Geburt im Geburtshaus mit ohne Hals (achtung lang)

Hallo ihr Lieben,

meine kleine Maus ist mittlerweile schon 5 Monate alt aber trotzdem möchte ich hier noch meinen Geburtsbericht los werden, weil ich zwar gerne mit gelesen habe aber sagen muss, dass mich auch die Ganze Thematik um PDA und Kaiserschnitt und Einleitung total kirre gemacht hat und das im Nachhinein betrachtet total unnötig war.

Ich habe mich für eine Geburt im Geburtshaus entschieden, und bin auch jetzt noch unglaublich froh über diese Entscheidung weil mein Verlobter und Ich eine fast reibungslose und schöne erste Geburt erleben durften, und das trotz eines kleinen Hindernisses was mich echt einige Nerven gekostet hat:

Da wir in der 34. SSW einen relativ schweren Autounfall hatten, musste ich wegen Bänderriss und Kompressionsfraktur im Halswirbelbereich eine Halskrause tragen. Wegen der Schwangerschaft konnte ich nicht gleich operiert werden, allerdings hätten die Ärzte ganz gerne die Kleine einfach eher geholt und dann operiert. Da ich aber ein sturer Bock sein kann und unbedingt spontan entbinden wollte, ist das aber nicht passiert. Im Krankenhaus riet man mir aber auch später tendenziell zu einem KS, da so ein Fall anscheinend noch nie da war und niemand so richtig wusste, ob eine Entbindung mit Halskrause überhaupt so wahnsinnig gut funktioniert und dann auch noch Geburtshaus und überhaupt und sowiso. Da ich mich schon eher für das Geburtshaus entschieden hatte, besprach ich das natürlich erstmal ausführlich mit meiner Hebamme, die darin aber kein großes Problem sah und so entschied ich mich, auch weiterhin die Geburtshaus-Schiene zu fahren.

Am 31.12. war es dann soweit, morgens in aller Frühe merkte ich die ersten Wehen, konnte aber noch ganz gut weiter schlafen, bis ich irgendwann um 7 einfach aufgestanden bin und meinem Verlobten gesagt habe, dass die Kleine heute wohl kommt. Er war irgendwie viel aufgeregter als ich, blieb zwar auf meine Anweisung noch liegen aber fragte ständig ganz lieb, ob er irgendwas für mich tun kann oder ob wir schon los müssen (eigentlich total süß) aber der Vormittag verstrich zwischen Wehen stoppen, sich ablenken, wehen wegstöhnen und später über der Toilette hängen weil mir einfach unglaublich schlecht war von den Krämpfen.

Als die Wehen dann alle 7-10 Minuten kamen, rief ich meine Hebamme an und sagte dass wir jetzt kommen weil die Wehen schon alle 4 Minuten kämen, einfach weil ich sonst nicht gewusst hätte, wie ich zum Auto hätte kommen und noch eine halbe Stunde ins GH fahren sollen. Und aus lauter Panik dass sie sagen würde es ist noch zu früh, hab ich dann etwas "toleranter" gemessen. Zum Glück, wie sich herausstellte, denn als wir dann da waren, war der MM schon 8-9cm geöffnet und es ging richtig los. In die Wanne hab ich es gar nicht mehr geschafft, ich war allgemein total entscheidungsunfreudig und mein Verlobter und die Hebamme mussten mir echt jede Entscheidung abnehmen und ich habe maximal mit Ja/Nein antworten können weil ich irgendwie geistig dann auch relativ weit weg war. An dieser Stelle muss ich aber nochmal ein Lob an meine Begleitung aussprechen, denn obwohl er den Partnerabend des Geburtsvorbereitungskurses mit mäßigem Interesse verfolgte, hat er seine Sache echt von Anfang bis Ende super gemacht, mitgedacht, war immer da und war echt eine große Hilfe für mich.

Meine Hebamme sagte mir in einer relativ heftigen Wehe dann mal "ach du Arme, du tust mir ja schon leid mit deiner Halskrause" und ich habe nur total entkräftet geantwortet "die Krause ist gerade mein kleinstes Problem" was sie wohl relativ witzig fand, was aber die Gesamtsituation auch ganz treffend beschrieb.

Aber ich schweife ab: nachdem meine Fruchtblase in der Austreibungsphase immer noch nicht platzen wollte, half die Hebamme nach (was für ein seltsames Gefühl wenn die dann platzt!) und ab da ging alles recht zügig und meines Erachtens auch entspannter vonstatten, da die Wehen dann nicht mehr so unvorhersehbar und übermannend waren sondern von mir recht gut kontrolliert werden konnten (Und außerdem war ich nicht mehr so hilflos, weil ich endlich pressen konnte) und dann war es 14:47 Uhr endlich soweit, unsere Tochter kam mit 3450g und 53 cm auf die Welt geplumpst (irgendwie kam sie so schnell, dass die Hebamme sie nichtmal aufgefangen hat sondern sie einfach aufs Bett gefallen ist).

Da die Nabelschnur so kurz war, durfte der stolze Papa sogar die Nabelschnur durchschneiden und war darüber glaube ich echt froh. Ich wurde später noch genäht. Dazu muss ich noch sagen, dass ich vorher total angst vor einem Riss (oder halt Dammschnitt) hatte, aber unter der Geburt habe ich das überhaupt nicht gemerkt. Nur das Nähen war echt unangenehm. Ich hatte das Gefühl, dass die Betäubungscreme nicht oder kaum gewirkt hat und dann, nachdem alles so gut geklappt hatte (ich habe ja nichts gesehen wegen meinem Hals) hörte ich nur ein "oh" und ein "es ist jetzt wichtig dass du dich nicht bewegst, bleib ganz entspannt" -die Hebamme hatte einfach mal die Nadel beim Nähen verloren und die steckte dann erstmal irgendwie in mir drin. Heißt, die Hebamme hat die Nadel gesucht und der Papa hat geistesgegenwärtig einfach den ganzen großen Standstrahler genommen und ihr Licht gemacht. Das war nicht ganz so toll #aerger aber ist zum Glück noch gut gegangen und ist immer wieder eine lustige Anekdote.

Aber alles in Allem hatte ich wirklich eine tolle Geburt und bin unglaublich glücklich, mich gegen den empfohlenen KS entschieden zu haben und es zusammen mit der Kleinen zu schaffen.
Bis zur Geburt waren wir nur knappe 3h im Geburtshaus und schon 2,5h später nach dem Waschen, einem Teller Suppe und vielen Fotos ging es ab nach Hause.

Eigentlich habe ich jetzt schon viel zu viel geschrieben, aber ich wollte an dieser Stelle nochmal alle ermutigen, die über ein Geburtshaus nachdenken aber noch nicht so ganz wissen, ob sie es wirklich machen sollen. Es war wirklich super entspannt, die Atmosphäre ist wirklich top und ich muss sagen, dass ich wirklich keine PDA oder ständiges CTG gebraucht habe und echt gut ohne Schmerzmittel zurecht gekommen bin. Bei mir gab es natürlich auch keine Auffälligkeiten in der SS, aber ich fand diese Natürlichkeit der Geburt ohne Kabel und Katheter und wehenfördernde Mittel wirklich super. Immer wenn ich von meiner Entscheidung, im Geburtshaus zu entbinden, erzählt habe; haben die Leute gesagt "oh mutig" oder "oh wirklich? bist du sicher?" und ich finde das wirklich furchtbar und schade, dass das Geburtshaus immer noch als fast schon gefährlich angesehen wird, obwohl Hebammen sehr gut wissen, was sie da tun! Und die Regel "am besten nur als zweitgebärende ins GH" ist in meinen Augen auch Blödsinn, denn bei mir war es auch die erste Geburt. Habt einfach Vertrauen in euren Körper, die eigenen Fähigkeiten und Mutter Natur *Moralapostel Abgang* #winke ;-)

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hallo,

Glückwunsch, auch wenn es schon eine Weile her ist.
Ich habe alle meine 3 Kinder im Geburtshause bekommen und wenn ich noch welche bekommen würde (was nicht der Fall ist) würde ich immer wieder ins Geburtshaus gehen.

floe

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Schöner Geburtsbericht. Wir waren auch beim ersten Kind im Geburtshaus und ich würde auch immer sagen: "Ja, gerade beim ersten Kind!!!"

Jetzt beim zweiten wollen wir zu Hause bleiben.