Eingewöhnung und Bindung zu Mama

Hallo,

Mein Ältester ist gerade 2 geworden und morgen beginnt die 3. Woche der Eingewöhnung im Kindergarten.

Bisher macht er sich toll. Als ich noch im Raum anwesend war, hat er trotzdem lieber Kontakt zur Erzieherin gesucht anstatt zu mir. Als ich im Flur außer Sichtweite gewartet habe, hat er mich nicht gesucht und als ich zuletzt zu Hause gewartet habe, gab es auch keine Probleme. Er lässt sich von den Erzieherinnen bisher toll begleiten und mag gar nicht nach Hause gehen wenn ich ihn abhole (aktuell noch vorzeitig, wir steigern nun langsam die Zeit).

Auch sonst ist er in letzter Zeit sehr entspannt, wenn ich weg bin. Ich musste seit Geburt des kleinen Bruders nun schon mehrmals mehrere Tage mit dem kleinen stationär in der Klinik bleiben, er bleibt problemlos stundenweise oder auch mal über Nacht bei Oma.
Das wäre alles bis vor 1/2 Jahr nicht möglich gewesen, da heulte er rotz und Wasser wenn ich ihn auch nur kurzzeitig bei Papa oder Oma alleine lassen musste. Er sucht heute natürlich immer noch meine Nähe, bei Krankheit o.ä. zieht er mich zum kuscheln immer noch Papa vor, aber ist er trotzig und wütend bekomme ich das mit voller Wucht zu spüren während er selbst bei Papa nicht so sehr aufbrausend ist,

Im Großen und Ganzen macht es ihm augenscheinlich nichts (mehr) aus, wenn ich nicht da bin. Und ich weiß, dass das ein Luxusproblem ist…aber ich mache mir gerade sorgen, ob ihm die Eingewöhnung vergleichsweise leicht fällt weil er es gewohnt ist, dass ich nicht immer da bin und sich schlichtweg damit arrangiert hat. Oder aber hat er sich in der Zwischenzeit so gut entwickelt, dass er begreift wenn ich ihm erkläre dass Mama nun XY macht und ihn wieder abholt/wieder kommt und er vertraut darauf?

Hat er einfach „resigniert“ aufgrund meiner mehrfachen und mehrtägigen Abwesenheit oder hat er einfach großes Vertrauen in mich?
Ich weiß es wirklich nicht. Einerseits freut es mich, wenn er im Kindergarten gut ankommt, dort aufgefangen wird und er es als neuen Alltag akzeptiert. Andererseits ist da irgendetwas in mir, das an mir nagt und denkt, die Trennung von mir müsste ihm doch schwerer fallen nachdem wir nun 2 Jahre (oder besser 1,5 Jahre bis zur Geburt von Kind 2) immer beisammen waren.

Spinne ich oder sind das bloß die Hormone oder die Umstellung, die auch mir zu schaffen macht?

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Also: die Bindungstheorien sagen, dass sicher gebundene Kinder sich gut von den Eltern trennen können. Du hast ihm bisher immer „bewiesen“, dass du wieder kommst. (Das ist jetzt die Kurz-Erklärung, es gibt viel Lektüre zu dem Thema).
Es wäre jetzt wohl an der Zeit, mal richtig stolz auf euch zu sein. Es läuft alles richtig gut.

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So hast du diese Information her? die Bindungstheorie besagt eigentlich, dass unsichere Kinder die Trennung zur primären Bezugsperson ignorieren. Und danach klingt es für mich bei der TE. Sicher gebundene Kinder sind nach der Trennung zunächst angespannt, können sich aber schnell an andere Personen binden und sind dennoch entspannt/freudig, wenn die primäre Bezugsperson wieder kommt:

„Sicheres Bindungsmuster

Das sicher gebundene Kind hat Vertrauen in die Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit der Bindungsperson und exploriert in deren Anwesenheit ungestört. Die Bindungsperson wird als sichere Ausgangsbasis zur Erkundung der Umwelt wahrgenommen. Bei der Trennung von ihr zeigt das Kind deutliches Bindungsverhalten mit Rufen, Suchen und Weinen. Es wirkt sehr gestresst. Das Kind differenziert deutlich zwischen der Bindungsperson und lässt sich von der fremden Person nicht trösten. Bei Rückkehr der Bindungsperson demonstriert das Kind Freude und sucht sofort den körperlichen Kontakt.“

Bei einer unsicheren Bindung hingegen gilt:

„Unsicher-vermeidendes Bindungsmuster

Das unsicher-vermeidende Kind zeigt bei Abwesenheit der Bindungsperson kein Anzeichen der Beunruhigung oder des Vermissens. Es exploriert scheinbar ohne Einschränkung weiter, zeigt nur wenig Bindungsverhalten und akzeptiert die fremde Person als Ersatz. Innerlich ist das Kind sehr aufgewühlt. Spätere Untersuchungen konnten belegen, dass die Deaktivierung und Unterdrückung des Bindungsverhaltens mit einer hohen emotionalen Belastung einhergeht. Bei Rückkehr der Bindungsperson wird diese ignoriert und Körperkontakt abgelehnt. Das unsicher-vermeidend gebundene Kind hat die Bindungsperson als zurückweisend verinnerlicht. Um diese Zurückweisung nicht permanent erfahren zu müssen, wird der Kontakt vermieden und möglichst keine Verunsicherung gezeigt. Die Bindungsperson zeichnet sich durch einen Mangel an Affektäußerung, durch Ablehnung und Aversion gegen Körperkontakt sowie häufige Zeichen von Ärger aus. Das Kind kann kein Vertrauen auf Unterstützung entwickeln, sondern erwartet Zurückweisung. Infolge dessen unterdrückt das Kind seine Annäherungsneigung, um zumindest in einer tolerierbaren Nähe zur Mutter zu bleiben. Negative Gefühle werden unterdrückt.“

Quelle: https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/psychologie/1722/

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„Bei Rückkehr der Bindungsperson wird diese ignoriert und Körperkontakt abgelehnt. […..] Die Bindungsperson zeichnet sich durch einen Mangel an Affektäußerung, durch Ablehnung und Aversion gegen Körperkontakt sowie häufige Zeichen von Ärger aus.“

Da muss ich aber widersprechen. Mein Kind lehnt mich als Person nicht ab, er möchte einfach nur noch nicht gehen. Das macht er auch, wenn wir vom Spielplatz aufbrechen wollen, er nicht die 6. runde Karussell fahren darf…ja, da rennt oder duckt er sich weg. Aber prinzipiell sucht er auch Körperkontakt zu mir, setzt sich zu mir, zeigt dass ich ihn hochnehmen soll, dass er Händchen halten will. Und ich lehne keinesfalls sein Bedürfnis nach Körperkontakt ab. Natürlich muss ich auch mal „schimpfen“ im Sinne von streng sein, es ist hier eben nicht alles plüschig und zuckerwatte. Aber er ignoriert mich nicht und ich ignoriere ihn nicht und zeige ihm gegenüber Ablehnung.

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Das Verhalten deines Sohnes zeugt von einer sicheren Bindung. Mit 2 Jahren sind Kinder in der Lage sich ein inneres Bild von den Bindungspersonen zu machen, also er weiß, dass du da bist auch wenn du gerade nicht präsent bist. In der Fachsprache nennt man das mentale Repräsentation, die ist mit ungefähr 18 Monaten ausgebildet. Deswegen habe ich mit dem Kitabeginn auch gewartet bis meine Tochter knapp 2 Jahre war. Meine Tochter verhält sich übrigens, wie dein Sohn. Null Probleme, geht gerne in die Kita...mach dir keine Sorgen. Grüße von einer angehenden Kinderpsychotherapeutin.;-)

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Das beruhigt mich sehr, danke!
Er hat in den ersten Tagen der Eingewöhnung schon noch Blickkontakt gesucht oder mal geschaut ob ich noch im Raum bin aber er kam eben nicht zu mir mit Spielzeug zum zeigen oder um ihm zu helfen. Das hat von Anfang an super mit der Erzieherin alleine geklappt und dass er nun auch gar nicht nach mir fragt während das andere, gleichaltrige Mädchen zur Eingewöhnung ihre Mama permanent verlangt hat mich total verunsichert…

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Jedes Kind ist anders, es gibt auch viele sicher gebundene Kinder die Probleme mit der Eingewöhnung haben. Das ist halt viel Temperament und Veranlagung. :-D

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Ich kenne mich mit diesen Bindungstheorien nicht aus und möchte ich auch nicht.
Aber was du hier schreibst, klingt für mich nach einer starken Bindung.
Dein Sohn hat keine Probleme mit der Trennung, weil er weiß, dass du wieder kommst. Und weil es ihm dort gefällt. Besser geht's doch nicht :)
Sei stolz darauf und freue dich, dass es so gut klappt :)
Auch, dass du seine Wut mit voller Wucht zu spüren bekommst zeigt, dass eure Bindung sehr stark und sicher ist. Bei dir kann er es rauslassen - er weiß, dass du ihn auffängst und begleitest, er fühlt sich sicher.
Meiner Meinung nach habt ihr alles richtig gemacht und du brauchst dir keine Sorgen über eure Bindung machen :)

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Er kann sich gut von dir trennen, weil er weiß, dass die Welt unter gehen kann und du trotzdem wieder kommst :).