Zwei besch... Geburtserlebnisse - Vorsicht lang

Hallo Ihr Lieben,

heute möchte ich mir nun beider Geburten von der Seele schreiben, in der Hoffnung dann damit leichter abschließen zu können.

Im Juli 2007 machte sich unser Sohn nach 3 Tagen über dem Termin endlich auf den Weg. Nachts um halb drei bin ich aufgewacht und habe rennend (so gut wie das hochschwanger geht) geflucht " Super, jetzt bekomme ich auch noch Durchfall". Auf der Toilette dann nichts...aua, schon wieder so ein fieser Schmerz...upps, das sind wohl Wehen. Ich bin dann mal ins Wohnzimmer und wollte noch etwas fernsehen. Damit war aber nichts, da die Wehen schon alle fünf Minuten kamen. Da ich, fragt mich nicht warum, immer gesagt habe, bevor wir ins Krankenhaus gehen, dusche ich erst mal und wasche ich meine Haare, habe ich genau dies getan. Ich bin allerdings fast nicht mehr aus der Dusche raus gekommen und habe dann nackig und keuchend meinen Mann geweckt. Er hat mich etwas ungläubig angeschaut, ist aber schließlich in die Gänge gekommen. Ich musste mich dann noch anziehen, oh, wie fies und die Wehen kamen nun in zwei Minutenabständen. Kurz nach fünf waren wir im Krankenhaus und der Muttermund war auf 8 Zentimenter. Alle waren erstaunt und der Meinung, dass der Zwerg bald da sei. Aber Pustekuchen, der Kleine hat sich mit dem Kopf nicht richtig eingestellt und somit ging die Turnerei los. Um neun ist dann endlich (ich war schon lange voll eröffnet) die Fruchtblase geplatzt. Das hat die Geburt aber leider nicht beschleunigt und dann kam der Wehentropf. Ich wollte doch so gerne ohne Medikamente etc. entbinden...
Irgendwann kam sein Kopf ins Becken, aber kam über die Beckenmitte nicht weiter. Entscheidung hieß: Kaiserschnitt oder Saugglocke. Ich wollte auf keinen Fall einen Kaiserschnitt. Also kam der Doc irgendwann mit der Saugglocke, da wir immer wieder einen Herztonabfall, der sich zwar nach anderer Lagerung wieder legte, hatten (später sah man, dass er die Nabelschnur um die Schulter gewickelt hatte).
Ich wollte weder eine PDA noch einen Dammschnitt, was beides auch nicht gemacht wurde. Ob das ne gute Idee war, weiß ich bis heute nicht...
Leider kam es zu einer weiteren Komplikation - er blieb mit den Schultern stecken. Das Hebammen- und Ärzteteam hat super und blitzschnell reagiert, dreimal musste das McRoberts-Verfahren gemacht werden und dann war er endlich um 12.50 Uhr geboren. Im Kreissaal brach Hektik aus, Paul schrie nicht, der Kinderarzt kam - mein erster Gedanke und meine erste Frage war "Oh Gott, er ist tot?!" Paul musste beatmet werden und hatte einen sehr schlechten APGAR. Nach 15 Minuten ging es ihm besser und ich habe ihn dann auch zum ersten Mal auf den Arm bekommen.
Diese schreckliche Angst werde ich aber nie mehr vergessen.

Und dann kam im April 2009 unser zweiter Sohn auf die Welt und es sollte dieses Mal alles besser werden, hoffte ich zumindest.
Dann war die Woche vor dem ET das Schätzgewicht beim Ultraschall bei 3900g - meine Hebamme sprach auch von einem großen Kind und der Befürchtung, dass es ein Kasierschnitt werden könnte, da bei mir nicht so viel Platz sei (bin nur 1,55m groß). Alptraum Kaiserschnitt, ich wollte doch so gerne eine natürliche Geburt. Ich war dann einen Tag über ET und hatte seit drei Wochen erfolglose Wehen, so dass meine Hebi zum Cocktail griff. Nicht, dass der Kleine noch mehr drauf packt. Den habe ich abends gegen sechs getrunken (oh, wie bäh!!!), hatte etwas Durchfall und sonst nix. Na super! Habe mich dann gegen acht mit unserem Sohn hingelegt, bin eingenickt und gegen halb elf aufgewacht mit einem leichten Ziehen. Bin zu meinem Mann und meinte, wir können der Hebi Bescheid sagen, dass sich was tut. Um elf hing ich bereits keuchend und atmend am Eßtisch. Beim Telefonat mit meiner Hebi meinte sie nur noch, wir treffen uns im Krankenhaus. Eine halbe Stunde später im Krankenhaus war der Mumu auf 6 cm - habe wieder sehr schnell eröffnet und dann tat sich nichts. Der Kopf kam einfach nicht ins Becken, trotz Turnen und Lagerungswechsel, Wehentropf, Katheder legen,...Dazu wurden seine Herztönen immer wieder unter den Wehen schlecht. Der Doc entschied sich dann zur Blutentnahme an seinem Köpfchen und kam mit den Worten "Kaiserschnitt, sofort" wieder. Der Wert lag bei 7,14 und sank bis zur Entbindung auf 7,02 - Sauerstoffmangel. Ich hatte Panik vor dem Wachsein bei der OP, Angst um unseren Zwerg, habe gebrochen und gezittert. Dann war er da, sogar mit einem kleinen Schrei. APGAR war auch nicht so gut, er bekam eine Sauerstoffdusche und auch eine Glukoselösung, da der Blutzuckerspiegel sehr niedrig war. Dieser wollte sich die Tage darauf auch nicht stabilisieren, so dass der kleine Mann eine Woche mit Sonde und Infusion auf der Kinderintensiv lag. Keine schöne Zeit!
Ach so, er hatte 4210g und 56cm.

Ich hatte nach seiner Geburt einige Wochen mit Ängsten zu tun - hatte immer unterschwellig das Gefühl, es passiert was. Wir wollten immer ein drittes Kind, wissen aber zurzeit nicht, ob wir die schützende Hand, die über unseren Kindern war, nochmal herausfordern wollen.
Ich trauere allerdings immer noch dem Gefühl hinterher ohne Angst sein Kind begrüßen zu dürfen.

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Tut mir echt leid, dass es so schlimm gelaufen ist! Und dieses: "Aber jetzt geht es den Kleinen doch gut!" hilft Dir bestimmt auch nicht richtig weiter, oder? Kann ich verstehen, denn man macht sich ja im Vorfeld der Geburt doch so seine Gedanken und wünscht sich eine von diesen Traumgeburten aus dem Lehrbuch...
Versuch einfach Dir immer wieder vor Augen zu halten, dass das alles eben notwendig war, um Deine kleinen Zwerge auf die Welt zu bringen, aber dass Du es trotzdem geschafft hast und dass ihr drei Deine Kinder UND Du) richtige Kämpfer seid. #liebdrueck

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Danke für die lieben Worte.
Ich denke es sind zwei Dinge, die mich beschäftigen. Sicherlich als erstes die Verabschiedung von der Vorstellung einer Traumgeburt und das zweite, für mich Prägendere, ist die Angst und Sorge um die Gesundheit der Kleinen gewesen, die uns auch die ersten Lebenswochen noch begleitet hat.
Ich möchte mich hier gar nicht über irgendwelche Schmerzen, medizinischen Eingriffe etc. beklagen, das ist alles als notwendig anzunehmen gewesen, wenn da nicht die Angst gewesen wäre.
Ich hätte mir nichts sehnlicher gewünscht als meine Kinder ohne Sorgen und in Ruhe auf dieser Welt begrüßen zu können!