Kindeswohlgefährdung Nachbarskinder 5 und 7 Jahre

Hallo,
Ich habe mich hier wegen eines Problems mit meinen Nachbarn angemeldet und hoffe, ein paar gute Tips zu bekommen, weil ich langsam ratlos bin.
Sie wohnen seit zwei Jahren neben mir und sind, das vorneweg, grundsätzlich freundliche Menschen.
Das Problem das mich herführt ist eine konstante Kindeswohlgefährdung, aber weniger akute Probleme als chronische Vernachlässigung.

Diee Kinder haben massive Zahnprobleme, die vorderen Zähne sind teils vollständig weggefault, so auch bei dem jüngeren Mädchen das uns oft besucht. Sie kann sich oft kaum konzentrieren, hat motorische Ticks (starkes Schmatzen) und kann einem nur sehr schwer in die Augen sehen. Kennengelernt habe ich sie im Alter von drei Jahren, da ist sie quasi täglich von zu Haus weggelaufen und war dann alleine im Dorf unterwegs.
Im ersten Winter habe ich das Jugendamt angerufen, weil sie fast täglich in vollkommen unpassenden Klamotten (Sandalen ohne Socken bei Frost, keine Jacke) und oft auch hungrig vor unserer Tür stand. Die einzige Konsequenz davon war, dass die Kinder wochenlang abgetaucht waren, offensichtlich hatte jemand im Rahmen der Beschwerde meinen Namen genannt.

Zur Familie gehören auch wechselnde laute Hunde, Kaninchen (die laut der jüngeren Tochter auch schon mal von den Hunden gefressen wurden) und Katzen, die mehrmals im Jahr Nachwuchs in der Badewanne großziehen.

Die Schule kennt die Probleme, der Kindergarten kannte sie auch.
Wirkliche Hilfen gibt es keine, die jüngsten Kinder sind nicht verpflichtet in den Kindergarten zu gehen, die schulpflichtigen Kinder haben keine Hilfen bei den Hausaufgaben, es gäbe also einiges was man an Hilfen anbieten könnte.

Meine Idee wäre, kommende Woche persönlich zum JA zu fahren und dort vorzusprechen um auf konkrete Maßnahmen zu drängen. Wenn es so läuft wie beim letzten Mal werden die Kinder dann aber einfach wieder abtauchen und ich kann nur abwarten ob sich etwas tut. Natürlich ist das Jugendamt mir gegenüber nicht verpflichtet Informationen weiterzugeben, aber ich würde den Sachbearbeitern dort gerne ein wenig auf die Füße treten, für mich ist auch ein Teil der Problematik dass das Jugendamt nicht wirklich zu intervenieren scheint.

Vielleicht hat ja hier sonst noch jemand Tipps an wen ich mich wenden kann, ob das persönliche Vorsprechen Sinn macht oder ob es vielleicht noch andere Wege gibt.

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Schon mal mit den Eltern geredet und Hilfe angeboten? Ggf. auch ältere Gemeindemitglieder mit einbeziehen. Wenn die Familie passé freundlich ist und nur mit ihrer Vielzahl an Kindern überfordert, kann eine solide Gemeinschaft sehr hilfreich sein. Und besonders Senioren sind in ländlicher Umgebung oft etwas einsam und mögen es mit Aufgaben betreut zu werden um das Gefühl zu bekommen noch gebraucht zu werden und auch noch mit 80 ein Wert für die Gesellschaft zu haben. Bei den Hausaufgaben zu helfen oder auf den nächsten Vokabeltest vorzubereiten, da würden manche bestimmt gerne mit anpacken. Meine Oma ist definitiv so eine Person. Wenn man die Fragen würde, würde sie sich nicht lange bitten lassen.

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Welches Bundesland?

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Huhu,

zuerst einmal Danke, dass du versucht zu helfen und die Situation durchaus ernst betrachtest.

Dann... wenn du sagst, dass die Familie generell freundlich ist, hast du mal das Gespräch gesucht? Weiß du woran es liegt? Sind sie mit ihren Kindern vll einfach überfordert?
Wenn ja, dann kannst du ihnen vll helfen bei einer Familienhilfe vorstellig zu werden. Das könnte ihnen im Alltag helfen, ihnen neue Wege zeigen alles besser zu strukturieren und sie finden vll schneller Anschluss an Stellen, die ihnen bei entwicklungstechnischen Fragen helfen können.
Ansonsten kannst du es - da du befürchtest, dass die Kinder vor dir einfach wieder abtauchen- es auch anonym melden. Dann kann dein Name auch nicht fallen.

Das Problem ist hierbei, dass eine chronische Vernachlässigung oftmals nicht schwer genug gewichtet wird, vor allem wenn es erst einmal "nur" um passende Kleidung und faule Zähne geht. Da wird es oftmals als das kleinere Übel angesehen, die Kinder in der Familie zu lassen, als sie dem Stress einer anderwärtigen Unterbringung auszusetzen. Hier sollte dann aber familienbegleitend und -untersützend geholfen werden. Das würde z.B. eine Familienhilfe leisten können.
Da musst du dich jedoch schlau machen, wo genau die bei euch in der Nähe ist. Oftmals hilft es schon, wenn man zumindest eine Telefonnummer oder einen Flyer den Betroffenen in die Hände drücken kann, einfach damit sie drüber nachdenken. Und mach ihnen - sollten sie sich auf solch ein Gespräch mit dir einlassen - klar, dass es nicht darum geht, dass sie versagt haben, ihre Kinder nicht lieben oder sie schlechte Eltern sind (das schreckt viele ab, da sie dann Angst haben). Es geht darum die Situation dahingehend zu verbessern, dass es für alle angenehmer wird, Probleme beseitigt werden und sie sich letztendlich selbstständig helfen können.
Also einfach mal Hilfe anbieten, bei vielen reicht das schon aus und man merkt, dass sie um jeden Ratschlag, jede Hilfestellung und jeden Vorschlag dankbar sind.

Wenn das alles nicht fruchtet... dann hilft leider wirklich nur der Gang zum Jugendamt... bei Bedenken dann auch anonym.

Ich drücke dir die Daumen, dass sich die Situation bald bessert und die Familie die Hilfe bekommt, die sie braucht.
Liebe Grüße
nakaomi93

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das ist echt heftig... da muss das jugendamt schon mehr machen.
und ich kann dir nur rate, dem jugendamt zu schreiben. telefonate werden auf grund der wenigeren arbeit, gerne schnell abgehakt.

aktiv werden muss ein jugendamt erst, wenn die mitarbeiter sorgen/zweifel haben. und aktiv werden ist dann auch in den entsorechendne familien mit tagelanger vorankündigung aufzukreuzen, um ihnen zu s agen dass dies und das nicht geht die nennen keine namen, (dürfen sie gaar nicht, wenn ich das recht weiß) aber meist ergibt sich auch aus dem kontext wer "gepetzt" hat.

meine dürfen nun auch eben gar nicht mehr raus. wen vati keine zeit oder lust hat sie zu normalen zeiten wieder einzufangen. jetzt "dürfen sie nur noch auf dem zimmer hocken" und wenn ICH als mutter das bemängel, heißt es das stimmt sicher gar nicht, die wollen nur die eltern gegeneinander ausspielen. da fehlen mir echt die worte... aber wer da was wann muss und darf weiß ich auch nicht genau, das weiß wohl niemand so genau..

aber schriftlich geht immer besser, das können die nicht so leicht unter den tisch (in den paierkorb) fallen lassen. am besten oer mail oder so, dass du auch eine bestätigung hast was wann geschrieben wurde, dann sind die meist etwas beweglicher..

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Ich schließe mich den anderen an, bitte melde es auf alle Fälle dem Jugendamt. Immer und immer wieder. Am besten wirklich schriftlich! Telefonisch kann auch mal untergehen. Beschreibe genau die Sachverhalte und deine Bedenken.

Vielleicht kannst du zusätzlich den Kinderschutzbund informieren?! Oder dich dort zumindest erkundigen was du noch tun kannst/sollst.

Alles Gute

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Hallo,
ich finde die Idee mit dem Gespräch auch nicht schlecht. Da du aber berichtest, dass die Zähne schon bis Stümpfe abgefault sind, würde ich doch auch eine schriftliche Meldung beim JA machen. Es hört sich für mich so an als wären die Eltern mit der Gesundheitsfürsorge überfordert. Da wäre es vielleicht nötig einen Betreuer einzusetzen, wenn sie die Zähne nicht sanieren lassen wollen. Gut, dass du nicht wegsiehst! Alles Gute

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Ich wünsche dir und vor allem den Kindern,
dass unser Sozialstaat endlich mal den Arsch hoch bekommt und auch etwas sinnvolles unternimmt.
Wie man ja leider sieht, ist das alles bisher nur reine Theorie, denn alle wissen ja längst bescheid und tun rein gar nichts.

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Wo liegt jetzt deiner Ansicht nach die Kindeswohlgefährdung? Wegen der Zähne? Was sonst noch? Weißt du, ob die Kinder wegen der Zähne in Behandlung sind? Zudem gibt es die U Untersuchungen beim KiA.

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Kindeswohlgefährdung sehe ich sowohl wegen der Zähne als auch wegen der massiven Verhaltensauffälligkeiten, welche meiner Meinung nach auch durch chronische Schmerzen verursacht werden können. Außerdem finde ich es schwierig, dass ein 5jähriges Kind täglich von zu Hause wegläuft und damit ständig unbeabsichtigt ist und ja auch wirklich gefährliche Sachen macht, wie zb mit den Pferden.
Außerdem sehe ich das Jugendamt in der Verantwortung in einer Familie mit vorbekannten Problemen stärker einzugreifen und Hilfen einzusetzen wenn ein eigentlich fittes Kind die zweite Klasse nicht schafft.
Das mit dem Gespräch habe ich heute versucht, es ist vollkommen eskaliert, Fazit war, dass man auf sechs Kinder einfach nicht rund um die Uhr aufpassen könne, das mit den Zähnen sei ein familiäres (erbliches) Problem und ich solle mich da raushalten sonst würden sie einen Anwalt einschalten. Der Ton war völlig unter der Gürtellinie und null Lösungsorientiert.

Es haben schon mehrere Leute versucht privat Hilfe anzubieten, zb bei den Hausaufgaben, auch über Monate hinweg, das ist aber letztendlich immer wieder gescheitert, die genauen Umstände kenne ich da allerdings nicht. Es scheint auch häufiger so zu sein dass die Eltern Kritiker massiv verbal angehen, so wie heute auch bei mir.

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Hey, bin durch Zufall wieder über den Beitrag gestolpert und hab mal wieder rein geschaut.
Wenn das so eine Katastrophe war und sie keinerlei Einsicht zeigen oder Hilfe annehmen möchte (klar, der Ton macht die Musik, aber trotzdem), dann wende dich wirklich wieder ans Jugendamt.

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Das ist keine Kindeswohlgefährdung per se was du beschreibst. Aber dieser Tatsbestand muss auch nicht erfüllt sein, damit das Jugendamt sich einschaltet.

Auch ich möchte dich bestärken das dem Jugendamt zu melden. Schriftlich, nicht hingehen. Denn da wirst du wegen Corona und/oder Zeitmangel sowieso nur abgewiesen. Jugendamtsmitarbeiter sind wirklich ausgelastet und da sind wenige Ressourcen, mal einfach so ein Gespräch dazwischen zu schieben.

Zudem sollte eine andere Person (Lehrer, Nachbarn...) das gleiche tun. Einfach nur das Beobachtete beschreiben, ohne Beschuldigungen oder der Begriff Kindeswohlgefährdung.

Des weiteren solltest du aufpassen was du wem erzählst. Sonst hast du schnell eine Anzeige wegen übler Nachrede am Hals. Solange du aber nur über wirklich beobachteten sprichst (schlechte Zähne, Kind holt Pferd) ohne Mutmaßungen kann dir nichts passieren.