Kinofilme die einen mitnehmen

    • (1) 23.03.15 - 11:05

      Hallo,

      Kennt ihr das, dass ihr Filme guckt und die euch total mitnehmen?
      Ich war letzte Woche in American Sniper und da gibt es eine Szene, die mich so fertig gemacht hat, dass für mich der ganze Abend danach gelaufen war. Ich habe jetzt tagelang gebraucht um wieder auf Spur zu kommen.

      Das wird wirklich immer massiver bei mir. Wenn ich mir überlege, welche Filme ich mir früher angeschaut habe... Wäre heute nicht mehr dran zu denken.

      Mittlerweile fühle ich mich ziemlich eingeschränkt, was die Filmauswahl angeht und frage mich, ob es nicht Techniken gibt, mit diesem Kopfkino danach besser klarzukommen. Hat jemand eine Idee woher das kommt.

      Ähnlich ist es mit Büchern, ich vermeide viele Krimis, gerade die skandinavischen.

        ja, ich glaube ich kenn die Szene auch.

        damals hat mich das auch mitgenommen, aber ich kam da besser mit klar als mit enstprechenden Szenen jetzt.

        was ist das, dass wir das so empfindlicher werden? Man müsste ja meinen, dass einen immer weniger schockt.

        • (6) 24.03.15 - 17:12

          Ich weiß nicht an was es liegt, aber vielleicht werden die Filme doch immer "realer"...... oder brutaler..... ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll.

          Ich habe früher auch Horrorfilme und brutale Filme gekuckt , aber im Vergleich zu heutigen Filmen waren die ja eher lächerlich........ obwohl man sich damals auch gruselte und es schlimm fand.
          Heute sieht man mehr, die Kamera hält länger drauf, man sieht ja wirklich extreme Details....... die Schauspieler werden immer besser.

          Mein Mann ist auch empfindlicher geworden, obwohl er doch auch noch brutalere Filme oder Szenen schauen kann als ich.

    Hallo,

    ja, das geht mir auch oft so. Wobei ich sagen muss, dass es ja durchaus ein Vorteil und gewollt sein kann, wenn ein Film den Zuschauer so aufzuwühlen vermag. Woher das im Einzelfall kommt, kann ich nicht sagen. Die Menschen sind eben für verschiedene Themen verschieden empfänglich. Da muss man dann von Fall zu Fall entscheiden, ob man sich nun gerade darauf einlassen mag oder nicht.

    Mir ging es das letzte Mal bei "Wir sind jung, wir sind stark" so. Schwer auszuhalten. Durchgehend. Aber ich dachte mir, der Film will dahin, wo es wehtut und es war mir von vornherein klar. Ähnlich ist es mit Filmen von Michael Haneke und Ulrich Seidl. Die gucke ich mir gerade 'wegen' ihrer verstörenden Wirkung an.

    Es gibt aber auch Filme, von denen ahne ich, dass sie böses Kopfkino machen und ich sehe keinen sittlichen Nährwert darin. Die klemme ich mir dann von vornherein.

    Wie man das Kopfkino unter Kontrolle bringt, wenn es einen unverhofft überkommt, etwa weil ein Film krasser war als gedacht - keine Ahnung. Manchmal hilft dann schrilles Kontrastprogramm aus dem Unterhaltungsfernsehen. Oder sich den Darsteller nochmal in anderen Rollen anschauen.

    Zumindest mir hilft das im Ernstfall.

    Viele Grüße!

    • Genau das letztere habe ich die letzten Tage dann auch gemacht, gibt ja genug mit Bradley Cooper. Liebskomödien und Hangover...

      Aber genau da liegt die Crux, ich empfinde viele Filme, auch von den Filmschaffenden, die du nennst als qualitativ hochstehend und sehenswert an.

      Und ich muss oft kneifen, obwohl es mich im Grunde interessiert. Als wenn ich kulturell blockiert werde,

      Es geht mir ja auch so mit manchen Büchern. Ich sag ja nur: "Khaled Hosseini".

      Seit Jahren interessiere ich mich für die Geschichte Kambodschas. Das letzte Buch, das ich dazu gelesen habe, hat mich tagelang aus den Schuhen gehauen.

      Es gibt immer mehr Filme und Bücher, die ich mich shclicht nicht traue zu schauen oder zu lesen, und ich mache mir langsam Sorgen, dass das ein Symptom für irgendetwas ist. daher wohl auch die Frage nach den Bewältigungstechniken.

      • "Aber genau da liegt die Crux, ich empfinde viele Filme, auch von den Filmschaffenden, die du nennst als qualitativ hochstehend und sehenswert an."

        Ja, und ihr Alleinstellungsmerkmal ist häufig genau dieses Verstörende. Die entsprechenden Filmschaffenden (Regisseure, Drehbuchautoren) wollen genau da hin. Oftmals - vor allem bei Haneke - ist es ja eine geballte Ladung Medienkritik samt Publikumsbeschimpfung. Ich erinnere mich an eine Szene, in der sich der Protagonist direkt an den Zuschauer wendet und ihn daran erinnert, dass er doch GENAU DAS sehen wollte, was da gerade passiert. Einen Gewaltexzess. Absolut böse...

        Ich glaube nicht, dass man kulturell blockiert ist, wenn man sich derlei Dinge nicht ansehen kann oder will. Es zeugt von Sensibilität, sich dies einzugestehen und eben nicht Popcorn zu essen, während auf dem Bildschirm Menschen zu Tode gequält werden. Überspitzt gesagt.

        Nochmal zu den Bewältigungstechniken: es kann helfen, sich im Vorfeld intensiv mit dem Werk auseinanderzusetzen. Besprechungen lesen, wissen, worauf es ankommt und worauf man sich einlässt. Eine gute Besprechung wird ja nicht die entscheidenden Wendungen verraten. Klar geht dadurch auch etwas verloren, aber gewisse Sachen guckt man sich ja auch eher als Kunstwerk an denn als spannende Story.

        Das ist das, was ich nach einem literaturwissenschaftlichen Studium dazu sagen kann: intensive theoretische Beschäftigung mit einem Stoff nimmt ihm den Schrecken bzw. überhaupt einen Teil seiner emotionalen Wucht.

        Schönen Abend Dir!

Hallo,

bei mir sind es meistens die leisen Filme die mich ansprechen und mitnehmen!

Sie ziehen mich in ihre Tiefe, sie lassen fühlen oder zumindest erahnen warum es ist wie es ist oder sie zeigen wie falsch es läuft.

Die Tage kam im TV der Kinofilm "Die Wand", er ist so ein Film.
kino-zeit.de schrieb über diesen Film:
„Im lo-fi-Science-Fiction-Drama Die Wand eröffnet die Isolation der Protagonistin den Weg zum ozeanischen Gefühl. Nicht mehr an die Interaktion mit Menschen gewöhnt, löst sich ihr Individualismus nach und nach auf und verwandelt sich in ein kosmisches Einheitsempfinden, in ein „Wir“, das Spezies-Grenzen überwindet und die Frau mit ihren Tieren verbindet. Die Wand mag sie von ihren Mitmenschen getrennt haben – zugleich aber ist die Trennwand zwischen Mensch und Natur eingerissen. Aus dieser Dialektik erwächst auch die Zivilisationskritik der Erzählung.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Wand_(Film)

Tief beeindruckend auch "Die Grüne Meile"
http://de.wikipedia.org/wiki/The_Green_Mile_(Film)

Es gibt viele gute Filme, in meinen Augen, die aber auch viel zu oft verkannt werden.

lg, marada

Ja das kenne ich auch nur zu gut! Mich hat "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" total mitgenommen, Stunden später kamen mich noch die Tränen. Ich kam damit irgendwie gar nicht klar!

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