Zum Mut machen :) Eine wundervolle Geburt!

Hier kommt nun mit fast 7 Monaten Abstand mein Geburtsbericht. Ich hoffe, dass er anderen Frauen Mut machen kann.

Am 12. Oktober 2011 habe ich erfahren, dass ich in der 7. Woche schwanger bin. Mein ET wird zuerst für den 08. Juni und später für den 31. Mai 2012 errechnet. Meine Schwangerschaft ist weitestgehend komplikationslos. Bis auf ein wenig Übelkeit in den ersten Wochen kann ich sie voll genießen.

Im Januar 2012 spüre ich die ersten Bewegungen und erfahre wenige Tage später, dass ich einen Jungen bekommen werde. Aufgrund eines Sturzes Anfang März bin ich ab Mitte März wegen einer Hüftprellung krank geschrieben. Ich kann damit kaum schlafen. Auf dem Bauch kann ich eh nicht mehr liegen und auf den Seiten schmerzt die Hüfte dank der Prellung. Trotzdem kann ich

es mir in den letzten Wochen ohne Baby richtig gut gehen lassen. Täglich besuche ich mein Pferd, zwei mal in der Woche gehe ich zum Schwangerschaftsyoga (sofern es die Hüfte erlaubt...), ich erlaube mir regelmäßig Kosmetik, Pediküre und Schwangerschaftsmassagen und esse jede Menge leckeres Obst, vor allem Erdbeeren und Melonen. Bis Silverster reite ich mein Pferd noch regelmäßig, ab Januar verzichte ich darauf weil ich meine Gebärmutter so stark spüre.

Ab der 32. Schwangerschaftswoche lasse ich meine Vorsorge nur noch bei meiner tollen Hebamme K. machen. Ich fühle mich absolut gut aufgehoben. Zuvor habe ich mich mit den Vorsorgen bei Hebamme und Ärztin abgewechselt.

Im Geburtsvorbereitungskurs lerne ich jede Menge netter anderer (werdender-) Muttis kennen. Finde aber nicht, dass ich großartiges neues lerne und fühle mich auch nicht besser auf die Geburt vorbereitet. Meinem Freund geht es ähnlich.

Meine Geburt stelle ich mir naturnah vor. Damit meine ich, dass ich keine PDA oder ähnliches haben möchte. Und schon gar keinen Kaiserschnitt. Ich glaube, dass die Geburt sowohl für die Bindung zwischen Mutter und Kind aber auch für den Start ins Leben des Kindes sehr wichtig ist. Wie viele zich Milliarden Frauen haben so eine Geburt ohne Hilfsmittel vor mir bereits überstanden. Warum sollte ich das nicht auch schaffen? Eine Hausgeburt kommt nicht in Frage. Wir wohnen in einem Mehrfamilienhaus und ich will nicht die ganze Nachbarschaft teilhaben lassen. Das Geburtshaus ist mir zu weit weg. Wenn man gut durch kommt eine halbe Stunde fahrt. Das kann ich mir mit Wehen nicht vorstellen. Ich melde mich im AK Barmbek im Hebammenkreissaal an.

Am 15. Mai 2012 kommt zum Frühstück noch meine Freundinn A. vorbei. Wir scherzen herum, was sie nun zu tun hätte wenn ich Wehen bekommen würde und ich erkläre ihr wo sie heißes Wasser und Handtücher findet. Es geht mir bestens, so wie immer. Mein Freund ist arbeiten und ich bin am Nachmittag noch mit einer Freundinn J. in der Innenstadt verabredet. Als ich im Cafe sitze und meine Waffel mit heißen Kirschen, Vanilleeis und Sahne verspeise wird mein Bauch immer wieder hart. Das ist neu, aber es beunruhigt mich nicht. Ich denke dabei an Vorwehen oder so.

Richtige Senkwehen oder vorwehen habe ich bis dahin noch nicht gehabt. Zumindest habe ich diese nicht wahrgenommen. An einigen Tagen war ich mit Muskelkater aufgewacht, welche laut meiner Hebamme von Vorwehen kommen können.

Auf dem Weg nach Hause stelle ich die Sitzheizung an, weil es im Rücken beginnt zu ziehen. Anstelle direkt nach Hause zu fahren mache ich spontan einen Schlenker am Stall vorbei um mein Pferd zu besuchen. Während ich es putze und zum longieren fertig mache wird das ziehen im Rücken regelmäßiger. Ich achte aber nicht auf die Uhr. Auf der Toilette finde ich auf einmal Blut in der Unterhose. Der Schleimpropf beginnt sich zu lösen. Während ich mein Pferd longiere muss ich schon ab und zu tief durchatmen um das ziehen wegzuatmen.

Auf dem Heimweg kuschel ich mich in den Sitz und genieße die Wärme der Sitzheizung. Zuhause poste ich diesen Beitrag:

http://www.urbia.de/forum/2-schwangerschaft/3572798-ade-du-schleimpropf/22892229

Mein Freund kommt gegen Mitternacht nach Hause. Bis dahin habe ich Ihm noch nichts von den Wehen oder dem Schleimpropf gesagt und nun ist er natürlich ganz aufgeregt. Er meckert, dass ich Ihn nicht früher angerufen habe. Allerdings habe ich mich alleine Zuhause wohl gefühlt. Nun packen wir die Kliniktasche fertig.

Die Wehen kommen regelmäßig alle 15 Minuten. Ich mache zwischendurch Yoga um zu entspannen. An Schlafen ist natürlich nicht zu denken. Mein Freund schläft um 4:00 Uhr für ca. 2 Stunden ein. Ich bleibe wach und rufe um 6:00 Uhr im Kreissaal an weil ich wissen möchte wie lange ich grundsätzlich mit Wehen rumlaufen darf. Die Hebamme sagt mir, dass ich mir keine Sorgen machen muss und erst kommen brauch wenn die Abstände kürzer als alle 5 Minuten sind.

Wir sind somit bereits beim 16. Mai 2012 angekommen. Am Vormittag habe ich sowieso einen Termin bei K.. Also fahren wir in die Hebammenpraxis. Da wir keinen Parkplatz direkt vor der Praxis finden muss ich ein Stück laufen und veratme vor dem Rewe und an der Ampel jeweils eine Wehe. Was sich da die anderen Leute wohl gedacht haben?

In der Praxis sind die Wehen natürlich weg. Das CTG bekommt 9 Punkte.

Mein Muttermund ist um 11:00 Uhr 2 cm offen, der Gebährmutterhals auf 1 cm verkürzt. Ich bin ein wenig enttäuscht, dass es "erst" so wenig ist. Ich darf wieder nach Hause. M. mein Freund lädt mich Zuhause ab und holt uns Mittagessen vom Block. Salat, Backkartoffel und Knobibrote. Das essen dauert etwas, aufgrund der "Umstände" aber ich habe großen Hunger.

Wir verbringen den Tag auf dem Sofa und schauen Greys Anatomie. Eine folge nach der anderen. Ich veratme zwischendurch immer etwas die Wehen. Mittlerweile muss ich schon mehr kämpfen und hoffe, dass es weiter voran geht. In der Badewanne kann ich zwischendurch immer wieder kurz entspannen.

Gegen 17:00 Uhr fahren wir nochmal in die Hebammenpraxis. Ich möchte noch nicht in die Klinik, aber trotzdem wissen wie weit es voran geht. Wieder veratme ich einige Wehen auf der Straße. Das CTG bekommt 10 Punkte, der Gebährmutterhalt ist komplett verstrichen und der Muttermund zwei weitere cm geöffnet. Erneut bin ich entteuscht, dass nicht bereits mehr passiert ist. So viel "Arbeit" und so wenig Ergebniss. Meine Hebamme ermutigt mich "Wenn die richtigen Geburtswehen kommen, dann geht alles ganz schnell." Richtige Geburtswehen? Und mit was habe ich mich dann die letzten Stunden rumgeschlagen? Bauchgrummeln? Bereits jetzt muss ich mich während jeder Wehe auf das veratmen konzentrieren. K. sagt, dass ich jetzt entweder wieder nach Hause gehen kann oder auch in die Klinik gehen kann, wenn ich möchte. Man würde mich dort nun nicht mehr nach Hause schicken. Ich entscheide mich trotzdem für den Weg nach Hause.

Zuhause geht es wieder auf das Sofa. Wehen veratmen. Markus massiert meinen Rücken. Bringt mir zu trinken. Achtet auf mich. Um 21:00 Uhr gehe ich ein letztes Mal in die Badewanne. Die Wehen kommen jetzt bereits alle 5 Minuten. Ich halte es keine drei Minuten in der Wanne aus. Wir beschließen nun in die Klinik zu fahren. Im Auto veratme ich wehen, das bringt keinen Spaß. Ich kann mich gar nicht entspannen. Auf dem Weg vom Parkplatz in die Klinik muss ich ein wenig weinen, weil ich weiß, dass ich das Krankenhaus mit meinem Baby verlassen werde. Ein verrücktes Gefühl.

Im Kreissaal erzählen wir kurz den letzten Befund und werden direkt in ein Kreissaalzimmer gebracht. Wir machen unsere Musik an und richten uns etwas ein. Die Wehen sind seid ich die Klinik betreten habe schwächer geworden. Ich kann ein wenig durchatmen. Meine Geburtshebamme S. kommt herein und ich freue mich sehr Sie zu sehen. Ich habe Sie bereits bei der Geburtsanmeldung kennen gelernt und fand Sie schon so nett. Was für ein toller Zufall. S. bietet mir ein Zäpfchen an. Ich verneine. Anstelle dessen bekomme ich Globulis die den Muttermund schneller öffnen sollen.

Eigentlich hatte ich mir eine Wassergeburt vorgestellt. Das kann ich mir nun gar nicht mehr vorstellen. Die Zeit vergeht schleichend. Ich veratme die Wehen auf einem normalen Bett auf der Seite liegend. Meine Hüftprellung macht mir zu schaffen. Wenn ich mir ein Stillkissen zwischen die Beine lege geht es besser. Ich muss ständig auf die Toilette. Das veratmen der Wehen im stehen fällt mir schwer.

Um Mitternacht ist der Muttermund 7 cm weit offen. Ich bekomme wieder Globulis. Die Zeit vergeht weiter wie im Schneckentempo. Ich beginne zwischen den Wehen wegzunicken. Das gibt mir Kraft. In welchem Abstand die Wehen da kommen kann ich gar nicht sagen. Zeitweise habe ich das Gefühl dazwichen kaum durchatmen zu können. Meinem Rücken fällt es immer schwerer zu entspannen. Markus massiert weiter fleissig weiter. Ich töne sehr laut, das hilft mir wahnsinnig gut.

Irgendwann zwischen 3:00 und 4:00 Uhr ist der Muttermund 9 cm weit offen. Ich ziehe auf das Geburtsbett um. Da es recht hart ist kann ich daraf nur schlecht liegen. Aber die Griffe sind gut zum fest halten. Die Fruchtblase platzt unter einer Wehe. Ich habe Angst, dass ich für die Presswehen keine Kraft mehr habe. Meine Hebamme verspricht mir, dass es nun schnell gehen wird und ich mit Sicherheit genug Kraft haben werde.

Die Presswehen sind eine wahre Erlösung. Endlich kann ich die Kraft der Wehen nutzen um mein Baby weiter zu mir zu bringen. Als ich das erste mal das Köpfchen mit den Fingern spüre sammelt sich all meine Energie und scheinbar geht dann alles ganz schnell.

Auf einem liegt er da - vor mir. Ein Hormonrausch macht sich in meinem Körper breit. Ich bin unglaublich erschöpft aber umso glücklicher. Ich habe es geschafft. Nun bin ich eine Mutter.

Ole ist am 17. Mai 2012, pünktlich zum Vatertag, um 4:58 auf die Welt gekommen.

Die Daten für die Statistiker: 2850g & 49 cm.

Die Geburt war ein unglaubliches Erlebnis, welches ich auf keinen Fall missen möchte. Oft werde ich gefragt wie stark die Schmerzen waren. Darauf kann ich nur antworten, dass man natürlich Schmerzen hat. Allerdings kann ich diese nicht benennen oder beschreiben. Sie gehören zu einer Geburt. Es sind gute Schmerzen. Jede Wehe hat mich meinem Ole ein Stück weiter gebracht. Ich lag über 32h Stunden in den Wehen. Während der Geburt wurden in mir Kräfte und Energien frei gesetzt die ganz tief in mir nur darauf gewartet haben, endlich genutzt zu werden.

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Ein toller Bericht!! Wirklich wunderschön geschrieben #schein

Ich hab noch 38 Tage bis zum ET und freu mich schon auf den Moment, wenn ich meinen kleinen Schatz das erste Mal in den Händen halten werde #verliebt

Wünsch euch weiterhin alles Gute!!

#winke