Geflutscht - eine überraschend tolle Geburt (sehr ausführlich)

    • (1) 27.08.19 - 12:10

      Nach rund acht Monaten und einer trubeligen, aber rundum natürlich schönen Babyzeit, finde ich nun endlich die Zeit meinen Geburtsbericht zu schreiben. Wem der Text mit dem drumherum vorher zu lang ist kann ab dem Absatz ‚Dann kam auch schlagartig das ‚Mehr‘‘ los lesen 😉

      Das alles so gut und wirklich überwältigend positiv laufen wird hatte selbst ich nicht gedacht. Zur Geburt war ich immer sehr positiv und entspannt eingestellt, warum weiß ich auch nicht genau. Dabei habe ich mit immer viele Geburtsberichte durchgelesen, auch die sogenannten ‚Horrorgeburten‘. Verunsichert haben sie mich zum Glück nie und ich dachte eher ‚passiert schon nicht und wenn doch, hast du zumindest schon mal davon gehört.‘ Vielleicht war es auch diese entspannte Einstellung, wegen der alles so toll lief. Mein Mann hat sich sowieso die ganze Zeit genug Sorgen für zwei gemacht 😊 Deshalb habe ich ihn immer aus Spaß gesagt ‚Der flutscht raus‘ 😂
      ET war der 21.12. Mein Mann hatte flexibel die Möglichkeit ab Geburt Urlaub zu nehmen, war aber eine Woche vorher schon so kaputt, weil er einfach viel Urlaub angespart hatte. Er wollte also ab 17.12. Urlaub nehmen, damit er nicht schon fix und fertig ist wenn der Kleine kommt. Da hatte er dann schon Zweifel, ob ihm dann nicht später Tage fehlen. Zudem musste er am Montag doch noch mal los, weil der neue Dienstwagen am Freitag tatsächlich mit Sommerreifen geliefert wurde (und Sonntag hatte es tatsächlich geschneit 🙈) Auch da das ganze Wochenende bei ihm die Sorge, was wäre, wenn es jetzt schon los ginge. Aber ich sagte nur ‚Keine Sorge, der wartet bis alles fertig ist.‘
      Sonntag Nacht bin ich ein mal von einem deutlichen Ziehen unten aufgewacht. Weiter war aber nichts. Als ich morgens als ich nach dem Aufstehen auf Toilette ging, hatte ich eine Schmierblutung. Mein Mann natürlich wieder besorgt, aber ich dachte an den Schleimpropf und ‚jetzt geht’s langsam los’. Mittags war noch die Hebamme zur Akupunktur da, sie meinte aber, dass es noch dauern würde, weil ich zu gut aussehe 😅 Danach war ich beim Frauenarzt beim CTG, wo nix los war. Auch der Muttermund noch schön zu. Nach einer Odyssee über drei Autohäuser hinweg, wegen dem Reifenwechsel, kam mein Mann dann Nachmittags zu Hause an. Und tatsächlich gingen am späten Nachmittag ab 16/17 Uhr unregelmäßig Wehen los. Deutlich spürbar, aber alles im Rahmen. Zum späten Abend und Nacht hin wurden die Wehen dann doch deutlich stärker und regelmäßiger, sodass ich doch langsam etwas mit atmen musste. Wir haben uns dann irgendwann ins Bett gelegt und um 3 Uhr als ich auf Toilette ging und immer wieder was nach kam, dachte ich dann an einen Blasensprung. Wir also ins Krankenhaus (10-15 Minuten mit dem Auto). Am CTG dort waren die Wehen bei 11 Minuten. Muttermund war auch zu und ein Blasensprung war es dann doch nicht. Eine Ärztin machte noch einen Ultraschall. Mein Mann sagte zwar nichts, wäre aber lieber dort geblieben. Ich wollte dann aber nach Hause, weil das ganze ja auch noch einen Tag oder länger so hätte gehen können. Ich fragte die Hebamme noch, wie stark denn die Wehen so wären, damit ich es einschätzen könnte und ihre Antwort war ‚Ganz ehrlich? Das ist noch gar nichts.‘ Ich dachte nur ‚Ohje, hallo PDA wenn es dann richtig losgeht‘ 🙈
      Wir waren dann kurz vor 5 Uhr zu Hause und haben uns wieder hingelegt. Mein Mann sagte später, dass es die schlimmste Nacht seines Lebens war, weil ich schnaufend neben ihm lag, aber mich nicht drängen wollte ins Krankenhaus zu fahren. Zu Hause waren die Wehen dann auch schlagartig bei 6 Minuten, aber von der Intensität habe ich die ganze Zeit auf ‚mehr‘ gewartet und kurz bevor die nächste Wehe anfing war ich kurz vorm eindösen 🙈 So lagen wir da also bis ca. 8 Uhr.

      Dann kam auch schlagartig das ‚Mehr‘ und ich sagte meinem Mann sehr bestimmt ‚Jetzt fahren wir los!‘ Die Wehen waren dann auch echt heftig und ich dachte kurz ‚Ohje, da hast du jetzt doch zu lange gewartet.‘ Ich hatte nämlich auch einen Pressdrang, war mir aber auch nicht ganz sicher, ob es dann schon tatsächlich Presswehen waren (waren es dann aber 😅). Zwischen zwei Wehen, schaffte ich es noch meinen Frauenarzttermin für 9:30 Uhr abzusagen.
      Im Auto noch drei Wehen verschnauft, bin ich vorm Krankenhaus raus und habe meinem Mann versichert, dass ich es hoch schaffe, damit er parken kann. Kurz vorm Eingang habe ich mich dann für die nächste Wehe an einer Stange von einem Schild festgehalten. Die Eingangshalle dort ist recht lang und ich dachte noch ,Ohje, hoffentlich klappt das bis zum Aufzug‘ 🙈 Zum Glück kam dieser auch prompt als ich davor stand und es stiegen nur drei Leute mit ein. Ein Paar fuhr mit in die 7. Etage, wo Kreißsaal und Frauenstation sind. Auf dem Weg kam die nächste Wehe und die sehr sympathische Dame mittleren Alters halte sich stützend unter meinem Arm und streichelte mich bestärkend am Rückend, was ich in dem Moment sehr positiv und unterstützend aufnahm. Sie begleitete mich noch ein paar Schritte in Richtung Kreißsaal, ich versicherte ihr dann aber, dass ich das schaffe. Als ich am Kreißsaal klingelte kam die nächste Wehe. Als die Hebamme auf machte und mich schnaufen hörte sagte sie als erstes ‚Das klingt doch schon mal gut‘ 😅 Sie stelle sich drinnen als Hebammenstudentin vor und ich dachte erst ‚Ohje, eine Auszubildende‘ 🙈 Aber sie war so toll und ich hätte mir keine bessere wünschen können! Sie fragte mich dann, ob wir erst ein CTG machen sollen oder sie mich untersuchen sollte. Ich wusste kurz gar nicht wohin mit mir und musste einen Moment ankommen und überlegen. Die Hebamme ging kurz raus und mein Mann kam dazu. Er setzte sich erst mal entspannt aufs Sofa und dachte er trinkt jetzt noch nen Kaffee 😅 Die nächste Wehe kam, ich lehnte mich etwas an eine Sprossenwand, schaute zu meinem Mann und winkte ihn wehend zu mir, um mich auch mal an seiner Schulter festzukrallen. Die Hebamme kam wieder und meinte direkt, dass wir in den Kreißsaal rüber gehen, da ich ja schon gut am tönen war. Also flix rüber gewatschelt, sie untersucht kurz meinen Muttermund und sagte ‚Also, der Muttermund ist weg, das Köpfchen ist fast da. Jetzt müssen wir mit dem Pressen anfangen.‘ Sie rief eine zweite Hebamme dazu und da ich zur Untersuchung schon auf dem Bett gelegen hatte und eigentlich ganz bequem fand, drehte ich mich nur noch zur Seite, obwohl ich vorher überzeugt war, dass ich es im Vierfüßler oder stehend gut finden würde. Mein Mann lag hinter mir auf dem Bett und obwohl ihn wenig von ihm wahrgenommen habe, was es doch sehr schön zu wissen, dass er da ist. Es wurde also fleißig gepresst, wobei ich tatsächlich Probleme hatte die Luft in den Bauch zu atmen, vor den Presswehen, war das kein Problem. Zudem entglitt mir beim Pressen immer die Luft durch den Mund, aber die Hebammen haben mich super unterstützt. Als es mir schwer viel, das obere Bein hochzuhalten, legte eine Hebamme es auch beherzt auf ihre Schulter 😅 Es tat natürlich weh, aber irgendwie war es für mich kein schlimmer Schmerz, sodass ich zwischen zwei Wehen tatsächlich noch sagte, dass ich es mir schlimmer vorgestellt habe 🙈 Beim Köpfchen stockte es in der Mitte ein wenig, weil es mir schwer viel den Mittelpunkt, ab dem es flutscht tatsächlich rauszupressen. Die Oberärztin, welche ich von der Kreißsaalführung kannte und sehr sympathisch fand, kam unaufgeregt dazu, als wenn sie einfach nur so bei der Geburt zuschauen wollte. Sie schlug vor, bei der nächste Wehe ein wenig unterstützend von außen am Bauch zu drücken, damit es besser klappt. Und obwohl ich meinem Mann vorher sagte, dass sich mir niemand auf dem Bauch legt, klang es für mich in dem Moment völlig in Ordnung, weil die Ärztin es so nett und ruhig vorschlug. Ich erinnere mich, dass ihre Hände schön warm waren und sie wirklich sehr sanft oben am Bauch drückte, wo es sich auch schon spürbar weicher anfühlte. Die Ärztin hörte aber auch ziemlich direkt wieder auf und meinte, dass unser Kleiner mit seinem Popo zurück drückt 😅 Sie wartete noch kurz, aber wir haben es dann noch gut hinbekommen und nach dem Köpfchen ging ja sowieso alle ganz flott. Ich sah unseren Sohn also kurz in den Händen der Hebamme, bevor sie ihn kurz am Fußende ablegte und sah direkt, dass seine Äuglein schon offen waren. Ich wurde gefragt, ob ich ihn auf die Brust haben möchte, was ich auch wollte. So lag er dann also bei uns, um 10:07 Uhr geboren und mein erster Satz war ‚Ist der prächtig!‘ 😊 Ein unbeschreibliches Gefühl emotionaler Erleichterung unser Baby endlich bei uns zu haben und natürlich auch körperlicher Erleichterung 😉 Mein Mann hat noch die Nabelschnur durchgeschnitten und die Plazenta kam sehr schnell hinterher. Ich musste nur ein klein wenig pressen und es fühlte sich wie ein warmer, weicher Sack an. Da ich auch schon viel Geburtsfotografie angeschaut hatte, wollte ich mir auch gerne die Plazenta anschauen. Ein paar Geburtsverletzungen blieben trotzt Dammmassage nicht aus. Dammriss 2. Grades, Schamlippen und Scheide waren auch etwas gerissen. Das war eigentlich das einzige was ich sehr ungerne wollte. Natürlich war es unangenehm, aber im Nachhinein ist es erstaunlich schnell verheilt und auch jeden Tag schnell spürbar besser geworden. Das hatte ich mir auch schlimmer vorgestellt. Während unser Sohn untersucht wurde, wobei mein Mann assistieren durfte, wurde ich also genäht und konnte zu ihnen rüberschauen. Am Ende fragten wir noch, wann wir überhaupt angekommen waren. Die Hebamme sagte, wir seien um zehn nach neun da gewesen. So waren wir sage und schreibe also eine Stunde im Kreißsaal gewesen 😅 Wir blieben noch eine Weile zum ankommen und kuscheln im Kreißsaal und mein Mann fütterte mich während ich den Kleinen im Arm hielt.

      Rundum waren wir beide soo unglaublich überrascht und zufrieden mit der Geburt, der Hebamme und auch den Tagen auf der Station, wo wir glücklicherweise ein Familienzimmer bekommen konnten. Die Stillberatung war auch unglaublich gut, sodass ich keine Probleme mit wunden Brustwarzen o.ä. hatte und es zu Entlassung nach drei Tagen schon gut klappte und wir nach zwei Wochen wirklich den Dreh raus hatten.
      Ich hätte selber nie gedacht, dass alles soo toll läuft! 😅

      • (2) 29.08.19 - 23:57

        Erstmal herzlichen Glückwünsch zum Kind.
        So flutschig hat sich das jetzt nicht gelesen aber Hauptsache du hast es so empfunden und bist zufrieden mit der Geburt wie sie verlief. Im letzten Moment noch im Kreissaal angekommen :)
        Übrigens wollte mein Mann auch als wir im Kreissaal waren seine Mama vom Busbahnhof abholen (sie kam aus dem Ausland an dem Tag). Die Hebamme hat nur ungläubig geschaut und gesagt das das Kind gleich da ist und er nirgendwo hin kann, wenn er die Geburt miterleben möchte. Ganz ähnlich deinem Mann der erstmal noch ein Kaffee trinken wollte :D. Das er dich nach der Geburt gefüttert hat finde ich auch sehr süß und liebevoll.

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