Was lange währt wird endlich gut...

    • (1) 26.11.18 - 10:52

      Unsere Maus ist jetzt schon 4 Monate alt… da möchte ich auch mal von ihrer Geburt berichten – und kurz von den Tagen davor. Es könnte was länger werden…

      Wir haben uns in der Schwangerschaft NICHT sagen lassen, ob wir einen Jungen oder ein Mädchen bekommen.
      In der Schwangerschaft hat sich bei mir eine Schwangerschaftsdiabetes und ein Bluthochdruck entwickelt. Beides gut im Griff, aber doch soweit, dass beim Geburtsplanungsgespräch 4 Wochen vor ET festgelegt wurde, dass ich bei ET+3 (einem Dienstag) spätestens ins Krankenhaus gehen soll.

      Aufgrund meiner Wirbelsäulenprobleme (Bandscheiben-OP aufgrund von Lähmungen) haben wir für die Geburt bei einem geschätzten „Brocken“ auch den Kaiserschnitt (Neffen sind alle mit 4.400 gr und mehr und einem KU von 36+ zur Welt gekommen) nicht ausgeschlossen – Wunsch war jedoch spontan.

      Gut, bis zum ET war alles ruhig (komplett ruhig) und ich konnte auf dem ET noch ein Richtfest besuchen (schon doof, „Wann haste Termin?“ „Heute…“).
      Bei ET+2 hatte ich meinen letzten Vorsorgetermin bei meinem Gyn. Das CTG war nach wie vor ruhig. Aber der Blutdruck war so hoch, dass ich gut 12 Stunden eher wie geplant ins KH bin.
      Seine Schätzung beim US – etwa 55 cm, 3700 gr.

      Ca. 1,5 Std. später im Kreißsaal wieder CTG (weiterhin absolute Ruhe) und US (mal eben 500 gr. Schwerer geschätzt…) wurde beschlossen, stationäre Aufnahme, Einleitung ab dem folgenden Tag und dreimal täglich CTG, Blutdruckmessungen, Besuche der Ernährungsberaterin „Keine Sorge nakeki, der Kleine ist am WE bestimmt schon da“. Es folgte über eine Woche ein Einleitungsmarathon. Ich fühlte mich als Versuchskaninchen und dieses hin und her hat mich psychisch echt fertig gemacht. Könnte hier Seitenweise schreiben… Ende vom Lied, bei ET+10 wollte ich nix mehr von Homöopathie hören und es wurde morgens eine ½ Tablette vor den MuMu gelegt (genau wie meiner aktuellen Zimmernachbarin, Nr. 4 in der Zeit meines KH-Aufenthaltes). Wehen im 5 Minuten-Abstand. Den ganzen Tag. Bei mir! Mittags bin ich wieder zum CTG gerufen worden, jaaa, Wehen waren auf dem CTG erkennbar, MuMu und GMH da tat sich leicht was, noch eine ½ Tablette „Heute kommt der Kleine!“ lt. Hebamme… Ich zurück aufs Zimmer, Zimmernachbarin war nicht da – zwischenzeitlich auch zum CTG gerufen. Noch ne Stunde später geht die Tür auf, ihr Mann kommt rein und holt das Bett „Es geht los“. Naja, wie ich mich in dem Moment gefühlt habe. Nur soviel – bei ET+10 habe ich nicht entbunden.

      Beim abendlichen CTG habe ich noch mit der Assistenzärztin sprechen können (da die Hebammen alle Geburten betreut haben, hat sie das CTG durchgeführt). Da bin ich psychisch zusammengebrochen und habe geheult wie ein Schlosshund. „Ich mag nicht mehr, ich kann nicht mehr. Vor 8 Tagen wurde das Kleine schon so groß geschätzt, was hat es jetzt. Jeden Tag die Hoffnung, kommt es oder kommt es nicht. Ich weiß schon garnicht mehr, woher ich die Kraft für die Geburt nehmen soll. Dazu die Temperaturen und und und…. – am liebsten hätte ich jetzt einen Kaiserschnitt. Dann wäre das Kleine schnell da und ich muss nicht mehr warten“ Ich konnte einfach absolut nicht mehr. Besuchen durften mich sowieso nur mein Mann und meine Mutter.
      Was meinte die Ärztin da, „Wenn sich morgen nix tut bei Ihnen, sind sie ein Notfall. Der OP-Plan ist so voll, wir können keinen geplanten KS mehr dazwischen schieben, aber Notfälle gehen immer.“ Diese Ärztin wusste auch um meine Depressionen die ich in der Vergangenheit hatte.

      Am nächsten Tag war mein Mann um 7 Uhr im KH – er ist mit mir zum CTG. Dort war wieder mal alles ruhig – als wäre ich zu keinen eigenen Wehen fähig hatte ich das Gefühl. Haben auch gesagt, wir wollen nochmal mit einer der Ärztinnen sprechen, wie es jetzt weitergeht „Hm, ist gerade noch keine hier, wir melden uns gleich!“

      Zurück auf dem Zimmer mochte ich nicht frühstücken – wer weiß, was kommt. Da ging auch das Telefon wir sollen nochmal zum Kreißsaal, die Oberärztin ist da. Mit ihr in den Untersuchungsraum, meinte sie, sie wolle mich jetzt erstmal untersuchen. Also hingelegt, Mumu war bei 2 cm Gebärmutterhals war immernoch fast voll da. „Soll ich nochmal die Eipol-Lösung machen?“ Wenn es denn noch hilft…

      Leicht diabolisches Grinsen im Gesicht der Ärztin bei der Eipol-Lösung und dann „So, sie können sich aufrichten und anziehen!“ dreht sich um und greift schon nach einem „Surfbrett“. Während mir das Fruchtwasser an den Beinen herunter läuft. Sie reicht mir das Surfbrett „Oooch, da kommt der Kleine ja heute wohl scheinbar von selbst oder? Kommen sie heute mittag wieder zum CTG – oder vorher, wenn sie es brauchen! Ach – und frühstücken Sie ordentlich!“.

      Auf dem Weg zum Zimmer also erstmal am Frühstückbuffet bedient und dann mit meinem Mann überlegt, was machen. Habe ihn nach Hause geschickt, er kann ja eh gerade nix ausrichten.
      Gegen mittag der Anruf zu Hause „Kommst du ins KH, die Wehen werden ordentlicher und ich mag einfach nicht mehr allein am CTG sitzen.“ Mein Mann kam also, wir in den Kreißsaal, ran ans CTG. Es gab Wehen, aber nix produktives (wieder mal). MuMu war jetzt gerade mal bei 3 cm, Gebärmutterhals war kaum weiter gekommen. Bei der Untersuchung hab ich auch wieder etwas Fruchtwasser verloren. Wieder aufs Zimmer, aber „Verbot“ des Mittagessens.

      Keine 5 Minuten auf dem Zimmer, kam der Anruf „Bitte kommen Sie nochmal kurz in den Kreißsaal, die Oberärztin möchte sie sprechen“. Ab in den Kreißsaal wurde uns dann mitgeteilt, dass das abgegangene Fruchtwasser grün war und jetzt der Turbo eingelegt werden muss. Also Bett geholt, OP-Hemd an, PDA gelegt, Wehentropf und keine Ahnung was noch am Arm angeschlossen. Erläuterungen, worauf ich beim nachdrücken zu achten habe, damit sich die PDA immer sauber verteilt (ruhig leicht aufgerechtet sitzen – aber Becken parallel zum Boden und und und).

      Die ersten 45 Minuten waren um und die Hebamme hatte mich schon auf die rechte Seite gedreht, da das Baby mit dem Kopf im Becken verkantet als Sternengucker lag. PDA-Nachdrücken kam von der Hebamme nur „Da bleiben Sie aber auf der rechten Seite liegen! Das Kind muss sich drehen! Die PDA sitzt ja einmal – da müssen sie nicht mehr drauf achten“ Lange Rede garkein Sinn… von 12 bis 18 Uhr hat sie den Wehentropf immer höher gedreht und mich quasi auf der rechten Seite festgetackert. Diskutieren war mir irgendwann nicht mehr möglich – rechts konnte ich mein Bein nicht mehr bewegen und links hatte ich volle Wehen.

      Es kam der Schichtwechsel und eine mir doch sympathischere Hebamme hat übernommen. Bei ihr nochmal nachgefragt „Bitte WAS hat die gesagt? Egal wie das Kind liegt, zum nachspritzen fein auf den Rücken legen!!!“ Also hat sie mich umgelagert (ich konnte nichts mehr….) und die PDA nachgedrückt. Sofort hatte ich auch auf der linken Seite Erleichterung. Mein Mann war zwischenzeitlich Wasser holen und hat mitbekommen wie die Hebammen in der Ecke standen und wohl ordentlich diskutiert haben…

      Wie lange ich tatsächlich noch im Wehenzimmer lag, weiß ich nicht mehr. Die Sonde für die Herztöne unseres Kindes war zwischenzeitlich schon an das Köpfchen gelegt worden, weil über das normale CTG nichts mehr kam. Mein Mann wurde zwischendurch zum Abendessenbuffet geschickt „Sie brauchen die Kraft heute Nacht noch!“. Die Assistenzärztin kam dazu (hatte quasi mein Dreamteam zur Geburt da) und es ging die Diskussion zwischen Ärztin und Hebamme los, ob sich das Baby noch richtig ins Becken dreht oder ob nicht doch ein Kaiserschnitt gemacht wird (Hebamme war für Kaiserschnitt, Ärztin für spontan Geburt). Ich hab nur gesagt „Nichts durchziehen, was das Kind gefährdet!!!“. Die Ärztin hat nochmal einen Ultraschall gemacht und dabei wurde dann festgestellt, das Kleine ist zwar noch Sternengucker, aber das Köpfchen sitzt jetzt im Becken. Also SPONTAN.

      Wann ich den ersten Druck nach unten gespürt hab, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass wir da in den Kreißsaal umgezogen sind. Den „hässlichen“ was mir aber sowas von egal war (der Kreißsaal ist auch ein Not-OP für Not-Kaiserschnitte). Im Gebärbett wurde ich erst auf die rechte Seite gelegt und sollte dort mit den Presswehen mitpressen. Alles was ich als Effekt hatte, war dass mir k…übel wurde und ich nur noch jammern konnte „mir ist so schlecht, ich kann nicht mehr, mir ist soooo schlecht“. Ab da war mein Mann Herr über Kotzschale und Sauerstoffschlauch. Hab ich nix von mitbekommen. Ich hab nur ständig nach Wasser gefragt. Pressen konnte ich nicht, was Hebamme und Ärztin später auf die Restlähmungen meines Bandscheibenvorfalls geschoben haben.

      Umgelagert auf die linke Seite merk ich, JETZT stimmt was nicht. Mir ging es besser, aber die Herztöne vom Baby wurden weniger. „Eine Wehe probieren wir!“ – also gepresst – und weg waren die Herztöne ich wurde nervös, die Hebamme auch und hatte das Telefon in der Hand, um ein OP-Team zu rufen. Die Gyn schüttelt den Kopf „Eines versuchen wir noch, ab auf den Rücken!“. Also wurde ich auf den Rücken gelagert, die nächste Presswehe kam und hier konnte ich die Kraft reinlegen. Es war sauanstrengend, ich hatte das Gefühl mir platzt der Kopf, aber ja, es tat sich was. Aber auch hier, ich weiß nicht, wieviele Presswehen ich gebraucht habe. Zwischendurch hörte ich nur „Ich sehe gaaanz viele Haare, Herr nakeki, wollen Sie mal gucken?“ mein Mann ist also gucken gegangen und grinste wie ein Honigkuchenpferd „Die Haarmenge hat das Baby schon mal von dir“ meint er. Mit der nächsten Presswehe wurde er wieder an das Kopfende geschickt. Einige Wehen später (mit Unterstützung von der Gyn die das Baby mit runtergedrückt hat) war das Köpfchen da – und noch zwei Wehen später um 23:26 Uhr hab ich die Worte gehört „Sie haben eine Tochter! Wissen Sie schon, wie sie heißt?“

      Da im Kreißsaal vorher immer alle von einem „ihm“ gesprochen haben, war ich fest von einem Sohn ausgegangen und konnte nur noch fragen „Wie? EIN MÄDCHEN??!“

      So war unsere kleine große süße Maus geboren. Ich war an zwei Stellen minimal gerissen als unsere Kleine mit 57 cm, 3780 Gramm und 36 cm Kopfumfang zur Welt gekommen ist. Meine Sorgen rund um folgen der Diabetes waren weg und ich war einfach nur glücklich. Wir haben das hübscheste und liebste und süßeste Baby im Arm (jaaa, so denken alle, weiß ich). In der ersten Nacht habe ich gefühlt null geschlafen, weil ich nur unsere Kleine beobachtet habe.

      Jetzt ist sie 4 Monate und 8 Tage alt. Super fröhlich und ausgeglichen. Das Kuscheln ist ihr großes Hobby und unser Alltag hat sich wunderbar geändert.

      Im Nachhinein ist mir die Zeit im Krankenhaus sch…. Egal. Auch die Tage nach der Geburt – Stillen hat nicht geklappt, der Babyblues kam und ging, ich war hundemüde, ich war überanstrengt… Inzwischen ist die Zeit rund um die Geburt so unwirklich. Wir haben jetzt mit uns dreien zusammengefunden und genießen die Zeit.

      • (2) 26.11.18 - 18:47

        Wow! Respekt das ihr das so gut gemeistert habt!

        Ich hatte Gänsehaut beim lesen.

        Ich wünsche euch eine schöne Kuschelzeit :)

        Was für ein Geburtskrimi! Zum Glück am Schluss mit Happy End (Ich hab ein paar Tränchen verdrückt). Alles Gute euch weiterhin!!! 😊

        (4) 27.11.18 - 17:38

        Was mir gerade noch einfällt, wo ich selbst nochmal drüber lesen, was ich noch sagen wollte.
        Sobald mein "Dreamteam" da war, war ich einfach nur noch ruhig und entspannt und wusste "Jetzt kann nix mehr schiefgehen".
        Durch die PDA hatte ich nachher keine fühlbaren Schmerzen mehr und ich fand es einfach nur noch sauanstrengend.

        Aber ab dem Zeitpunkt, als die "gute" Hebamme da war, ging es mir gut und ich konnte mich voll auf mich und die Geburt konzentrieren. Nicht darauf, ob wirklich alles richtig läuft.

Top Diskussionen anzeigen