NSU-Dreiteiler im Ersten

    • (1) 04.04.16 - 16:01

      Liebe alle,

      letzte Woche lief eine dreiteilige Filmreihe zum NSU in der ARD an: http://www.daserste.de/unterhaltung/film/mitten-in-deutschland-nsu/index.html

      Hat jemand hier den ersten Teil gesehen? Ich muss sagen, dass er mich echt beeindruckt hat. Großartig besetzt und schmerzvoll eindrücklich, ohne reißerisch zu sein - ein sehr guter Film.

      Heute kommt der zweite, in der Zeitung habe ich bereits eine positive Besprechung gelesen.

      Mein Mann hatte zunächst Bedenken, v.a. weil es dort um Sachverhalte geht, die noch Gegenstand der Verhandlung sind, also seiner Meinung nach im Film tendentiös fiktiv sein *müssen*. Aber auch er fand die Verfilmung gelungen.

      Schaut Ihr die Reihe und was denkt Ihr darüber?

      Viele Grüße!

      • Ja, ich habe auch den ersten Teil gesehen, aber ich muss gestehen, dass das eher zufällig war und ich bin sehr froh darüber.

        Ich fand es aber eher informativ als emotional beeindruckend.

        Ich verfolge den Prozess von Zschäpe und die derzeitigen Erkenntnisse nicht mehr sehr aufmerksam, weil sich alles so zieht und fand es daher spannend und interessant, wie die Konstellation zwischen den dreien entstand und wer noch beteiligt war .
        Wobei auch das ja nicht unbedingt die wahren Begebenheiten 1:1 wiedergibt.
        Ist es nicht so, dass die Taten und Netzwerke aus der Anfangszeit auch Gegenstand der Verhandlungen sind und fiktiv sind?

        Ich denke, es geht auch nicht darum eine aufklärende Reportage über die Wahrheit der NSU zu machen, sondern etwas Licht ins Dunkel zu bringen und Mechanismen aufzuzeigen.

        ich schaue gleich auf jeden Fall, und habe vor dem zweiten Teil ein wenig Magengrummeln, da ich denke, dass dieses Thema rund um den akuten Umgang mit den NSU Taten sehr beklemmend und beunruhigend ist.

        • Hallo,

          ich stimme Dir zu, dass der Film durchaus informativen Charakter hatte. Und vielleicht ist es meiner Begeisterung für Anna Maria Mühe zuzuschreiben, dass er mich auch emotional wirklich gepackt hat. Außerdem finde ich es ungemein beängstigend und verstörend, Jugendliche bei derlei Aktivitäten zu sehen, dabei Rechtsrock zu hören... all das macht den Film für mich emotional eindrucksvoll.

          "Ist es nicht so, dass die Taten und Netzwerke aus der Anfangszeit auch Gegenstand der Verhandlungen sind und fiktiv sind?"

          Ja, genau, insbesondere die Rolle von Beate Zschäpe ist bis heute nicht vollständig geklärt. Das empfinde ich als große Leistung des Films: die Dynamiken unter den Jugendlichen und die Netzwerke werden thematisiert, aber ich hatte den Eindruck, dass auf bisher ungeklärte Details weitgehend verzichtet wurde. So bekam man ein stimmiges Bild dieser Anfangszeit, ohne dass allzu viel hinzu erfunden wurde.

          Inzwischen habe ich auch den zweiten Teil gesehen - ja. Beklemmend und beunruhigend trifft es. Ich war und bin ehrlich geschockt, wie mit der Familie von Enver Simsek umgegangen wurde. DAS war mir in dem Ausmaß nicht klar.

      Ja hier.

      Die Sache mit der Fiktion wurde zu Anfang explizit erwähnt. Das reichte mir aus, um die Reihe nun zu schauen und anzunehmen.

      Ich werde den Prozess weiterhin verfolgen und dann sehen wir, was passiert.
      Auf jeden Fall finde ich es spannend, dass da eine Thematik aufgegriffen wurde, die noch gar nicht final geklärt ist.

      Der Film letzte Woche hat uns auch ziemlich umgehauen, unglaublich, was da für ein Hass und eine Gewalt herrschen.
      Da kann man na klar sagen, das sei Teil der Fiktion, ich denke jedoch, in diesen Kreisen (ja, in anderen Kreisen ebenso) ist ein Bierkrug in der Tat nicht nur zum Trinken da.

      Ich habe Frau Mühe zuerst gar nicht erkannt, um ehrlich zu sein und war von ihrer schauspielerischen Fähigkeit beeindruckt.

      Also, ich bin gespannt-besorgt, wie es heute wird. Denn Entspannung darf da niemand erwarten.

      L G

      White

      • "Die Sache mit der Fiktion wurde zu Anfang explizit erwähnt. Das reichte mir aus, um die Reihe nun zu schauen und anzunehmen."

        Richtig. Das hat auch unsere Bedenken weitgehend zerstreut. Außerdem fand ich - wie ich madame.blume oben schon schrieb - dass es dem Film gelungen ist, die möglicherweise noch strittigen Details nicht zum Thema zu machen, soweit ich das beurteilen kann.

        "Der Film letzte Woche hat uns auch ziemlich umgehauen, unglaublich, was da für ein Hass und eine Gewalt herrschen."
        Ja, richtig. Ich glaube nicht, dass das Fiktion ist. Natürlich wurde das so für den Film inszeniert, ganz klar. Aber da wurden Dynamiken gezeigt, die so existieren, da bin ich sicher.

        Anna Maria Mühe - unglaublich.

        Liebe Grüße!

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