Spontane Wassergeburt im hebammengeleiteten Kreißsaal

Ich hatte mich in meiner Wunschklinik zu einer hebammengeleiteten Geburt (ohne Arzt, bis auf die Voruntersuchung) angemeldet und dort auch fünf Wochen vor dem Termin mit geburtsvorberetender Akupunktur begonnen. Unser voraussichtlicher Geburtstermin war der 3.8.2010.

Sonntag, 8.8.2010

Um halb 3 morgens wach ich auf – ich habe Wehen, alle viertel Stunde, sie sind gut auszuhalten. Mein Mann ist auch kurz wach, ich sag ihm aber, dass alles gut ist und er ruhig weiterschlafen kann. Ich werde ihn schon wecken, wenn es ernst wird. Kurz darauf muss ich die Wehen schon veratmen, sie kommen nun alle 10 Minuten. So geht es weiter bis Mittags um 1. Dann sind die Wehen plötzlich verschwunden, d.h. ihr Abstand hat sich auf eine Stunde verlängert. Ich nutze die Zeit und hole etwas verpassten Schlaf der vorangegangenen Nacht nach – 40 Minuten schaffe ich, dann kommt die nächste Wehe. So zieht es sich bis in den Abend hinein, alle 40 bis 60 Minuten kommt eine kräftige Wehe.
Gegen 9 Uhr abends wird es dann wieder unruhiger – die Wehen kommen alle 20 Minuten und sind noch deutlich stärker als die vorherigen.

Montag, 9.8.2010

Und so geht es dann die ganze Nacht durch, bis die Abstände sich um ca. 4 Uhr morgens auf 5 Minuten verringert haben und ich ins Krankenhaus möchte. Bis dahin hab ich mich bereits 2x übergeben müssen. Mein Mann ruft im Kreißsaal an und weckt meine Mutter (unser Krankenhaustaxi). Eine halbe Stunde später sind wir bereits in der Klinik. Dort wirkt es sehr ruhig und ich frage ob überhaupt irgendetwas los sei. Die Hebamme erzählt, dass schon die ganze Nacht alle Kreißsäle belegt seien und neben uns quasi noch 3 andere Paare in der „Warteschleife“ stecken. Oje...

Ich werde zunächst für ca. eine halbe Stunde an das CTG geschlossen – keine ernst zu nehmenden Wehen mehr! Was etwas Adrenalin durch Aufregung so anstellen kann! Allerdings sind die Wehen, die ich habe noch genauso schmerzhaft wie vorher...
Wir werden für eine Stunde spazieren geschickt, danach erst will man mich untersuchen. Während der Stunde kommen die Wehen wieder in kürzeren Abständen. Es ist ein kühler Morgen, wir frieren, denn wir haben in der Aufregung keine Jacken mitgenommen. Nach eine Stunde kehren wir zurück zum Kreißsaal, den man schon von weitem hören kann :-)

Nun werde ich untersucht: Ultraschall – alles in Ordnung, Muttermund 3cm offen.

Da noch kein Kreißsaal frei ist, bzw. erst einer für uns vorbereitet werden muss, werden wir erst im Raum der Elternschule untergebracht, wo normalerweise die Geburtsvorbereitungskurse und die geburtsvorbereitende Akupunktur stattfinden. Dort verbringen wir ca. eine viertel Stunde, bis ich mich erneut übergeben muss. Die Wehen sind unverändert stark und noch in gleichen Abständen.

Dann dürfen wir endlich in den Kreißsaal. Leider ist nur der kleine frei, aber das ist mir in dem Moment ziemlich egal – ich will später ja eh in die Wanne! Die Hebamme gibt mir zwei homöopathische Zäpfchen, die das Öffnen des Muttermunds beschleunigen sollen. Mal sehen...

Nun verbringen mein Mann und ich einige Stunden allein im Kreißsaal. Wie lange weiß ich nicht, zu dem Zeitpunkt befand ich mich schon in einer Art Trance und hatte kein Zeitgefühl mehr. Wir waren beide sehr müde, ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits über 30 Stunden nicht geschlafen (bis auf die 40 Minuten am vorangegangenen Nachmittag). Und so brach ich mit meinem Vorsatz die Wehen auf dem Petziball oder im Stehen/Gehen zu veratmen und legte mich zusammen mit meinem Mann auf das große 140cm breite Bett. Zwar waren die Wehen im Liegen wesentlich schlechter zu ertragen, doch in den Wehenpausen legte ich mich immer wieder hin und wenn dann eine neue Wehe kam, schaffte ich es nicht mehr aufzustehen... Zu dem Zeitpunkt tönte ich schon ziemlich laut (immer gleichzeitig, mit einer werdenden Mama im Kreißsaal nebenan :-) - die Fenster waren offen)

Einmal musste ich mich noch übergeben – es kam gelbe, bittere Galle.

Irgendwann lief mir dann etwas feuchtes in die Unterhose... Fruchtwasser? Da wir bis zu diesem Zeitpunkt komplett alleine waren und keiner nach uns geschaut hat, nahm ich das zum Anlass mal nach einer Hebamme zu klingeln. Seit dem Blasensprung hatte ich alle drei Minuten Wehen, die einen ganz schönen Druck nach unten aufbauten. Leider musste ich mich hinlegen, damit ein CTG geschrieben werden konnte. Das Ergebnis hab ich leider nicht wahrgenommen, auf jeden Fall brachte es die Hebammen dazu mir schnell die Wanne vorzubereiten. Mein muttermund war nun 7cm auf.

Kaum in der Wanne wurden die Wehen zwar stärker, waren jedoch irgendwie leichter zu ertragen, da ich mich in dem warmen Wasser sehr wohl fühlte. Zu diesem Zeitpunkt war eine Hebammenschülerin bei uns, die mich sehr einfühlsam betreute und mit mir die Wehen veratmete. Meinen Mann habe ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr wahrgenommen.
Dann musste ich plötzlich Pressen (zu diesem Zeitpunkt war ich erst höchstens 10 Minuten in der Wanne). Ich bat die Hebammenschülerin die Hebamme zu fragen, ob ich denn überhaupt schon Pressen dürfte, ich könne es nämlich kaum mehr verhindern.

Die Hebamme gab ich Grünes Licht und nun ging es also los... Endlich war ich nicht mehr hilflos dem Wehenschmerz ausgesetzt, sondern konnte mitarbeiten. So empfand ich die Presswehen als weniger schmerzhaft als alle anderen Wehen. Die Hebamme massierte in den Wehen immer meinen Damm, hielt mich an die Positionen zu wechseln und gab mir auch sonst super Unterstützung. Es dauerte dann allerdings noch eine halbe Stunde, bis unsere kleine Maus geboren wurde! Als der Kopf schließlich da war, konnte ich gar nicht aufhören durch ihr Wuschelhaar zu streichen, dabei war sie noch gar nicht ganz auf der Welt. Während der ganzen letzten Phase, war ich blendend gelaunt und freudig gestimmt. In den Wehenpausen musste ich immer wieder lachen und meinem Mann (ich nahm ihn wieder wahr) erzählen, dass gleich unser Kind kommt.

Um 11:11 war sie dann schließlich da – unsere kleine Svea! 51Cm, 3140g, 34cm KU

Während der gesamten Wehenzeit und Geburt ist mir irgendwie nicht eingefallen, dass man ja Schmerzmittel brauchen konnte. Die Schmerzen waren zwar zum Teil unerträglich, doch irgendwie habe ich mich einfach in mein Schicksal gefügt.

Da ich einen Dammriss 1. Grades, sowie zwei Labienrisse hatte musste ich noch genäht werden. Etwa vier Stunden nach der Geburt sind wir bereits wieder zu Hause gewesen.

Leider wurde das schöne Geburtserlebnis überschattet, von dem was folgte: Bei mir blieb der Milcheinschuss aus und wir müssen seit dem vierten Lebenstag mit Flasche füttern. Eine Woche später hatte ich eine Ausschabung wegen Plazentaresten in der Gebärmutter (vermutete Ursache für den ausbleibenden initialen Milcheinschuss), welche glücklicherweise ambulant durchführt wurde. Leider blieb auch danach die Milch aus und bis heute, fast einen Monat nach der Geburt, habe ich nicht mehr als einige Tropfen Milch pro Brust. Selbst die Stillberaterin ist inzwischen ratlos...

Trotzdem erfeuen mein Mann und ich uns jeden Tag an unserer kleinen Maus, die mich heute zum ersten Mal richtig angelächelt hat!! #verliebt

LG
ringelblume81

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Liebe Ringelblume,

was für ein schöner Bericht!

Dass mit den Schmerzmitteln ist mir auch erst nach der geburt mal so ganz am Rande in den Sinn gekommen....bei mir wars aber auch ne Hausgeburt..

LG und alles Gute


PS: Es gibt schlimmeres, als nicht zu stillen. in ein paar Monaten ist das gar nicht mehr wichtig...