Wie man einen ambulanten Kaiserschnitt macht

Der errechnete ET war der 29.12.2009. Die ganze zweite Schwangerschaftshälfte deutete sich an, dass Eva nicht gerade ein zartes, kleines Baby werden würde. Vor allem die Werte für den Bauch und den Kopf waren immer 1-2 Wochen vorraus. Nun ja, Messtoleranz und so.

In den letzten Wochen waren auf den CTGs bereits regelmäßig Wehen zu sehen, die ich auch immer mehr spürte. Aber keinerlei Auswirkungen auf den Muttermund oder den Gebärmutterhals. Auch der Kopf rutschte und rutschte nicht ins Becken. Als sich auch 1 Woche vor ET der Befund nicht geändert hatte, sprach ich meine Hebamme Ute auf einen Kaiserschnitt am Termin an. Sie kannte die Fakten um die Entbindung von Hanna (kurz: 9 Tage übern ET, 2 Tage ergebnisloses Einleiten, Wehen bewirkten ohne Tropf nix am Muttermund, vom Platzen der Blase und völlständig geöffneten Muttermund bis zur Geburt dauerte es nochmals 4 Stunden, weil ihr Kopf nicht richtig ins Becken wollte!) und auch meine familiäre Situation mit der Wochenendehe. Wir verabredeten uns für den 28.12. morgens im Krankenhaus, dann wollten wir sehen, ob sich was getan hat und wenn nicht, dann würde am 29.12. der Kaiserschnitt gemacht werden. Weihnachten verging, ich hatte immer wieder Wehen, die auch irgendwie schmerzhafter wurden, aber an sich passierte nix.

28.12.2009:
Wir sind pünktlich im Krankenhaus und werden von der Hebamme empfangen. Erst einmal CTG, klar. Alle 6-7 Minuten eine Wehe, die ich auch deutlich merke, mit Druck nach unten. Es wird Blut abgenommen, und dann kommt auch schon die Ärztin. Der Ultraschall und die Untersuchung bestätigen meine Vermutung: Befund unverändert. Also zu erwartendes sehr großes Kind, Kopf sehr hoch, Muttermund fingerdurchlässig, Gebärmutterhals bei 3-4cm. Geschätztes Gewicht 4300-4500 Gramm und Eva schaute auch zur Seite statt nach hinten. Ich bekomme also das Aufklärungsgespräch für den Kaiserschnitt, die Anästhesistin kommt und alle Papiere werden fertig gemacht. Wir sollen also Dienstag morgen um 6:45 Uhr da sein, der OP-Termin wäre um 7:40 Uhr. Und den letzten Tag zu Dritt noch genießen.

Irgendwie wird das aber nix, weil ich immer wieder Wehen habe. Zumindest denke ich meist, dass es welche sind. Hanna wird bereits Mittags von Oma abgeholt und soll dort schlafen. Den geplanten Spieleabend sagt Stephan ab, auf meinen Wunsch hin. Im Laufe des Tages geht dann auch der Schleimpfropf ab.

Gegen 22:30 Uhr (ich hatte bereits 2 Stunden geschlafen) werde ich wach, und irgendwie zieht es jetzt gewaltig in den Rücken. Autsch, aber echt. Alle 3-5 Minuten etwa. Ich rufe meine Hebamme an, sie sagt wir treffen uns im Krankenhaus. Stephan packt alles ein und dann geht es bei Glatteis los. 25km können verdammt lang sein, wenn man alle paar Minuten eine fiese Wehe hat.

Im Krankenhaus erst einmal wieder CTG, logisch. Die Wehen sind drauf zu sehen, und ich muss sie richtig veratmen, locker wegstecken ist nicht mehr. Dann die vaginale Untersuchung der Hebamme: da tut sich nix, kein Kopf zu spüren. Scheiße, das kann es ja langsam echt nicht sein. Sie gibt mir ein Buscopan und lässt mich mein eh schon reserviertes Zimmer beziehen, damit morgens dann wie geplant der Kaiserschnitt stattfinden kann. Dummerweise wirkt das Buscopan nicht, die Wehen kommen immer häufiger und immer schmerzhafter. Auf meine Bitte hin kommt die Ärztin und tastet auch nochmal: Gebärmutterhals weg, Muttermund bei 3cm! Holla, da geht ja doch was. Dummerweise aber nicht beim Kopf, und so wird das OP-Team zusammengetrommelt, der Kaiserschnitt findet noch diese Nacht statt.

29.12.2009:

Inzwischen ist Mitternacht rum, meine Hebamme bereitet mich vor, der Anästhesist kommt und klärt mich auch nochmal auf und immer noch diese doofen, fiesen Wehen. Zu der Erleichterung, dass es gleich vorbei ist und der Freude, dass wir noch in dieser Nacht unsere Eva im Arm haben werden kommt auch ein wenig Bammel vor der OP. Die wahre Hürde liegt aber direkt vor mir: Hinsetzen, runden Rücken machen, Schultern locker lassen und den Bauch Richtung Rücken drücken! Macht das mal, gegen 1 Uhr Nachts, mit Wehen und fetter Murmel vorne dran. Meine Arme und Hände wurden von Ute und Stephan gehalten, irgendwie zitterte ich die ganze Zeit. Als dann das Mittel wirkte kam ich mir vor wie im Himmel: keine Schmerzen mehr und das erste Mal seit Monaten entspannt auf dem Rücken liegen! Leider lässt sich der Anästhesist nicht darauf ein, mir ne Pulle von dem Zeug zu verhökern, für schlechte Zeiten.

Tja, und dann sind wir im OP. Das Tuch wird gespannt, ich merke dass an meinem Bauch geruckelt wird, aber nix dramatisches. Wir unterhalten uns (also ich unterhalte die anderen, irgendwie) und auf einmal hören wir ein
leichtes Husten, jemand sagt "26" und dann kommt ein Schrei - und uns wird unser Baby gezeigt. Mir schießen die Tränen in die Augen, vermischen sich aber sofort mit einer anderen Flüssigkeit: Eva bepinkelt erst einmal in hohem Bogen ihre Eltern. Da liege ich also, platt wie eine Flunder auf dem OP-Tisch, die Arme links und recht auf Schienen, und bin dem Strahl meines Neugeborenen ausgeliefert.

Eva ist da - und mal kurz für wenige Minuten mit Ute und der Kinderärztin weg. Dann bekomme ich sie auf die Brust, und den Rest der OP bestaunen wir unser zweites Wunder. Sie spuckt immer wieder etwas, weil sie Fruchtwasser geschluckt hatte, welches bereits grün war. Es war also wirklich Zeit für sie. Und ehe ich mich umschaue, ich es fast 2 Uhr und Eva geht mit Ute und Stephan vor, während ich durch die Schleuse rausgebracht werde.

Dort erwarten mich mein umgezogener Mann und meine kleine Tochter, die ich sofort auf den Bauch bekomme. In dieser kurzen Zeitspanne hatte sie in das Babybettchen geschietert. Ok, Verdauungsorgane scheinen zu funktionieren. Wir werden in den Kreisssaal gebracht und dann geht Ute Papierkram machen und wir 3 dürfen kuscheln und uns kennen lernen. Nach 20 Minuten etwa kommt Ute wieder, und nun sollen die Kampfmaße der Maus erfasst werden. Ok, als wir das Handtuch über ihr wegnehmen sehen wir die nächste Bescherung: mein ganzer Oberbauch ist vollgeschietert. Danke, Töchterchen, ich liebe dich auch!

Eva wiegt 4100gr, ist 55cm lang und hat einen Kopfumfang von 38cm. Nicht schlecht, nicht schlecht. Meine Hebamme meint da schon "Das wäre spontan nix geworden!" - also war der Kaiserschnitt die richtige Entscheidung.

Wir kommen aufs Zimmer, Stephan fährt dann auch recht müde gegen halb 4 nach Hause und ich kann es nicht glauben, dass dieses Miniwesen da neben mir meine Tochter ist. Die Betäubung hat inzwischen nachgelassen, nur das Schmerzmittel wirkt noch.

Zum Frühstück setze ich mich an die Bettkante - ich mag das nicht, so viele Krümel im Bett zu haben. Etwas schwerfällig, aber geht. Mittagessen ebenso. Kurz danach meint die Schwester, ich könne ja mal versuchen, ein paar Schritte zu gehen, wenn ich mir das zutraue. Logisch, hauptsache der doofe Katheter (Gott, ich kam mir so bescheuert vor mit dem Ding!!) kommt endlich raus - und die bereitstehende Bettpfanne will ich gar nicht erst antesten! Also schleiche ich die ersten Schritte - hey, das geht echt, langsam, gaaaaaanz langsam, aber machbar.

Der Katheter kommt raus und ich fühle mich gleich wieder mehr als Mensch. Die Ärztin kommt, ist ganz zufrieden (ich bin es auch) und so verbringe ich den Tag damit, meine Kleine zu stillen und immer wieder aufs Klo zu schleichen.

Das Abendessen lasse ich mir auf den Tisch stellen und esse dort auf dem Stuhl sitzend. Das Einzige, was ich nicht selbst mache, ist Eva wickeln, dazu fühle ich mich dann doch nicht sicher genug.

30.12.2009:
Als ich nachts von Eva geweckt werde und aufs Klo muss, denke ich mir: boah, ein neues Leben! Du kannst laufen! Aufsetzen und Aufstehen zwickt noch ziemlich, aber laufen geht bestens! Die Servicekraft fragt mich, ob ich im Zimmer oder vorne am Buffet frühstücken möchte - na vorne, ich krieg jetzt schon nen Lagerkoller. Außerdem wickel ich ab sofort Eva selbst. Nach dem Frühstück darf ich duschen, dann kommen die Pflaster am Rücken und an der Naht ab. Die Ärztin ist sehr zufrieden und etwas erstaunt, mich in so blendender Verfassung zu sehen. Als sie mich nach meinem Befinden befragt, antworte ich wahrheitsgemäß "Bestens, eigentlich will ich nach Hause, aber das brauche ich Ute wohl gar nicht erst sagen!". Ich bekomme zu hören, dass es etwas früh sei nach einem Kaiserschnitt und füge mich verständnisvoll. Sie meinte dann noch (auf meine Nachfrage), dass eine spontane Entbindung sicherlich nicht schön geworden wäre und der Kaiserschnitt angebracht war. Nach dem Mittagessen besucht mich die Hebamme. Sie meint, ich sähe blendend aus, und ich scherze, dass ich mich auch so fühle und nach Hause will. Erst einmal ignoriert sie das, registriert dann aber erstaunt, dass ich den ganzen Tag schon zum Essen vorne war. Als sie dann noch mitkriegt, dass ich bereits geduscht habe, da lenkt sie mit dem Satz "Wenn ich sicher wüsste, dass du zuhause gar nix machst und dich nur schonst..." - hey, meine Chance, Vogel friss oder stirb. Ich schwöre hoch und heilig, mich nur um Eva zu kümmern und mit meinen beiden Süßen im Bett und aufm Sofa zu kuscheln, und schon ist mein Auszug am anderen Morgen in trockenen Tüchern!

31.12.2009:
Direkt nach dem Frühstück (mein Krempel ist bereits gepackt, das brauche ich wohl nicht erwähnen) wartet die Kinderärztin auf Eva, für die Abschlussuntersuchung. Alles bestens, Kind gesund und munter, alles Gute! Die Schwester und ich haben allerdings bei Eva noch 2 gelbliche Flecken auf der Nase entdeckt, es stellt sich raus, dass es Schürfwunden sind. Da Evas Kopf sich ja nicht richtig einstellte ist sie wohl während der Wehen immer wieder gegen den Beckenknochen geschabt - naja, ist nix gebrochen, weder bei ihr noch bei mir, also halb so wild.

Kurz danach darf ich zu meiner Ärztin, die immer noch sehr erstaunt ist, dass ich mich so rasant erholt habe. Auch bei mir ist alles bestens, sie wünscht mir alles Gute und den Faden zieht Ute dann. Sie würde mir noch 2
Thrombosespritzen mitgeben, aber ich lehne dankend ab, wir haben noch fast ne ganze Packung von Stephan, da darf ich 2 nehmen (wir wollen ja keine zusätzlichen Kosten verursachen!).

Allerdings muss ich dann noch 2 Stunden auf Stephan und Hanna warten. Es wird noch ein Familienbild für die Zeitung gemacht und dann geht es endlich, nach laaaaaaaaangen 58 Stunden nach Hause. Schneller als bei Hanna damals, Respekt.

Und heute?

Heute ist Eva 5 Tage alt, nimmt täglich zu, das Stillen klappt bestens und ich trage bereits die ersten Hosen aus der Pre-Eva-Zeit. Mein Gewicht heute morgen war 2kg unter dem Schwangerschaftsausgangsgewicht und morgen wird der Faden gezogen. An die OP erinnert außer dem nur noch der eine oder andere blaue Fleck (ok, es sind 9) und eine gewisse Schwerfälligkeit, wenn ich vom Liegen ins Sitzen kommen will. Wochenfluss ist ganz wenig, was ich ganz praktisch finde. Und die Nachwehen - mei, die gehören halt dazu, sind aber erträglich. Gestern haben Eva und ich den ersten Spaziergang zum Briefkasten gemacht, und morgen rufe ich unseren Kinderarzt an wegen der U2 (wobei ich mir sicher bin, unser Buschfunk hier informiert ihn heute Nachmittag noch).

Mit meinem Körper bin ich auch versöhnt, denn er hatte mir gezeigt, dass er in der Lage ist, die Geburt von selbst zu starten. Dass die Lage vom Kind und ich dann inkompatibel sind, das ist nicht so tragisch. Ich bin jedenfalls
mit mir und Evas Geburt total im Reinen, mehr als bei Hanna, wo mir immer mehr Dinge auffallen, die nicht optimal gelaufen sind. Unser kleines Dorfkrankenhaus gefiel mir rundum besser als die rennomierte Klinik in München. Ich bereue diese Entscheidung in keinster Weise und bin froh, mein zweites Baby trotz Kaiserschnitt so entspannt zuhause genießen zu können!

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Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Wunder ;-)

Aber mich verwundert es dass die Hebi meint es wäre ohne KS nichts geworden. Abgesehen dass der Kopfumfang etwas mehr ist als standart macht es keinen Unterschied ob etwas mehr Speck hinterherrutscht und ob 5 cm mehr entbunden werden.

Aber im Grunde auch egal, ich wünsche Euch ein tolles Jahr 2010.....hättet ja beinahe ein Christkind bekommen ;-) meine Maus ist am 26. 12. geboren wurden.
Die Daten meiner zweiten Tochter:

54 cm
4155 g
KU 57 cm

(ganz normal entbunden, hab erst gar nicht messen lassen da ich den Geräten echt nicht traue (jedenfalls nicht beim Messen der Daten)

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Naja, ich hatte ja die Entbindung meiner Großen als Vorgeschichte, und auch die FA meinte nach dem Kaiserschnitt "Normalerweise muss ich nach unten greifen und den Kopf holen, da mussten wir über dem Schnitt quasi erst einmal suchen, so hoch stand der!" - und die Spuren in ihrem Gesicht zeigen ja auch, dass sie da irgendwie fest hängte.

Dir auch Glückwunsch!

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hast du dich verschrieben bei dem KU von 57cm?

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Ich beneide Dich!Habe zwei Kaiserschnitte(ungewollte,ich wollte eine normale Geburt)und musste 6Tage bleiben.Es war Horror,da ich unbedingt nach Hause wollte.Trotzdem herzlichen Glückwunsch:-)

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Na dann herzlichen Glückwunsch!

Daten von Jannik 27.07.2009

59 cm Länge
4140gr
KU 37cm

Jannik kam 9 Tage nach dem Termin, und nach 9std. Wehen per Einleitung spontan zur Welt :-)

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Klasse Bericht - ich hab so oft lachen müssen :-)

Alles, alles Liebe für euch,

Sandra mit Carlotta (9 Mon.)

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Herzlichen Glückwünsch zu Eurer Tocher!!!!

Toller Bericht, den Du da abgeliefert hast. Hab selten so einen ausführlichen Bericht gelesen .... und vor allem hört Dein Bericht nicht kurz nach der Geburt auf! Ist ja total interessant, wie die ersten Tage nach der Geburt von Dir wahr genommen wurden!

Vielen Dank! :-D

Genießt Eure Zeit!

LG Anita 30. SSW