Mein Geburtsbericht meines Sommerbabys

    • (1) 25.08.19 - 10:40

      Hallo ihr Lieben,

      ich würde euch gerne von der chaotischen Geburt meines Sohnes am 9.7. berichten. Er ist mein erstes Kind und es könnte etwas länger werden. :)

      Am 08.07. kam ich morgens um 8 Uhr ins Krankenhaus. Ich war mittlerweile bei 41+1 angelangt und hatte einen Termin zur Einleitung. Freitag war ich zuletzt zur Untersuchung im Krankenhaus und sie wollten mich gleich zur Einleitung da behalten, weil ich in der Schwangerschaft mit diversen Problemchen, unter anderem zu hohem Blutdruck, zu kämpfen hatte. Ich bat aber um das Wochenende und meinem Kleinen dieses noch als letzte Chance zu geben. Ich wollte die Einleitung aufgrund diverser Horrorberichte und Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis unbedingt vermeiden.
      Natürlich tat sich rein gar nichts. Ich hatte die letzten Wochen alles probiert. Von Heublumen, über Himbeerblättertee, viel Spazieren, scharfes Essen, Akkupunktur. Nichts wollte ihn locken.
      Somit stand ich dann Montagmorgen auf der Matte und sollte eingeleitet werden.
      Dies geschah mit Cytotec Tabletten. Morgens um 9 Uhr 1/4 Tablette. Dann erstmal 1,5 Stunden am CTG. Dann gegen halb 4 die nächste Vierteltablette und um 23 Uhr dann sogar eine Hälfte. (die Hebamme sagte vor der letzten Tablette, sie würde es gerne schnell durch bekommen, weil am nächsten Tag so viel anstand)
      Ich war schon völlig platt. Hatte die Nacht auf Montag vor Aufregung kaum geschlafen und lag nun noch bis halb 1 am CTG. Ich wusste nicht, wie ich eine Geburt schaffen sollte, wenn es nachts losgehen sollte.

      Auch in der Nacht auf Dienstag rührte sich wenig. Ich hatte seit der zweiten Tablette leichtes Ziehen im Rücken und Unterleib. Das war's dann aber. Ich war aber wirklich entspannt, weil ich darauf eingestellt war, dass es einige Tage dauern könnte.
      Als ich am nächsten Morgen um 7 Uhr wieder im Kreißsaal zum CTG war und die Hebammen verwirrt darüber waren, wie gut es mir noch ging, ahnte ich noch absolut nicht, dass ich ca 12 Stunden später mein Baby im Arm halten würde und das unter völlig anderen Umständen als erwartet.
      Nachdem ich wieder 1,5 Stunden am CtG verbracht hatte und auf die nächste Gabe der Tablette wartete, kam ein Oberarzt rein gestürmt.
      Er sah sich das CTG an und brabbelte etwas von "kann ja nicht sein, dass sich nichts tut" und tastete an mir herum.
      Dann sagte er, dass er mich gerne untersuchen würde, weil er gerne nach Gründen suchen würde.

      Ich muss dazu vorweg sagen, dass ich in die Schwangerschaft mit einer Beckenschieflage durch ein verkürztes Bein gestartet bin. Beim Geburtsplanungsgespräch, welches mit einem anderen Oberarzt stattfand, wurde mir zur normalen Geburt geraten und keine medizinische Indikation für einen Kaiserschnitt gesehen.

      Das sah dann nach der Untersuchung ganz anders aus. Der OA war sichtlich erbost über seine Kollegen und sagte, dass er mir dringend zum Kaiserschnitt rät, weil der Kopf absolut nicht im Becken liegt und bei der vorhandenen Schieflage Schwierigkeiten bringen könnte. Er hatte den KU meines Sohnes auf 37,5 cm gemessen. Er zählte noch diverse weitere Komplikationen auf, die während einer natürlichen Geburt auftreten könnten, wenn es zu dieser denn überhaupt käme und es dann nicht eh im Notkaiserschnitt enden würde. Ich entschied mich also für den Kaiserschnitt. Hatte ja gefühlt gar keine andere Wahl.

      Eigentlich begann erst dann die richtige Tortur.
      Man konnte mir aufgrund des straffen Plans an diesem Tag nicht genau sagen, ob und wann ich noch dran käme. Ich sollte nüchtern bleiben.
      Ging also zurück aufs Zimmer und das Warten ging los.
      Bei jedem Klopfen an der Tür hoffte ich, dass ich abgeholt wurde.
      Ich war am Verhungern und verdursten und wollte nur noch endlich mein Baby im Arm halten.
      Der Gedanke war für mich bis dato noch ewig weit entfernt und irgendwie unrealistisch.
      Gegen 15 Uhr sollte es dann tatsächlich losgehen. Ich wurde abgeholt und wurde extrem nervös.
      Ich hatte die tollstmögliche Hebamme, die uns den ganzen Tag begleitet hat und so viel Sorgen genommen hat und immer da war.
      Nachdem ich dann mit schickem OP-Hemd bekleidet war, eine vorsorglich Infusion für den Kreislauf intus und wieder 1,5 Stunden CTG hinter mir hatte, kam eine Ärztin in den Kreißsaal und verkündete die frohe Botschaft, dass ich auf unbestimmte Zeit nach hinten geschoben werden musste, weil ein Notfall dazwischen kam. Die Tendenz ging gegen Verschub auf den nächsten Tag, wobei es dort OP - Plan mäßig auch nicht besser aussah.
      Also gingen wir wieder auf die Station.
      Mittlerweile völlig hoffnungslos, dass es jemals überhaupt losgehen wird und ich elendig verhungern und verdursten muss :D
      Auch die Schwestern auf der Station hatten Mitleid, machten mir aber nicht viel Hoffnung, dass ich die Nacht schon mit Baby auf der Brust verbringen würde.

      Genau in dem Moment, als mein Freund sagte, er würde mir was zu Essen besorgen, öffnete sich um 19:20 Uhr die Tür und wir wurden abermals in den kreißsaal gefahren. Diesmal noch zu Scherzen aufgelegt, weil wir uns fast sicher waren, dass es wieder nichts geben würde.
      Also wieder ans CTG. Und dann ging es tatsächlich los.
      Ich wurde von der Anästhesie aufgeklärt und dann saß ich auch schon auf dem OP - Tisch und bekam die Betäubung.
      Nun war ich wirklich extrem aufgeregt. Mir war schwindelig vor Durst und Aufregung und mein Freund musste für die Vorbereitung draußen bleiben. Im OP - Saal war es super wuselig und jeder bereitete irgendwo etwas vor oder verkabelte mich mit irgendwas. Das einzig Beruhigende waren der Herzschlag meines Babys und die Hand der Hebamme, die meine hielt.

      Es wurde warm in meinem Rücken und meine Beine wurden kribbelig. Ich wurde hingelegt und mein Freund kam endlich zu mir. Als ich ihn in seinem rosa OP Gewand sah, begann ich direkt zu weinen und er beruhigte mich.
      Mit Gerumpel und Gewackel (hat sich ein wenig wie Achterbahn fahren angefühlt :D) wurde mein Kleiner geholt. Ich hörte jemand sagen "20:26 Uhr", gefolgt auf einen Schrei. Seinen ersten Schrei. Er wurde mir gezeigt, ich durfte ihn küssen und dann wurde er untersucht.
      Nachdem ich vernäht war, hatten wir tolle zwei Stunden zu dritt in einem Raum im Kreißsaal, bevor wir gemeinsam aufs Zimmer kamen.
      Es war der 09.07. und mein kleiner Zwerg wog 3160 g, hatte 49 cm und einen KU von 37.

      An alle, die tatsächlich bis hierher gelesen haben. Danke fürs Durchhalten und lasst euch gesagt sein, dass all die Strapazen, Sorgen und Ängste in dem Moment nichtig sind, in dem ihr den ersten Schrei eures kleinen Babys hört. Nichts wird mehr eine Rolle spielen, wenn ihr die Liebe eures Lebens kennenlernt.

      Liebe Grüße.

      • (2) 25.08.19 - 21:47

        Danke für deinen schönen Bericht! Dieses Hin- und Her ist ja furchtbar! Das hätte mich emotional auch ziemlich fertig gemacht... und dann nichtmal zu Nervennahrung greifen dürfen - mies! Aber du hast Recht, ich hab ein ganz ähnliches Fazit aus meinem Geburtsbericht (Der Bericht über die Frühchengeburt von vor ein paar Tagen) gezogen :) Habt eine tolle Zeit zusammen <3

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