Kind (5) reagiert oft aggressiv auf den Vater

Hallo,
mein Partner hat einen Sohn aus seiner vorherigen Beziehung, der jedes 2. Wochenende bei uns ist und auch in den Ferien regelmäßig über einen längeren Zeitraum.

Problem ist, dass der Sohn seinen Vater komplett ignoriert. Er erzählt zwar gerne und viel, am liebsten Sachen, die er mit seiner Mama und deren Freund gemacht hat, aber ansonsten möchte er absolut nichts von ihm wissen.
Kein Kuscheln, kein Umarmen, kein Spielen. Er sagt ihm nicht einmal "Hallo" und "auf Wiedersehen", wenn die Mutter den Kleinen zu uns bringt. Er rennt einfach kommentarlos rein oder raus. Auch mir und allen anderen Kindern sagt er niemals Hallo oder Tschüss, während die ihn aber alle immer verabschieden.
Komischerweise verabschiedet er sich aber von allen anderen Leuten, sogar meinen Exmann hat er umarmt und verabschiedet, obwohl er ihn noch nie vorher gesehen hat. Mein Partner war mehr als geschockt darüber, verständlicherweise.

Wenn mein Partner ihm z. B. Helfen will, weil er in der Schaukel eingeklemmt ist oder irgendwas anderes, wo er sich selbst nicht helfen kann, dann reagiert der Kleine richtig aggressiv. Er schlägt und haut nach seinem Vater oder fängt an zu schreien und zu heulen. Das Verhalten zeigt er bei mir nie oder fast nie.

Mein Partner versucht es dann oft erst einfühlsam auf ihn einzureden, manchmal ignoriert er es auch eine Weile und fragt dann, was denn daran jetzt das Problem war. Eine Antwort bekommt er nie. Im Gegenteil, es dauert lange bis sich der Kleine beruhigt hat und wieder ein normales Miteinander möglich ist. Auch von mir lässt er sich dann nicht beeinflussen.

Abends darf nur ich die Zähne putzen. Nur ich darf ihn anschnallen im Auto, was er angeblich nicht kann. Ich ermutige ihn auch vieles selbst zu machen, was mittlerweile ganz gut klappt. Ansonsten muss alles ich machen, vom Einschütten bis Essen kleinschneiden über Anziehen (anziehen alleine klappt auch erst seit den Sommerferien, weil ich es mit ihm jeden Tag geübt habe und er jetzt stolz ist, dass er es alleine kann.)

Er kann nicht zählen und zeigt sein Alter nur mit der Hand. Lt. Kiga sei er total altersgerecht. Ich muss aber sagen, ich habe 2 Jungs und ein Mädchen (jetzt 11, 8 und 7) und weiß ja wie Kinder sich so entwickeln und ich finde einiges sehr besorgniserregend. Auch spricht er sehr undeutlich und viele Buchstaben kann er nicht gut aussprechen.

Die getrennt lebende Mutter meint, dass Logopädie nichts bringen würde. Der KiA hat vor kurzem bei der U entwicklungsverzögert eingetragen, mehr auch nicht. Der Junge war bei jeder U bisher entwicklungsverzögert. Der Mutter ist die Entwicklung völlig egal und sie meint, er sei doch noch so klein und man müsse einfach abwarten.

Schlimm finde ich es einfach, wie mein Partner darunter leidet, dass sein Sohn ihn so ablehnt und er eigentlich nicht an ihn rankommt. Solange das Spielzeug da ist, man macht was der Kleine vorgibt ist alles gut. Wehe, wir wollen was machen, was dem Kleinen nicht in den Kram passt, dann ist Terror angesagt.

Ich weiß dann oft nicht wie ich auf den Kleinen reagieren soll. Einreden hilft nicht, Verbote helfen nur selten. Er provoziert dann sogar nochmal die gleiche Situation und das ohne davon abzulassen.
Er lässt dann auch gerne die Wut an unserem kleinen Hund aus oder ärgert seine große Schwester, die beim Vater lebt oder meine Kinder. Er will immer ganz viel Aufmerksamkeit und wenn er die nicht bekommt, dann holt er sie sich.

Was meint ihr? Was sollte ich machen, wenn der Kleine mal wieder rumbockt und keiner an ihn rankommt?
Gerade beim Essen versucht er aktuell nur das zu essen, was er möchte, obwohl wir immer nur kochen, was er auch mag und bereits bei uns gegessen hat. Plötzlich isst er die ganzen Sachen nicht mehr und lässt die auf dem Teller liegen. Leckere Sachen möchte er dann aber ohne ende Nachschlag ohne den Rest vom Teller zu essen, obwohl er weiß, dass bei seinem Vater die Regel gilt, es wird alles vom Teller gegessen. Und alle am Tisch halten sich auch daran.
Wir wiederholen immer wieder unsere Regeln und er meint nur, aber bei der Mama ist das....

Heute kommt er wieder übers WE zu uns und ich weiß jetzt nicht, wie ich auf das Verhalten weiter reagieren soll. Soll ich weiterhin alles machen, wie Zähne putzen oder ihm sagen, dass macht sein Papa ab sofort wieder? Ich habe Angst, dass mein Partner die Verbindung zu seinem Sohn verliert.

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Mich schüttelt es beim Gedanken an die Essensituation. Warum MUSS er von allem essen, auch wenn er es, zumindest am aktuellen Tag, nicht will? Nehmt da unbedingt Druck raus. Wenn er nur von einer Komponente essen will, so what? Wenn leer, dann leer.

Dieses Kind wirkt komplett verunsichert. Und er testet und testet und testet, ob der Papa trotzdem zu ihm hält, auch wenn er sich abweisend verhält. Kein untypischen Verhalten von Trennungskindern. Er kommt zu seinem Papa, sieht da die heile Familie mit neuer Frau und neuen Kindern, er darf nur ab und an dasein. Klar schwärmt er da von Mama, er will mithalten und beweisen, dass es bei ihm daheim auch toll ist.

Du schreibst übrigens sehr urteilend über die Entwicklung des Kindes und das Verhalten der Mutter. So, als ob du dich ihr überlegen fühlst. Das spürt das Kind.

Ich glaube, ihr braucht Hilfe. Eurer Verhalten bedingt euch gegenseitig. Würde zu einer Familienberatungsstelle gehen.

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Genau, so meinte ich es auch!

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Das mit dem essen sehe ich wie du. Leider hat mein Partner da kein Einsehen und besteht eisern auf diese Regel. Er meint die große kennt das so seit 14 Jahren und der kleine würde das auch nicht kennen.
Er erwartet das und kocht ja auch sowieso schon nur das, was gegessen wird.
Meine Kids mussten sich daran auch erst gewöhnen, haben es mittlerweile aber so angenommen und essen tatsächlich Dinge, die sie vorher nie gegessen hätten.

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Huhu,

ja, gute Idee, dass du den Vater wieder mehr einbindest. Ich meine, dieser Junge ist der Jüngste in der Familie von wievielen Kindern? 5? Kann ja nicht sein, dass er die komplette Familie tyrannisiert, wenn er bei euch ist.
Was diese Essensregel anbelangt: Wenn er nur die leckeren Sachen rauspickt (wobei ich glaube, dass alles lecker ist) aber er nur eine Komponente davon rauspickt, dann wird er wohl hungrig bleiben müssen.

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Der Junge tut mir sehr leid. Anscheinend ist er so unsicher in seiner Beziehung zum Vater, dass er aus Selbstschutz auf Distanz geht. Eine bessere Beziehung bekommen die beiden aber meiner Meinung nach nicht durch Zähne putzen sondern durch gemeinsame positive Erlebnisse. Ich würde mich an Stelle des Vaters soweit möglich bemühen, öfter Zeit alleine mit dem Sohn zu verbringen. Dabei darf man dann natürlich auch nicht zu viel erwarten, es kann selbst bei sehr konsistentem Verhalten seitens des Vaters Monate dauern, bis der Junge wieder so viel Vertrauen hat und sich der Liebe seines Vaters so sicher fühlt, dass er ihn an sich heranlassen kann.

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Der Vater kümmert sich total toll um ihn. Jedes 4. Wochenende ist der Kleine mit uns beiden alleine und wir unternehmen nur Dinge, die ihm Spaß machen bzw schauen altersgerecht, was man unternehmen kann. Gemeinsam. Der Vater ist unfassbar geduldig, sucht immer den Kontakt und mit irgendwas, wo er Fuß bei ihm fassen kann, aber der kleine guckt meist nur beleidigt oder erzählt wieder irgendwas von seiner Mama.

Wenn man ihn fragt, ob er den Papa lieb hat und auch mal bei der Mama vermisst, bekommt man immer ein Nein. Er würde nur die Mama vermissen , sagt er.

Er ist sicher der kleinste bei uns, aber auch der die meiste Rücksichtnahme erfährt. Die großen kümmern sich viel mit und fragen oder helfen ihm auch mal. Nur wenn er andauernd so eine miese Laune an den Tag legt, kippt das ganze auch bei den anderen Kids und Zack herrscht bombenstimmung unter den Kids.
Aber selbst dann wird er noch in schutz genommen und die älteren belehrt, dass man auch mal nicht drauf eingeht oder auch mal nachgibt.

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Ich glaube, der Kleine braucht das Gefühl, so gemocht zu werden, wie er ist. Und das ist momentan schwer. Solche Fragen, ob er den Papa lieb hat oder vermisst, untergraben doch alle Bemühungen. Das wichtige Signal ist doch "ich liebe dich genau so wie du bist und egal wie du dich mir und anderen gegenüber verhältst". Der Junge testet sehr stark, ob diese bedingungslose Liebe da ist, weil er sich ihrer (vermutlich aufgrund der Trennung?) nicht so sicher ist wie andere Kinder. Wie ist denn das Verhältnis zu seiner Mutter und deren Partner? Ist es möglich, auch mal was zusammen zu machen oder hat der Junge das Gefühl, dass es zwei Fronten sind und will Stellung beziehen?

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