Meine wundervolle, selbstbestimmte Wassergeburt im Geburtshaus

    • (1) 12.08.19 - 23:50

      Es ist der 19.05.19, ET +14.
      Tagelang habe ich immer wieder Wehen, aber sie verschwinden wieder. Langsam sind wir frustriert. Das Umfeld dreht durch und wir kommen nicht mehr zur Ruhe.
      Es ist nicht normal, soweit über Termin zu gehen, sagen sie. Ob denn alles ist in Ordnung sei, fragen Sie, tagelang.

      Eine Nacht, vom 17.05.-18.05., verbrachten wir schon im Geburtshaus. Die Wehen waren schön regelmäßig und zogen ordentlich, aber am nächsten Vormittag, hatten sie kaum etwas bewirkt und so fuhren wir wieder nach Hause.

      Unsere Hebamme (Juliane) war zuversichtlich, dass wir uns spätestens in der Nacht wieder sehen.
      Am nächsten Morgen die Enttäuschung nach dem aufwachen: Nichts mehr. Also weiter warten...

      Und dann bekomme ich wieder Wehen..
      Am 19.05.19 gegen 14.30 Uhr. Leichte Wehen aber dennoch, Wehen.
      Ich glaube fast nicht dran, dass das echte Geburtswehen sein könnten.
      Um 16 Uhr telefoniere ich mit meiner Hebamme, berichte ihr das ich Wehen habe, die aber noch stärker werden müssen.

      Sie steigern sich nur langsam, sehr langsam. Über den ganzen Nachmittag und Abend, bis hin in die Nacht. Ich laufe durch die Wohnung, höre Musik, tanze und beobachte die Wehen.
      Gegen 23 Uhr sage ich zu meinem Mann:"noch 5 von der Sorte und wir fahren!"
      Langsam werden sie intensiver, teilweise muss ich veratmen. Die Wehen kommen etwa alle 4-5 Minuten.
      Mein Mann bringt unsere große Tochter zur Oma und ich richte mich langsam aufs losfahren ein. Telefoniere noch einmal mit meiner Hebamme.

      Wir haben 35 Minuten Fahrweg. Auf der Autobahn werden die Wehen noch etwas stärker.
      Um 00.00 Uhr kommen wir im Geburtshaus an.

      Unser Geburtsraum ist schon fertig hergerichtet. Überall stehen Kerzen, das Licht ist gedimmt, auf dem Bett liegt schon frische Bettwäsche bereit.

      Unsere Hebamme begrüßt uns und fragt nach meinem Wohlbefinden, wonach mir ist.
      Wir entscheiden uns eine Runde spazieren zu gehen. Während des Spaziergangs werden die Wehen wieder etwas stärker.
      Zurück am Geburtshaus, verabschiedet sich unsere Hebamme für 2 Stunden nach nebenan.
      Ich entscheide mich, da die Wehen noch gut aushaltbar sind, mich ins Bett zulegen und versuche etwas in den Wehenpausen zu dösen.
      Die Wehen steigern sich zwischen 1 Uhr und 3 Uhr weiter und langsam muss ich deutlich veratmen.
      Immer wenn eine Wehe anrollte, musste mein Mann Gegendruck aufs Kreuzbein ausüben,das tat mir sooo gut!!
      Um 3 Uhr kam unsere Hebamme wieder dazu.
      Sie legte kurz den Ctg-Kopf auf, um zu schauen, obs Baby gut geht und es ging ihm prima.
      Sie beobachtete mich noch eine Weile und fragte dann, ob sie mal nach dem aktuellen Befund schauen solle. Ich bejahte.

      6cm- in anbetracht dessen,dass ich schon einen 5cm Befund hatte, bevor die Geburt losging und ich mittlerweile seit über 12 Stunden Wehen habe, war das ja nicht besonders viel.. Aber da die Wehen bisher sehr sehr gut aushaltbar waren, hatte ich noch ausreichend Energie und fühle mich gar nicht müde. Ich bin einfach froh, dass es endlich ernst zu sein scheint.

      Gegen 5 Uhr scheucht mich meine Hebamme aus dem Bett. (Das einzige Mal, dass sie mir irgendetwas "vorgeschrieben" hat und das wollte ich auch so, denn ich wollte nicht, wie bei Geburt Nummer 1, nur im Bett liegen).
      Die Vögel zwitschern, es ist ein sonniger Morgen, ich gehe eine Runde im Hof spazieren. Die frische Luft tut so gut.
      Die nächsten 2 Stunden sind die Wehen intensiv, aber lassen sich gut veratmen und sind somit weiterhin aushaltbar. Ich laufe durch den Geburtsraum, hänge mich während einer Wehe ans das Seil,was mitten im Raum hängt, und veratme so eine Wehe nach der anderen. Mein Mann übt weiterhin Gegendruck auf mein Kreuzbein aus. Im Hintergrund läuft unsere Musik-Playlist. Die Atmosphäre ist dauerhaft sehr schön und entspannt.
      Um 6.30 Uhr fragt meine Hebamme, ob sie nach dem Stand der Dinge schauen soll. Ich bejahe : Herztöne wunderbar, Muttermund 8-9 cm. Sie schlägt vor, dass ich ein Bad nehmen könnte: sehr gute Idee!
      Um 7 Uhr ist die Wanne voll und während ich mich auf den Rand setze, um rein zu steigen, reißt die Fruchtblase. Ich merke es nur leicht, weil der Wannenrand plötzlich feucht wurde. Das restliche Fruchtwasser verliere ich in der Wanne.


      In der Wanne sitzend, die eine wunderbare Wassertemperatur hat, tut es unheimlich gut. Die Wehen werden sofort unglaublich intensiv. Ich kann sie gut veratmen, aber jetzt tun sie schon ordentlich weh.
      Ich möchte trotzdem nicht raus. Ich komme. gut zurecht mit dem Schmerz und insgeheim wünsche ich mir eine Wassergeburt.
      Die nächste Stunde ist heftig.
      Die Wehen kommen häufiger und sehr sehr intemsiv. Ich werde laut. Hänge mich an das Seil. während der Wehe und mein Mann massiert meinen Kopf während der Pausen.
      Der Schmerz ist groß, aber in keiner Sekunde habe ich Angst oder verliere den Fokus. Ich hab das Ziel vor Augen. Meine Hebamme redet mir gut zu :"du befindest dich in der Übergangsphase, du hast es bald geschafft." Zwischendurch kontrolliert Juliane immer wieder kurz den Herzschlag: zu jeder Sekunde wunderbar.
      Gegen 8 Uhr spüre ich den Pressdrang.
      Ich bin kurz verunsichert, ob es denn okay sei, jetzt zu pressen. Juliane meint nur: wenn du das Gefühl hast, dass du pressen musst, dann darfst du das. Ich bitte sie trotzdem, einmal kurz zu tasten. Sie gibt mir das Go.

      Die erste Presswehe verunsichert mich. Ich weiß nicht genau wohin ich pressen muss.
      Juliane merkt es mir an sagt:"nimm deine Hand zum Köpfchen, dann spürst du genau wohin."
      Das ist wohl die allerbeste Idee!
      Ich lege meine rechte Hand zum Köpfchen, halte mich mit der linken am Beckenrand fest und sitze in der Hocke. Besser geht es kaum.
      Nach den ersten 3 Presswehe ist der Kopf geboren. Ich halte ihn in meiner Hand, streichel seinen Kopf, das wohl unglaublichste und allertollste Gefühl, was ich je fühlen werde!
      Ich streichel seinen Kopf, fühle seine weichen Haare und warte auf die nächste Presswehe.
      Inzwischen kam still und heimlich Julianes Kollegin dazu, die ich auch schon im Vorfeld kennengelernt habe.
      Sie bleibt im Hintergrund, sagt nichts. Ich bemerke sie nach einer Weile und begrüße sie erschöpft.
      Die nächste Presswehe kommt, für die Schultern brauche ich nochmal ordentlich Kraft und dann ist er komplett geboren, direkt in meine Hände!

      Ich fische ihn aus dem Wasser und lege ihn mir sofort auf die Brust. Da liegt er: 3800g pures Glück! Es war das wohl intensivste Gefühl meines Lebens. Es war trotz den Schmerzen, das allerschönste Erlebnis. Eine echte Traumgeburt.

      Die Plazenta kommt noch in der Wanne.
      Mein Mann legt sich mit dem Kleinen ins Bett.
      Ich werde abgeduscht und kuschel mich zu meinen Männern.
      Jetzt wird ausgiebig gekuschelt und gefrühstückt. Wiegen und messen hat Zeit. Das Anlegen klappt super.
      Um 13 Uhr fahren wir nach Hause ins eigene Bett.

      Es war eine komplett selbstbestimmte Geburt, ohne jegliche Interventionen.
      Unsere Hebamme blieb die ganze Zeit im Hintergrund und beobachtete, ob alles gut verläuft.

      Ich würde mich immer wieder für das Geburtshaus entscheiden!

      (4) 16.08.19 - 11:58

      Ein schöner Bericht, der mich teilweise an meine dritte Geburt (auch Geburtshaus) erinnert.
      Jetzt bin ich wieder ss und hoffe, dass wieder alles gut geht und ich meine Hebamme und "mein" Geburtshaus nochmal in Anspruch nehmen darf.

      LG, Logo

    (6) 17.08.19 - 21:38

    Wow wow wow ich hab keine worte und einfach nur pipi in den augen
    Ich hatte alles bildlich vor meinen augen und war total gerührt.
    ♡♡♡♡ ich hatte zwar eine krankenhausgeburt aber sie war auch traumhaft und bei allen hebammen und ärzten auch eine vorzeigegeburt da es mein erstes kind war.
    Mal sehen wie es beim zweiten wird.
    Wünschte mir auch insgeheim eine wassergeburt aber vor lauter schmerz konnte ich mich net bewegen 😂 hoffe beim zweiten klappts 😍
    Wünsche dir alles gute ❤❤❤❤❤

    • (7) 17.08.19 - 21:55

      Oh, danke schön!
      Ich werde auch immer wieder sentimental, wenn ich zurück denke! Ich bin so dankbar, dass ich das erleben durfte!

      Deine Geburt klingt auch ganz wunderbar! :-)
      Ich drücke Dir die Daumen, dass sich Dein Wunsch von einer Wassergeburt, bei Deiner 2. Geburt erfüllt. :-)

      Glg lileyna

      • (8) 17.08.19 - 22:22

        Danke dir liebes
        Sehr nett von dir ♡♡♡♡
        Ich finde wenn man positiv in die geburt reingeht hat man auch eine tolle geburt❤
        Was macht man nicht alles um dieses kleine bündel in den armen halten zu können

(9) 18.08.19 - 12:22

Mich hat das so berührt wie du das geschrieben hast. 😭 Wow das muss unglaublich schön sein und so ähnlich würde ich mir das auch wünschen.
Ganz viel Liebe ♡

  • (10) 18.08.19 - 20:32

    Es war unglaublich schön!

    Ich wünsche dir ein ebenso schönes Geburtserlebnis! <3
    Gib deinen Willen nicht ab und hab' ruhig Wünsche, die du umsetzen möchtest.

    Glg lileyna

(11) 28.08.19 - 12:45

Wie schön du das beschrieben hast! Es hat mich total gerührt!
Ich hatte eine ähnliche Wassergeburt im GH. Und auch ich empfand es als total angenehm und schön, wobe die richtig schmerzhaften Geburtstwehen 4 Std dauerten und die presswehen 1 Stunde. Ich war also fix und fertig und dachte ich schaffe es nicht. War allerdings mein erstes Kind. Umd es war auch selbstbestimmt aber ich hab darum gebeten mir oft Vorschläge zu machen was ich machen könnte oder ändern könnte. Den ich war noch etwas unsicher. Aber die Hebammen waren klasse und ich denke trotz der Schmerzen gern daran zurück und werde unser nächstes Kind dort auch bekommen wenn ich irgendwann so weit bin.
Das Köpfchen zu ertasten um zu wissen wohin man pressen soll isz ein toller Tipp. Den merke ich mir!
Danke für den tollen Bericht den ich wirklich total zufällig gefunden habe!

  • (12) 28.08.19 - 19:22

    Danke schön!
    Ich bin froh, dass ich meine Gefühle etwas übermitteln konnte.

    Hätte ich Anweisungen und Hilfe benötigt, hätte ich diese definitiv bekommen.
    Der Gedanke, dass ich diese nicht brauchte und alles aus eigener Kraft geschafft habe, ist ganz wunderbar.
    Vielleicht gelingt es dir bei deiner 2. Geburt ja auch. :-)
    Aber auch wenn man Hilfe benötigt, ist es gut und richtig!

    Die heftigsten Wehen 4 Stunden lang zu haben und danach noch 1 Stunde Predswehen, klingt verdammt anstrengend. Schön, dass du deine Geburt trotzdem als schön empfunden hast. Das ist so wichtig!

    Ich drücke dir ganz doll die Daumen, dass du deine 2. Geburt auch wunderschön wird!

    Alles Liebe!

Was für eine schöne Geburt. Ich habe echt mit meinen Tränen gekämpft. Echt, wunderbar geschrieben...alles liebe euch... ich bin in der 18Woche schwanger mit unserem 4 Wunder...bin auch echt am überlegen ob ich in ein Geburtshaus gehe...ich werde das mit meiner Hebamme mal besprechen
Alles gute euch

  • Danke sehr :-)

    Drücke dir die Daumen, dass es klappt!
    Lass dir nur nicht mehr so lange Zeit, die Plätze sind immer schnell weg.

    Glg lileyna

    • Hallo, danke für deine Antwort. Ich werde mal meine Hebamme anrufen. Also mein Mann ist null davon begeistert. Ich muss sie auch mal fragen wo bei uns hier ein Geburtshaus ist.

      • Ich weiß nicht, wo du her kommst..
        In den allermeisten Geburtshäusern, muss man sich schon direkt zu Beginn der Schwangerschaft melden, da die Plätze schnell vergeben sind.
        Allerdings kann man auch Glück haben und noch später eine Platz bekommen.
        Nachfragen kostet nichts und lohnt sich evtl.

        Mein Mann war auch erst begeistert, als wir das Auifklärungsgesräch hatten und er die Hebamme kennengelernt hat. Vorher war er auch skeptisch. Nach der Geburt war er restlos begeistert und würde sofort wieder hin wollen, sollten wir noch ein drittes Baby bekommen.

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