"Gleich hast du dein Baby im Arm!"

Hallo liebe Mit- und Baldmamis,

Ich möchte euch von meiner ersten Geburt erzählen, während das Geschehen noch frisch in meinem Kopf ist und ich auf dieses zauberhafte Wesen neben mir gucke.
Die Geburtsberichte haben mir immer sehr viel Mut gegeben und mich auf das Kommende vorbereitet, vielleicht kann ich das mit meinem Bericht weiterführen. :)

Der,... Seeeeeehr lang ist. Sorry! ;9

ET unserer Maus wäre eigentlich Mittwoch, der 29.6. gewesen. Am Freitag den 24.6. hatte ich nochmal einen Termin beim Gyn, bei dem ungelogen 25min vergeblich versucht wurde, den Herzschlag der Kleinen für ein CTG zu finden.
Mein Gyn hat das ganze dann abgebrochen und ein letztes Mal geschallt. Das Köpfchen war endlich fest im Becken, viel Fruchtwasser habe sie nicht mehr und seine Gewichtschätzung lag bei 3250g.

Kann also jederzeit losgehen, aber auch über Termin gehen. Auf jeden Fall machten wir noch einen letzten Termin fürs CTG aus, am ET am Mittwoch um 15 Uhr und mit einem Augenzwinkern meinte er noch "wenn Sie es nicht mehr brauchen sollten, rufen Sie halt an.".

Samstag haben mein Mann und ich dann noch einen letzten Großeinkauf fürs Wochenbett gemacht.
Ich stand den Abend entspannt in der Küche und hab Essen für den Froster vorgekocht, absolut keine Geburtsanzeichen.

Dafür war der Sonntag nach dem Aufstehen direkt spannend. Mein Mann musste mir aus dem Bett helfen, weil mein Rücken Dank der vollen Blase unheimlich weh tat und ich mir vorkam, wie ein Käfer der auf dem Rücken liegt.
Nach der Toilette sah ich dann etwas im Wasser und auf dem Papier, was wie die ersten Teile des Schleimpfropfens aussah. Und schwups, hatte ich meine ersten fühlbaren Wehen der Schwangerschaft, direkt schön regelmäßig im 15min Takt, etwa eine Minute lang. Und direkt so stark, dass ich sie verlaufen musste.

Wir sind trotzdem noch auf ein letztes Mal zu zweit zum Mittagsessen in die Stadt gewandert und als wir saßen, wurden die Abstände wieder länger. Schade, aber mal ein Auge draufhalten.
Wieder zuhause angekommen, wurde ich auf den Pezziball platziert um mich bei den Wehen bewegen zu können, während Fußball lief.
- mein Mann war seeeehr dankbar, dass ich die Wette seiner Kollegen, wir würden 10min vor Beginn des Spieles ins KH fahren, nicht wahr gemacht habe.

Die Wehen haben sich dann relativ schnell verlaufen und um 23 Uhr sind wir ins Bett.

Mein Mann hat sich noch, wie sich im Endeffekt rausgestellt hat, eine Galgenmütze Schlaf geholt, ich bin nach Unruhe und 30min Nickerchen Montags Nachts um 2:05 Uhr wieder aus dem Bett.

Ganz dringend Pipi und die Wehen waren wieder da, noch stärker als am Sonntag!
Auf der Toilette musste ich die erste bereits veratmen und feststellen, dass der Schleimpfropf vollständig abgegangen war.

Ich lief dann bis 3:40 Uhr mit meiner Wehen-App und regelmäßigen Wehen im 10 Minutentakt durch die Wohnung, schnaubend und die letzten leicht vertönend.

Um 3:40 hab ich meinen Mann geweckt, dass er mir ne Wanne einlässt, ich wollte gucken ob sich etwas verändert (und bin zu klein um die Temperatur des Boilers zu ändern).
Ab dem Moment in dem ich im Wasser lag, wurden die Abstände immer kürzer, zuerst 8, dann 6, dann 4 Minuten und mein Mann packte meine letzten Sachen in die Kliniktasche. Es war klar, dass es heute endlich losgeht!

Während mein Mann noch duschte und sich frisch machte, telefonierte ich um 4:21 Uhr mit dem Kreißsaal um mich anzukündigen, Anmeldung war, da wir keine Komplikationen hatten, vom KH nicht erwartet gewesen.
Nur machte mich die Hebamme am Telefon stutzig.

"Können sie während der Wehen noch sprechen oder etwas machen? Wenn ja, bleiben sie noch zuhause und beobachten sie noch etwas!"

Ich meinte zwar dass ich schon laut vertönen müsste, aber da die Schmerzen eher im Rücken waren und ich nur nen minimalen Druck nach unten verspürte, meinte ich, wir würden es nochmal 45min bis ne Stunde beobachten.

Direkt nach dem Gespräch gingen dann die Abstände auf 2einhalb Minuten runter und wurden immer heftiger, mein Mann drängte mich das Taxi zu rufen, aber ich wollte die 60min aussitzen um ganz sicher zu sein.
Die Hebi hatte mich wirklich sehr verunsichert.

Um Punkt 5:21 rief mein Mann dann nochmal den Kreißsaal an, meinte wir sind auf 2,5min runter und kommen jetzt. Danach das Taxi gerufen und ab vors Haus.

Auf der kurzen Fahrt (etwa 10min) wurden die Abstände wieder etwas länger, aber im KH angekommen wurde nach der Urinprobe ein CTG begonnen.

Die Hebi war zwar freundlich, aber ich hatte nicht das Gefühl ernstgenommen zu werden, ich kann's nicht erklären.
Um 5:39 fing das CTG an und sollte eine halbe Stunde dauern. Um 6:15 kam sie wieder und meinte kurz, das muss noch etwas länger und so blieb ich weitere 20min an den Monitor "gefesselt" und musste zwecks der kurzen Kabel über eine Stunde auf Ort und Fleck meine Wehen vertönen.

Ich war fertig mit der Welt, mein Mann jetzt bereits hilflos aber bemüht mir trotzdem zu helfen und wenn's nur gutes Zureden und Getränkeholen war.

Um 6:35 hat uns dann die Ärztin zum Aufnahmegeplänkel geholt, Ultraschall wurde gemacht und Zugang in die Hand gelegt (der brannte!!! AUA!!!).
Mit kurzer Unterbrechung durch Abruf der Ärztin, waren wir um 6:55 Uhr fertig und sie hat uns nochmal in den CTG-Raum geschickt, die Hebi würde gleich kommen, noch eine halbe Stunde CTG schreiben und dann könnten wir den Kreißsaal beziehen.

Das wollte ich unbedingt so schnell wie möglich schaffen, denn ich wollte in die Wanne, die in jedem unserer Kreißsäle steht, das hatte mir zuhause so gut getan.
Aber Pustekuchen, die Hebi kam nicht. Ich lief zwar endlich im CTG Raum auf und ab, aber ich wurde auch richtig grantig, weil mein Mann meinte, dass sie vorne im Stationszimmer stünde und sich mit einer Kollegin unterhalten würde.

Als mein Mann sie auf das CTG ansprach, kam nur ein "Ich bin gleich da.".

Sie kam aber nicht mehr und als ich um 7:31 Uhr immernoch ohne CTG rumwanderte, herrschte ich meinen Mann an, er solle sie jetzt sofort holen, mein Vertönen ging langsam in Schreie über und ich wollte nur noch in die Wanne.
Da platzte mir die Fruchtblase und ich konnte grad noch auf unser mitgebrachtes Handtuch hopsen, um keine Sauerei zu machen.

"Sag ihr meine Blase ist geplatzt!!!"
"Sie sagt sie kommt gleich!"

Sie kam ungelogen um 7:44 herein um zu sagen dass sie Feierabend hat und die neue Kollegin gleich käme.

"Vielleicht sehen wir uns ja heute Nacht nochmal."

Da konnte ich ihr nur noch entgeistert hinterherstarren wie sie den Kreißsaal verließ und ich in mittlerweile eiskalten und durchweichten Hosen auf meinem Handtuch stand.

Um kurz vor 8 kam dann die neue Hebi, hat sich vorgestellt, uns gefragt wie es uns geht und mich eeeendlich in den Kreißsaal gebracht, ohne vorheriges CTG.

"So wie du durch den Saal hallst, brauchen wir keines mehr, armes Mäuschen. Aber gut machst du das."

Balsam für meine Seele!!
Im Kreissaal hat sie mir aus meinen Sachen geholfen, in mein bequemes Shirt und eine fesche Netzhose mit Einlage für das nachwuppende Fruchtwasser.

Sie musste leider direkt zur nächsten Gebährenden, aber ich sollte mich am Tisch festhalten und während der Wehen die Hüften kreisen lassen.
Als sie wieder kam, habe ich mittlerweile am ganzen Leib gezittert und sie half mir auf das Bett in Seitenlage.
Immer wieder betonte sie wie toll ich das mit dem Vertönen und Atmen machen würde, aber ich schämte mich so, dass ich mittlerweile röhrte wie ein brünftiger Elch. Ich war das absolute Klischee, alle anderen Damen im Kreißsaal waren kaum zu hören.

Sie tastete meinen Mumu und meinte, wir währen leider erst bei 2cm, aber sie würde mir etwas Buscopan in meinen Tropf geben um den Mumu zu entkrampfen.
Kurz vorher hatte ich mich übergeben müssen und der Tropf war notwendig.

Das Buscopan half tatsächlich relativ gut, die Wehen waren immernoch hochfrequent und grausig in meinem Rücken, aber ich konnte mich in den kurzen Pausen zumindest wieder mit meinem Mann unterhalten, der mir die zitternden Beine streichelte und mir zu Trinken gab.

Ich sagte ihm bestimmt tausendmal wie leid es mir tut, dass ich so rumbrülle und ich dankbar und stolz auf ihn bin, dass er hier ist und mich erträgt.

Er war zwar blass um die Nase, aber meinte er steht das durch und ist für mich da. :)

Da in dem Saal keine Uhr war, wusste ich nicht wieviel Zeit vergangen war, aber als der Druck auf mein Steißbein langsam zunahm und ich nochmal Pipi musste, bat ich meinen Mann die Hebi zu holen.
Zusammen halfen sie mir auf die Toilette und danach untersuchte sie erneut meinen Mumu.

"Das ist der Wahnsinn, er ist ganz weit offen, schon 7 bis 8cm, bald hast du es geschafft! Einfach weiter so lange ausatmen und dann hast du deine Kleine noch heute Vormittag im Arm."

Ich sagte ihr, dass ich langsam Pressdruck auf den Steiß merke, was und wie lange ich noch aushalten sollte. Ich dürfe ja noch nicht pressen, solange der Mumu nicht vollständig offen wäre.
Sie meinte dann, dass ich dem Druck jederzeit nachgeben sollte, es wären eh nur kurze Pressintervalle, als hätte man Magendarm. Das wäre okay und sie kommt in 10min wieder.

Das war sie auch und während ich die letzten kurzen Presser machte schrie ich, dass ich jetzt das Gefühl habe groß zu müssen, die Presswehen würden anfangen!

Sie untersuchte erneut und meinte der Mumu ist in der Tat ganz weg, aber das Köpfchen noch etwas weit oben.
Ich schlug den Vierfüßlerstand an, weil ich nicht im Liegen gebähren wollte und sie half mir mit meinem Mann auf alle 4.

"Jetzt presst du mit Allem was du hast und dann hast du gleich dein Baby im Arm!"

In dem Moment hab ich angefangen vor Emotionen zu weinen und meinem Mann zu sagen dass wir sie gleich dahaben. Gleich gleich gleich!

Und endlich konnte ich pressen und etwas tun!

Der Wechsel von Austreibungswehe zu Presswehe ist wirklich ein Wunder und es war sooo ein "gutes" Gefühl, ich habe es fast genossen!

Mit dem Kinn zur Brust habe ich drei Presswehen lang alles gegeben, ich konnte spüren wie das Köpfchen langsam runterrutscht und dann das erste Dehnen im Damm.

Das habe ich der Hebi gesagt und sie schaute sofort nach. Sie konnte das Köpfchen schon rausspitzen sehen und fühlte am Damm entlang, meinte aber plötzlich ich solle wieder in die Seitenlage, sie käme sonst zu schnell.
Also wieder zurück und mein Mann und ich haben meinen Oberschenkel gehalten, während die Hebi mich anfeuerte alles zu geben.
Im Liegen war es leider nicht mehr so einfach zu pressen, weswegen es nochmal 3 Wehen dauerte, ehe das Köpfchen endlich geboren war.

In meiner Erschöpfung dachte ich irgendwie, dass ich damit schon fertig wäre und wimmerte verwirrt, als sie mich zu einem letzten Pressen aufforderte.
Da kam dann der Rest unserer Prinzessin zur Welt, zusammen mit ihrem ersten Schrei und dem Schluchzen meines Mannes.

Vor Glück schlug ich die Arme vor die Augen und konnte sie erst gar nicht ansehen, ich wollte dass mein Mann sie zuerst sieht und als sie mir auf die Brust gelegt wurde, war das einfach unbeschreiblich.

Diesen Moment werde ich nie vergessen

Wir haben sofort gefragt ob wir wirklich eine Tochter haben und auf das Ja der Hebi haben wir sie mit Küssen und ihrem Namen begrüßt.

Lilo hat am 27.6. um 10:07 Uhr das Licht der Welt erblickt und ich war somit knappe 4,5 Stunden im Kreißsaal.
Sie kam ohne Käseschmiere und komplett unzerknautscht auf die Welt, laut Hebi "auf den Punkt wie ein perfektes Steak!"

Nachdem die Nabelschnur auspulsiert war und die Hebi sie durchtrennt hatte (mein Mann war dazu nicht in der Lage) meinte die sie während der Erstuntersuchung, sie hätte selten so eine Bilderbuchgeburt erlebt.

Ich hatte den Sprung von 2 auf 7 bis 8cm Muttermund in weniger als 1,5h geschafft und wirklich klasse mitgearbeitet und ihr umgehend gesagt, wenn sich etwas in den Wehen ändert.

Sie fragte mich dann tatsächlich ob ich aus dem medizinischen Bereich komme, weil ich auf meinen steigenden Pressdrang und dass ihr Köpfchen am Damm ist, hingewiesen habe.

Bin ich nicht, hat mich aber ein bisschen stolz gemacht. ;)

Die Nachgeburt kam innerhalb weniger Minuten und ich musste trotz der schnellen Geburt nicht genäht werden, ich habe lediglich ein paar Abschürfungen in der Scheide und an den Schamlippen.
Brennen tut das aber auch ordentlich. D:

Schließlich durften wir nebenan in Ruhe kuscheln und uns kennenlernen, ein Glas Chamapgner trinken und das Anlegen und Stillen klappte auch direkt im Anschluss.

Und jetzt liegt mein kleines Wunder neben mir im Bett, frisch gestillt und guckt mich aus ihren dunkelblauen Äuglein an.

Auf nichts in meinem Leben bin ich so stolz, wie auf unser kleines, perfektes Würmchen.
- Trotzdem wird sie erstmal Einzelkind bleiben! ;P

Lilo
52cm groß
3200g Gewicht
33cm Kopfumfang

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Herzlich Glückwunsch :-)
Ein sehr schöner Bericht, hat sich toll gelesen :-)

LG fanti

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Haaaach.. ich liebe Geburtsberichte ja über alles aber Deiner war mal was ganz besonderes #verliebt Hatte richtig Gänsehaut zum Schluss. Meinen Glückwunsch zum "perfekten Steak" (Deine Hebi ist absolute Weltklasse #rofl ) alias Lilo #herzlich