4-jährig und der Tod

Unser Kind spricht ständig vom Tod, schläft abends weinend ein "ich will nicht sterben", "ich will nicht, dass du zuerst stirbst".

Wir haben die Geschichte vom Himmel erzählt, "aber auf der Erde ist es schöner", sagt das Kind mit Tränen in den Augen.
Dann haben wir irgendwann gesagt man kann wieder runter kommen, dann war es irgendwann, dass man dann unsichtbar ist. Ich dachte, vielleicht findet das Kind unsichtbar ja cool. Stattdessen kam wieder unter weinen "aber dann kannst du mich nicht sehen, wenn ich Hallo sage." Und "wie geht das denn mit dem runterkommen."

Und ich heul natürlich mit, wenn das Kind weinend fragt wer zuerst stirbt und sagt "liebe Welt, ich will nicht sterben."

Man hört immer Kinder würden den Tod so hinnehmen, und mit sowas hab ich nun gar nicht gerechnet. Es ist viel weniger geworden, aber noch vor einer Weile gab es mehrfach täglich Tränen, weil das Kind nicht sterben möchte.

Es fing mit Jesus am Kreuz an. Toll. Wir sind selten in einer Kirche und wir beginnen schon sie gar zu meiden.

Was denkt ihr dann darüber?
Kommt euch das bekannt vor?
Müssen wir uns Sorgen machen?
Kommen wir aus der Nummer wieder raus?
Was kann man erzählen und erklären um die Angst zu nehmen?

Ich mag gar nicht daran denken, was passiert, wenn Friedhöfe zur Sprache kommen.
Danke.

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Was denkt ihr dann darüber?
- Dass die Angst vor der Sterblichkeit normal ist und auch der Zeitraum (4-5 Jahre) normal ist. Die Kleinen werden sich bewusst, dass alles einmal endet. Das ist beängstigend. Du machst alles richtig, beantwortest nach bestem Wissen und Gewissen die Fragen und nimmst dein Kind ernst.
Kommt euch das bekannt vor?
- Ja. Aber anders. Mein Mann ist Bestatter, also wächst unsere Maus mit dem Thema auf. Ob es beim Abendessen von ihr die Frage ist, wer wieder gestorben ist oder ob sie mal wieder auf dem Friedhof Uroma und Uropa besuchen will.
Letztens hat sie dann im Sitzkreis in der Krippe erzählt, dass wir wieder auf dem Friedhof waren. Zum Glück sind die Erzieher da sehr gelassen mit umgegangen.
Müssen wir uns Sorgen machen?
- Nein. Das Thema wird wieder in den Hintergrund geraten.
Kommen wir aus der Nummer wieder raus?
- Nein, aber das müsst ihr auch nicht. Der Tod gehört zum Leben dazu und sollte nicht verschwiegen werden.
Was kann man erzählen und erklären um die Angst zu nehmen ?
- Genau das, was ihr schon gemacht habt.
Ansonsten gibt es zu dem Thema viele Bücher. Schau einfach mal nach.

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Da häng ich mich doch gleichmal mit dran, wollte schon selber mal fragen. Bei uns ist es exakt die gleiche Situation, nur das mein Sohn schon 5 ist. Fing auch mit den Jesusgeschichten rund um Ostern an. Er hat sich da richtig reingesteigert, Angst zu sterben, Angst das ich sterbe und er alleine ist... Fragen rund ums Thema Himmel und ob man wiederkommen kann, ich soll aber nicht unsichtbar sein usw... Ich hab immer versucht ganz unaufgeregt auf all seine Fragen zu antworten, möglichst sachlich aber kindgerecht. Wir haben aber auch einmal zusammen geweint, mir tat es so unendlich weh ihn so verzweifelt zu sehen. Aktuell hat es sich wieder etwas gelegt, ab und zu kommt das Thema kurz auf, aber eher sachlich und weniger emotional.
Es ist wirklich ganz genau so wie du es beschreibst.
Ich konnte dir jetzt leider wenig helfen, aber schaue gespannt mit, ob jemand Tipps hat wie man mit dem Thema umgeht ohne beim Kind noch weitere Ängste zu schüren.
Liebe Grüße

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Habt ihr zufällig sonst auch Schwierigkeiten mit dem Tschüss sagen, oder vielleicht sogar dem Einschlafen?

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Als mein Sohn noch klein war (heute 38) haben wir einen Geheimcode ausgemacht. Wenn ich Tod bin werde ich ihm das Wort "Gummibärchen" und Ohr flüstern damit er weiß dass ich in seiner Nähe bin. Letztens in am Telefon sagte er zu in mir, Pass auf dich auf Mama ich möchte nicht das Wort Gummibärchen hören. Ich hätte in nie gedacht, daß er sich daran noch ich erinnert.

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Oh Gott, da kommen mir gleich wieder die Tränen.
Ich könnte ihm sowas gar nicht sagen, ohne selbst zu schluchzen.
In den meisten Fällen behalte ich aber die Fassung. Klingt nicht so, stimmt aber. ;)

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Meine Tochter wird im Sommer 4 und der Tod interessiert sie grade auch sehr, nachdem mein Freund mir in ihrer Anwesenheit von dem Tod eines Musikers erzählt hatte. Erst hat sie nur etwas nachgefragt. Abends beim Einschlafen fing sie auch plötzlich an zu weinen und zu sagen sie will nicht sterben. Ich habe ihr dann auch vom Himmel erzählt und kurz war es gut, dann brach sie plötzlich wieder in Tränen aus und meinte aber im Himmel könne sie ja garnicht essen. Ich erklärte ihr, dass sie dort sehr wohl essen kann und es lauter leckere Sachen gibt. Sie war beruhigt, dann wieder einige Minuten später sagte sie unter Tränen ihre Freunde wären dann ja garnicht da....ich weiß ehrlichgesagt nicht mehr, was genau icj darauf geantwortet hab aber hab ihr noch erzählt, dass sie im Himmel glücklich sein wird und dass es aber, wenn kein Unfall passiert o.ä. noch ganz lange dauern wird, bis sie oder ich oder ihr Vater etc sterben, denn ihre Oma und Uroma etc leben ja auch noch und sind schon viel älter etc. Wir haben dann noch gebetet und dann konnte sie gut schlafen.
Sie hat in den folgenden Tagen dann immerwieder vom Tod gesprochen und brauchte auch nochmal Bestätigung, dass sie wahrscheinlich noch lange nicht stirbt und dass es im Himmel schön ist....bisher hat sie nicht nochmal geweint wegen des Themas

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Mein Kleiner hat mitbekommen wie seine Uroma verstorben ist, und war da auch traurig, ich sagte Ihm aber nicht sie kann wiederkommen auch wenn sie unsichtbar ist, ich sagte und sage immer das sie auf den Wolken rumspringt und es ihr da besser geht, er war anfangs sicher sehr traurig, aber sagte irgendwann die fährt doch im Rollstuhl rum. Ich denke Kinder dürfen darüber traurig sein mit dem Gedanken das auch Mamas und Papas sterben, irgendwann.

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Friedhöfe sind normal wie gesagt darf er da mit, er weiß das man nicht auf die Gräber geht und Rücksicht nimmt, aber weiß auch was da ist und für was die Gräber sind.

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Wir haben mit unserem Sohn (damals 2) gezwungenermaßen sehr viel über den Tod gesprochen.
Er ist damit ziemlich gut umgegangen.
Wir hatten einige tolle Bücher, die ihm geholfen haben, den Tod zu verstehen. Vor allem das Buch "Regenbogenbrücke", das Buch beschreibt ein tolles Bild: Man geht über die Regenbogenbrücke und taucht die Hände in flüssiges Gold; damit berührt man die Herzen von denen, die man liebt. Er hat immer, wenn er einen Regenbogen gesehen hat, zum Himmel gewunken, weil er sich sicher war, dass seine Schwester ihn dann besonders gut sehen kann.
Wir hatten auch einige andere Bücher.
Auf dem Friedhof war er gerne.
Für ihn war klar: Im Himmel ist Jesus, da ist es schön. Wir haben erzählt, es ist dort wie bei einer Hochzeitsfeier (nur ohne Bauchschmerzen und Karies).
Eine Bekannte hat erzählt, sie hat mit ihren Kindern in einem Schuhkarton ein Himmelszimmer gebastelt.

Er hatte keine Angst, zu sterben. Er hatte eine Vorstellung davon, was auf ihn zukommt.

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Zunächst wünsche ich euch alles Gute mit der Trauer umzugehen.

Das Buch klingt toll, für flüssiges Gold ist er allerdings zu groß "da verbrennt man sich doch". Aber wir könnten ja Farbe draus machen. ;)

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Danke. Wir hatten Zeit, damit klarzukommen, und vor zwei Tagen ist unser kleiner Sohn geboren😊

Das mit dem Verbrennen steht sogar im Buch drin. Die Oma erklärt dem kleinen Hasen, dass das Eintauchen ins flüssige Gold nicht wehtut, weil es in der "neuen Welt" keine Schmerzen, keinen Kummer und keine Sorgen gibt. (Aber das Gold auf den Herzen der Hinterbliebenen macht deren Herzen schwer.)
Ich finde dieses Buch auch als Erwachsene toll! Es nimmt die Trauer sehr ernst und das Gedankenkarrussell.
Ich kann das Buch nur empfehlen.

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Hallo,

hier bei uns das selbe...erstmal fühlte ich mich auch etwas überfordert und überrumpelt mit dem Thema, aber ich hsb versucht, es altersentsprechend zu begleiten.
Ich kann dir also nur von meiner Herangehensweise berichten. Ob das richtig oder falsch ist, weiß ich nicht.

Was ich ganz wichtig finde, dass man das Thema Sterben nicht mit dem Vergleich "wie schlafen" in Verbindung bringt. Das Kind sollte keine Ängste in Bezug zum Schlafen entwickeln. Darum meide ich diese Assoziation.

Nachdem das Thema schon einige Tage präsent war, und sie schon ein paar "Grundlagen" hatte, hab ich sie animiert, selber mit mir zu philosophieren. Auf Fragen habe ich Gegenfragen gestellt, wie z.b. "Was denkst du?" "Wie stellst du dir das vor?" So konnte ich ein wenig besser einschätzen, wo sie phantasiemäßig stand und was sie für Gedanken dazu hat. Das Philosophieren hat meiner Tochter dann oft gut geholfen, dass es nicht so ernst wurde und eher etwas lockerer war.

Ich habe ihr auch gesagt, dass man traurig sein darf, wenn jmd stirbt und man auch weinen darf, wenn sie dann wieder im Gespräch weinte. Denn das ist ja auch meistens die Realität, wenn jmd verstorben ist...deswegen wollte ich nicht die heile Welt vorspielen...

Ich hoffe, es sind ein paar Anregungen für dich dabei.

LG Luckymamiii

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Mein Mittlerer hatte in dem Alter so eine Phase (der Große, der mit vier miterlebt hatte, wie seine Babyschwester gestorben war, seltsamerweise gar nicht).

Ich hab ihm erzählt, dass es ganz normal ist, dass er jetzt als Kind nicht sterben will, und auch, dass wir als mitteljunge;-) Erwachsene nicht sterben wollen und auch die noch nicht so alten Großeltern nicht.
Dass sehr alte Leute aber oft lebenssatt ("wenn du satt bist, dann magst du auch nichts mehr essen, und wenn du sehr müde bist, magst du auch nicht mehr aufbleiben") sind und dieses Gefühl, noch unbedingt leben zu wollen, oft nicht mehr haben.

Wir haben gesagt, dass es vorkommen *kann*, dass junge Leute sterben, aber das *so selten* ist, dass er darüber nicht nachdenken muss ("deine Schwester ist schon sehr krank auf die Welt gekommen, und wir sind ja alle gesund"), und dass es, wenn wir Eltern mal sterben, sicher auch so sein wird, dass wir so alt sind, dass es dann okay sein wird, und er selbst dann auch so alt, dass er damit zurechtkommen wird.

Okay, das ist schon ziemlich geschönt, aber ich fand es vertretbar, vor einem Vierjährigen nicht alle Möglichkeiten zu erwähnen.
Es ging nach ein paar Wochen vorbei.

(Übrigens hatte er auch noch ganz profane Befürchtungen bei der Vorstellung, zu verwaisen:
"Aber ich brauch doch meine Eltern auch als Erwachsener noch."
"Naja, du bist dann so groß, dass du uns nicht mehr brauchst."
"Doch, ich brauch euch. Ich will nämlich hier wohnen bleiben, und wenn es hier schmutzig ist, was mach ich denn dann#zitter?"
"Tja, überleg mal, was du dann machst."
"Dann geh ich in den Keller...
...und bau mir eine Putzmaschine!")

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So hat mir meine Mama das auch früher erklärt. Das alte Menschen irgendwann keine „Lust“ mehr haben zu leben und das wenn man alt ist das Leben gelebt hat und dann mit einem guten Gefühl sterben und es nicht mehr so schlimm ist. So ähnlich jedenfalls.

Auf jeden Fall denke ich da heute noch dran, wenn ich Angst vor dem Sterben bekomme.

Lg

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Hey, unsere Kinder waren 4 und 5 als die Uroma gestorben ist.
Wir haben sie nicht davon ferngehalten.
Wir dachten umso früher sie damit in Berührung kommen, umso „normaler“ ist es für sie.
Sie haben der Oma noch ein Bild gemalt, ihr gegeben und sich verabschiedet (sie sah aus als würde sie schlafen und lag noch in ihrem Bett)
Ich bin Floristin und habe einen Teil der Blumen gemacht. Der Große hat seinen Namen bei mir auf der Arbeit selbst auf die Schleife geschrieben, sie waren mit zur Beerdigung, das „ganze Paket“ eben.
Wir haben ihnen erzählt, dass der Körper jetzt erstmal in die Erde kommt und sie dann uns dann vom Himmel aus zuguckt.
Sie wissen aber auch, dass ihr Platz auf der Erde auf dem Friedhof ist. Wenn sie es wünschen gehen wir auch immer mal wieder hin.
Das sie in irgendeiner Form wieder kommt, haben wir nicht gesagt.
Was bringt mir das? Die Enttäuschung und das Unverständnis wenn sie später rausfinden, dass es doch nicht so ist?!

Eine Zeit lang hat der kleine immer gefragt wann Oma und Opa xy sterben. (Immer nur die beiden, weil „die ja auch schon alt sind“.)
Ich hab ihm einfach immer wieder gesagt, dass man das vorher nicht weiß und ich hoffe, dass sie noch lange leben und Zeit mit uns verbringen können.
Damit ist es dann auch eigentlich immer getan gewesen.
Geweint aus Angst vorm Tod haben sie noch nie.

Ich denke also, so wie wir es gehandhabt haben, hat das bei uns gut funktioniert.

LG