Angststörung / Soziale Phobie einer 4 jährigen?

Hallo zusammen,

unsere 4 1/2 jährige Tochter ist ein richtig liebes, fröhliches Mädchen - solange wir unter uns sind... Wenn andere Menschen dabei sind, sei es Erwachsene oder Kinder macht sie dicht. Egal ob in der Krabbelgruppe (kleine Gruppe mit 4 anderen Mädels, dort sind wir seit sie 10 Monate alt ist), bei ihren Cousinen etc. oder jetzt im Kindergarten. Mir zerreißt es fast das Herz, wenn ich sie morgens hinbringe und sie wie angewurzelt im Raum steht und nichts macht. Viele Kinder kennt sie vom letzten Kindergartenjahr, ein paar schon aus der Krippe. Die Erzieherinnen sind allerdings neu und die Hälfte der Kinder einer anderen Gruppe sind dazu gekommen.

Sie fängt zurzeit mit Daumen nuckeln an, schläft unruhig und nässt immer häufiger ein. Sie ist mittags teilweile recht aggressiv ihrer kleinen Schwester gegenüber.

Wir hatten schon viele schwierige Zeiten dadurch (z. B. Eingewöhnung Krippe knapp 3 Monate, ihre Oma gab sich solche Mühe und wurde die ersten 3 Jahre nicht "akzeptiert"). Mein Mann und ich sind mittlerweile jedoch verzweifelt, wissen nicht wie wir ihr helfen können, und überlegen uns professionelle Hilfe zu holen.

Kennt sich vielleicht jemand mit Angststörungen oder Sozialer Phobie aus?

Vielen Dank an alle schon mal

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Hallo,
wie viel und wie regelmäßig hat sie denn Kontakt zu den Cousins und Oma und Opa? Wie oft wart ihr in der Spielgruppe? Was heißt denn, sie lehnt Oma und Opa ab? Und wie sieht denn euer Alltag aus?
Nur, weil ein Mensch nicht viele menschliche Kontakte mag oder brauch, ist das ja nicht zwangsläufig eine psychische Störung. Introvertierte Menschen ziehen ja zB auch eher Kraft aus dem Alleinsein oder dem Kontakt zu wenigen ausgewählten Menschen, größere Gruppen, Gewusel rauben ihnen eher Kraft und stressen sie. Im Kindergarten konnte Dank Corona ja leider nicht allzu viel Stabilität und Konstanz aufgebaut werden. Damit hadern ja durchaus mehrere Kinder.
Erzähl doch mal etwas detaillierter, wieso ihr an eine psychische Erkrankung denkt!
Daumen nuckeln, Einnässen etc. sind ja deutliche Stresssymptome. Wenn das gerade akut auftauchte, würde ich mal nach den Ursachen suchen…
Wann wurde die kleine Schwester geboren?
Viele Grüße

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Vielen lieben Dank für deine Antwort.

Die Treffen mit den Cousinen und auch der Spielgruppe sind meist 14-tägig. Durch Corona waren aber auch lange Pausen. Zu Oma und Opa ist das Verhältnis mittlerweile gut, lange Zeit durften sie nicht näher als einen Meter an sie ran kommen und ich musste bei ihr sein.

Die kleine Schwester ist 2 Jahre alt und meistens sie ein Herz und eine Seele. Auch wenn sie charakterlich sehr verschieden sind.

Bei meiner Tochter ist bei mir der Beschützerinstinkt sehr groß, weil sie eben "anders" ist als die "normalen" Kinder. Ich habe Angst, dass durch nicht oder zu spätes Handeln ihr etwas in der Zukunft verbaut wird. Andererseits fällt mir allein der Gedanke an psychologische Hilfe schon extrem schwer.

Ich habe mir deine Antwort sehr zu Herzen genommen und nachgedacht. Vermutlich ist das größte Problem meine/unsere eigene Erwartung. Die anderen Kinder im Kindergarten haben gefühlt 2 Gänge hochgeschaltet, unsere Maus ist im Moment eher im Notbetrieb.

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Hallo,
ich finde 14 Tage Abstand mit Corona Unterbrechungen schon eher wenig Kontakt, ich glaube da gibt es durchaus mehrere Kinder, die da nicht gleich warm wären. Was ich mich immer fragen würde, leidet eure Tochter unter diesen Situationen? Wäre sie gern offener? Dann fände ich es auch gut, wenn ihr sie unterstützt und ggf. psychologische Hilfe sucht.
Wenn sie aber zufrieden ist und diesen „Rückzug“ freiwillig wählt, es ihr gut damit geht, würde ich sie glaube ich erst mal lassen! Mir war es im Kindergarten auch oft zu laut und zu wuselig und ich mag auch heute noch eher kleine Gruppen mit vertrauten Menschen. Oder große Gruppen, wenn ich mich nicht mit den einzelnen Menschen auseinandersetzen muss, Konzert, Club und so etwas! 😅 Unser Sohn sagt auch ganz oft, er braucht mal seine Ruhe und zieht sich im Kindergarten ab und zu zurück. Die Frage ist halt, ist jemand nur introvertiert oder ängstlich und schüchtern. Die Schüchternen oder Ängstlichen leiden unter der Situation, sie würden gern mehr Kontakt aufnehmen, können es aber nicht, stehen sich im Weg. Die Introvertierten sind happy und brauchen so viel Kontakt einfach nicht. Wie es bei eurer Tochter ist, kann ich natürlich absolut nicht einschätzen. Aber vielleicht ist das für euch ja eine Anregung es besser einschätzen zu können!

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Dein Text könnte von mir sein.

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Hat mir geholfen, unser Kind zu verstehen.