Geburtsberichte

    • (1) 16.01.13 - 22:26

      Hausgeburt Vol. II

      Die erste Wehe weckt mich um 1.07 Uhr. Ich drehe mich um und schlafe weiter.
      Die nächste um 1.22 Uhr und wieder schlafe ich ein. Im Viertelstundentakt geht das nun so weiter, bis ich mich gegen viertel nach 2 entscheide, aufzustehen.

      Ich bin drei Tage vor ET, die Schwangerschaft war bis auf ein paar kleine Wehwehchen super und alles steht für die geplante Hausgeburt parat. Geht es los?

      Ich gehe also in die Küche, um zu schauen, wie sich die Wehen entwickeln. Erst mal abwaschen… die Reste vom Abend stehen noch herum. Steffen kommt dazu und fragt, ob ich nichts besseres zu tun habe, als mitten in der Nacht abzuwaschen.

      Bis um drei haben sich die Wehen nicht verändert und sind auch nicht besonders schmerzhaft. Wir gehen zurück ins Bett. Bis halb 5 schlafe ich recht gut, Kontraktionen weiterhin alle 15 Minuten.

      Ich stehe wieder auf und tigere durch die Wohnung und entscheide mich kurze Zeit später Steffen zu wecken, damit er den Geburtspool aufbaut. Mal sehen, was im warmen Wasser passiert…

      Mit etwas schlechtem Gewissen rufe ich um viertel vor 5 (mitten in der Nacht ;-)) meine Hebamme Ines an, um ihr zu sagen, dass ich in den Pool gehe. Wir hatten besprochen, dass ich mich vorher melde, da beim zweiten Kind manchmal alles etwas schneller voran gehen kann. Sie fragt nach dem bisherigen Verlauf und bittet mich wieder anzurufen, falls das Wasser stärkere oder schneller aufeinander folgende Wehen bewirkt.

      Tut es nicht. Es ist zwar schön entspannend und ich nicke auch wieder ein bißchen ein (Steffen schläft auf dem Sofa daneben), aber alles bleibt wie gehabt. Also entscheide ich mich nach einer Dreiviertelstunde für mein Bett. Schlafen ist immer gut, wer weiß, was mir noch bevor steht.

      Gegen 7 wache ich auf, weil ich merke, wie eine Wehe anrollt. Oha, anderes Kaliber ;-).
      Ich muss aufstehen, im Liegen ist es zu unangenehm. Eine viertel Stunde später das gleiche. Zwanzig nach 7 rufe ich Ines wieder an und erzähle ihr von den stärker werdenden Wehen. Sie will sich auf den Weg machen, eine knappe Stunde Fahrtzeit liegt vor ihr.

      Die Abstände werden nun auch etwas kürzer und am besten sitze ich verkehrt herum auf unseren Holzstühlen und fange an zu veratmen. Mein Mann döst derweil noch selig auf dem Sofa…

      Ich möchte jetzt wieder ins Wasser und sage Steffen Bescheid, dass er nochmal heißes Wasser nachfüllt. Gegen 8 sitze ich endlich drin :-).
      Und urplötzlich kommen die Wehen Schlag auf Schlag. Ich schaue auf die Funkuhr: alle 3 Minuten! Mir fällt es zunehmend schwerer, die richtige Position zu finden. Ich merke, wie sich das Baby seinen Weg nach unten bahnt und habe schon das Gefühl mitschieben zu können.
      Unterdrücke es aber noch ein wenig – Ines ist noch nicht da #gruebel.

      Ich bitte Steffen, sie nochmal anzurufen, um zu wissen, wann sie hier ist. Außerdem soll er auch die zweite Hebamme informieren.
      Ines sagt, sie ist quasi vor der Haustür. Mein Startschuss die Wehen richtig zuzulassen. Als sie reinkommt bin ich schon dabei, vorsichtig zu pressen. Für eine Untersuchung an Land ist "keine Zeit", ich fordere sie aber auf, mal zu tasten, ob das wirklich schon das Köpfchen ist, was ich da fühle. Und tatsächlich! Endspurt! Sie kontrolliert noch die Herztöne des Babys – alles top.

      Die Presswehen sind gewaltig und ich versuche, sie ein wenig im Zaum zu halten, damit alles langsam gedehnt wird. Das gelingt ganz gut mit der Geburtsatmung vom Hypnobirthing, die ich vorher "trainiert" hatte. Ines drückt mir bei jeder Wehe auf das Kreuzbein, was die Spannung etwas nimmt und ich wiederum drücke und ziehe Steffens Hand. Ein wahnsinns Gefühl, wenn man merkt, wie das Köpfchen austritt. Ich rufe: "Der Kopf ist da?! " Ines sagt nur: "Ich weiß es nicht, ich kann es von hier aus nicht sehen" Also taste ich zur Sicherheit und spüre ganz viele Haare zwischen meinen Fingern. Ja!

      Mit der nächsten Wehe wird der Rest des Körpers geboren und gleitet ins Wasser. Geschafft! Ich hebe unser Ü-Ei aus dem Wasser und sehe sofort, dass es wieder ein kleiner Junge ist :-D. Alles dran und topfit.

      Wir müssen nur die Nabelschnur noch ein wenig entwirren, die hat sich unter seinem Arm und hinterm Rücken verschlungen. Sie ist ziemlich schnell auspulsiert und Steffen schneidet sie durch. Danach können wir im warmen Wasser und in warme Handtücher gewickelt ausgiebig kuscheln. Später wechseln wir dann aufs Sofa, wo auch die Plazenta geboren wird. Ines untersucht mich noch: Alles heile #huepf

      Eine Dreiviertelstunde nach der Geburt trifft auch die zweite Hebamme ein, die uns nur noch gratulieren und mit uns auf unseren Sohn anstoßen kann.

      Peter • 8.44 Uhr • 3.660 g • 54 cm • 35 cm KU

      Auch die zweite Hausgeburt war eine tolle Erfahrung und ich war trotz der Vorwarnung von Ines doch erstaunt, wie schnell plötzlich alles ging.
      Ich denke, dass mir die vertraute Umgebung und die Freiheit, alles so zu machen, wie ich möchte, dabei sehr geholfen haben.

      Hausgeburt Vol. I: http://www.urbia.de/forum/43-geburtsberichte/3005227-tolle-hausgeburt/19022089

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