Meine zweite Entbindung und das lange Warten ;-)

    • (1) 12.08.18 - 09:33

      Nach gut drei Monaten schaffe ich es auch, einen Geburtsbericht zu meiner zweiten Entbindung zu schreiben. Wie bei meinem ersten Kind habe ich diesen quasi an das Kind gerichtet, also nicht wundern ;-)

      Die Schwangerschaft mit dir verlief komplikationslos. Abgesehen von Schmerzen beim Laufen ungefähr in der 20. Woche, die sich aber wieder besserten, und den Problemen gegen Ende durch den dicken Bauch ging es mit gut. Hier und da ein wenig Schlafprobleme, mal wieder Krampfadern und die leichte Übelkeit in den ersten Wochen… viel mehr war es nicht. Auch dir ging es blendend, die Ärztin war immer sehr zufrieden mit deiner Entwicklung. Schon früh zeichnete sich ab, dass du wohl groß und schwer wirst…
      Ausgerechnet war dein Entbindungstermin auf den 28.04.18, genau der gleiche Tag wie bei deiner Schwester 5 Jahre zuvor! Die ließ sich damals lange bitten und ist erst 10 Tage später zur Welt gekommen. Natürlich habe ich gehofft, dass du eins, zwei Wochen früher kommst, damit der Abstand zwischen euch etwas größer wäre.
      Die letzten Wochen waren anstrengend. Ich ging bis Ende April arbeiten, es wurde draußen immer wärmer und die allgemeine Ungeduld war auch nicht förderlich für mein Wohlbefinden. Ich hatte immer wieder mal leichte Schmerzen im Bauch und bei jedem Kontrolltermin hoffte ich, dass sich am Muttermund irgendwas getan hat. Aber nix. Schließlich kam der 28.4. und es tat sich – nichts! Ich musste nun alle 2 Tage zur Kontrolle und freitags sagte die Ärztin, dass ich mit dem KH über eine Einleitung sprechen sollte… Sonntags (06.05.) war ich dann zum CTG im KH, alles wieder bestens, Wehen minimal und nur 2 Stück. Ich sollte noch zur diensthabenden Ärztin wegen der weiteren Planung. Hier wurde noch Ultraschall gemacht und deine Versorgung kontrolliert - auch wieder alles prima, genug Fruchtwasser war auch da. Die Ärztin wollte gerne am nächsten Tag einleiten (einfach weil es üblich war und du auf 4200g geschätzt wurdest). Da es dir aber gut ging habe ich dies abgelehnt, auch mit der Begründung, dass Dienstags der 5. Geburtstag deiner Schwester anstand und ich diesen gerne feiern wollte. Ich sollte dann mittwochs zur weiteren Besprechung in die gyn. Ambulanz kommen. Ok!
      Die nächsten Tage waren ruhig, ab und zu mal eine leichte Wehe, aber gerade dienstags ging es mit so gut wie schon lange nicht mehr.
      Mittwochs im KH (ET+11) war der Oberarzt auch noch sehr zufrieden mit dir und deiner Versorgung, hat aber empfohlen, zeitnah einzuleiten, damit es nicht doch irgendwann zu kritisch wird. Gut, wir wollten am Donnerstagmorgen dann wieder kommen zur Einleitung. Ich war etwas traurig, schließlich hatte ich mir gewünscht, dass ich diesmal spontan anfange und um eine Einleitung herum komme. Zu Hause haben Papa und ich noch eine Kleinigkeit essen wollen und hatten spontan noch etwas Erwachsenenspaß ;-)
      Im Laufe des Nachmittags habe ich immer stärkere Schmerzen Richtung Muttermund bekommen und hatte leicht rosa Ausfluss. Ich schob dies auf die morgens durchgeführte Untersuchung. Dein Papa wurde irgendwann unsicher und auch ich habe angefangen mir Sorgen zu machen, wieso ich diesen unglaublichen Druckschmerz am Muttermund hatte. Also habe ich im Kreißsaal angerufen. Passenderweise hatte meine Nachsorgehebamme Dienst und meinte, nachdem sie mir kurz beim Veratmen der Schmerzen zugehört hatte, ich solle besser vorbei kommen. Ich habe dann deiner Oma Bescheid gesagt, damit sie sich um deine Schwester kümmern kann und dein Papa ist noch schnell tanken gefahren. In der Zwischenzeit wollte ich zur Sicherheit die Tasche für die Klinik fertig packen, aber dazu kam ich nicht mehr. Mit Socken in der Hand stand ich in der Küche als mir die Fruchtblase geplatzt ist (17:40 Uhr). Also schnell nebenan ins Bad und erst mal auf Toilette. Da ich angefangen habe zu lachen (vor Freude, dass es doch spontan los geht) kam deine Schwester aus dem Wohnzimmer und wollte wissen, was los ist  Beim Blick in die Toilette verging mir jedoch das Lachen, da dort alles voller Blut war! Also habe ich mir von der Großen das Handy bringen lassen um im Kreißsaal anzurufen und sie wieder vors TV geschickt. Die Hebamme bat mich, bitte mit dem RTW zu kommen wegen dem Blut, nur zur Sicherheit. Nun wurde ich doch nervös! Erst kam dein Papa nach Hause, dann deine Oma (die ist mit deiner Schwester dann schnell nach oben) und dann endlich der RTW. Unterwegs habe ich dich schon wieder strampeln gespürt, so dass ich meine Sorgen dann weniger wurden und ich mit dem Notarzt noch scherzen konnte. Dann fing auch wieder dieser gemeine Schmerz am Muttermund an und endlich begriff ich, dass dies Wehen waren! Als ich in den Kreißsaal gerollt wurde stand schon ein OP-Team bereit (das habe ich allerdings erst im Nachgang realisiert, dass die für mich waren) und die Ärztin machte schnell einen Ultraschall. Entwarnung, alles bestens mit dir und der Plazenta, es konnte also ganz entspannt weiter gehen.
      Die Hebamme half mir erst mal aus den nassen Sachen und legte ein CTG an. Danach untersuchte sie mich (2cm) und auch dein Papa traf endlich ein. Mir ging es in den Wehenpausen gut, ich konnte scherzen und laufen und war fest entschlossen, dass wir eine entspannte Geburt haben werden. Nach kurzer Zeit wurden die Wehenschmerzen stärker, ließen sich aber im Vierfüßler auf dem Bett oder auch vor dem Bett aushalten. Gemein wurde es nur im sitzen, weswegen ich mich dann doch gegen den Einlauf entschieden habe. Der sollte eigentlich helfen, die Wehen etwas regelmäßiger zu machen, aber der Gedanke, bei den Wehen auf Toilette zu müssen war zu viel. Also bekam ich ein homöopathisches Pulver stattdessen. Gegen 21 Uhr war der Muttermund bei 5-6 cm. Juhu, das lief doch ganz gut. Auch die Hebamme war sehr zufrieden. Ich wehte also weiter vor mich hin, zwischendurch hatte ich mal einen Buscopantropf anhängen, aber sonst nichts. Das CTG war kabellos, so konnte ich weiter turnen. Die Wehen kamen mittlerweile sehr regelmäßig und taten ordentlich weh. Nach dem Schichtwechsel untersuchte mich gegen 0 Uhr die nächste Hebamme (die ich schon vom Sonntags-CTG kannte  ) und stellte leider fest, dass mein Muttermund wieder zu ging. Nur noch 4 cm! Ich war total demotiviert und wusste nicht, wie ich weiter machen konnte. Solange der Schmerz produktiv war konnte ich damit umgehen, aber dieser Rückschlag hat mich fertig gemacht. Hebamme Martina schlug eine PDA vor, damit ich nicht so sehr verkrampfte unter den Wehen. Ich wollte nicht, hatte zu große Angst, dass es genauso wird wie bei deiner Schwester, dass es dadurch nur ewig dauert, ich am Wehentropf hänge und schlussendlich nur knapp dem Kaiserschnitt entgehe. Alternativ hätte ich nochmal Buscopan bekommen, aber so richtig überzeugt war sie nicht, dass dies hilft. Nach einer halben Stunde voller Schmerzen und Verzweiflung wollte ich doch eine PDA, ich wusste, dass ich so nicht weiter komme, habe selbst gemerkt, dass von der Gelassenheit der letzten Stunden nichts mehr da war. Wir einigten uns auf eine Walking-PDA, damit wirklich nur die Schmerzspitzen weg blieben und ich aber noch möglichst mobil war und viel mitarbeiten konnte. Der Anästhesist kam, dein Papa musste raus und ich sollte mich setzen… Der pure Horror, es tat wirklich weh. Ich hing an meinem besten Freund, dem Tuch und hoffte, dass es schnell geht. Ging es auch, der Arzt war super. Er blieb noch eine Weile, um mich zu überwachen und ich merkte, dass es half. Ich spürte noch sehr viel, aber ich konnte mich unterhalten, trotz Wehen! Dein Papa hat dann ein bisschen geschlafen und ich habe mich entspannt so gut es ging. Mein Oberkörper hat wegen der leichten Betäubung soooo gekribbelt, echt eklig, vor allem unter dem CTG-Strumpf. Gegen 2 Uhr (eine Stunde nach der PDA) die nächste Untersuchung, Mumu 8-9cm geöffnet! Ich war soooo froh. Die Hebamme auch ;-) Ein Saum wollte aber einfach nicht weichen, also massierte die Hebamme diesen mit dem Finger weg. Gar nicht schön, das tat echt weh. Aber wir wollten ja irgendwie weiter kommen. Ich rutschte im Bett hin und her, krallte mich ans Tuch, an deinen Papa oder an den Bettseiten fest und hoffte, dass es bald geschafft ist. Irgendwann hat die Hebamme lächelnd gemeint, sie ruft jetzt die Ärztin an. Da wusste ich, dass es gut läuft, dass es fast vorbei ist und nun die heiße Phase beginnt. Ich merkte, wie der Pressdrang kam, schrie und drückte immer schon mit, wobei mir jedes Mal übel wurde. Ich sollte die Beine hochziehen, hatte aber keine Kraft, also drückte ich ein Bein in die Seite der Hebamme, das andere war auf einer Stütze am Bett und später in der Seite der Ärztin. Ich bekam kaum Luft beim Pressen und dachte, du kommst nie dort raus! In einer kurzen Verschnaufpause durfte ich deine Haare fühlen, die schon zu sehen waren. Dann sah ich den Blick zwischen Ärztin und Hebamme und wusste, jetzt wird geschnitten… War mir auch egal, hauptsache du kommst dort raus ;-) Und wirklich, dieser kleiner Schnitt (direkt an der alten Narbe vom letzten Mal, sie drohte zu reißen und deswegen wurde ein wenig nachgeholfen) hat endlich gereicht, um deinen Kopf zu befreien. Was für eine Erleichterung! Ich durfte dich streicheln, dein Ohr fühlen und war einfach nur glücklich, denn dieser Moment hat mir bei der ersten Entbindung gefehlt. Bei der nächsten Presswehe kam dann der Rest von dir und ich durfte dich um 3:59 Uhr endlich kennenlernen. Nach einem kurzen Schrei hast du entspannt auf mir gelegen und Papa und ich haben dich nur angestaunt. Leicht zerknautscht, mit ganz vielen dunklen Haaren und bildhübsch.
      Die Plazenta kam recht zügig und problemlos und dann wurde ich noch genäht. Das hat etwas gedauert, da neben dem kleinen seitlichen Schnitt noch ein senkrechter Riss vorhanden war. Aber dank einer lokalen Betäubung war dies dann auch kein Problem mehr.
      Wir haben lange in Ruhe gekuschelt und die ersten Stillversuche unternommen. Anschließend wurden wir beide gesäubert und angezogen und durften auf unser Zimmer.

      Hier die Eckdaten:
      Geboren am 10.05.18 um 3:59 Uhr (ET+12)
      55cm
      37cm KU
      3820g

Top Diskussionen anzeigen