Meine spontane Zwillingsgeburt

    • (1) 22.07.19 - 06:35

      Meine Zwillingsschwangerschaft verlief schon sehr komplikationsfrei, da mein Körper anscheinend nicht mitbekommen hatte, dass er zwei ausbrütet. Beide Babys, Junge und Mädchen hatten von Anfang an Werte, wie Einlinge. Ab der 20 SSW preschte der Junge allerdings in Sachen Gewicht vor und trotzdem war auch das Mädel immer zeitgerecht entwickelt.
      Ungefähr ab der 28 SSW lagen beide mit dem Kopf nach unten und „kämpften“ um die Vormachtsstellung im Becken. So fühlte es sich zumindest an, beide schoben sich gegenseitig weg und versuchten mit dem Köpfchen ins Becken einzuziehen. Keine sehr angenehme Zeit 😂
      Schlussendlich gewann aber der große Junge, was nicht zuletzt seinem Gewichtsvorteil zu verdanken gewesen sein wird.
      Die Schwangerschaft verlief wirklich optimal aus klinischer Sicht. Ich persönlich war so ungefähr ab der 35 SSW völlig Out of Order und schaffte es einfach nicht mehr, mich um meine erste Tochter allein zu kümmern. Ich hatte jede Menge Wasser im Körper und auch ordentliche Rückenschmerzen, was mit einem Bauchumfang von 145 cm auch kein Wunder war. Dazu muss man aber auch sagen, dass ich ziemlich groß bin und leider aufgrund der ersten SS und einer Stoffelwechselstörung auch ziemlich schwer geworden war.
      Ich trug also meinen Riesenbauch mit mir herum. Die wöchentlichen Arztbesuche ergaben immer nur, dass alles noch geburtsunreif ist, der GBMH noch 4/5 cm und 0,0 Wehen auf dem CTG. In der 35 SSW ging ich dann das erste Mal ins KH zur Geburtsplanung, was ich als ziemlich spät empfand, da man mit einem Kind ja auch erst in der 37 SSW dort angenommen wird. Und mit Zwillingen gerade mal zwei Wochen eher? Davon mal abgesehen, dass die meisten Zwillinge ab der 34 SSW geboren werden.
      Aber nun gut, meine wollten ja eh noch nicht, also kein Problem.
      Beim Geburtsplanungsgespräch sagte ich recht deutlich, dass ich eine spontane Geburt versuchen möchte, da beide mit dem Kopf nach unten lagen und der dicke auch im Becken liegt. Aus klinischer Sicht sprach dem nichts im Wege, eher gegenteilig, mit meiner Konstellation hatte ich die besten Chancen natürlich zu gebären.
      Man sagte mir allerdings recht deutlich, dass man spätestens ab 37+0 einleiten möchte. Ich wollte allerdings keine Einleitung und verhandelte, dass wir das entscheiden, wenn es soweit ist.
      Die Tage und Wochen vergingen und ich kam bei 37+0 an. Die Ärzte im KH stellten nur immer wieder fest, dass es beiden gut gehe, der Junge ein ganz schöner Klopper ist und es sich immer noch um einen Geburtsunreifen Befund handelt. Ich wollte also auf eine Einleitung verzichten.
      Die Ärzte bestellten mich allerdings ab 36+ 2 fast täglich ins KH und ich las auch ein bisschen nach, dass es für Zwillinge laut einer australischen Studie tatsächlich nicht so gut ist ewig im Bauch zu bleiben. Die täglichen Besuche machten mich mürbe, da ich diese auch mit der Straßenbahn antreten musste, da ich nicht mehr Auto fahren wollte. Meine Aufmerksamkeit war nämlich nicht mehr die verlässlich.
      Die Ärztin sagte also recht deutlich, dass die Zwillinge bis Ostern da sein sollten. Ich lies mich also mürbe machen und stimmte einer Einleitung zu, die an 38+0 begann.

      Am ersten Tag (nachmittags) gab es das wunderbare Gel, was auch direkt Wehen machte. Die waren auch hübsch regelmäßig aber Anscheinend nicht so richtig Muttermundwirksam. Gegen halb 12 Uhr in der Nacht ließen sie auch nach und ich bat um ein Schmerzmittel, da ich einfach nur müde war. Versuch Nr. 1 gescheitert.
      Am nächsten Morgen nach dem Frühstück gab es den nächsten Versuch mit dem Gel, diesmal hatte ich ordentliche Wehen, aber total unregelmäßig und auch sehr unterschiedlich in der Intensität.
      Nach den beiden versuchen war gerade mal der Gebärmutterhals verstrichen. Am Nachmittag gab es noch einen Wehentropf, der aber keine Wirkung zeigte. Versuch 2 gescheitert.
      Am dritten Tag bekam ich eine Pause, da ich psychisch echt angeschlagen war. Ich wachte mit einer Erkältung auf und die unregelmäßigen aber starken Wehen vom Vortag forderten einfach ihren Tribut.
      Ich durfte mich also ausruhen und wir besprachen erst an Tag 4 weitere Möglichkeiten.
      Am 4. Tag verweigerte ich weitere Gelgaben, also entschied man sich für Stäbchen. Diese Stäbchen werden mit ca. 1 mm eingelegt und verdicken sich dann auf 1cm Umfang. Mir wurden 10!!! Stäbchen in den MuMu eingelegt, was zum Glück nicht schmerzhaft war. Auch so empfand ich diese Methode als überhaupt nicht unangenehm aber sehr effektiv. Die Stäbchen blieben dann bis zum Tag 5 im MuMu und arbeiteten vor sich hin.
      Am Abend von Tag 4 hatte ich sogar leichte Wehen, aber die ließen schon nach zwei Stunden wieder nach.
      An Tag 5 wurde dann festgestellt, dass die Stäbchen artig ihre Arbeit getan hatten und der MuMu jetzt auf 4 cm geöffnet war. Ich musste mich auch am Vormittag aus unerfindlichen Gründen übergeben, aber da besteht wohl ein Zusammenhang.
      Nach dem entfernen der Stäbchen wurde mit wieder ein Wehentropf angehängt, welcher ja jetzt Wirkung zeigen sollte, aber Nix da. Keine Wehen, kein Fortschritt, aber eine völlig entnervte Mutter.
      Am Abend von Tag 5 besprach ich dann meine weiteren Optionen, Fruchtblase öffnen hieß es, aber das wollte ich nicht. Diesen Eingriff empfand ich als zu groß. Also unterschrieb ich alle Papiere für den Kaiserschnitt und ließ mich aufklären.
      Am Morgen von Tag 6 wachte ich auf und meine Fruchtblase sprang. Ich wurde dann direkt in den Kreißsaal gebracht, wo wieder keine Wehen kamen. Jetzt wurde aber erst mal abgewartet und ich nach Akkupunktur und CTG wieder aufs Zimmer geschickt.
      Am Nachmittag reichte es mir dann, ich ging zur Ärztin und sagte, dass ich ja nun keine eigenen Wehen entwickele, was ja an der gewaltig gedehnten Gebärmutter liegen wird. Die Fruchtblase ist offen und es tut sich trotzdem nichts. Ich möchte keine Antibiotikagabe, ich möchte, dass vorher der Kaiserschnitt durchgeführt wird.
      Die Ärztin wollte das nicht. Sie überredete mich zu einem allerletzten Versuch. Wir machen einen Einlauf, Wehentropf und Globulis. Ich stimmte dem zu und wir fingen an. Ich war stinksauer. 6 Tage Einleitung, 6 Tage Quälerei und die geben mir den Kaiserschnitt nicht. Zumal war ich jetzt fast in der 40 SSW, von wegen spätestens 37+0 raus und so.
      Ich war einfach nur noch sauer.
      Sie machten also einen Einlauf, der jetzt nicht dramatisch war und hingen mir wieder einen Wehentropf an. Es passierte nichts, aber das kannte ich ja schon.
      Als ich gerade meinen Mann mein Leid per Nachricht klagte, der war nämlich schon lange nicht mehr den ganzen Tag im KH, da ja unsere große Tochter wenigstens ihren Papa noch sehen sollte, sprang plötzlich schmerzhaft ein letztes Stück Fruchtblase und Zack Wehen. Es war 19 Uhr. Und zwar richtige Wehen sofort regelmäßig und sofort schmerzhaft.
      Ich schrieb also, er könne kommen.
      Man gut, dass es mittlerweile Ostermontag war und damit kaum Verkehr. Nach ca einer halben Stunde war er da und ich bettelte schon um Schmerzmittel und PDA, die wollte ich mir nämlich nach der Tortur „gönnen“.
      Nichts da, beides wurde verweigert und ich hatte mächtig heftige Wehen. Ich bewegte mich die ganze Zeit stand vor dem Bett, kletterte drauf, so dass ich im Vierfüßler auf dem Bett kniete. Die Wehen waren sehr heftig und so präsent im Vergleich zur ersten Entbindung.
      Nach einer Stunde Wehen merkte ich, dass ich pressen muss. MuMu war auf 10 cm also los. Es war 20:00 Uhr. Nach knapp einer viertel Stunde Presswehen kam mein Sohn um 20:13 Uhr zur Welt. Der erste Satz war, „hui, der ist groß“. Ich durfte ihn als erstes auf den Arm nehmen, der war wirklich schwer.
      Mein Mann schnitt die Nabelschnur durch und die Wehen waren erstmal weg. Durchatmen.
      Nachdem ich meinen Sohn an meinen Mann übergeben hatte, der jetzt das Bonding vollführte, suchte die Hebamme per CTG nach Baby Nr 2. das versteckte sich gut, so dass ich mich auf den Rücken drehen sollte, damit ein Ultraschall gemacht werden konnte. Da konnte man sie finden, sie machte sich schon auf den Weg. Um sie besser überwachen zu können wurde ein Sensor am Kopf angebracht, dafür musste man aber die Fruchtblase öffnen. Die Hebamme erledigte das und sagte plötzlich, dass sie die Nabelschnur in der Hand hätte. Die kommt wohl als erstes. Die Ärztin übernahm also und schob die Nabelschnur zurück. In dem Moment setzten plötzlich die Presswehen wieder ein. Die Ärztin sagte ich sollte nicht pressen, aber es tat plötzlich wieder so weh. Ich lag da halb auf dem Rücken, halb auf der Seite und die zweite Presswehe kam. Die Ärztin hatte noch die Hand in mir drin, da rutschte ihr meine Tochter um 20:32 Uhr entgegen. Sie wurde mir sofort auf die Brust gelegt. Ich durfte dann die Nabelschnur durchtrennen.
      Danach war ich einfach nur fertig. Ich war so froh, dass die beiden endlich draußen waren.
      38+6 am Ostermontag.
      Während ich meine Tochter noch auf der Brust hatte, wurde mein Sohn sauber gemacht, gemessen und gewogen. 4120 Gramm, 52 cm und 37 cm KU. Danach wurde meine Tochter daneben gelegt 3090 Gramm, 51 cm und 34,5 cm KU.
      Ich hatte also tatsächlich zwei Einlinge im Bauch und damit Krankenhausrekord.
      Nach dem beide sauber gemacht wurden waren, wurden sie mir beide zusammen an die Brüste angelegt und sie tranken erstmal ohne Probleme.
      Beide waren bzw. sind gesund und munter.

      Mittlerweile sind sie 13 Wochen alt und heute genau 3 Monate. Sie ist leider ein Schreikind, was mit seiner Umwelt nicht klar kommt. Ich führe das auf Ihre schnelle Geburt zurück. Sie wurde ja regelrecht herausgenießt.
      Er ist total chillig und wächst wie Unkraut. Man trägt schon die 68 und wiegt 7 kg. Die 68 wird gerade knapp, während seine Schwester gerade die 62 ankratzt, obwohl sie schon gut zugenommen hat und auch gewachsen ist.
      Ich hoffe, der Bericht gefällt der ein- oder anderen. Ich habe im Vorfeld leider recht wenig Geburtsberichte von spontanen Zwillingsgeburten gefunden, daher wollte ich meinen noch verfassen. Ich kam bisher nur nicht dazu. Drei Kinder unter 2 sind eben etwas Zeitfordernd.
      Grüße an alle, die es tatsächlich bis zum Schluss lesen😂
      Capriosa

      • Herzlichen Glückwunsch!!!!!
        Auch ich habe mein Zwillingspärchen spontan entbunden und weis noch genau wie es ablief,dabei sind sie schon 8 Monate alt.Oh man die Zeit verfliegt wie im Fluge#verliebt

        • Ich bin auch froh, dass wir schon drei Monate geschafft haben. Mit drei Kindern unter 2 Jahren ist das schon sportlich.
          So eine Geburt ist trotzdem etwas faszinierendes. Aber wie krass ist es eigentlich, dass ein Körper zwei Kinder erschaffen kann?!

      (4) 22.07.19 - 22:12

      So ein toller Bericht.Wahnsinn 7kg hastbfu in dir getragen.Hut ab.
      In welche Woche kam denn dein 1 Kind?

    (7) 23.07.19 - 15:46

    Danke für den tollen Bericht.
    Ich bin jetzt bei 34+4 und so langsam wird mir klar,dass wir wohl bald vier Kinder haben.
    Ich war übrigens extra vor meinem Urlaub im KH zur Geburtsplanung, doch die meinten,dass es zu früh sei und nun habe ich Freitag bei 35+0 den 2. Termin.
    Bin gespannt,ob sie auch ab 37+0 einleiten wollen. Das letzte Mal würde ich dergleichen gesagt.
    Darf ich fragen in welcher Stadt du entbunden hast?
    Ich bin in Leipzig.
    Liebe Grüße und für die Kleine und euch weniger Schreien.

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    Vielen Dank für diesen schönen Bericht!
    Unglaublich, was du da geschafft hast.
    Alles Gute :)

(11) 30.07.19 - 22:26

Was für ein toller Bericht! Wunderschön! Herzlichen Glückwunsch zu den beiden Brummern 😍

(12) 11.08.19 - 21:11

Ein toller Bericht und meinen größten Respekt für diese Geburt 👌👌👌👍👍👍... aber das Gewicht von deinem Bub ist ja echt enorm für eine Zwillings Schwangerschaft 😱😱😱... ich hatte 2 mal einen Einzel Kämpfer drin der 1 hat 4065g und der 2 4160g und wenn ich mir vorstellen das da bei mir noch eins drin gewesen wäre OMG 🤣🤣🤣🤣🤣

  • Ja, der Bursche war bzw. ist ein Riese für einnen Zwilling. Der hat jetzt mit 3 1/2 Monaten auch schon 7,5 kg und 68 cm. Er wächst und wächst.
    Die haben ihn zwar schon von Anfang an als groß eingeschätzt, er war immer 1-2 Wochen voraus beim Ultraschall, aber auf über 4 kg haben sie ihn nicht geschätzt, beim letzten US war er 3,2 kg. Beim Mädchen habben sie eigentlich gut getroffen.
    Aber wer weiß, vielleicht hätten sie die Einleitung schon eher machen wollen, wenn sie das geahnt hätten.

(14) 11.08.19 - 21:44

Einfach nur wow...und meinen allergrößten Respekt!!! Ich ziehe wirklich den Hut vor dir...😯🤩🙆‍♀️

Vielen Dank für diesen tollen Geburtsbericht...ich wünsche euch weiterhin alles gute und eine schöne Kuschelzeit mit euren beiden Wundern!❤

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