MEINE Geburt am 16.10.1980

Ich weiß, es ist ungewöhnlich, aber da ich selbst noch keine Kinder habe, möchte über meine eigene Geburt berichten. Ist vielleicht ganz interessant zu lesen wie das so 1980 war.

So hat es mir meine meine Mami und Omi#herzlich schon oft erzählt:

Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt bei meiner Mama (damals 36), deshalb bin ich auch fast zwei Wochen zu spät gekommen. Mein Mami schleppte im Spätsommer(35 Grad) einen rießen Ranzen vor sich her und futterte unheimlich viele Pfirsische (vielleicht sind meine Haare deshalb rot;-))

Alles fing mit einem Plätschern: meine Mum schnappte sich die Wäscheschüssel und stellte sich darüber (ey, wo ist mein Pool hin?)...die Wanne wurde voll und sie rief nach ihrer Mutter (mein Erzeuger hatte sich schon vor Monaten aus dem Staub gemacht :-[). Aber mein Omi und Opi standen ihr zur Seite! Nachdem meine Omi sie mit einem Handtuch versorgt und angezogen hatte, schnappte sich mein Opa die Krankenhaustasche und ein Nachbar fuhr die ganze Familie in die Hofgartenklinik nach Aschaffenburg. (Wo übrigends 27 Jahre später meine kleine Nichte auch zur Welt kommen sollte #torte)

Dort wurden keine Wehen festgestellt und es ging stundenlang nichts vorwärts (Äääätsch, ich bleib hier drinne, so! :-p). Dann bekam meine Mami einen Wehentropf. Es ging zwar trotzdem nicht weiter, aber sie hatte wohl wahnsinnige Schmerzen (tut mir leid liebe Mami #schmoll, aber die Medis schmecken so gut, Prost #glas). In dieser Zeit hat sie die Fenster des Zimmers Xmal gezählt...

Da sich nichts tat, wollte die Hebamme das Zimmer verlassen mit den Worten: das wird heute nichts mehr, ich komme morgen wieder #klatsch!
Meine Mami hat wohl das ganze Krankenhaus zusammen geschrien: wenn Sie jetzt gehen, schreie ich bis alle zusammenlaufen. Sie lassen mich hier nicht alleine. Ich bekomme nur das eine Kind und DAS wird nicht behindert, nur weil sie mich allein gelassen haben!!! Ich bekomme keinen Depp (Entschuldigt, aber das war ihr genauer Wortlaut #hicks) Sie schrie die Schmerzen in den Raum (Bravo Mami, Chakka, Du bist ein Tiger, zeigs Ihr, DU bist hier der Chef ;-)). Anscheinend hatte es gefruchtet, denn die Hebamme blieb und das war gut so: 4 Stunden später war ich nämlich da. Aber ganz langsam, der Reihe nach:

Nichts tat sich, gar nichts#gaehn! Der Dok. entschied sich für Kaiserschnitt und die Schwester fing an zu rasieren. (nein, nicht aufschneiden, meine Mami ist keine Weihnachtsgans:-[! Is ja gut, ich komme!). Ich hab halt schon immer eine Extraeinladung gebraucht:-p.

Da beschloß ich in letzter Minuten das ich doch normal auf die Welt kommen will. OK, nun gingen doch die Wehen los und Mama preßte wie der Teufel! (Ich bin ein Schmetterling.... stellte ich mir vor und spreizte die Arme ab#klatsch) Tja, das führte dann dazu das meine arme Mami ganz weit geschnitten wurde und erst nach Monaten wieder sitzen konnte und heute noch Probleme hat#heul.
Ich war da, ich plärrte und meine Mum #heul... vor Schmerzen! PDA gabs da noch nicht:-(. Der Arzt meinte, ich habe sehr guten Lungen, und weg war ich, zur Untersuchung. In der Zeit haben sie meine Mami (vor Schmerzen kaum ansprechbar) zusammengeflickt und auf das normale Zimmer verfrachtet.

Während der ganzen Zeit hat mein Opa die Flucht ergriffen: das kann ich nicht, das mach ich nicht mit, nicht nochmal (er meinte damit die 3 tägige Geburt meiner Mum)!!! Er rannte wohl stundenlang quer durch die Stadt und konnte sich nicht mehr daran erinnern wo er überall war #gruebel... Meine Oma hielt vorm Kreissaal tapfer die Stellung und litt mit ihrer Tochter und Enkelin (Danke Omi #verliebt).

Mein Opa, die Oma und meine Mum haben mich dann stundenlang bewundert (mach ich heut auch noch ;-)) und alle zusammen geweint. Es Enkelschen ist endlich da#huepf!!!!

Meiner Mutti wurde ein Mittel gespritzt, das die Reste der Plazenta und co. heraustreibt. Sie hat sich zwar sehr gewehrt (wir haben eine Gefäßerkrankung, ähnlich wie Bluter *Morbus Osler*), aber die haben ihr nicht geglaubt. Das führte dazu, das ich in meiner 1. Nacht auf der Erde fast meine Mami verloren hätte#heul. Sie ist in einer Blutlache aufgewacht (durch die Binde, durchs Bett tropfte auf den Boden), sie schrie voller Panik und die Station war in Aufruhr! Nur einem Notfallblutstiller-Medikament habe ich es zu verdanken das ich meine Mami heute noch #liebdrueck kann.

Das Ende vom Lied war, meine Mutti konnte mich wochenlang nicht tragen, fast nur liegen und war sehr schwach vom Blutverlust. Die Omi hat sich immer um mich gekümmert... sie wurde meine 2. Mama und mein Opa der Papaersatz!

8 Wochen später arbeitete meine Mum wieder (mit unverheiltem Dammschnitt, entzündeten Brüsten, 9 Stunden Akkortarbeit in der Näherei). Nur weil mein *Alter* nicht bezahlen wollte:-[! Sie hat wohl lange gebraucht bis die körperlichen und seelischen Wunden verheilten.
Ihr Andenken bis heute (61 ist sie jetzt): Gebärmuttersenkung, Blasenproblem und schmerzende Dammnarbe und MICH ;-).

Tja liebe Urbianer, in meiner Familie haben alle schwere Geburten gehabt, 3 Tage Wehen, Komplikationen, zerrissen in alle Richtungen, keine Milch, Entzündungen... ich habe Angst #zitter.
Und ich habe auch den Gendefekt meiner Mum mitbekommen :-(... jeden Tag werde ich mit Nasenbluten daran erinnert....
Aber ich tröste mich damit, das wir inzwischen bessere Medikamente und Geburtsbetreuung haben und das Morbus Osler inzwischen bekannt und erforscht ist.

WENN ich denn mal irgendwann schwanger sein sollte ....#kratz...

#kuss Mamas Töchterchen

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Hallo,

das ist eine sehr rührende Geschichte. Da kommen mir direkt die Tränen beim Lesen.

Du kannst sehr sehr stolz auf deine Mami, Omi und auf deinen Opa sein.

Behalt alles in guter Erinnerung in deinem Herzen.

Liebe Grüße Sanny

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das ist ein toller bericht.. sei stolz auf deine mami und auf den opa und die oma auch.. klingt richtig "warm".. danke!"