Du ihn gerade aufm Arm hast irritiert und wirkt oft Wunder, im wahrsten Sinne des Wortes “aus der Situation nehmen”). Es wäre auch komplett ok gewesen wenn du aufstehst und gehst. Damit nimmst Du ihm die Möglichkeit, an Dir noch vogelwilder zu werden. Ggf. musst Du ihn dann halt mehrmals im Zimmer absetzen wenn er dir hinterhergeht oder er tobt in einem anderen Zimmer, je nachdem, was die Räumlichkeiten sicher hergeben.

Letzter Impuls. Mit 3.5 ist er jetzt noch nicht soooo alt. Ich halte das “am Folgetag drüber reden” für nur bedingt zielführend, respektive, ja, ansprechen, nochmal erklären dass nicht schlagen eine ganz wichtige Grundregel ist die er gestern missachtet hat. Aber da mach ich dann auch schon den Punkt. Denn selbst wenn Du da ein detailliertes Gespräch draus machst, das wird nicht die Verhalten ändernde Komponente sein. Er war wie im Film, er wird am Folgetag keinen Bezug mehr zu seinem Tun von gestern unter “Rausch” haben und eine lange Erklärung ausserhalb der Situation wird nicht das sein, was eine Verhaltenänderung bewirkt. Zum abrunden ja, aber nicht als Lösung. Ich denke, wichtiger wäre, in der Situation selbst das Signal zu setzen, am Spielplatz hat das geklappt, und ich denke, das machst Du noch 2-3x dann weiss er dass es ernst ist - aber das hat speziell an der Szene im Zimmer und der Körperlichkeit Dir ggü. gefehlt.

Zum Kindergarten. Mir ging es über den Sommer ähnlich. Bei den Grossen ist mehr Gerangel, mein Kind ist sehr klein und leicht für sein Alter, der zieht schon körperlich schnell den kürzeren zudem er nun mit Abstand der Jüngste ist. Und er ist zwar wieselflink aber mit dem Sprechen nicht überaus schnell. Der hat sich teils mit Händen, Füssen, aber auch Zähnen gewehrt gg grössere und ich dachte nur “Holy sh...” Das ganze hat sich zwischenzeitlich normalisiert, heute gabs eine Szene wo er einem Mädchen “Stopp” gesagt und sie auch mit ausgestrecktem Arm und Stopp-Geste abgewehrt hat. Die Erzieherinnen üben das mit den Kids und haben die Situation entsprechend moderiert. Am Heimweg hat er seine neuen Skills dann auch gleich an mir ausprobiert. Hat ein wenig gedauert mit Stopp-and-go bis wir dann daheim waren.
Lass ihn mal ankommen und schau wie es sich findet wenn er wirklich eingelebt ist. Im Moment groovt sich alles noch ein...

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Hallo

was hat ein Eis oder Paw Patrol mit seinem Verhalten zutun und Grenzen setzen und die Tür versperren?

Es war richtig das du den Spielplatz verlassen hast. Aber damit war die Sache gelaufen.

Wenn er sonst ein Eis zuhause darf warum dann nicht? Wenn er sonst auch kein Eis gedurft hätte hättet es dann auch keins geben aber nicht weil er irgendwas auf dem Spielplatz gemacht hat sondern weil es eh keins gibt. Warum kein TV nur weil er irgendwas auf dem Spielplatz gemacht hat.

Das ist völlig unverständlich für ein Kind und es wird nicht verstehen warum du es machst.

Klar auf dem Spielplatz sofort reagieren, am besten gleich beim ersten Mal und dann ist gut.

Da brauchen nicht 5 verschiedene Strafen noch folgen.

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Da hast du mit Sicherheit Recht, die ganzrn nachgolgenden Strafen sind meiner innerlichen Wut entstanden, weil ich es dem Moment nicht einsehen, konnte, dass nach der ganzen Aktion auf dem Spielplatz noch ein aufregender Tag zu Hause folgt. Die Forderung mit dem Eis habe ich in diesem Moment als Belohnung empfunden. Und irgendwie hatte ich in dem Moment die Zielsetzung, dass wir nach Hause fahren, aber kein spannendes und aufregendes Programm mehr folgt. Also eher in Richtung, dass er sich nach dieser Aktion jetzt aich mal zu Hause langweilen darf, weil er sich den aufregenden Spielplatz mit seinem Verhalten selbst verbockt hat.

Das waren quasi die Gedanken, die in dem Moment dahinter steckten. Nachdem ich es aber reflektiere, muss ichvdor Recht geben, dass es suboptimal war.

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Das Verhalten von deinem Kind in dem alter war erstmal völlig altersgerecht. Die Kinder sind in dem Alter wo sie evolutionstechnisch prüfen wer ist der stärkste und damit der Anführer. Dazu noch neuer Kindergarten wo er der ranguntereste ist.

Das das ganz gesellschaftlich nicht geht ist eine andere Sache. Er muss durch Vorleben lernen das es nicht geht wenn man sich haut und Co. Dafür muss es konsequenzen geben und er muss lernen das es Grenzen von anderen gibt die zu akzeptieren egal wo blöd man sie findet.

Aber gerade mit dem Tür abschließen lernt er ja wieder der stärkere hat die Macht

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Ich finde du hast total richtig gehandelt!#pro

Meiner Meinung nach hättest du nix besser machen können.

Wenn dein Sohn erst seit dem neuen Kiga so drauf ist, hat es wohl damit zu tun, dass er sein Verhalten ändert. Es hört sich fast so an, als ob dein Sohn mit der Situation im Kiga total überfordert ist. Wenn es tatsächlich so rupig zugeht in diesem Kiga wie beschrieben, würde ich da mal nachhacken wie die Erzieher mit Konfliktsituationen umgehen usw.

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Ich will gar nicht so sehr ins Detail gehen.

Vielleicht könntest du mal mehr darauf achten, wie "erledigt" dein Kind nach einem Kindergartentag ist. Selbst wenn er noch "Dampf" hat, dann bedeutet das nicht, das er auch noch on the Top einen Spielplatzbesuch braucht. Vielleicht war das einfach zu viel und dann werden sie halt "doof", du beschreibst ihn ja selber als überdreht gestern. Bedürfnisorientiert bedeutet halt auch ganz stark, die Bedürfnisse zu erkennen. Eigentlich ist es ja die Basis dafür.

Ja, sie ahmen nach was sie mitbekommen, probieren es halt auch woanders aus. Es bedeutet aber noch lange nicht, das er jetzt von einem "schlechten Einfluß" geprägt wird. Von daher Grenzen setzen, ohne viele Worte und Tamtam dabei. Er dreht schon am Rad und du möchtest das besprechen? Das funktioniert so einfach nicht. Nach der ersten Aktion eine ganz kalre, kurze und deutliche Ansage "Wenn du andere Kinder haust, dann gehen wir sofort nach Hause!". Ja ich weiß, wenn-dann sind verpönt, ich weiß nicht wirklich warum, denn richtig eingesetzt bieten sie einen viel klareren Rahmen als zB die vielgelobten Wir-Botschaften (die ich persönlich wie die Pest hasse).

Du warst innerlich auf 180? Prima, warum unterdrückst du das? Warum sagt du nicht deutlich: "Ich bin stinksauer, KOMM SOFORT DA RUNTER!", dafür muß man nicht schreien, es muß nur authentisch sein. Du wartest nicht wirklich geduldig, bis er von alleine kommt? Nun ja, mein Kind wäre nicht mal bis zum Gerüst gekommen. Wenn ich sage, das wir jetzt gehen, dann machen wir das auch....ohne viele Umwege und Worte. Protest? Gerne, den halte ich aus.

So, dann beruhigt sich die Situation auf dem Heimweg und alles hätte wieder Tutti sein können. Er will ein Eis, klar ich will auch so vieles. Anstatt ein ehrliches "Mal gucken, kann ich jetzt noch nicht entscheiden.", fängst du wieder an und pusht ihn mit deinen Worten wieder hoch. Das da dann noch eine Eskaltion folgt ist logisch.

So, wie bekomme ich jetzt die Kurve. Ich hatte ja oben schon geschrieben, wenn schon bedürfnisorientiert, dann auch die Bedürfnisse erkennen. Ich hätte auf dem Spielplatz schnell gemerkt, das es keine gute Idee war dort hinzugehen. Es war mein Fehler, das ich nicht gemerkt habe, das es zu viel für den Tag ist. Also Rückzug, bevor es richtig in die Hose geht. Ich hätte auf dem Heimweg meinen Fehler eingestanden, den Nachmittag für uns beide als "doof" bezeichnet...wenn da schon möglich. Und ja, von mir wäre gekommen: "Boh, weißte was, ich habe eine Idee. Weil der Nachmittag jetzt so doof war, kuscheln wir uns gleich aufs Sofa, schauen Paw Patrol und schlecken ein Eis." Und somit hätten wir noch einen entspannten Restnachmittag gehabt. Ich sehe nämlich keinen Zusammenhang zwischen der Eskalation auf dem Spielplatz (an der ich ja nun maßgeblich schuld war, was renn ich noch nach einem anstrengenden Kitatag auf den Spielplatz) und dem Rest des Tages.

Dein Mann hat Recht, ein Kind braucht klare Grenzen, einen klaren Rahmen. Es braucht Eltern, die klar handeln und reagieren. Ich gehe jetzt nicht davon aus, das er den Rohrstock wieder auspacken will. Ich bin auch bei ihm, wenn du zu viel diskutierst, das überfordert nur. Und du erträgst, das dein Kind dich körperlich angreift, warum? In einem Wutanfall, drohst du dem Kind an, das sein Spielzeug verschenkt wird? All das hat nichts mit bedürfnisorientierter Erziehung zu tun.

Bist du dir sicher, das du wirklich verstanden hast, was du da mit deinem Kind leben möchtest? Ja, der Ausraster war für dich Neuland und Fehler machen wir alle. Aber nur weil er jetzt einmal eskaliert ist (und das hatte ja aus meiner Sicht einen guten Grund), zweifelst du an deiner Erziehung? Ja, ihr hattet einen beschissenen Nachmittag, na und? Davon geht die Welt nicht unter. Niemand behauptet, das bedürfnisorientiert die Zwillingsschwester von dauerhaft harmonisch ist.

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Auf jedenfall war im nachhinein getrachtet, der Spielplatzbesuch zuviel für ihn. Die letzten Wochen haben wir uns Nachmittags schon sehr viel eingeigelt, weil er nach dem Kindergarten wirklich erschöpft war.

An diesem Tag war es aber anders, die Oma kam spontan zu Besuch und fragte, ob wir Eis essen gehen wollen. Da spricht ja grundsätzlich nichts dagegen und mein Sohn hat sich auch tierisch auf Oma gefreut. Auf den Rückweg, ohne darüber nachzudenken, kamen wir am Spielplatz vorbei, wo wir seinen alten Kindergartenkumpel gesehen haben und es sprach zeitlich und auch von der allgemeinen Stimmung her nichts dagegen, nochmal einen Abstecher zu haben. Das es einfach für den Tag zuviel war, wird einem ja erst beim reflektieren deutlich, indem Moment hat sich alles richtig angefühlt. Da kann man sich glaube ich nicht frei reden, dass man es immer 100% schafft, die Bedürfnisse eindeutig und vorausschauend zu erkennen, zumal die Freude meines Sohnes rießig war, als er seinen Kumpel gesehen hat.

Da wir eine solche Situation so extrem noch nie hatten, war ich in dem Moment natürlich völlig überrumpelt und überfordert. Tausend Möglichkeiten schießen durch den Kopf, wie man jetzt am Besten handelt und man wägt ab und refkletiert die Möglichkeiten im Schnelldurchlauf. Intuitiv hätte ich wahrscheinlich anders gehandelt, aber darauf wollte ich mich nicht verlassen, weil ja gerade die eigene Intuition durch eigene Kindheitserfahrungen geprägt ist. Mein Vatetr hat in solchen Situationen zu gerne Katz und Maus gespielt und erinnere mich noch wie überlegen ich mich immer gefühlt habe, weil ich meistens schneller war.

Diese Situation wollte ich vermeiden und nicht ihn auf dem Klettergerüst hinterherlaufen.

Erziehung ist halt auch ein Lernprozess auvh für die Eltern und natürlich fällt es erstmal leicht von außen eine Situation zu beurteilen und zu reflektieren. Man sollte dem gegenüber nur nicht dabei vermitteln, dass man frei von Fehlern ist nach dem Motto, bei mir wäre sowas nicht passiert, weil ich es immer besser und richtig gemacht hätte. Und insbesondere Mütter mit älteren Kindern sind diesen Lernprozess schon etwas länger gegangen, so dass sie in der Situation souveräner gehandelt hätten. Aber Fehler machen ist ja auch nur menschlich, solange mein sein Verhalten reflektiert.

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Ich kann dich sehr gut verstehen. Wir sind auch Anhänger der bedürfnisorientierten Erziehung und haben zur Zeit auch häufiger dieselben Zweifel bzw. Diskussionen wie du und dein Mann. Unser Kind ist auch knapp über drei. Ich bewundere, wie du reagiert hast und denke (nach meinem Empfinden), dass du alles richtig gemacht hast. Wahrscheinlich ist er im Kiga derjenige, der nicht zu den Stärkeren gehört und das nun im sicheren Hafen auslässt. Unserer ist mit der Eingewöhnung auch plötzlich sehr aggressiv geworden. Die schlafen dort aber mittags auch nicht. Ich hab mich dann dazu entschieden, mich erstmal nachmittags nicht mehr zu verabreden und mir nur Zeit für ihn zu nehmen. Er wollte auch nichts und niemanden sonst sehen. Wir waren viel in der Natur und im Garten oder haben einfach im Zimmer gespielt. Das hat ihm sehr gut getan und mittlerweile nimmt die Aggressivität ab. Er hat auch etwas Heimweh, weil wir umgezogen sind. Das spielt sicherlich auch eine Rolle. Dein Kleiner verarbeitet gerade auch sehr viel und lernt eine neue Hackordnung bzw. aggressivere Umgangsformen kennen, mit denen er gerade umzugehen lernen muss. Ich finde es super, wie ihr /du ihn dabei unterstützt. Schau mal auf dem Blog vom gewünschtesten Wunschkind. Da gibt es einen speziellen Beitrag zu dem "Bruch" ab drei Jahren. Der hat uns sehr geholfen, um unserer Linie doch treu zu bleiben und die Stimmen der schwarzen Pädagogik in unseren Köpfen abzustellen. :-)
Alles Gute euch!