Traumgeburt trotz Einleitung und Saugglocke

    • (1) 08.11.19 - 23:32

      Ich habe während der Schwangerschaft immer gerne die Berichte gelesen und komme jetzt nach knapp 4 Monaten auch dazu meinen aufzuschreiben.

      Vor ab, ich bin ein Verfechter von Hausgeburten und sehe keinen Sinn darin, wenn man in einem Ersteweltland lebt, sein Kind zu bekommen wie im Mittelalter. Auch eine ambulante Geburt war keine Option, da ich die Sicherheit eines ausgebildeten Krankenhausteams für länger als ein paar Stunden sehr schätze. Aber jeder wie er mag, meine Geburt verlief dank top Ärztin und Team sehr toll. Ich ging unvoreingenommen und mit einer positiven Grundeinstellung zur Geburt. Eine PDA wollte ich eigentlich nicht haben, aber ich habe es mir offen gelassen, dass ich wenn die Schmerzen zu gross werden doch umswitche.

      Meine Schwangerschaft war unkompliziert und wenn nicht ab der 23. Woche der Bauch angefangen hätte zu wachsen, wäre es mir wahrscheinlich nicht aufgefallen. Es war wirklich eine Bilderbuchschwangerschaft. Keine Übelkeit oder sonstige Beschwerden, nicht mal zum Schluss als es 35°C hatte. Gesamt hatte ich auch nur 8 kg zugenommen und bin mit minus 9 kg aus dem Krankenhaus nach Hause gelaufen. Sogar mein Bauch war flach, dass die Dame an der Anmeldung zu ihrer Kollegin sagt, wenn ich nicht wüsste, dass Sie vor 4 Tagen mit Babybauch eingecheckt habe, wüsste man nicht, dass dies ihr Baby ist. So flach ist der Bauch. Unglaublich.

      Meinem Kind hat es auch so gut bei mir gefallen, dass am ET bei der letzten Kontrolle noch nix für eine Geburt sprechen sollte. 5 Tage später sind wir dann nochmal zur Kontrolle und wir wurden schon mit den Worten, «Ich habe Sie dann schon für morgen angemeldet» begrüsst. OMG dachte ich mir, müssen wir jetzt wirklich einleiten? Davor hatte ich wirklich Angst, da ich nur Horrorgeschichten über Einleitungen mit Wehenstürmen gelesen und von allen Seiten erzählt bekommen habe. Bei der Untersuchung war alles noch geburtsunreif, mein Kind wollte noch nicht raus.

      Am nächsten Tag sind wir dann gegen 14.00 Uhr im Krankenhaus vorstellig geworden und nach einem Anmeldemarathon sind wir dann von einer lieben Hebamme im Kreissaal begrüsst worden. Es sollte eine sanfte Einleitung werden und mir wurde zuerst ein Einlauf gemacht. Die angegebenen 10 Minuten konnte ich die Flüssigkeit keinenfalls halten sondern musste sofort zur Toilette rennen. Dort gab es dann 2x ein Geschäft und wir sollten danach kurz ein CTG schreiben und nebenbei den Wochenmenüplan ausfüllen. Über Prosciutto mit Melone habe ich mich so gefreut, den es am nächsten Tag zum Mittagessen gab und ich sagte zu meinem Kind, bis morgen Mittag bist du bitte da. Mama will wieder Prosciutto essen. Uns wurde dann die Nachmittagsjause mit Kaffee und Kuchen serviert und da es mir ja blendend ging, machten wir noch Selfies für alle Fragenden und hatten es wirklich lustig im Kreissaal. Eine ganz surreale Atmosphäre. Das CTG zeigt keine Wehen und wir wurden zum Spazieren gehen aufgefordert. Der Krankenhauspark war dafür prädestiniert. Dort trafen wir noch ein anderes Pärchen das zum Wehen anregen ebenfalls ihre Runden drehte. Wir haben schon gescherzt, mal schauen, wer schneller ist.
      Um 16.00 Uhr sollten wir uns wieder im Kreissaal einfinden und dort wartet auch meine Frauenärztin auf uns und hoffte auf erste Wehen. Mein Kind war jedoch unbeeindruckt vom Einlauf somit bekam ich ein Bändchen vor den Muttermund gelegt. Dies sollte langsam Wehen anregen, dass im Laufe der nächsten 24 Stunden die Wehen beginnen.

      Wir bezogen dann unser Familienzimmer und sollten gegen 20 Uhr nochmal zum CTG erscheinen oder natürlich früher wenn es unerwarteter Weise doch früher los gehen sollte. Nach knapp 10 Minuten am CTG spürte ich ein Ziehen und sah den Ausschlag am Gerät. Oh wow, so fühlen sich also Wehen an, denn ich hatte keine einzige Senk- oder Übungswehe die letzten 41 Wochen. Der Ausschlag war bei 36 und ich erzählte der Hebamme die zufällig mit im Kreissaal war davon. Sie meinte super, richtige Wehen sind dann bei 100. Was? Das werde ich nie überleben. Den Ausschlag mit 36 spürte ich schon sehr. Um 22.00 Uhr sollten wir nochmal zum CTG erscheinen, wieder das selbe Spiel. Keine wirklichen Wehen und gespürt habe ich nix mehr. Dann gehen wir halt schlafen. Um Mitternacht bin ich ins Hebammenzimmer gedackelt um mir was gegen diese fiesen Rückenscherzen, die ich jetzt auf den letzten Meter noch bekommen habe, zu holen. An Schlaf war aber auch mit Buscopan nicht mehr zu denken und gegen 1.00 Uhr weckte ich meinen Freund und sagte ihm, dass es jetzt wahrscheinlich los geht. Ich war mir zwar selbst nicht sicher, da ich immer gelesen hatte Wehen sind wie Regelschmerzen und vorne verspürte ich nix. Jedoch habe ich alle Wehen nur im Kreuz gespürt.

      So dann auf in den Kreissaal. Voller Euphorie wurde ich untersucht und ich war mir sicher, dass der Muttermund mind. 3-4 cm offen ist, denn die Rückenschmerzen waren echt fies. Die Ernüchterung folgte so gleich, Mumu 1 cm. Oh nein, dann wird es nix mit einer schnellen Geburt. Ich bekam eine Buscopan, hätte auch ein TicTac sein können. Gewirkt hat es nicht.

      Wir sind dann knapp 2 Stunden durch das menschenleere Krankenhaus getigert. Zwischendurch musste ich zwar immer wieder stehen bleiben und eine Wehe veratmen. Mensch was war ich froh, dass mir dies untertags erspart geblieben ist. Um 3.00 Uhr wollte ich dann aber nicht mehr laufen und bin ab da im Kreissaal geblieben. Am Pezzieball blieb ich während den Wehen und kreiste fleissig meine Hüfte. Seit Anfang an kamen die Wehen regelmässig alle 3 Minuten. Die Hebamme kam dann mit einem Waschlappen mit einem ätherischem Öl und hielt mir dies unter die Nase. Um eine gute Kinderstube war ich froh, denn am liebsten hätte ich ihr diesen Waschlappen um die Ohren gehauen. Dieser Zitrusduft war nix für mich und ich bat sie diesen zu entfernen. Mit Duftkerzen und Co konnte man mich sonst schon nicht beeindrucken und schon garnicht in einer solchen Ausnahmesituation.

      Den Wunsch in die Gebärwanne zu wollen, äusserte ich relativ früh und die Hebamme meinte, dass es besser wäre mir dies für später aufzubehalten. Ok, dann warten wir noch. Mein Partner hatte nun endlich auch was zu tun. Er war für die «Massage meines Lebens» zuständig. Während einer Wehe drückte er seine Daumen mit voller Kraft in meine Lendenwirbelsäule. Bei jeder Wehe gab ich neue Anweisungen (höher, tiefer, fester, rechts, links). Denn nicht jede Wehe war gleich.

      Gegen 4.00 Uhr war dann auch die Wanne endlich voll und mit Hilfe der Hebamme stieg ich zwischen 2 Wehen ein. In meiner Naivität habe ich mich schon dort entbinden sehen. Inspiriert von den ganzen hübschen Geburtsfotos. Aber für mich war die Wanne nix. Ich fand keine Position die mir passte und ich vermisste die Akupressur im Rücken. Das Wasser empfand ich ebenfalls als kalt, da ich auch sonst eher 40°C warmes Wasser bevorzuge und auch im Sommer mehrere Anläufe brauche um ins Freibad zu steigen. Knapp 10 Minuten war ich in der Wanne und die Hebamme war genervt als ich schon wieder raus wollt. Die Hebamme und ich waren uns sowieso nicht ganz sympathisch und ich wusste, dass mein Kind sicher nicht während ihrer Schicht kommen wird.

      Kaum war ich wieder aus dem Wasser draussen war mir kalt und trotz 35°C untertags war ich am frösteln. Die dicken Socken hatten wir natürlich im Zimmer und mein Partner musste diese schnell holen. Ich bekam nun einen Tropf um meinen Kreislauf wieder etwas in Schwung zu bringen. Da sass ich dann am Kreisbett in Krankenhausnachthemd und dicken Socken im Juli. Mumu war mittlerweile bei 3-4 cm und ich war positiv gestimmt, dass bis Mittag der kleine da ist. Jetzt kam das nächste Wundermittel der Hebamme – Lachgas. Ich hatte nur gutes gehört und war gespannt ob es meine Schmerzen lindert. Mein Fazit, Schmerzen lindern nein, Ablenkung während den Wehen ja. Ich habe es aber dann doch recht lange genutzt und wurde immer durstiger davon. Während der gesamten Geburt habe ich 3 Liter Wasser getrunken. Da sassen wir nun. Kam eine Wehe, gab ich Anweisungen wie mein Partner seine Finger in mein Kreuz drücken soll, dann 2-3 Züge Lachgas durch die Maske, Wehe vorbei, trinken. Im Nachhinein hat er immer erzählt wie anstrengend die Geburt für seine Hände war. Ist klar, mein GANZER KÖRPER hat während der Geburt gelitten. Aber gut, lassen wir ihm seine Einbildung.

      Vor dem Fenster wurde es dann langsam Tag und ich wusste, dass es nicht mehr lange dauern wird bis zum Schichtwechsel. Die Hebamme wollte mich nochmal untersuchen für den Bericht, aber dies verweigerte ich, da ich keine Lust hat mich hinzulegen und lieber sitzen wollte. Ich wusste, dass meine Ärztin bald kommen wird und in sie hatte ich mehr Vertrauen. Kurz nach 6.00 sprang dann meine Blase. Dachten wir zumindest…. Um halb 7 war dann Schichtwechsel und meine Ärztin kam und erkundigte sich nach meinem Befinden und warum ich keine PDA habe. Ja warum habe ich keine PDA? Hat man mir nicht angeboten, aber so schlimm fand ich die Wehen bis jetzt nicht das ich eine gebraucht hätte. Sie war erstaunt, dass wir schon so weit waren und nach kurzer Untersuchung stellte sich dann raus, dass die Blase noch intakt war. Ich hatte mich nur angepullert. Peinlich. Peinlich. Gegen die Schmerzen wurde mir ein Schmerzmittel intravenös verabreicht und das tat wirklich gut. Die neue Hebamme war die selbe wie am Nachmittag und sie hatte noch eine super liebe Hebammenschülerin dabei. Mumu war mittlerweile bei 8 cm und um den letzten Rest noch zu schaffen wurde gegen 7.00 Uhr die Blase gesprengt. Knapp 20 Minuten später war dann der Mumu komplett geöffnet und ich habe mal unverbindlich nachgefragt ob der Kleine bis 8.00 Uhr da ist. Schweigen im Walde. Jetzt waren die Wehen nämlich wirklich knackig und mein ganzer Körper war im Einsatz. Obwohl ich eigentlich ganz klar im Kopf war und nicht wie in Trance wie ich es manchmal gelesen hatte. Frage ich bei jeder Wehe meinen Partner ob dies jetzt eine Wehe ist, da er ja den CTG Monitor im Blick hatte. Ja, es war jedes Mal wenn ich fragte eine Wehe. Aber das habe ich irgendwann nicht mehr realisiert da mein ganzer Körper während jeder Wehe schmerzte.

      Jetzt kam etwas davon hatte ich vorher noch nie gelesen. Der Kleine war noch zu hoch und ihm fehlten noch 3 cm bis ich pressen durfte. What? Wie soll das denn jetzt gehen. Man schlug mir vor mich neben das Kreisbett zu stellen. Nach 2-3 Minuten bat man mich doch wieder aufs Bett zu steigen. Aber ich wäre ja nicht ich, wenn ich dies nicht hinterfragen würde, denn ich hatte mich ja belesen und stehend wäre eine Geburt ja besser aufgrund der Schwerkraft. Ja, man hat es mir dann erklärt. Ich spannte während jeder Wehe meine Oberschenkel und meinen Popo an, wie im Fitnessstudio, und so wird das nix. Ok, das ist ein Argument. Den Vierfüssler probierten wir und hängend über der Kreisbettlehne. Aber wirklich produktiv war dies ebenfalls nicht. Mittlerweile fehlt aber nur noch 1 cm. Mir wurde ein Wehentropf angehängt um diese Möglichkeit auch noch auszuschöpfen. Ich verspürte einen Pressdrang, sollte aber noch nicht pressen, da er den letzten Zentimeter noch schaffen müsste. Erst später habe ich realisiert, dass diese Ganzkörperwehen Presswehen waren. Ich hatte die Presswehen nochmal stärker erwartet, jedoch war die Intensität ähnlich den Wehen der letzten Stunde.

      Im Augenwinkel habe ich die Hebamme die ganze Zeit irgendwelche Dinge vorbereiten sehen und ich habe mich nur über den Müllberg der während der Geburt verursacht wurde gewundert. Was man halt so für Gedanken hat während man ein Kind bekommt. HAHA. Um den letzten Rest noch zu schaffen, sollte ich nochmal kurz zur Toilette, aber ich konnte trotz der getrunkenen 3 Liter Wasser meine Blase nicht mehr ansteuern, da der Kopf des Babys eindeutig im Weg war.

      Zuerst war mir kalt und jetzt habe ich am ganzen Körper geschwitzt. Die Hebammenschülerin tupfte mit einem kalten Waschlappen meinen den Nacken und die Stirn ab. Mittlerweile war ich bis auf das Band mit den 2 CTG-Knöpfen nackt und es war mir total egal. Das hatte ich vorher nicht so erwartet. Hatte mir extra noch ein Nachthemd für die Geburt gekauft und mir echt Gedanken gemacht wie unangenehm es sein wird, sich nackt vor so vielen unbekannten Personen zu präsentieren. Aber in diesem Moment verschwendet man keinen Gedanken daran.

      Um halb 9 wurde ich dann wieder untersucht und ich bekam mit wie sich die Ärztin mit der Hebamme unterhielt. Ich wollte natürlich wissen was los ist. Ja, wir machen jetzt eine Saugglockengeburt. Der kleine will nicht weiter rutschen und das ist jetzt das Beste. Mit einer Spritze wurde der Damm betäubt. Dies habe ich erst im Nachhinein erfahren. Dann ging alles ganz schnell. Eine dritte Hebamme wurde noch dazu geholt und dann hiess es ich darf endlich pressen. Eine Hebamme drückte rechts, eine drückte links, eine drückte von oben und ich spürte wie er rauskam. Mein Partner wurde aufgefordert schnell die Nabelschnur durchzuschneiden und der Kinderarzt der bis jetzt knapp eine Stunde nur in der Ecke stand, schnappte sich mein Baby und war weg und mein Partner hinterher. Ich verfiel in Panik. Was ist mit meinem Baby? Warum haben sie ihn mitgenommen? Ich wurde beruhigt, dass man ihn eh schon schreien hört und sicher alles gut ist. War es auch. 2 Minuten später kamen Vater und Sohn wieder. Im Nachhinein erklärte mir der Kinderarzt, dass er nach der Geburt etwas schlapp war. Woran er das festmachte, keine Ahnung. Apgartest war 9/10/10.

      Die Nachgeburt kam sofort und ich begann am ganzen Körper zu zittern. Man deckte mich zu und legt mir mein nacktes Baby auf die Brust. Was für ein Gefühl. Endlich war er da und der Schmerz war zwar nicht vergessen aber wir unterhielten uns mit der Hebamme schon über die Geburt des Geschwisterchens. 2 Stunden blieben wir noch im Kreissaal. Mein Dammschnitt wurde knapp 30 Minuten genäht, aber dies passierte nebenbei. Ich war verzaubert von meinem Sohn und während er ruhig auf meiner Brust lag, hat er auch schon die Brust gefunden und fleissig getrunken.

      Für mich war es trotz Einsatz der Saugglocke und des Dammschnitts eine Traumgeburt. Das Krankenhausteam war toll, hat ermutigt, wenn man es brauchte und sich zurückgehalten, wenn man entspannen wollte. Die Schmerzen waren für mein Empfinden aushaltbar und der Kleine wird sicher kein Einzelkind bleiben.

      Seine Daten
      Simon
      17.7.2019, 8:38 h
      3.640 g
      52 cm
      KU 35,5 cm

      • Hallo,

        ein wirklich schöner Bericht. Es freut mich zu lesen, dass eine Geburt mit Einleitung auch positiver verlaufen kann. Das macht Hoffnung fürs zweite Kind, falls es wieder nötig sein sollte. Die Erfahrung mit der Saugglocke mussten wir leider auch machen wegen Geburtsstillstand.
        Ich wünsche euch alles Liebe mit dem kleinen Mann.

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