Keine Wehen ... schnelle geburt

Ich bin in der 38. Woche schwanger mit meinem Zweiten Kind.

In letzter Zeit lese ich viele Geburtsberichte, da ich auf alles vorbereitet sein möchte auf jede Art von Schmerz und jede Art von Verzweiflung -

bei meinem 1. Kind hatte ich übrhaupt keine Angst. Ich hab mich einach fallen lassen und tatsächlich war das Ganze sehr "wolkig" - als wenn ich aufgefangen geworden wäre von einer kuscheligen Wolke aus absoluter Taubheit bzw. Schmerzunempfindlichkeit.

Ich kann mich an keinen Wehenschmerz erinnern, bevor meine Tochter im Juli 2008 das Licht der Welt erblickte - ich glaube sogar, keine Wehen gehabt zu haben außer einem unspektakulären Ziehen im Taxi auf dem Hinweg ins KH! (Beim Lesen einiger Berichte ist mir aufgefallen, dass viele Frauen von extremen Wehen berichten, die sie nur mittels PDA durchstehen ... wieso war denn das bei mir anders)?

Jedenfalls (um mich langsam in Stimmung zu bringen:-) könnte ich ja mal versuchen die Geburt meines ersten Kindes zu rekonstruieren, nur so aus Spaß, einerseits um mir die Angst vor der 2. Geburt zu nehmen, andererseits, um die erste Geburt nocheinmal im Kopf ablaufen zu lassen. Vielleicht hate ich ja doch Wehen???

Es begann an einem schwülen Gewitterabend gegen 21.00 Uhr
Ein lauter Knall verwandelte das Bett in Handumdrehen in Überschwemmungsgebiet - zuerst verfiel ich in Panik. Labtop wegstellen, hastig Papiere suchen, (unter Gefluche) Taxi rufen, Handtücher zwischen die Beine klemmen, warten auf Wehen, (doch es passierte rein gar nichts) runter ins Taxi.
Dem Taxifahrer habe ich auf dem ersen Blick angesehen, dass er nicht der Glücklichste war, als ich mit meinen vielen nassen Handtüchern hinten eingestiegen bin - wir verloren kein Wort miteinander, aber das war auch gut so.
Ich wartete auf Wehen. Mein Freund auch. Doch nichts passierte. Nach einer halben Stunde kamen wir ins KH.
Es könnte sein, dass es sowas gegeben hat wie ein Ziehen im Bauch oder im Rücken, doch in meiner ganzen Aufregung habe ich diese Wehen kaum, bzw. gar nicht wahrgenommen. Ich wurde sogar mit dem Rollstuhl durch die Flure gefahren auf ein kleines Zimmer mit gedämmten Licht. Auch gut. Meine Hebamme roch stark nach Kaffee; aber ansonsten war sie mir sofort sympathisch. Sie untersuchte mich - Diagnose: MM fast vollständig offen -

wie was wo? Wie kann das sein? Sagte sie wirklich - vollständig offen??? - Das konnte ich einfach nicht glauben. ich hatte ja so gut wie keine Wehen - (vom Lesen der anderen Berichte wusste ich, wie sich Wehen unter welchen Schmerzen in welcher Zeitdauer bis zum Zeitpunkt des vollständig geöffneten MMs abspielen)
Und kaum hatte die Hebamme dies festgestellt, merkte ich auch etwas ... einen Druck auf meinen Darm, der unerwartet sehr gewaltsam kam und unglaublich schnell. (Auf so was war ich nun gar nicht vorbereitet!) Interessant!!! Ein Druck!

Aber die Hebi ermahnte mich sofort, nicht frühzeitig mit dem Pressen zu beginnen - warum, weiß ich nicht. (ich glaube, ich hätte das Kind eine Stunde schneller kriegen können, wenn ich einfach gepresst hätte) und dies ist der Zeitpunkt, an dem die Geburt kurzzeitig sehr unangenehm wurde.
Warten. Nicht pressen dürfen. Wieso nicht pessen? Die Hebi stellte sachlich präzise eine Wehenschwäche fest. Ganz einfach.
Ach so. jetzt könne man nur noch versuchen mit der Schwerkraft zu arbeiten, sagte sie. Nicht pressen, einfach nur hinstellen und warten auf die nächste Wehe.

Gesagt, getan. Ich erinnere mich vage, dass der Druck auf dem Darm so stark wurde, dass ich brüllen musste vor Schmerzen und glaube auch, dass die Wehen hin und wieder da waren, weil mein Freund mir empfohlen hat, das Atmen bitte nicht zu vergessen.

Das einzige, was ich als echt schlimm empfand, war die Kombination aus Durst und

Druck. Ich habe alle 30 Sekunden etwas trinken müssen und ansonsten nicht gewusst, wo links noch rechts ist. Vielleicht hatte ich hammermäßige Schmerzen, vielleicht hatte ich auch einfach nur ein hammermäßiges Black-Out, weil alles so schnell kam, und ich überrollt wurde von der Geburt wie von einem D-Zug. Doch Wehen?????? Ich muss ja welche gehabt haben, denn meine Hebi

verkündete stolz, dass die Wehen endlich wiederkämen und ich langsam mal versuchen könnte, zu

pressen.
Toll. Das tat ich dann auch. Gegen null Uhr. Vier, Fünf Versuche. Wenn überhaupt, war dies das Schlimmste an der Geburt - ein Körperzerfetzendes Höllenartiges an einen Vulkanausbruch erinnerndes schmerzhaftes Brennen zwischen den Beinen, das man mit nichts vergleichen könnte, höchstens mit dem Ur-Knall, ließ mich wimmern und fast heulen, - die Ärztin stand bereit, um zu schneiden, - die Hebi sagte, noch nicht, noch nicht! und schon war das Köpchen und der Körper geboren. 0.22 Uhr

KU: 34 cm
Größe 51 cm
Gewicht 3280 g

Die ganze Nacht war ich hellwach. Ich konnte überhaupt nicht fassen, was da geschehen war: Es war das Tollste Schönste Unbeschreiblichste, was man sich vorstellen kann, zu empfinden - dazu diese wie aus dem Nichts geborene Liebe, die da ist, unangekündigt, einfach so, Liebe, die echt ist, die durch Mark und Knochen geht, die sie so stark ist, dass sie fast weh tut, von der man sofort weiß, dass sie für ewig halten wird!!! verbindet mich bis heute mit meiner Tochter. Diese Liebe rechtfertigt jeden Schmerz.

ich denke, bei meiner zweiten Geburt wird es nicht mehr ganz so --- "Wehenfrei" ablaufen. So viel Glück werde ich kaum ein zweites Mal haben,

doch ich freue mich schon drauf, auf das Gekreische und Gepresse, und möchte noch einmal ein echtes Naturwunder durchleben!

1

Hi!

Bei mir hat es fast wieder so funktioniert bei der nächsten Geburt ...

Alles Gute!

2

ein wunderschöner geburtsbericht! der geht auch durch knochen und mark. vielen dank.