Hausgeburt von Lennart (5. Kind)

Lennarts Hausgeburt

Vorwort: Es lief alles ohne Uhr und Stress ab!

Am 26.01.2010 kam unsere Hebamme Monika um ca. 13 Uhr zu uns. Alles im Gepäck.
Ich lief schon ca. 14 Tage mit wehen und wechselnden wehwechen zu Hause rum.
Als erstes wurde CTG gemacht, es war alles in Ordnung, wehen waren ab und zu da, nix schmerzhaftes.
Sie beschloß mich zu Untersuchen, gesagt-getan. GBH verstrichen MuMu auf 7 cm dehnbar,
ich freute mich sehr über diese Nachricht, haben diese nervigen 0815 wehen von den letzten Tagen ja doch etwas gebracht.
Wir machten es uns im Wohnzimmer wieder bequem mit Kaffee und Tee, unwahrscheinlich viel guter Laune, und am wichtigsten tiefste Geborgenheit!
Als erstes bekam ich jede 30 Min. pflanzliche Tabletten um die wehen anzustupsen, zwischendurch bewältigten wir einfach unseren Alltag mit den Kids weiter. Mein Mann hat das ganz toll gemacht, ich musste mich um fast nix kümmern, ausser um die wehen und ab und zu unsere Tochter stillen.
Es wurde Abend, mein Mann machte uns allen erst einmal was warmes zu Essen, ich entschied mich aber, nur ein paar Pommes zu essen, ich hatte so einen Hunger, weil ich nur das Toastbrot zum Frühstück hatte. Viel wollte ich aber nicht essen, wer weiß wann es wirklich richtig los geht und auf Magenentleerung hatte ich ja gar keine Lust!
Zwischendurch bekam ich ein Hormonspray in die Nase, bestätigte sich doch die wehenschwäche, der Mumu veränderte sich nicht mehr, der Kopf vom Baby rutschte nicht ganz runter.
Kurz vor 19 Uhr brachten mein Mann und ich unsere 3 Jungs zu Bett und machten Klein Prinzessin Bettfertig, da sie immer bei mir schläft würde sie eh länger aufbleiben, so hofften wir doch aber das sie bis zur Geburt schlief, wann immer das ist... mich verließ der Mut, war ich doch böse mit meinem Körper.. wehenschwäche? Was soll das?
Wieder Spray, CTG, rumlaufen, Wohnzimmer auf und ab. Die Stimmung war trotz allem sehr gut, wir guckten mit unserer lieben Hebamme Fernsehen und plauderten über Gott und die Welt.... Die Stunden verstrichen. War ein schöner Abend.
Durch die Medi´s merkte ich die wehen wenigstens schonmal und der Druck nach unten wurde mehr, laufen, hocken, Breitbeinig an Sessel stellen, Quatschen, Tv gucken...
Zum späteren Abend legte sich unsere Hebi etwas auf das Sofa und machte die Augen zu. Sie war so ruhig, geduldig, erfahren... Ich fühlte mich so wohl mit ihr. Das Vertrauen war einfach da, zu keinem Zeitpunkt hatte ich Zweifel das eine Hausgeburt nicht das richtige seih. Es war goldrichtig!!
Ich schmuste mit meiner Tochter, stillte sie in den schlaf. Es war inzwischen so um die 0 Uhr.
Keine schmerzen, nix groß zum veratmen, als meine Hebi plötzlich meinte, ich solle doch mal mit ins Schlafzimmer kommen (da sollte Lenny geboren werden!).
Sie wollte mich nochmal untersuchen, Mumu wieder unverändert, aber siehe da, das Köpfchen lag schön unten, aber weder das Köpfchen noch die wehen konnten der Fruchtblase etwas anhaben.
Monika grinste mich an, wollen wir die Blase aufmachen? Die ist so fest. Ich sagte okay. Ich gestehe mit ein bißchen Angst, platze mir doch bei den 4 Kindern vorher die Blase immer von selbst....
Sie löste die Blase vom Mumu, aber öffnen ließ sie sich nicht mal mit der Nadel. Bombenfest.
Also kratze sie die Fruchtblase nur an... nach ein paar Minuten verging mir das lachen aber, ich musste atmen!!! Der Druck nach unten verschärfte sich rasant, so das mein Mann aus dem Wohnzimmer kam, er hat mein atmen gehört, er kennt mich eben zu gut!
Er legte sich neben mich aufs Bett hielt meine Hand.
Ich grinste ihn noch an und meinte, er sollte aufhören meine Hand zu quetschen, denn ich habe die wehen und nicht er!
Jaaaaaaaaa, JETZT habe ich wehen, wahnsinn, ich wusste aufeinmal gar nicht mehr wohin, Monika atmete mir vor, nach 2 wehen sprang die Blase, und dann wurde der Druck so enorm das meine liebe Hebi meinte, ich könnte ja versuchen mitzuschieben. Ich traute mich nicht, hatte Angst das mein Mumu vllt. nicht vollständig offen war, so veratmete ich noch 2-3 wehen ohne schieben, als sie mir nochmal sagte, ich könne ruhig versuchen zu schieben. Ich schob... der Kopf bewegte sich nach unten, die Spannung unten war der Hammer.
So versuchte ich weiter zu schieben, es kamen keine Presswehen, verdammt!
Es ging für mein befinden langsam verran, ich konnte nicht mehr, als der Kopf dann doch weiter nach unten kam. Hebi sah das Köpfchen.
Ich habe nur gedacht, schön, und ich reisse grad in 100 Stücke...
Der Kopf war raus, immernoch keine Presswehen, das kann nicht war sein, ich konnte nicht mehr und schrieh meine Hebi an sie soll das Kind raus ziehen. Was sie dann auch tat.
Man da wurden Sekunden zu Minuten, als die Füße raus waren vom Baby platschte das ganze Fruchtwasser hinterher, der Schmerz war schlagartig weg, ich lehnte mich erleichtert zurück, Baby schrieh und ich bekam ihn direkt auf die Brust! Ich hatte es geschafft!
Mein Mann war auch total erleichtert und weinte kurz. Und ich war nicht gerissen!! Juchu!

Lennart Sven war um 0.44 Uhr mit 3200 gramm, 53 cm und 34 cm KU geboren, in unserem Bett :-) Er war so süß, lutsche sofort am Daumen.

Wir ließen die Nabelschnur in Ruhe auspulsieren, irgendwann kam die Plazenta und dann wurden mein Sohn und ich erst "getrennt"!
Zwischendurch legte ich den kleinen Lennart an und stillte ihn.

Bis dahin ging es mir super, was sich aber bald änderte, mein Mann und ich machten Fotos, beguckten den Kleinen, während Hebi nebenan im Wohnzimmer schonmal Papiere machte.
Plötzlich merkte ich das sich etwas tat, mein Körper spielte verrückt. Ich hielt meinen Mann an sofort die Hebi zu holen. Sie kam direkt um die Ecke geflitzt, Kreißlaufzusammenbruch!
Sie legte sofort nen Zugang, Beine hoch zum Himmel, gab mir ne Spritze und Flüssigkeit durch die Vene. Ich hätte mich am liebsten in eine Kühltruhe gelegt. Fenster auf, kalten Waschlappen... es wurde besser.
Hebi befreite das Bett von Blut, wusch mich. Flasche Wasser - trinken!
Hach fühlte ich mich wieder gut! Leider nicht lange, schon fing es wieder an. Gleiche Prozedur!
Ich habe einfach zuviel Blut verloren, was bei dem 5. Kind normal sein kann, das wusste ich vorher! Ich möchte an dieser Stelle nochmal erwähnen, das ich die Hausgeburt nie bereuht habe, im Gegenteil. Ich habe mich immer Sicher gefühlt, ruhig.
Kein Arzt der alles besser weiß, meine Familie um mich herrum. Das Baby durfte ganz natürlich auf die Welt kommen, es war Wunderschön!!
Um 4 Uhr morgens fuhr die Hebi erstmal Heim.
Kurz vorher wurde unsere Tochter wach und kuschelte mit mir und unserem neuen Familienmitglied. Wir schliefen erstmal.
Morgens um 6 Uhr kamen unsere 3 Jungs, Papa sagte ihnen das ihr Bruder da seih!
Freude im ganzen Haus!!

Nun sind wir 7 superliebe chaotische Familienmitglieder und einem wunderschönen Erlebnis zum Abschluss!!

1

#pro#pro#pro#pro

Herzlichen Glückwunsch;-)

2

Hallo!

Ich gratuliere Dir sehr herzlich zu Deiner schönen Hausgeburt - ich habe mich in vielen Deiner Beschreibungen wiedergefunden: Geborgenheit und Sicherheit im Zusammensein mit der Hebamme und der Familie, Selbstbestimmung.

Ich habe meinen Sohn vor etwas mehr als 3 Jahren nach einer vorangehenden, in ihrer "Normalität" für mich traumatischen Krankenhausgeburt zu Hause bekommen und habe diese Entscheidung ebenfalls nie bereut.

Ich bin nun mit Kind Nr. 3 schwanger (ET im August) und hatte gestern ein sehr ernüchterndes Gespräch mit meiner betreuenden Ärztin zum Thema "Hausgeburt beim 3. Kind" - dazu muss ich sagen, dass sie mich schon während der SS mit meinem 2. Kind betreut hat und mich immer in meinem damaligen Hausgeburtswunsch unterstützt hat.

Das hat sich - wie ich nun erfahren musste - leider geändert. Sie hat mir nicht direkt abgeraten, mein 3. Kind außerklinisch zu entbinden. Jedoch wies sie mich eindringlich auf die Risiken einer 3. Entbindung hin: Aufgrund der durch die vorangehenden Schwangerschaften vergrößerten Gebärmutter Gefahr einer Wehenschwäche mit einer anschließenden heftigen Nachblutung (mehr als 300ml). Sowie das Risiko, dass sich das Kind aufgrund des größeren Platzangebots unter der Geburt bei geöffnetem MuMu in Querlage dreht (Gefahr eines Nabelschnurvorfalls).

Du hast ja anscheinend in Teilen Ähnliches erlebt und Deine Hebamme hatte die Situation gut im Griff.

Meine Frage nun: Hattet ihr vorher über diese möglichen Vorfälle gesprochen? Hatte sie dir gesagt, ob man eventuelle Auffälligkeiten schon früh erkennen kann und welche Vorgehensweise sie im Falle des Falles wählen wird?

Meine Hebamme ist leider im Moment verreist, so dass ich nicht mit ihr über das sehr unbefriedigende Gespräch mit meiner FÄ sprechen kann.

Ich danke Dir in jedem Fall für Deine Erfahrungen,
sehr liebe Grüße und alles Gute Euch allen,
Becca.

3

Hallo,
wie ich ja im Bericht schon erwähnte, wusste ich von dem Risiko das ich viel Blut verlieren kann, dafür haben wir eine Menge Kühlakkus eingefroren.
Ein RTW wäre ja im Notfall schnell bestellt gewesen.
Ich hatte aber dennoch keine Angst. Und ich habe verdammt viel Blut verloren, habe mich immer noch nicht ganz erholt, die Laborwerte waren ziemlich übel, ABER im Kh hätten sie mich auf den Kopf gestellt mit Medis vollgepumpt und vllt. hätte ich sogar Blut bekommen. Dem allen bin ich entgangen, mein Mann hat mir bis jetzt immer den Rücken zum erholen frei gehalten.

Mein FA sieht mich nicht wieder, ich hatte richtig krach mit ihm als er erfahren hat das ich eine HG anstrebe.
Meine Hebi ist 62 Jahre jung, und das vertrauen war und ist einfach da, sie betreuht mich immernoch super.

Ja und die wehenschwäche hatten wir ja auch gut im Griff, mein Kleiner ist so ein ruhiges liebes Baby, für ihn war das absolut richtig so! Und für mich ebenfalls :-)

Möchte aber noch dazu sagen das ich beim 3. gar keine Probleme hatte, meine Hebi sagte immer ab dem 4. Kind wird es schwierig und so war es bei mir auch.
Das 3. kam innerhalb von 2,5 Stunden und mir ging es super nach der Geburt :-)

Wenn Du das Vertrauen in Dich, deinem Baby und deiner Hebi hast, halte an deinem vorhaben fest, wechseln kannst immernoch ins KH.

LG und alles Gute sendet Dir Becky

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hallöle,
muß mich grad mal einklinken. habe nun auch schon zwei kinder und beide zu hause zur welt gebracht, warum in alles in der welt sollte ich mein 3. in der klinik bekommen? meine hebi hat selbst 4 kinder, alle zuhause geboren und nach eigenen aussagen viel mehrgebärende in betreuung (5. kind undnoch mehr). also ich kann mir keine wirkliche alternativa zur hg vorstellen. solche risiken werden sicher erst besproczhen wenn man wieder ss ist, aber da extra von einer hg anzuraten finde ich blödsinn.
lg

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Hallo,

wunderschöner Geburtsbericht #pro
Deine Hebamme scheint nicht nur einen Beruf gewählt zu haben, sondern ihr Beruf ist eine Berufung für sie! Klasse!

LG Pechawa