Meine dritte Geburt

Unser dritter, kerngesunder Junge kam am 22.3. bei uns zu Hause im Geburtspool zur Welt.

Diese Schwangerschaft begann etwas anders als die vorherigen:
Hatten wir uns doch ganz bewusst gegen zusätzliche Untersuchungen und Ultraschalls und für die Vorsorge bei der Hebamme entschieden, teilte uns die Frauenärztin beim ersten großen Routineschall mit, dass unser Baby eine "riesige" Nackentransparenz aufwies und wir uns quasi auf die schlimmsten Behinderungen vorbereiten und die möglichen Konsequenzen besprechen sollten. Eine Überweisung zur Chorionzottenbiopsie inklusive mitleidigem Blick gab's mit auf den Weg. Außerdem eine Antwort auf meine Frage, ob trotzdem mit dem Baby alles ok sein könnte, die immer noch in meinem Kopf hallt: "Irgendwas haben diese Kinder immer"…

Eine knappe Woche kreisten unsere Gedanken über das "was ist wenn" bis endlich der Termin beim Spezialisten anstand. Ich war furchtbar aufgeregt, mir war schlecht. Er schallte gute 20 Minuten ohne einen Ton zu sagen. Es gab bisher nicht viele Momente in meinem Leben, die schlimmer waren. Dann endlich das Ergebnis. Nackentransparenz mit knappen 5 mm deutlich erhöht, aber keine weiteren Auffälligkeiten und alles zeitgerecht entwickelt. Tränen der Erleichterung. Wir entschieden uns gegen invasive Maßnahmen und ich vertraute auf einen guten Verlauf der Schwangerschaft. Beim letzten Ultraschalltermin in der 30. Woche waren alle Spuren der Flüssigkeitsansammlung verschwunden!

Nun stand der geplanten Hausgeburt nichts mehr im Weg.
Ein kleiner Funke Unsicherheit, ob denn wirklich alles gesund ist, blieb allerdings bis ich mein Baby im Arm hielt.

Am Tag vor der Geburt machten unsere beiden Großen Kurzurlaub bei Oma und Opa und ich hatte die Hoffnung, dass es in dieser Nacht losgehen würde. Also habe ich brav Fenster geputzt und aufgeräumt, abends heiß gebadet und noch andere Tricks probiert ;-) Und tatsächlich begannen im Anschluss leichte Wehen. Ich lag im Bett und erinnerte mich, was jetzt auf mich zukommen würde. Wie schnell man doch vergisst… Nach gut zwei Stunden war aber schon wieder alles vorbei – wir hatten eine ruhige Nacht und konnten auch noch ausschlafen. Herrlich.

Vormittags verabschiedete sich dann mein Mann, um meinem Cousin in der frisch gekauften Wohnung beim Renovieren zu helfen. Die Kids waren noch unterwegs und ich hatte sturmfrei. Ich nutzte die Zeit zum Auszuruhen, Fernsehen und Himbeerblättertee trinken. Um 14.39 Uhr schaute ich das erste Mal bewusst auf die Uhr: Wehen. Im 10-Minuten-Takt :-). Das zog sich so über den ganzen Nachmittag und war auch gar nicht schmerzhaft. Abends kochte ich dann Essen für uns alle und wir brachten die Kinder ins Bett. Kurz zuvor rief ich das erste Mal meine Hebamme an, um sie über die anhaltenden Wehen zu informieren. Ehrlich gesagt war ich mir auch beim dritten Kind wieder nicht ganz sicher ob die Geburt schon bevor stand…

Im Laufe des Abends wurden die Wehen aber intensiver. Ich schlich durchs Wohnzimmer, setzte mich wieder rückwärts auf unsere Holzstühle und kam wirklich gut zurecht. Irgendwann bat ich meinen Mann, den Pool aufzubauen. Der nahm mich aber irgendwie nicht so richtig ernst – ich glaub, ich sah noch zu entspannt aus ;-) Kurze Zeit später raffte er sich dann aber doch auf und fing an, das Wasser einzulassen. Bald zeigte sich, dass mein Entspannungsbad am Nachmittag die Therme etwas strapaziert hatte und es gab nur noch kaltes Wasser :-( Also hieß es für uns: Wasser kochen… Induktionsherd und Wasserkocher glühten! Gegen 23 Uhr war der Pool soweit, dass ich es ohne große Gänsehaut darin aushielt. Nach ein paar weiteren Töpfen waren wir bei 37 Grad angelangt.

Im Wasser konnte ich gut entspannen, machte mir Musik an, Kerzen brannten im Raum. Eine wirklich schöne Atmosphäre. Und jetzt wusste ich auch: Mein Baby ist gleich da :-D
Um halb eins rief ich erneut meine Hebamme an. Ich wollte sie nun hier haben. Die Wehen kamen in kurzen Abständen und waren schon intensiv. Ich kniete im Pool, den Kopf auf den Rand gestützt und versuchte, ganz ruhig zu atmen. Mein Mann neben mir. Und gerade jetzt, zu Beginn der "heißen Phase", Rufe übers Babyphone. Eins der Kinder war wach geworden. Ich hatte gehofft, dass ich sie morgens mit Ihrem Geschwisterchen überraschen könnte. Pustekuchen. Wir beschlossen, die Großeltern anzurufen, um sie abzuholen.

Unser Ältester war ganz aufgeregt, dass das Baby nun kommt und beide standen freudestrahlend vor dem Pool und wunderten sich, dass ich mitten in der Nacht im Planschbecken sitze. Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen, während einer Wehe schaute mich der Kleine aber ganz ängstlich an. Als ich kurz hochguckte und grinste war er aber beruhigt und ich erklärte ihm, dass ich Bauchschmerzen habe, weil der kleine Bruder raus möchte. Ungefähr zu dieser Zeit knackte irgendwas in meinem Bauch. Erst fühlte es sich so an, als hätte das Baby kräftig getreten, dann merkte ich aber, dass Flüssigkeit aus mir herauslief. Die Fruchtblase war wohl geplatzt.
Gefühlte fünf Minuten später standen meine Eltern schon in der Tür (ich vermute ja, dass sie die letzten Tage schon angezogen geschlafen haben, um schnell hier zu sein ;-)) und nahmen die Kinder mit. In dem Moment kam auch die Hebamme an. Nun konnte es losgehen…

Nachdem sie sich die Erlaubnis hereinzukommen geholt hatte, fragte sie nach meinem Befinden und dem bisherigen Verlauf. Sie schaute sich alles vom Tisch aus an und begann, ihre Unterlagen auszufüllen. Ich musste derweil schon ziemlich schnaufen. Die Wehen kamen nun alle zwei Minuten. Sie hörte die Herztöne des Kindes ab – alles in Ordnung. Kurze Zeit später begannen die Presswehen. "Ich muss schon pressen". Ihre Antwort fand ich so lustig: "Ja, das hast Du Dir auch verdient" :-D Recht hatte sie! Also schob ich schon vorsichtig mit, bat sie aber auch, mal nach dem Kopf zu tasten. Der war am Beckenboden. Nun musste ich das Kind hinausschieben.

Sie ermutigte mich, die Hand beim Pressen an den Kopf meines Babys zu legen, was ich auch tat. Ich schaute hoch zu meinem Mann, der vorm Pool saß und unter der Wehe seine Hand zum Festhalten zur Verfügung stellen musste – der gähnte… #gaehn Ich hatte keine Zeit, einen passenden Kommentar dazu abzugeben, denn schon rollte die nächste Wehe an. Ich konnte fühlen, wie der Kopf sich seinen Weg bahnte und ihn mit der Hand noch ein wenig bremsen. Ich versuchte nicht zu pressen, sondern langsam zu schieben und dabei langsam auszuatmen. Mit der nächsten Wehe war der Kopf schon geboren und ich ganz erstaunt. Noch ein letztes Mal schieben und der kleine Mann glitt ins Wasser. Geschafft! Ich hob ihn zu mir hoch in meinen Arm. Er war ganz ruhig und schaute mit seinen kleinen wachen Augen umher. So ein toller Moment. Wir begutachteten uns gegenseitig, ich zählte alle Finger und Zehen und staunte, wie perfekt das kleine Wesen auf meiner Brust doch war #verliebt.

Nach einer Weile schnitt mein Mann die Nabelschnur durch und ich wechselte mit etwas wackeligen Beinen aufs Sofa. Wie bei den beiden anderen stand noch die Geburt der Plazenta aus. Da ich keine Wehe mehr hatte, halfen wir mit leichtem Ziehen an der Nabelschnur etwas nach. Somit war auch das geschafft. Ich wurde noch untersucht und war, wie schon bei der zweiten Geburt, absolut heile geblieben.

Fritz • 22.3.15 • 1.45 Uhr • .3550 Gramm • 52 Zentimeter • KU 35,5 Zentimeter

Ich kann jedem nur empfehlen, sich eine kompetente Hebamme zur Hilfe zu holen. Die Vorsorge-Termine bei ihr empfand ich als so viel entspannter als beim Arzt. Außerdem wird man viel persönlicher betreut und regelrecht umsorgt, während die medizinischen Seite fast ausschließlich statistische Größen-, Längen und sonstige Werte beurteilt.

Ich wünsche jeder Frau so schöne und komplikationslose Geburten, wie ich sie erleben durfte. Leider war dies wohl die letzte ;-)

http://www.urbia.de/forum/43-geburtsberichte/3005227-tolle-hausgeburt/19022089?http://www.urbia.de/forum/43-geburtsberichte/4110936-hausgeburt-vol-ii/25899910

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Wow Was für eine tolle geburt und eine schöne kuschelzeit für euch

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Hallo Du!! Der Bericht könnte von mir sein:)) Auch drei Hausgeburten ( Junge, Mädchen, Junge) mit ähnlichen Gedankengängen vor, während und nach der Geburt!!! Mein erstes Gefühl war auch wie perfekt das kleine Wesen doch ist und eine unglaubliche Dankbarkeit dass ich drei solch tolle Hausgeburten erleben durfte.Lass es Dir gut gehen und genieße Dein Trio:)))