Traumgeburt unseres Töchterchens

So, nun will ich auch endlich mal meinen Geburtsbericht schreiben.
Ich hatte eine wundervolle, völlig komplikationslose Schwangerschaft und freute mich zusammen mit meinem Mann riesig auf unser erstes Töchterchen.
ET war eigentlich der 06.07.09. Der Tag verging ohne irgendwelche Anzeichen auf eine bevorstehende Geburt. Und der nächste und übernächste Tag ebenso. Ich hatte bis dato noch nichtmal Übungs- oder Senkwehen gehabt. Das CTG war blütenweiß und der MuMu geschlossen.
So langsam wurden nun aber meine Schwestern nervös, denn die wohnen 600km von mir entfernt und hatten sich Zugtickets zum 15.07.09 gekauft, um das Baby bei mir zu Hause sehen zu können, denn wir alle waren der Meinung, dass meine Kleine bis dahin auf alle Fälle geboren sein würde. Nun ja, der 15. Juli rückte näher und näher und nichts tat sich. Umtauschen konnten sie die Tickets leider auch nicht mehr…
Ich probierte derweil fleißig alle Hausmittelchen durch, die mir zur Geburtsauslösung empfohlen wurden. Nichts half.
Schließlich erhielt ich von meinem FA einen Termin zur Geburtseinleitung für den 16.7.09. Ich sagte mir, prima, dann zeig ich halt meinen Schwestern am Tag vor der Einleitung noch unsere neue Wohnung und geh mit ihnen essen.
Nachdem ich noch mal alle Hausmittelchen auf einmal ausprobiert und sogar mitgeholfen hatte, Küchenschränke zu montieren, wachte ich in der Nacht zum 14.07.09 auf einmal mit einem leichten Ziehen im Bauch auf. Es war aber so schwach und ging auch immer wieder weg, so dass ich auch immer wieder einschlief. Schließlich wurde es dann um 4 Uhr früh aber doch etwas stärker, so dass ich mich ins Wohnzimmer aufs Sofa zum Fernsehgucken verzog.
Da die Schmerzen nur relativ leicht und in völlig unregelmäßigen Abständen kamen, dachte ich nicht an richtige Wehen. „Müssen wohl Übungswehen oder so sein.“ sagte ich mir.
Nun, die Zeit verging und ich schritt im Wohnzimmer auf und ab und rätselte über die Schmerzen. Ich begann die Zeit zu stoppen: mal kamen die Schmerzen alle 6 min, mal alle 9 min. Mal dauerten sie 30 Sekunden, mal über eine Minute. Alles völlig chaotisch. Ach was, das konnten keine Wehen sein!
Oder doch???#kratz Ich rätselte vor mich hin.
Meine Mutter, die immerhin 5 Kinder geboren hatte und somit von mir als fachkundig eingestuft wurde, hatte mir mal gesagt: „Wenn Du darüber nachdenken musst, ob es vielleicht Wehen sein könnten, dann sind es keine!“ Tja und nun stand ich hier und wurde aus all dem nicht schlau. Um 8 Uhr weckte ich meinen Mann, der frei hatte, um ihm von der komischen Situation zu erzählen. Wir beschlossen, erstmal zu frühstücken und dann zu meinem FA zu fahren.
Tja, ich war gerade dabei, mein Brötchen zu schmieren, als die Schmerzen doch merklich stärker wurden. „Du, ich glaub, wir fahren doch mal ins Krankenhaus!“ meinte ich zu ihm. „Sicher ist sicher!“
Im Auto fing ich dann schon so langsam an, die Wehen, die plötzlich alle 3 Minuten kamen, zu veratmen.
Im Krankenhaus angekommen, es war ca. 9:30 Uhr, sagte man uns, dass zurzeit alle Wehenzimmer und Kreissäle besetzt sein. Also ging ich im KH-Flur auf und ab und veratmete meine Wehen (mittlerweile war ich mir sicher, dass es welche waren)
Die Zeit verging und von den Hebammen war keine Spur. Ich wurde langsam nervös, weil ich dachte, ich müsste mein Kind im Krankenhausflur zur Welt bringen…
Als dann endlich mal eine Hebamme über den Flur lief und mich atmen hörte, schickte sie ratzfatz eine andere Frau in den Park mit den Worten: „Sie sind noch nicht soweit. Diese Frau hier dagegen schon!“
Am CTG angeschlossen konnte ich viele große Wehenberge erkennen. Eine erste Untersuchung ergab: „Muttermund bei 2-3 cm.“
Wow, dachte ich. Nun bekomm ich doch tatsächlich heute noch mein Kind!
Meine größte Angst, aus dem KH wegen Fehlalarm wieder nach Hause geschickt zu werden, löste sich also in Luft auf.
Ich bestand auf einen Einlauf, was prompt und unspektakulär erledigt wurde. Allerdings kann ich mir sicherlich Schöneres vorstellen, als auf der Toilette rumzutigern und das Wasser anzuhalten und währenddessen auch noch „Wehenberge“ zu veratmen. Naja, auch das war irgendwann erledigt…
Zurück im Wehenzimmer zeigte sich mein Mann völlig fasziniert von dem CTG. „Oh kuck mal Schatz, solch eine hohe Kurve hattest Du bisher noch nie!“
Ach nee! Schön, dass ich darauf hingewiesen wurde, hät ich sonst gar nicht mitbekommen...
Es waren schon verdammt starke Schmerzen und irgendwie konnte ich mit der im Geburtsvorbereitungskurs eingeübten Atemtechnik überhaupt nichts anfangen. Ich gab zwar kaum einen Laut von mir, aber war auch so sehr mit den Wehen beschäftigt, dass ich überhaupt nichts mehr um mich herum mitbekam.
Ich fragte dann mal vorsichtig nach einer PDA und es hieß: „Gar kein Problem, Arzt kommt gleich!“
Nun, diesen Satz hörte ich im Laufe der nächsten Stunden noch öfter.
Die Zeit verging und der liebe Arzt hing irgendwo bei irgendwelchen Untersuchungen oder Eingriffen fest und tauchte einfach nicht auf. Das einzig positive war, dass sich der Muttermund stündlich um ein paar Zentimeter öffnete. Nach jeder Untersuchung war es mehr. Das gab mir wirklich Zuversicht.
Um 12:30 Uhr wurde ich in den Kreissaal gefahren.
Ich mußte unwillkürlich an unsere KH-Besichtigung denken, als uns gesagt wurde, dass wir unsere Lieblingsmusik und Räucherstäbchen zur Entbindung mitbringen sollen… Nun ja, ich glaub, ich bekam in dem Moment nichtmal mit, in welchem Kreissaal ich mich befand und wer da so alles um mich rumschwirrte. Und Räucherstäbchen waren sicherlich das Letzte, woran ich gerade dachte…
Ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet, aber auf einmal tauchte der Arzt für die PDA auf. Mein Muttermund war schon bei 8 -9 cm, aber ich ließ sie mir trotzdem noch legen. Und bekam 45 wundervoll entspannte Minuten geschenkt, in denen ich mich erholen konnte. Sie saß perfekt. Ich konnte rumlaufen und spürte trotzdem keinerlei Schmerzen. Ich schrieb ein paar SMS und telefonierte mit meiner Mutter.
Das Gespräch war sehr lustig. „Wie geht’s Dir und wo bist Du???“ „Ach, ich bin schon im Kreissaal und bekomme gleich mein Kind!“ „Wie bitte??? Wie kannst Du denn da noch telefonieren???“ Meine Mutter war völlig fassungslos.
Tja, leider setzte nach ca. 45 min ein ziemlicher Druck nach unten ein. Ich war der Meinung, unbedingt auf Toilette zu müssen. Dort angekommen, konnte ich mich kaum noch auf den Beinen halten und veratmete meine erste Preßwehe.
Ich wankte zurück in den Kreissaal und informierte die Hebamme. Sie wollte, dass ich im Stehen presste, aber das ging wirklich überhaupt nicht. Also hockte ich mich im Vierfüßlerstand auf das Bett und hielt mich mit den Händen am Kopfende fest.
Leider ging es nun auf einmal nicht mehr recht voran. Eine Preßwehe nach der anderen verging und nichts tat sich.
Von vielen Müttern hatte ich gehört, dass sie die Preßphase als „angenehm“ empfunden haben, weil sie nun aktiv etwas tun konnten und sahen, dass es voran ging.
Ich dagegen habe die Preßphase als das unangenehmste der gesamten Geburt empfunden. Es war an diesem Tag unheimlich heiß und ich schwitzte in meinem Kreissaalbett alles voll. Es brannte „dort unten“ alles fürchterlich und der Druck nach unten zum Damm und Darm war gigantisch. Ich presste und presste und irgendwie tat sich nichts. Ich hatte einfach das Gefühl, dass das Kind einfach nicht durchpassen wird. Aber die Hebamme und mittlerweile auch der Arzt und mein Mann feuerten mich an. Andauernd hörte ich: „Pressen, feste pressen!!!!“ und ich dachte immer nur, Mensch, was glaubt ihr denn eigentlich, was ich hier die ganze Zeit mache????
Ich fragte ständig nach, wann es denn nun endlich vorbei sei. Das ganze dauerte nun schon über eine Stunde und ich hatte das Gefühl, dass ich da ewig hocken und pressen würde. Irgendwann meinte der Arzt zur Hebamme, wenn es nun nicht bald voran gehen würde, müsse er eingreifen. Glücklicherweise hörte ich das nicht (war viel zu sehr mit pressen beschäftigt) und glücklicherweise klappte es dann doch noch von allein.
Ich dachte nicht, dass das möglich wäre, aber der Druck und das Brennen verstärkte sich noch einmal und ich spürte auch irgendwie, wie ich einriß. Aber dann plötzlich, um 14:52 Uhr, war meine kleine Tochter geboren. Ich drehte mich auf dem Bett um und dann sah ich sie zum ersten Mal: sie war ganz blau und bewegte sich kaum. Sie lag ganz ruhig da und schaute mich einfach nur mit ihren blauen Augen an. #verliebt
Sie musste abgesaugt werden und hustete ein bisschen, doch dann bekam sie endlich eine gesunde Gesichtsfarbe und schrie auf einmal und wir waren erleichtert. Mein Mann durfte die Nabelschnur durchschneiden und dann bekam ich sie in Tücher gehüllt endlich auf den Arm.
Es ist eigentlich kaum zu beschreiben, was man fühlt, wenn man sein eigenes Kind zum ersten Mal auf dem Arm hält. Ich schaute sie voller Neugier, Bewunderung und Liebe an. So sah sie also aus! Und wie winzig alles war, die kleinen Fingerchen, die kleinen Ohren, der süße Mund…
Wir bekamen ausgiebig Zeit, uns kennen zu lernen und zu kuscheln. Irgendwann wurde sie dann vermessen. Mein Mann und ich waren gespannt.
„50 cm!“ verkündete die Hebamme. Mein Mann und ich konnten es nicht fassen und lachten. „Können sie noch einmal messen?“
Mein Frauenarzt hatte 2 Wochen vor der Geburt eine Femurlänge von 8 cm gemessen, was eine Gesamtkörperlänge von 56 cm ergibt. Die Hebamme maß noch einmal. Wieder 50 cm.
4 Tage nach der Geburt gingen mein Mann und ich dann Strampler in Größe 50 nachkaufen…
Ich hatte leider einen Dammriss 2. Grades, der genäht werden musste. Ich bekam eine kleine Betäubung, die jedoch nicht richtig wirkte, so dass das nähen ziemlich unangenehm war. Aber auch das war irgendwann überstanden.
Auch dauerte es ewig, bis sich die Plazenta löste. Der Arzt begann dann immer wieder, an der heraushängenden Nabelschnur zu ziehen, weil er wohl so die Plazenta irgendwie zum Lösen bringen wollte. Aber ich musste mich echt beherrschen, nicht zu sagen: „Hey! Finger weg! Alles, was an mir dranhängt, wird bitteschön sorgsam behandelt!“ Als sie dann endlich draußen war, schaute ich mir das Ding tatsächlich an und war ziemlich beeindruckt von dem Aussehen. Großer Gott, was für ein Fleischberg. Irgendwie sah die Plazenta wie eins dieser Unterwasser-Urviecher aus. Himmel, und so etwas war in mir drin gewesen???#zitter
Nachdem wir dann 3 Stunden im Kreissaal allein gelassen wurden, um uns gegenseitig kennen zu lernen, kam die Hebamme, um mich kurz zu untersuchen. Ich fühlte mich großartig und konnte es kaum erwarten, zu duschen, um den ganzen Schweiß und das Blut runterzuwaschen. Die Hebamme begleitete mich in den Nebenraum und betonte, ganz vorsichtig zu machen. Ich lächelte und sagte, dass sie sich keine Gedanken zu machen braucht, denn ich sei wirklich top fit. Tja, auf einmal hörte ich dann das Blut in meinen Ohren rauschen und fiel direkt in die Arme der Hebamme. Ich wachte kurz darauf auf dem Fliesenboden ausgestreckt auf, die Füße nach oben gerichtet. „Was ist denn passiert“ wunderte ich mich. Ich konnte mir gar nicht erklären, wie ich auf den Boden gekommen war…
Daraufhin wurde ich vorsichtig in ein Bett gehievt und bekam eine Elektrolytlösung. Wir wurden endlich in unser Familienzimmer gefahren und ich durfte endlich, endlich Abendbrot essen. Das war die erste Mahlzeit des Tages für mich, denn das Frühstück war ja ausgefallen und im Kreissaal hatte ich an Essen natürlich keinen Gedanken verschwendet. Es war nur eine einfache Wurstschnitte, aber sie schmeckte einfach himmlisch. Und neben mir schlief mein kleines Töchterchen.
Ihre ersten Besucher waren meine Schwestern, die pünktlich am nächsten Morgen mit dem Zug ankamen. Meine kleine Maus wollte anscheinend ihre Tanten nicht gleich zu Beginn ihres Lebens verärgern und kam pünktlich zu deren geplanten Besuchstermin auf die Welt ;-)

Ja, so begann also die wundervollste Zeit in meinem Leben: das Leben mit meiner Tochter. Es ist merkwürdig, wie viel Liebe man für einen so kleinen Menschen empfinden kann und wie groß der Beschützerinstinkt ist. Sie ist auf alle Fälle das Schönste, was mir je passiert ist.

Die Geburt selbst hab ich als spannend, schweißtreibend, aufregend, anstrengend, schön und schmerzhaft, aber aushaltbar empfunden. Ich habe zu keinem Zeitpunkt den Gedanken gehabt, das nicht zu schaffen oder es nicht mehr auszuhalten. Ich habe während der Geburt weder geschrieen noch hatte ich dieses „Ich-dachte,-ich-muß-sterben-Gefühl“, von dem so viele Mütter berichten. Klar tut es weh. Sehr weh manchmal. Aber es ist wirklich aushaltbar. Man wird mit so vielen Mutterhormonen vom Körper überschwemmt und ist eh in einer Ausnahmesituation, so dass man viel mehr bewältigen kann, als man sich vorher zugetraut hätte. Und das Ergebnis ist schließlich das Unglaublichste und Schönste überhaupt.
Ich wünsche allen werdenden Mamis alles erdenklich Gute für die Geburt und hoffe, ich konnte ein paar der Ängste zerstreuen.


Hippogreif mit Krümelchen#verliebt, die schon unglaubliche 7 Monate alt ist.

Hier noch die Maße:
KU: 34 cm
Größe: 50 cm
Gewicht: 3580g

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ein wirklich sehr schöner Bericht !!!!

Krissi

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Hallo,
ich fand den Bericht auch sehr schön und musste vor allem beim Anfang schmunzeln, weil es so ähnlich war wie bei mir (woher soll man wissen, wie sich Wehen anfühlen und wann es soweit ist?).
Wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute mit dem zauberhaften Nachwuchs! #blume
Venetian (mit Thomas, 2 Monate)