Geburtsberichte

    • (1) 09.09.13 - 16:41

      Hausgeburt von Elana am 30.08.2013

      Am Donnerstagnachmittag, 29.08.13 kam unsere Hebamme Andrea zur routinemäßigen Kontrolluntersuchung zu uns nach Hause. Da ich bereits drei Tage über dem errechneten Geburtstermin war, schrieb sie ein CTG. Darauf war eine kräftige Welle zu erkennen, ich selbst spürte aber mehrere leichte Kontraktionen. Sie meinte dazu, dass das Gerät nicht immer alle Wellen erfasst, das hinge von der Position des Schallkopfes ab.
      Trotz der einen Welle machte ich mir selbst keinen Kopf darüber, dass es bald mit der Geburt losgehen könnte, weil ich bei meiner dritten und vierten Geburt wochenlang viele Übungswehen kannte, die sich auch nicht anders angefühlt hatten. Allerdings war diesmal manches anders. In dieser Endphase der Schwangerschaft hatte ich bisher kaum Kontraktionen gespürt, dennoch saß diesmal der Kopf bereits seit vier Wochen fest im Becken und war die letzten drei Tage noch einmal deutlich spürbar nach unten gerutscht. Daran wurde ich beim Gehen jedes Mal erinnert.

      Kaum war Andrea weg, spürte ich in größeren Abständen immer wieder leichte Kontraktionen, machte aber mit meinem Alltag weiter. Gegen 18 Uhr kam dann noch Besuch vorbei. Schlagartig war es mit den Kontraktionen vorbei. Nach einer Stunde verabschiedeten sich die Gäste und die Kontraktionen setzten wieder ein.
      Langsam wurde ich ein wenig umtriebig. Also ging ich nach unten in das Gästezimmer, das ich bereits seit Wochen als Geburtszimmer vorbereitet hatte. Ich füllte die Duftlampe mit Wasser und Melissenöl auf und stellte vorsichtshalber noch eine entsprechende Lampe im Bad auf. Noch war ich mir nicht sicher, welchen Ort ich letztlich wählen würde. Unsere beiden ältesten Töchter (16 und 13) hatten jedenfalls schon angekündigt, bei der Geburt dabei sein zu wollen. Die Jüngste (7 Jahre) hatte sich kurzfristig auch noch angemeldet.

      Bisher kamen alle unsere Kinder immer tagsüber zur Welt. Deshalb war mit meinen Eltern ausgemacht, dass wir sie anrufen würden, wenn es losginge, damit sie in der Zeit der Geburt für die Kinder da sein würden – ob diese nun bei der Geburt dabei sein wollten oder nicht. Immerhin war unser Jüngster gerade gut zweieinhalb Jahre alt und ich konnte nicht abschätzen, wie er mit einer wehenden Mama zurechtkäme.

      Schließlich aßen wir zu Abend und brachten anschließend die beiden Jüngsten ins Bett. Unsere Siebenjährige spürte wohl noch am deutlichsten, dass die Geburt nicht mehr lange auf sich warten lassen wollte. Sie streichelte vor dem Einschlafen meinen Bauch und meinte: Baby, warte noch bis morgen! Denn wir hatten vereinbart, dass wir sie schlafen lassen würde, wenn das Baby doch in der Nacht geboren werden wollte.

      Endlich schliefen die beiden Jüngsten und auch unsere 13jährige verschwand schließlich in ihrem Bett. Kaum kehrte Ruhe ein, meldeten sich nun auch die Kontraktionen plötzlich verstärkt – sowohl was die zeitlichen Abstände als auch was die Intensität anging.

      22 Uhr: Wellen alle zehn Minuten und noch gut zu veratmen. Aber doch so, dass an ins-Bett-gehen nicht zu denken ist.

      22.45 Uhr: Knacksen im Bauch – Blasensprung! Das Baby will also doch bald heraus. Die Wellen kommen nun alle fünf Minuten und erfordern schon mehr Konzentration. Die Langsame Atmung aus dem HypnoBirthing erweist sich wieder einmal als sehr hilfreich.

      23.30 Uhr: Die innere Unruhe wächst, meine Beine zittern und ich habe das starke Bedürfnis, mich nun zurückzuziehen. Nun weiß ich auch endlich, wo ich hin will: In die Wanne!

      23.50 Uhr: Das Wasser ist eingelassen, das Melissenöl duftet, mehrere Kerzen brennen, die Regenbogenentspannungs-CD aus dem HypnoBirthing ist auf Endlosschleife eingestellt und endlich schaffe ich es, zwischen zwei Wellen in die Wanne zu steigen. Sofort nehmen die Wellen weiter an Intensität und Länge zu und die Pausen werden immer kürzer. Mein Mann entscheidet, nun Andrea anzurufen. Ich selbst glaube immer noch daran, dass es noch ein paar Stunden dauern wird, bis das Baby tatsächlich zur Welt kommen wird. Immerhin sind die Wellen nach wie vor gut zu veratmen und ich empfinde sie nicht als schmerzhaft. Es herrscht eine vollkommen entspannte Atmosphäre und mein Mann massiert immer wieder ganz sanft meinen Rücken.

      0.20 Uhr: Andrea ist eingetroffen und gratuliert mir erst einmal zu meinem heutigen, eigenen Geburtstag. Ich berichte kurz vom bisherigen Verlauf. Unsere älteste Tochter ist ebenfalls da und macht erste Bilder. Ich untersuche mich selbst und bescheinige mir selbst einen Anfangsbefund. Andrea winkt nur ab. Eine Welle folgt nun auf die andere. Ich habe die Hände auf meinen Bauch gelegt und konzentriere mich beim Veratmen voll auf das Baby im Bauch. Mein Becken fühlt sich heiß pulsierend an und ich spüre, wie es sich mit jeder Welle weitet. Im Wasser kann ich ganz bewusst bauchabwärts komplett entspannen und nutze die Muskelentspannung, um mich mit den Armen am Wannenrand abzustützen. Schließlich jedoch merke ich, dass ich auch hier loslassen muss und lehne mich zurück. Die Wellen fließen nun komplett ungehindert durch mich durch. Wie ich es auf meiner Schwangeren-Yoga-CD gehört hatte, gehe ich nun dazu über, jedes Ausatmen laut zu tönen und „mein Kind in Klang einzuhüllen“. Der Ausdruck gefällt mir und ich stelle mir vor, dass ich ein Geburtslied für mein Baby anstimme, während ich weiterhin über meine Hände mit dem Kind im Bauch in Kontakt bin. Mein Unterkiefer und mein ganzes Gesicht sind vollkommen entspannt und ich bewege mich sanft wie in einem Tanz zu dieser unglaublichen Kraft, die mein Becken pulsieren lässt. (Auf den Fotos erscheint es später so, als ob ich entspannt geschlafen hätte.) Andrea meint nun: Wenn Eure Zweitälteste dabei sein will, sollte sie aber schnell da sein! So geht mein Mann sie wecken und ist damit ziemlich beschäftigt.

      1:00 Uhr: Andrea untersucht mich: „Muttermund zwischen vier und fünf Zentimetern.“ Und ich entgegne: „Das ist ja schon mindestens die halbe Miete.“ Schließlich schickt Andrea unsere Älteste zu ihm, weil sonst das Kind ohne ihn käme. Mein Mann kommt endlich mit unserer Zweiten wieder ins Bad. Die Siebenjährige war wie vermutet tatsächlich nicht wach zu bekommen.
      Da meint Andrea: „Mach Platz für Dein Kind, mach ganz weit auf!“ Ich selbst war zeitgleich dabei, Platz zwischen meinen Beinen zu machen und wundere mich über gar nichts mehr. Ich vertraue einfach und atme und spüre, wie der Kopf des Babys nach unten kommt. Ich habe keinerlei Pressdrang sondern achte einfach nur darauf, weiterhin langsam und lange ein- und auszuatmen. Immer wieder spüre ich, wie sich das Kind wie ein Schwimmer am Beckenrand abstößt und nach draußen drängt. Plötzlich drückt es auf den Damm. Die Wellen scheinen kein Ende mehr nehmen zu wollen. Ich brauche jeweils mehrere Atemzüge und stoße beim Ausatmen nur noch Urlaute aus. Ich stelle mir vor, wie ich das Becken ganz weit aufmache, wie ein großes Tor zur Welt und dass ich meinem Kind und meinem Körper die Geburt überlasse. Ich selbst treibe nichts voran; ich passe nur auf, dass ich nichts dagegensetze. Unsere Zweitälteste ist ganz aufgeregt: „Mama, du schaffst das!“ Es ist mir völlig egal, wer was wie von meinem Tönen mitbekommen wird und bin von jedem Moment vollkommen erfüllt. Da tritt der Kopf durch und ich greife schnell nach unten und befühle ihn. „Es hat ja viele Haare!“ Der Körper braucht noch ein, zwei Wellen und Andrea erklärt später, dass sich unser Kind nicht entscheiden konnte, welche Schulter zuerst geboren werden sollte. Also entschied es sich schließlich für beide Schultern gleichzeitig.

      1:47 Uhr: Endlich gleitet unser Kind komplett aus mir heraus, die Hebamme nimmt es in Empfang und gemeinsam legen sie und ich das Baby auf meine Brust. Es fängt gleich an zu atmen und schaut ganz wach. Es braucht keinen einzigen Schrei. Es ist komplett rosig und vollkommen entspannt. Nun wollen wir endlich wissen, was wir da bekommen haben. Ich drehe unser Kind auf den Rücken. Im ersten Moment meine ich, einen Penis entdeckt zu haben – aber es ist die Nabelschnur. Wir haben unser viertes Mädchen! Andrea holt ein Handtuch und legt es über unser Baby, damit es nicht auskühlt. Ich bin erstaunt über diese schnelle und einfache Geburt und Andrea meint, es wären im Grunde nur vier bis fünf Presswellen gewesen. Genauso fühlte es sich für mich auch an. (Deshalb bin ich in den kommenden Tagen direkt froh, die Nachwehen zu spüren. Ich erlebe sie zwar „nur“ als gut aushaltbare, periodenartiges Ziehen; aber ich brauche diese Empfindungen, um überhaupt begreifen zu können, dass ich tatsächlich noch ein Menschlein geboren habe.)

      2.11 Uhr: Die Plazenta wird geboren. Danach wird abgenabelt. Traditionell schneidet der frischgebackene Papa die Nabelschnur durch. Unsere Tochter macht dazu keinen Mucks. Andrea hat den Nabelschnurrest extra lang gelassen, weil sie die Erfahrung gemacht hat, dass die Kinder dann viel weniger unruhig sind oder schreien. Außerdem dauere es bis zum Abfallen der Nabelschnur auch nicht so lange. Tatsächlich fällt der Nabelschnurrest bereits vier Tage später ab.
      Nun nimmt der Papa seine Tochter zum ersten Mal an sich. Für mich ist nun duschen angesagt. Ich fühle mich fit, als ob ich nur mal eben eine längere Wanderung unternommen hätte. Ich habe keinerlei Geburtsverletzungen. Anschließend ziehen wir alle ins Gästezimmer um, wo Andrea und mein Mann bereits das Gästebett vorbereitet haben. Hier wird unser Baby dann auch gemessen und gewogen: Sie ist 52 cm groß, Kopfumfang 33 cm. Sie wiegt 3180 g. Sie ist kerngesund und topfit.
      Im Gästezimmer werde ich auch gemeinsam mit meiner neugeborenen Tochter die Nacht verbringen – sie schlafend und ich sie immer wieder hellwach staunend betrachtend, aufgedreht durch die vielen Glückshormone.
      Am Morgen kommt mein Mann mit unserer siebenjährigen Tochter und unserem zweieinhalbjährigen Sohn zu uns. Beide sind ganz ergriffen und streicheln behutsam ihre neue Schwester.
      Nun dürfen wir also einen Doppelgeburtstag feiern. Im Laufe unseres ersten gemeinsamen Freudentages bekommt sie auch ihren Namen: Elana ist hebräisch und bedeutet Eiche. Der Name passt so gut zu ihr, weil sie von Anfang an so ein entspanntes und in sich ruhendes Menschlein ist. Sie steht für sich – wie ein Baum.
      Gegen Mittag kommen die Großeltern zu Besuch und bringen Mittagessen mit. Später sehen wir uns gemeinsam das Video von der Geburt an, das unsere Älteste aufgenommen hat. Unsere Siebenjährige ist selig: "Nun habe ich die Geburt doch gesehen!"

      Herzlichen Glückwunsch zu der tollen Hausgeburt :-)
      Immer wieder schön zu lesen wie interventionsfrei eine Geburt sein kann :-)

      Gruß

      • Vielen Dank für Deine Worte!
        Schlimm finde ich, wie schon den jungen Mädchen in der Schule im Bio-Unterricht Horrorgeschichten über Geburt als "normale Abläufe" verkauft werden (Dammschnitte gehören da zum Standardrepertoire) - grusel! Das hat mir meine Älteste so aus ihrer Schule (zehnte Klasse) berichtet. Umgekehrt hat sie die Lehrerin aber nicht mit ihren eigenen Beobachtungen zu Wort kommen lassen :-(
        Ich kann mich nur damit trösten, dass meine eigenen Töchter ERFAHREN haben, was Geburt auch sein kann und vor solchen Horrorszenarien gefeit sind.

    Herzlichen Glückwunsch zu dieser wunderschönen Geburt!

Oh man, das liest sich so wunderschön!#verliebt

Ich muss unbedingt mehr über dieses Thema der Hausgeburt erfahren...

  • Danke schön! :-)
    Wenn Du Fragen hast, kannst Du mich gerne anschreiben.

    Ich kann es nur absolut empfehlen zu Hause zu gebären. Das ist was ganz ganz anderes als eine Klinikgeburt, selbstbestimmt, respektvoll in Ruhe und mit Würde.
    Die Geburt meiner großen Tochter in der Klinik war, naja, eben eine Geburt wie man das immer so hört. Die Hausgeburt der kleinen dagegen war purer Genuss von der ersten bis zur letzten Wehe und ich kann die nächste Geburt zu Hause in eine paar Tagen kaum noch erwarten weil ich mich einfach riesig auf diese tollen Stunden freue.

wunderschön! Herzlichen Glückwunsch. Wenn ich sowas lese kann ich es noch weniger erwarten dass unser Krümelchen endlich schlüpft!

  • Vielen Dank für Deine Worte!
    Wie schön, dass Du Dich auf die bevorstehende Geburt so sehr freuen kannst. Das ging mir bei dieser Geburt genau so :-) Es hat einfach alles gepasst und es gab auch äußerlich keine einzige Kerze, die "nur zufällig" da stand wo sie stand, kein Bild und keine Blume. Alles hatte für mich seinen Platz und seine Bedeutung. Und auch wenn ich das alles unter der Geburt gar nicht sah (weil ich ja in der Wanne war - immerhin gab es da auch viele Kerzen :-)), so wusste ich darum und konnte mich darauf freuen, in diesem "besonderen Zimmer" die erste Nacht mit meinem Kind zu verbringen. Und nicht zuletzt freute ich mich darauf, diese Seele mit allen Sinnen kennenzulernen, die längst bei uns "angekommen" war.
    Ich bin schon sehr gespannt auf Deinen Bericht. Erst aber mal alles, alles Gute und eine wunderschöne Geburt für Euch mit weiterhin all der Gelassenheit und Vorfreude, die Deine Worte aussenden !

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