Unsere Marlene

Hallo liebe Mamis,

wie schon bei meinem ersten Geburtsbericht möchte ich Euch gerne auch in meinem zweiten Bericht ein bisschen an der Vorgeschichte teilhaben lassen.

Der berechnete ET war der 03.07.15. Unser Großer kam 22 Monate vorher genau am Termin zu Welt. Daher hatte ich die Hoffnung,dass unsere Kleine nicht zu weit über Termin gehen würde. Falsch gedacht.

Wir waren grade noch mitten in der Renovierung der neuen Wohnung in meinem Elternhaus. Den Umzug hatten wir zur Mitte des Monats Juli geplant, damit wir noch genügend Zeit hatten die alte Wohnung herzurichten und zu übergeben. Ich verbrachte also die letzten Wochen meiner Schwangerschaft mit nicht ganz Zweijährigem bei brütender Hitze von um die 35°C auf einer Baustelle bzw. beim Kisten packen. Wie in der ersten Schwangerschaft hatte ich mega dicke Füsse, so dass ich nur noch barfuß unterwegs war. Auf der Baustelle, beim einkaufen, einfach überall.
Alle warteten auf die bevorstehende Geburt, aber unsere Geduld wurde auf die Probe gestellt.

Ab dem 03.07.15 konnte ich zur Vorsorge im naheliegenden KH vorstellig werden. Alles war prima. Der Muttermund war 2 cm eröffnet, alles geburtsreif, Mäuschen war fit, Fruchtwasser reichlich vorhanden. Nun hieß es einfach warten.

Am 05.07. waren auf dem CTG leichte Wehen zu sehen. Die Hebamme glaubte nicht an eine Geburt bei dieser Hitze. Sie prophezeite mir, dass das Mädel sich erst auf den Weg machen würde, wenn es kälter würde.
Am 07.07. wurde ich erneut geschallt, CTG wurde geschrieben und ich wurde untersucht. Weiterhin alles toll.
Am 09.07. hat die diensthabende Hebamme eine Eipollösung vorgenommen. Mit großer Hoffnung bin ich nach Hause gefahren und sollte bereits am nächsten Morgen wieder kommen, wenn sich nicht eher was tut.
Am 10.07. war ich morgens um 9 Uhr wieder im KH und mein Mann rackerte auf der Baustelle. Die Ärztin schallte mich nach dem CTG erneut und bot mir eine Einleitung an. Ich lehnte ab. Bei der Hebamme erkundigte ich mich,ob denn nun schon ein paar Kinder auf die Welt gekommen sind, wo es doch deutlich kühler geworden ist. Sie berichtete,dass 3 Kinder heute Nacht geboren wurden, u.a. hatte eine Bekannte aus dem GVK morgens per KS nach stundenlangen Wehen entbunden. Die frischgebackene Mama hab ich dann noch besucht und ihre kleine Tochter bewundert. Ich konnte mir gar nicht vorstellen,dass ich auch bald unser 2. Wunder im Arm halten würde.
Am Abend haben wir noch mit meinen Eltern gegrillt und uns gg 20 Uhr verabschiedet. Ich rief meiner Mutter noch aus dem Autofenster zu, dass sie ihr Handy am Bett bereit halten soll.
Zuhause haben wir unseren Sohn ins Bett gebracht und wir haben noch geduscht. Ich konnte meinen Mann noch von einer Bauerneinleitung überzeugen und habe mich anschließend ganz entspannt ins Bett gelegt. Da war es so gg 22 Uhr. Um exakt 23:57 Uhr bin ich aufgewacht und hatte eine Miniwehe, die aber keine Senkwehe mehr war. Also bin ich aufgestanden um zur Toilette zu gehen und meinen Mann zu bitten ins Bett zu gehen um noch mal etwas zu schlafen. Schließlich hatte ich das Gefühl,dass es noch in der Nacht losgehen könnte. Um 00:06 Uhr hatte ich die zweite Wehe. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich im 2 Minuten Abstand Wehen. Mein Mann hat den Ernst der Lage gleich realisiert, ich dachte nicht an eine kurz bevorstehende Geburt. Er bat mich im Kreißsaal anzurufen und uns anzukündigen. Das tat ich dann auch in einer Wehenpause. Ich klang wohl noch nicht wirklich so als würde ich gleich entbinden. Daher sagte die Hebamme: " Wenn sie meinen, dass sie Geburtswehen haben, kommen sie. "
Mein Mann rief gg 00:15 Uhr meine Mutter an, die gg 00:25 Uhr da war. Zu diesem Zeitpunkt saß ich nur noch auf der Toilette. Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre ich nicht mehr gefahren, mein Mann traute sich das aber nicht zu. Im Eiltempo schaffte ich es in einer Wehenpause ins Auto. Mein Mann raste in Richtung KH. Meine Wehen kamen zu diesem Zeitpunkt schon im Abstand von 1,5 Minuten. Ankunft im KH war um 00:40 Uhr. Dem Pförtner habe ich in nicht so nettem Ton zu verstehen gegeben, dass er mit dem Rollstuhl aus dem Weg gehen soll. Und dann bin ich zum Aufzug gerannt. Mein Mann hat es grade noch mit der Tasche in den Aufzug geschafft.
Im Kreißsaal angekommen empfing mich die Hebamme noch in Straßenkleidung mit den Worten: "Haben wir grade telefoniert? Schnell,hier in Kreißsaal 1, das Kind kommt doch gleich."
Ich habe mich dann schnell ausgezogen, war noch schnell Pipi machen und dann war auch die umgezogene Hebamme wieder da um mich aufs Kreißbett zu bitten. Das ging gar nicht. Ich wollte nur noch stehen, wo mich die Hebamme dann auch untersuchte. Ich war vollständig eröffnet und spürte die Presswehen schon heranrollen. Die Ärztin kam herein und begrüßte mich freundlich. In diesem Moment fiel mir siedend heiß ein, dass ich ja Streptokokken positiv war. Und da brach die Panik los. Mir wurde im Eiltempo ein Zugang gelegt um die Antibiose durchlaufen zu lassen. Da hatte ich schon das Gefühl, dass die Geburt jetzt stockt. Ich wollte ein Schmerzmittel, was es nicht gab, da es vermutlich gar keine Zeit mehr gehabt hätte zu wirken.
Gegen 1:10 Uhr habe ich mich aufs Bett gekniet und mich ins Seil gehängt. Die Hebamme hat mich nochmal kurz untersucht und mir erklärt,dass ich mich mal auf den Rücken legen müsse und mich von rechts nach links drehen müsse. Nach 10 Minuten drehen und Presswehen rief die Ärztin den Chefarzt, während die Hebamme mir erklärte, dass unsere Tochter eine Sternenguckerin sei und deshalb nicht richtig in den Geburtskanal kommt.
Grade als der Chefarzt die Tür rein kam habe ich gemerkt, wie meine Kleine in einem Satz tiefer rutschte. Den Chefarzt habe ich böse angeranzt, dass er gleich wieder abhauen könne. Das tat er dann auch ganz schnell. (Ich bin sonst wirklich ne ganz Nette.)
Dann waren es noch 3 Presswehen und unsere Tochter war da. Ich war überwältigt. Ich bekam sie auf die Brust und wir konnten sie bestaunen. Sie sah ganz anders aus als unser Sohn. Sie hatte lange schwarze Haare und immer noch Käseschmiere.
Ich bin minimal an meinem alten Schnitt gerissen und wurde genäht, während mein Mann mit der Hebamme das Töchterlein vermaß.

Anschließend konnten wir noch 2 Stunden im Kreißsaal kuscheln und stillen.

Marlene
*11.07.15, 1:56 Uhr
54 cm, 3380 g, 35 cm Kopfumfang

Mittlerweile haben wir die ersten schlimmen Monate überstanden. Am 3. Tag nach der Geburt sind wir umgezogen. Für uns war das mega stressig und Marlene war noch dazu die ersten 4 Monate ein Schreikind, welches ich nonstop in der Trage mit mir herumschleppte. Das war schon mega anstrengend. Aber nun ist es vorbei, Marlene ist jetzt relativ entspannt, sehr weit für ihr Alter und ein fröhliches Kind.

Ich hoffe der Bericht hat euch gefallen.

schippegret

1

Ein toller Bericht , sehr schön geschrieben . Das war ja ne richtig zackige Geburt. Herzlichen Glückwunsch noch zu deine r Tochter!

3

Danke!

Ja, sie kam fast etwas zu schnell. Ich konnte mich irgendwie gar nicht von meinem Bauch verabschieden.

Wenn es nach mir ginge würde ich noch ein drittes Kind bekommen. Da spielt nur leider mein Mann nicht mit.

2

Herzlichen Glückwunsch! Das erinnert mich total an die Geburt meiner Bekannten und ihrem Sohn :) im Kreißsaal angekommen wurde der kleine mit 3 Pressezentrum geborgen. Es war für gar nichts anderes mehr zeit! Klingt schön alles liebe!

4

Danke!

5

Unsere Marlene kam am 14.7. - nicht ganz so dramatisch aber dafür 4 Wochen zu früh ;-)

6

Und wie macht sich eure Marlene so?

7

Gut, sie ist ein kleiner Still-Junkie und ich habe bei ihr zum ersten mal Zeit dieses babyjahr zu genießen!
Sie ist klein und zart im Vergleich zu den Geschwistern aber dafür ziemlich fix in der Wohnung unterwegs ;-)

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