Wenn das Kind ständig traurig ist.

Hallo ihr lieben,
ich brauche mal eure Erfahrungen mit euren Kindern. Meine Tochter war schon als Baby sehr weinerlich. Ich hab sie viel im Tragetuch getragen und dann gings. Nun wird sie bald 4 Jahre alt und ist ständig am heulen. Schon bei Kleinigkeiten schreit sie los: ein Tropfen Wasser auf dem T-Shirt, eines ihrer Geschwister fällt ihr ins Wort, irgendwer lacht über sie. All das reicht schon um sie völlig aus der Fassung zu bringen und sie lautstark in Tränen ausbrechen zu lassen. Zudem ist sie sehr perfektionistisch. Sie malt ganz wundervoll. Immer wieder die selben Sachen bis es ihren Ansprüchen genügt. Manchmal fragt sie mich ob ich ihr zeigen kann wie man ein bestimmtes Tier malt. Man muss dazu sagen, dass ich auch sehr gut zeichnen kann und sie bricht in Tränen aus, weil sie es nicht so gut kann wie ich.

Ich will ja liebevoll auf sie reagieren. Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich langsam auch die Geduld verliere. Sie weint so oft, ist dann auch so unverhältnismäßig und lässt sich auch nur schwer beruhigen. Ist es okay auch mal zu sagen "Hey ... das ist gar nicht so schlimm, da muss man nicht so ein Theater machen." oder sollte ich wirklich mal mit ihr zum Arzt deshalb? Ich hab manchmal Angst um sie, weil sie das Leben so schwer nimmt und ich frag mich wie das wird, wenn sie Erwachsen ist.

Kennt ihr das von euren Kindern? Kennt ihr den inneren Frust als Mutter, wenn man zum 1000. Mal versucht das Kind zu trösten? Wie seid ihr damit umgegangen?
Liebe Grüße
Dachskind

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Hallo dachskind

mein Sohn ist zwar das Gegenteil von deiner Tochter, er weint selten (aber wenn, dann „heult“ er wie ein Wolf, in einer Lautstärke, dass sich alle umdrehen) und ist mehr so auf der Hauen, Stechen, Unsinn machen Seite, aber ich mag dir mal antworten als jemand, der sehr weinerlich war als Kind:

Für mich waren meine Tränen IMMER gerechtfertigt, ich hab es nunmal schwergenommen, wenn irgendwas passiert ist. Sei es die Zurückweisung einer Freundin, schlecht geschlafen, irgendwas kaputtgegangen, etwas klappte nicht so, wie ich es wollte. Ich habe auch viel gemalt und viel „perfekt“ gemalt.
Oft habe ich von meiner Mutter zu hören bekommen, ich solle mich nicht so anstellen. Das hat bewirkt, dass ich versucht habe, mich zusammenzureissen, meine Tränen heimlich rausgelassen habe bis hin zu Agressionen gegen mich und andere. Ich war davon überzeugt, mit mir stimme irgendwas nicht. In der Schule das gleiche, ich war zu sensibel und zu brav für die anderen. Ich habe in der Schule ein Jahr lang jeden Sonntagabend geweint, wenn ich wieder hin musste. Ernstgenommen hat das eigentlich keiner. Erst im Studium bin ich an Leute geraten, die genauso ticken, wie ich. Das war vielleicht eine Erleichterung!
Wenn du Sorgen hast, besprich es ruhig mit der KiÄ oder einer Erziehungsberatung. Aber nimm dein Kind ernst, denn für sie ist es schlimm, auch wenn es von aussen nicht so aussieht.
LG

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Hallo,

ich habe die Erfahrung gemacht, dass es schlimmer wird, je mehr man darauf eingeht.
Ein "Stell Dich nicht so an!" anstelle ewig langer Trösterei bei jeder Lappalie, kann Wunder wirken. ;-)

Ich finde, da machen sich einige Eltern heute unnötig viele Gedanken, dass so etwas einen Schaden beim Kind hinterlassen könnte.

Das Leben ist nun einmal nicht immer nett und niemand ist perfekt. Es ist einfacher, das anhand von Kleinigkeiten als Kindergartenkind zu lernen, als dass Deine Tochter im 3. Schuljahr komplett zusammen bricht, wenn sie schwarz auf weiß eine 3 oder 4 bekommt, die sich nicht mehr "wegtrösten" lässt.

Wir kennen das mit dem Perfektionismus von unseren Kindern (10 und 13), und ich selbst war früher ähnlich.
Meine Mutter hat mich immer getröstet und versucht, mich in Watte zu packen, was dazu führte, dass ich ganz lange nicht mit Enttäuschungen umgehen oder bei Spielen verlieren konnte.
Bei unseren Kindern haben wir bei Lappalien gesagt, dass sie sich nicht so anstellen sollen, und die mussten auch Spiele verlieren etc.
Brettspiele sind eine ganz tolle Möglichkeit, um Frustrationstoleranz zu trainieren.
Wenn sie etwas nicht so gut konnten, haben wir entweder gesagt, dass wir das in dem Alter auch nicht so gut konnten oder dass jeder andere Talente hat.
Ich würde sagen, unsere Kinder schlagen sich häufig deutlich besser als ich in ihrem Alter, was Frustrationstoleranz angeht.

Wenn es gar nicht funktioniert, könnt Ihr mit Eurer Tochter immer noch zum Arzt gehen, aber ich würde es erstmal auf "harte" Tour versuchen.

LG

Heike

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„ ich habe die Erfahrung gemacht, dass es schlimmer wird, je mehr man darauf eingeht.“
Man muss ja nicht bis zum geht nicht mehr in Watte packen und gemeinsam in Trauer zerfließen. Aber „Stell dich nicht so an“ und die „harte Tour“ bewirkt wohl eher, dass das Kind sich in der Hinsicht einfach verschließt. Kein schöner Umgang!

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Hi,

klingt wie bei meinem Sohn 😅.

Er ist jetzt 5,5 Jahre und es wird immer besser.
er malt inzwischen gerne aus und auch gut aber wehe, er malt aus Versehen über den Rand, oder das Papier zerknautscht beim Radieren. Oder er schneidet neben die Linie
Dann gibt es Tränen.
Selbst wenn beim Papierabreißen nur ein Miniriss drin ist, nimmt er es nicht.

Wenn er mal beim Trinken kleckert, Geheule, er braucht ein neues Shirt.

Also immer, wenn es eben nicht so läuft wie normal.

Und ja, wir haben ihm auch schon gesagt, dass er nicht aus allem so einen rießen Aufriss machen muss.
Ja, er darf traurig sein, aber er muss nicht schreien, als würde ihn gerade jemand bei lebendigem Laib aufschneiden 🙈
Für manche Sachen gibt es Lösungen, übermaltes wegradieren z. B. da ist er schon ruhiger geworden.
Das seine Freunde ihn im Kiga mal Heulsuse genannt haben, hat das auch etwas mehr beruhigt. Und ihn eben fragen warum das so schlimm ist und dann versuchen zu zeigen, dass es nicht schlimm ist. Übermalte Linien kann man ausschneiden, dann sind sie weg. Bei zerknitterten Blättern muss man leider neu malen, aber dafür kann man es ja neu machen mit neuen Ideen

Beim Vormalen würde ich an deiner Stelle die Bilder kindlich zeichnen, also ähnlich wie Kinder in dem Alter zeichnen. So kann deine Tochter es besser nachmalen. Oder mit ihr zusammen den Stift führen und ihr erklären was sie zeichnen muss und ihr mehr die Führung überlassen. (Also als erstes malen wir einen Kreis,dann einen Strich für den Hals usw..) So wird es automatisch "krakeliger"
Ich hab meinem Sohn auch erklärt, dass ich ja schon in der Schule war und deswegen besser malen kann, das war für ihn dann logisch😂😂
Am einfachsten ist es, wenn Opa oder Papa malen, das sieht nämlich dann genauso aus wie bei meinem Sohn 😂😂

Aber wir haben tatsächlich so kurz nach seinem 5. Geburtstag eine deutliche Verbesserung gemerkt. Zumindestens beruhigt er sich besser, man kann besser mit ihm darüber reden.

Z. B. das es natürlich nicht nett ist, wenn man unterbrichen wird, aber man selbst das ja auch macht. Wenn sie es mal macht, einfach das Verhalten mal nachmachen. Meiner bestreitet zwar immer, dass er sowas macht, aber man merkt er denkt darüber nach.
Ich kenne das Problem aber auch von anderen Eltern, so zwischen 4 und 6 scheinen viele Kinder noch mal eine sehr weinerliche Phase zu haben. Bei den meisten hat es sich zum Schuleintritt weitestgehen gelegt.

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ich denke das ist eine Phase. mein sohn hat gerade scheinbar wieder damit aufgehört (ist im Mai 4 geworden). davor auch bei jeder lapalie (z.b. ich hab seinen becher vom tischrand weggeschoben, dass er nicht fällt "dann ess ich jetzt eben gar nichts" und hat sich heulend auf den boden gelegt.

wir haben versucht die Balance zu finden zwischen trösten, aber auch zeigen, dass so eine reaktion gerade nicht angemessen ist - zb bei der bechergeschichte. also einfach erklärt warum man was gemacht/gesagt hat und das jetzt eigtl kein grund ist..
natürlich hab ich ihn aber immer versucht zu zeigen, dass ich ihn ernst nehme. er darf ja weinen und traurig sein, aber wenn es derart übertrieben ist, sag ich schon, dass er gerne weinen darf aber bitte nicht so rumschreien.

ich denke man muss da die mitte finden.

an deiner stelle würde ich es einfach mal ansprechen, der arzt kann das vielleicht besser einschätzen. und lieber zu viel gesagt, als sich hinterher alleine gesorgt :)
und es gibt ja auch depressionen bei babys und kleinkindern, d.h. dass zu wenig serotonin im gehirn ist bzw aufgenommen wird..weiß man ja nicht. also würde ich das auf jeden fall mal ansprechen.

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Hallo,

zwischen "Geduld verlieren" und "liebevoll auf sie eingehen" muss es einen Mittelweg geben!

Warte nicht, bis du die Geduld verlierst!
Natürlich ist es wichtig für so ein kleines Kind, die Dramatik des Geschehens richtig einzuordnen. Das erkennt sie an deiner Reaktion - also darfst du natürlich sagen "das ist doch nicht so schlimm".

Du kannst dich wundern: "warum weinst du denn jetzt?"
Du kannst verständnislos sein: "das ist doch prima, du kannst das doch ganz gut".
Und natürlich kannst du auch mal sagen:"stell dich nicht so an".

Es ist wie bei allem: je gelassener du selber bist...

Wenn du schimpst, fühlt sie sich unverstanden und heult bestimmt erst Recht.
Bist du zu verständnisvoll, fühlt sie sich bestärkt.
Die Wahrheit liegt in der Mitte: ihr Problem ist nicht deins, eigentlich ist es gar keins. Das kannst du ihr vermitteln, ohne die Geduld zu verlieren.

Viel Erfolg (und Geduld!) ;-)

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Bester Kommentar für mich! Genauso ist es.

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Hallo
Wie würdest du dich denn fühlen, wenn du Zeit, Nerven und Herzblut in etwas investierst, es schön schief geht und dann jemand sagt „Das ist überhaupt nicht schlimm, du musst kein Theater machen“? Ich glaube kaum, dass sich irgendjemand dann besser fühlen würde. Auch wenn es nichts weltbewegendes ist, ist das erst einmal ein schwacher Trost. Wenn dann noch jemand kommt, einen selbst und die Gefühle abwertet #zitter
Ganz grundsätzlich musst du auch mal bedenken, wie klein dein Kind eigentlich noch ist. Mit keinen 4 Jahren fehlt ihr noch einiges an Entwicklung. Sie ist noch sehr beherrscht von ihren eigenen Emotionen und damit umgehen, oder gar genau zu benennen was los ist, ist nicht einfach. Ausserdem ist die Denkweise noch eine ganz andere.
Nehm ihre Gefühle an wie sie sind, das ist das wichtigste. Auch wenn du dich anders fühlen würdest, es gibt kein richtig oder falsch.
Sei ein gutes Vorbild (zB. in dem was du tust und sagst, wenn bei dir was nicht klappt), Versuch nicht die Gefühle aus- oder wegzureden, sonder Spiegel sie, sucht gemeinsam Lösungen,...
Die Zeiten in denen sie so häufig weint sind sicher schnell vergessen, aber an die Eltern, sie sie immer ernst genommen haben, wird sie sich immer erinnern!

LG

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Ich glaube ich hatte auch so eine Tochter, aber habe es ihr relativ früh beigebracht nicht so unverhältnismäßig zu weinen.
Ich habe ihr in einem ruhigen und guten Moment erklärt, dass ich nicht weiß was ist, wenn sie plötzlich los schreit und nicht redet um zu sagen was los ist. Hab mich dann auch blöd gestellt und nicht verstanden warum sie weint, bis sie geredet hat und dann umso positiver reagiert. Dann habe ich ihr gesagt, dass wenn sie so "schrill" meckert ich nichts verstehe, oder Ohrenschmerzen bekomme. Bei uns gibt es die klare Regel, wenn man sich wehgetan hat oder traurig ist darf man weinen, aber nicht bei jeder Kleinigkeit. Das hat meine Tochter richtig verinnerlicht mittlerweile. Klar weint sie auch wenn etwas nicht klappt, aber es hat sich sehr verbessert. Beim Thema etwas nicht hinbekommen (malen, Schuh binden etc) hat es meiner Tochter sehr geholfen dass ich ihr erzählt habe dass ich es als Kind auch nicht konnte und immer ganz viel geübt habe, bis ich es dann konnte. Außerdem erzähle ich ihr dann was sie schon alles kann und das sie da auch vorher viel geübt hat. (sprechen, laufen oder auch was aktuelles). Hier ist unser Spruch "üben üben üben". Das hat sie auch sehr verinnerlicht und erzählt es ihrer Schwester immer, wenn die etwas nicht kann. Sonst würde ich sagen, dass es wichtig ist sie einerseits ernst zu nehmen, aber andererseits nicht bei jeder Kleinigkeit ein faß aufzumachen. Das sind meine Erfahrungen mit meiner Tochter (5)und mir als Kind, denn ich war auch so eine die ständig am weinen und Jammern war und meine Eltern sind zu sehr auf mich eingegangen und haben damit mein Verhalten noch gefördert. Bin aber jetzt als Erwachsene ein sehr positiver Mensch, und überhaupt nicht mehr weinerlich. LG

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Ich finds auch schwierig. Grundsätzlich würde ich ihre Gefühle ernst nehmen.

Zudem, wer beurteilt, was unverhältnismäßig ist? Für sie ist es vielleicht ganz schlimm!
Wenn mir jemand sagt „stell dich nicht so an“, wenn ich traurig bin (vllt für andere Wegen banalen Gründen), dann ist mir damit gar nicht geholfen und ich fühle mich noch schlechter.

Ist deine Tochter vllt hochsensibel? Dann nimmt sie vieles auch einfach verstärkt wahr und ist daher oft traurig. Würde ich mich mal drüber informieren und es abchecken lassen!

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Ganz ehrlich? Ich würde gar keinen Rat hier annehmen. Keiner kennt dein Kind wirklich. Auch wenn jemand mein „ich war auch so oder mein Kind ist auch so und x y hilft...“ alle sind anders wie deine Tochter.

Da du dir wirklich Gedanken machst würde ich das mit deinem Kinderarzt besprechen Bzw da anrufen damit sie dir sagen mit wem du das mal besprechen kannst. Die Fachleute können dir dann was dazu sagen. Bzw sie schauen sich Vlt auch deine Tochter an und man schaut was ihr gut tut um gut durchs Leben zu kommen. Kinder sind nunmal
Untereinander auch oft gemein. Das wird in der Schule nicht besser. Ich hab nicht wegen allem geweint aber war sehr perfektionistisch. Mit 15 hab ich gelernt dass schlafen etwas tolles ist. Ich hab mir sonst zu viel Druck gemacht. Konnte nie gut einschlafen. Wären meine Eltern besser auf mich eingegangen wär mir vieles erspart geblieben. Alles liebe dir