Happy End einer ungewollten Schwangerschaft!

Hallo zusammen,

ich poste hier heute zum ersten Mal im Forum, habe aber die ganze Schwangerschaft über hier gelesen und möchte jetzt von der schönen Geburt unserer Tochter Selina erzählen. Mir haben so viele Beiträge hier monatelang Mut gemacht...vielleicht kann ich somit das selbe für jemanden tun, der Angst vor der Geburt hat...

Zunächst einmal war es für mich und meinen Mann ein großer Schock, als ich letztes Jahr zwei Tage vor Heiligabend den positiven Test in der Hand hielt. Wir haben uns beide keine Kinder gewünscht, ich war mir nicht mal sicher, ob ich überhaupt jemals Kinder haben wollte. Demnach war ich am Boden zertstört, dass es trotz penibler Verhütung passiert ist.

Eins stand aber für meinen Mann und mich felsenfest: Eine Abtreibung kommt nicht in Frage, und dass wir es irgendwie schaffen werden.
Die folgende Zeit war für mich sehr schwer. Ich hatte Angst vor dem, was mich erwarten würde. Ich konnte die ganze Schwangerschaft über auch keinen richtigen Bezug zu unserem Kind entwickeln. Ich habe nicht mit ihm geredet und bin keine einziges Mal losgezogen um Babysachen zu kaufen (das haben andere für mich getan). Im tiefsten Grunde habe ich mich aber deshalb auch schlecht und schuldig gefühlt und meine Angst das Kind nicht lieben zu können war unheimlich groß.

Je weiter die Schwangerschaft aber fortschritt, desto mehr hatte ich mich an den Gedanken "gewöhnt", dass eben bald ein Baby zu unserem Leben dazugehören würde, wenngleich ich auch noch keinen Schimmer hatte, wie es dann sein würde.
Körperlich ging es mir verhältnismäßig gut, nur seelisch hatte ich immer wieder sehr zu kämpfen.
Einige Wochen vor der Geburt meinte meine Hebi schon, dass die kleine Maus es sicher nicht bis zum Termin am 25.08. schaffen würde. Sie sollte Recht behalten.
Die Angst vor der Geburt selbst war zwar vorhanden, aber ich konnte sie bis zum letzten Tag recht gut verdrängen und wünschte mir langsam auch, dass diese Schwangerschaft zu Ende gehen möge, weil alles so beschwerlich war und die kleine mich ständig so schmerzhaft in die Rippen trat.

Nun komme ich endlich zum eigentlichen Geburtsbericht:
Am 08.08. saß ich nachmittags beim Kaffeetrinken bei meiner Mutter als plötzlichebei mir irgendetwas flüssiges schwallartig in die Hose ging. Ich war zwar ein bisschen erschrocken, aber da ich seit ein paar Tagen immer wieder schon mal ein bisschen Asfluss hatte, dachte ich erst mal nur, dass es eben eine etwas größere Menge des normalen Ausflusses sein könnte. Ich hab auf der Toi dann die nasse Binde gewechselt und danach lief auch nichts mehr raus. Also war ich mir ziemlich sicher, dass es kein Blasensprung war und hab mich wieder zu dem Kaffeekränzchen gesellt.
Nach etwa einer halben Stunde bekam ich allerdings ein leichtes Ziehen im Unterleib, so wie ich es die letzten Tage schon öfter hatte, eben Vor- oder Senkwehen. Zur Sicherheit rief ich dann doch meine Hebi an und sie versprach am frühen Abend bei mir vorbei zu kommen um mal nachzusehen.
Ich hab mich dann erst mal von meiner Schwester nach Hause fahren lassen und war heilfroh, dass mein Mann an diesem Tag auch schon früher daheim war. Denn langsam kam das Ziehen in regelmäßigen Abständen und eine innere Unruhe machte sich in mir breit. Sehr schmerzhaft war es bis dahin allerdings nicht, weshalb ich bei der Ankunft der Hebi immer noch davon überzeugt war, dass es harmlose Vorwehen sind.

Die Hebi machte als erstes ein CTG, welches sehr regelmäßige, sanfte Wehenhügel zeigte, aber auch sie meinte, dass es nicht unbedingt Geburtswehen sein müssen. Sie tastete dann noch nach dem MuMu, immerhin 1 cm offen. Zu guter Letzt hat sie dann mit einem Teststreifen auf Fruchtwasserabgang gestestet und dieser war zu aller erstaunen positiv! #schock

Sie sagte zu meinem Mann und mir nur noch, dass es ein hoher Blasensprung wäre, sie uns jetzt in der Entbindungsklinik ankündigen würde und wir dort hin fahren und nicht ohne Baby nach Hause kommen würden.
Mein Mann und ich haben es irgendwie immer noch nicht richtig glauben können, irgendwie dachte ich die ganze Zeit, dass die uns sicher wieder heim schicken würden (was für ein Quatsch, bei nem Blasensprung...#kratz).
Ich bin noch unter die Dusche gegangen, hab mich nett geschminkt #augen und dann haben wir uns auf den Weg in die Klinik gemacht.
Als wir dort ankamen war es ca. 20 Uhr. Ich hatte immer noch keine richtigen Schmerzen als ich dort an das CTG angeschlossen wurde. Ich spürte ein regelmäßiges Ziehen und das CTG zeigte auch weiterhin schöne Wehenhügel, ich wusste aber auch, dass das sicher nicht so bleiben würde...das wäre ja sonst ein Witz!
Jedenfalls wurde der Fruchtwassertest wiederholt und fiel wieder positiv aus. Also mussten wir tatsächlich im KH bleiben und so langsam dämmerte uns, dass ich in ein paar Stunden auf jeden Fall das Baby entbinden werde #schock.

Für die nächste Zeit bezog ich mit meinem Mann ein gemütliches Kreißzimmer, wo wir uns gemeinsam auf´s Bett legten und harrten der Dinge die da kommen.
Die Wehen wurden langsam stärker und ich fing tatsächlich an zu prusten um sie besser auszuhalten. Ein zwischenzeitliches CTG zeigte die gute Wehentätigkeit schwarz auf weiß. Ab Mitternacht wurden die Wehen heftig, ich konnte auch nicht die ganze Zeit liegen, bin immer wieder rumgelaufen oder hab sie im stehen veratmet. Während einer Wehe konnte ich nicht sprechen, klar, weil es einfach so schmerzhaft war, aber auch, weil ich mich irgendwie extrem auf die Wehe konzentriert habe. Ich hab wirklich bewusst versucht mich nicht zu verspannen, sondern den Schmerz zuzulassen und hab mir dabei vorgestellt, wie mein Kind immer ein Stückchen tiefer rutscht. Ich glaube, dass hat auch wrirklich was gebracht.
So gegen 1 Uhr wurde ich von der Hebi wieder untersucht. Der MuMu war bei 2-3 cm, sie lobte mich und meinte, dass es erfreulich wäre, dass die Wehen etwas bringen. Sie bot mir an, mich in der Wanne im warmen Wasser zu entspannen, denn erfahrungsgemäß würde der MuMu sich dadurch oft noch schneller öffnen.
Also zogen mein Mann und ich in das Wannenzimmer um und ich tauchte für 1,5 Stunden ins Wasser. Die Hebi setzte mir währenddessen ein paar Akupunkturnadeln und gab mir ein Buscopanzäpfchen. In der Wanne wurden die Wehen intensiver und länger und nahmen alle meine Sinne ein, sie verlangtem meinem Körper eine unglaubliche Kraft ab...die ich zu meinem eigenen Erstaunen auch tatsächlich besaß.
Zuerst empfand ich es als angenehmer in der Wanne zu sein, aber gegen halb 3 morgens wollte ich auf jeden Fall wieder raus, ich weiß selbst nicht genau warum, vielleicht eine innere Vorahnung, dass die Presswehen nicht mehr lange auf sich warten lassen würden.
Nach dem Abtrocknen und Anziehen (ich bekam gleich so ein hübsches Klinik-Hemdchen) wurde ich gleich auf das Kreißbett verfrachtet und dort wieder untersucht. MuMu bei 7 cm #schock!
Die liebe Hebi meinte nur, das unser Kind schon sehr bald da sein würde, sicher noch vor ihrem Schichtwechsel.
Ich konnte das gar nicht richtig glauben, und wartete immer noch auf den Moment, in dem ich mir wünschte zu sterben vor Schmerz. Denn spätestens dann wollte ich auch eine PDA haben. Dieser Moment trat im Übrigen nie ein...Zu keiner Zeit habe ich die Schmerzen als so schlimm empfunden, und folglich habe ich auch keine PDA verlangt, es ging wunderbar ohne.
Ich lag also auf dem Kreißbett, mein Mann als treuer und mutiger Tröster saß neben mir auf einem Stuhl.
Wir waren noch eine kurze Zeit allein im Zimmer bis die Hebi sich zu uns gesellte. Ab da ging es dann richtig los. Ich sollte mich die Seite legen und ein Bein angewinkelt aufstellen, damit das Baby besser "um die Kurve" rutschen kann. Ich bin irgendwie langsam etwas weggedämmert, habe die Schmerzen seltsam gedämpft wahrgenommen und habe alles einfach geschehen lassen. Die Hebi hat bei 8 cm MuMu noch eine Vorblase geöffnet, die bislang nicht von selbst gesprungen war. Mein Mann reichte mir auf Anweisung der Hebi zwischendurch Globuli zum Lutschen und half mir das Bein aufgestellt zu halten. Wir fanden es hinterher beide so super, dass die Hebi ihn regelrecht als Geburtshelfer mit eingespannt hat.
Ich nahm wie aus weiter Entfernung noch wahr, dass mir die Blase mit einem Katheter entleert wurde...und plötzlicher war er da, dieser überwältigende Pressdrang! Ich sollte ihn aber noch ein paar Wehen unterdrücken, und diese Situation hatte eine tragische Komik. Die Hebi machte mir vor, dass ich dazu am besten wie Elch gröhlen soll während der Presswehen...und so gröhlten wir zu zweit die Wehen weg #hicks.
Ich weiß nicht, wie viele Wehen vergingen, bis ich endlich mitpressen durfte, die Hebi telefonierte schnell die Ärztin zur Geburt herbei und dann durfte ich endlich drücken was das Zeug hielt.
Ich spürte einen starken Druck auf den Beckenboden und presste so irre stark, dass ich dachte mir platzt gleich der Kopf! Das ging vielleicht 5 oder 6 Presswehen lang so und mir kam es so vor, als würde die kleine in mir feststecken. Mein Mann und die Hebi riefen, dass das Baby schwarze Haare hat...ich konnte kaum glauben, dass man den Kopf schon sehen kann #huepf!
Also drückte ich noch fester, ich hätte nie gedacht, dass ich solche Kräfte entwickeln würde...und plötzlich glitt die kleine aus mir raus. Eine unbeschreiblich Erleichterung überkam mich...diesen Moment kann man wirklich nicht in Worte fassen. Selina wurde mir sofort auf die Brust gelegt und ich erwachte urplötzlich aus meinem seltsamen Dämmerzustand. Von diesem Moment an wussten mein Mann und ich, dass wir dieses Kind lieben und das es daran nie wieder einen Zweifel geben würde. Alle egoistischen Sorgen und Bedenken von vorher waren vergessen, das wichtigste war nun dieses kleine Wesen #freu!
Mein Mann durfte die Nabelschnur kappen und die Ärztin erklärte mir zu meiner Überaschung, dass sie mich noch etwas nähen müsste, weil sie einen kleinen Dammschnitt hat machen müssen. Das hatte ich überhaupt nicht mitbekommen! Mein Mann begleitete derweil unsere süße Tochter mit der Hebi zur U1. Das Nähen dauerte vielleicht eine Viertelstunde und war dank kleiner Lokalanästhesie nicht schmerzhaft.

Insgesamt hatte die Geburt vom Blasensprung an 13 Stunden gedauert, von denen ich die letzten, 5 Stunden, die auch die heftigsten waren, in einer Art Zeitraffer wahrgenommen habe. Mir selber kam es sehr viel kürzer vor.

Selina kam am 09.08.2007 um 4:33 Uhr zur Welt. 3050 g schwer, 49 cm groß und 34 cm KU.

Ich kann allen, die es noch vor sich haben und die sich wahrhaftig die Mühe gemacht haben diesen viel zu langen Bericht zu lesen, Mut machen, dass eine Geburt zwar immer anstrengend und schmerzvoll sein wird, dass man aber immer die Gewissheit haben kann, dass man es schafft! Ich habe mich daran festgeklammert, dass mir nichts anderes übrig bleibt, als meinem eigenen Körper zu vertrauen, dass er das aushalten wird...und es war auch tatsächlich so.

Viele liebe Grüße,

Piaffe + Selina (am Donnerstag schon 7 Wochen alt :-D)

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hallo piaffe!
danke für diesen schönen und ehrlichen geburtsbericht, und ganz herzlichen glückwunsch zu eurer kleinen selina. schön, dass ihr euch jetzt doch so sehr freuen könnt! :-)
ich bin schon sehr gespannt, wie es bei mir laufen wird, und hoffe ich kann das ganze ebenso "entspannt" bzw. vertrauensvoll annehmen wie du.
liebe grüße,
anjulia (17. ssw)

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Das ist ein total schöner Bericht!!! Macht einem richtig Mut!

LG,

Sarah

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Schön zu hören, daß euer Kind nun doch Teil eures Lebens sein wird ! Schöner Bericht, viel Glück und eine schöne Zeit euch Dreien !

4

Hallo Piaffe,

vielen Dank für diesen schönen und ehrlichen Bericht! #danke:-D

Euch eine wundervolle Zeit mit Eurer kleinen Maus

LG Sandra+Adrian (bald 8 Jahre) und #baby 10 SSW

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Danke für diesen wunderschönen, offenen und ehrlichen Bericht und alles Gute Euch dreien!
Claudia