Geburt meiner kleinen Tochter (ziemlich lang)

Geburtsbericht

Meine Schwangerschaft war einfach und an sich unauffällig, wenn man von zwei starken Blutungen in der frühen Schwangerschaft und lähmende Übelkeit bis zur 13./14. Woche absieht. Aber wie es so ist, sobald es mir besser ging, war die Übelkeit schon fast vergessen. Einen leichten Gestationsdiabetes entwickelte ich auch, aber dem Baby ging es immer super, war prima versorgt und entwickelt. Der errechnete ET war der 8. August 2020, allerdings hatte ich im Gefühl, dass sie noch im Juli kommen würde.

Am 9.Juli verlor ich morgens meinen Schleimpfropf- obwohl ich erst bei 35+5 war, habe ich mir keine Gedanken gemacht, immerhin ist der Abgang des Schleimpfropfes eines dieser Anzeichen, nach dem es losgehen kann, aber nicht muss. Über den Tag hinweg habe ich öfters in mich hineingehorcht und nach Wehen „gefühlt“, aber es tat sich rein gar nichts. Am nächsten Tag, einem Freitag, war dann auch wieder alles normal und ich ging davon aus, dass die Kurze noch einige Zeit im Bauch bleibt.

Bis ich Samstagnacht um 1 Uhr aufwachte, denn eine Sekunde später spritzte das Fruchtwasser nur so aus mir heraus. Ich nehme an, dass ich den Blasensprung im Halbschlaf gehört habe, denn ich war definitiv wach, bevor es lief. Und es lief. Nachdem ich die Bettdecke weggezogen und überprüft hatte, dass es auch ja Fruchtwasser und kein Blut ist, musste ich erst mal ins Bad rennen, um nicht mein Bett und den Teppichboden im Schlafzimmer völlig zu durchnässen. Im Vorbereitungskurs hatte die Hebamme gesagt, dass es sehr selten „so richtig läuft“ und der schwallartige Abgang von Fruchtwasser eher aus Filmen als aus der Realität entstammt. Tja, bei mir war es tatsächlich so. Mit einem dicken Handtuch zwischen den Beinen ging ich wieder nach oben ins Schlafzimmer, denn ich musste noch meine Kliniktasche packen und im Kreissaal anrufen, um zu erfragen, ob ich liegend kommen muss. Da meine Gyn nie etwas von „fest im Becken“ erwähnt hatte, wusste ich eigentlich schon, dass es auf eine Fahrt mit dem Krankenwagen hinausläuft. Packen musste ich trotzdem, ich sagte meinem Bruder Bescheid, er solle mir die Nummer des Kreissaals heraussuchen, denn natürlich war mein Handy genau in dieser Nacht nicht aufgeladen und ging direkt aus, als ich es griff.

Gesagt, getan, die Tasche war schnell gepackt (nebenbei, ich habe minimal gepackt und nichts vermisst im Kreissaal/Krankenhaus) und der Rettungswagen war nach wenigen Minuten auch schon da. Es folgte eine Fahrt, auf der ich ab und an mal ein Rumpeln im Bauch spürte, nicht schmerzhaft, aber wahrnehmbar. Im Krankenhaus angekommen, wurde mir direkt Fieber gemessen (wegen Corona), dann folgte ein CTG, Ultraschall und eine vaginale Untersuchung. Der ph-Test schlug lustigerweise nicht direkt an, obwohl das Fruchtwasser weiterhin nur so lief. Der Kopf war mittlerweile aber fest im Becken, sodass ich aufstehen und mich bewegen durfte, zunächst aber aufgrund der späten Stunde (etwa 3.30Uhr) ein Bett beziehen durfte.

Obwohl ich absolut entspannt war, konnte ich nicht mehr schlafen in dieser Nacht. Ab und zu hatte ich eine starke Wehe, und zwischen 6 und 7 Uhr kamen diese sogar alle 4-5 Minuten- wurden dann aber wieder unregelmäßiger. Gegen 8 Uhr bekam ich einen Tropf mit Antibiotika angehängt (Vorsichtsmaßnahme bei Blasensprung) und es wurde ein CTG geschrieben, das aber nicht viel anzeigte. Zwischen 10 und 12 Uhr hatte ich wieder anständig regelmäßig Wehen, dann ging ich duschen, das half zwar nicht, die Wehen erträglicher zu machen, gab mir aber etwas zu tun, denn so langsam wurde ich müde.

Nach dem Mittagessen hatte ich ein weiteres CTG, und gegen 15 Uhr beschloss ich, einen Spaziergang zu machen. Dabei wurden die Wehen sehr schnell so heftig, dass ich die Wehenapp, die ich morgens noch heruntergeladen habe, nicht mehr genutzt habe, weil ich ständig das Handy in der Hand halten musste, was mich störte. Etwa alle drei Minuten kamen die Wehen und ich ging nach einer Dreiviertelstunde zurück ins Zimmer, weil ich mich auf den Gängen nicht mehr wohlfühlte. Auf Station angekommen bat ich um eine erneute vaginale Untersuchung, nicht, weil ich dachte, mein Muttermund könnte schon sehr weit geöffnet sein, eher als Statusabfrage. Die zuständige Schwester gab meine Anfrage wohl weiter, daraus geworden ist allerdings nicht, sodass ich beim Austeilen des Abendessens erneut darum bat- wieder wurde es weitergeleitet. Die Wehen waren mittlerweile so heftig, dass ich es im Sitzen nicht mehr aushielt, am besten konnte ich sie veratmen in dem ich das Bett komplett hochfuhr und mich mit den Armen darauf abstützte. Außerdem musste ich dringend mal auf die Toilette, aber es war schier unmöglich, immer wenn ich saß, konnte ich nicht. Ich bat um ein Schmerzmittel und gegen 19 Uhr bekam ich zusätzlich zur Antibiotika einen Tropf mit Buscopan und Novalgin, der die Wehen nicht weniger schmerzhaft machte, aber mich während der Wehenpausen entspannen ließ. Außerdem konnte ich noch mal zum CTG, wo man aber erneut sehr wenig sah, obwohl ich ordentlich veratmen musste.

Zurück im Zimmer ging ich mich abduschen, wieder tat das Wasser gut und die Zeit ging dabei etwas rum. Als die Nachtschwester ihre erste Runde machte, bat ich erneut um eine vaginale Untersuchung, diese meinte aber, die Wehen seien nicht stark genug, deshalb hätte sich noch nichts getan. Ich könnte noch Paracetamol bekommen und wieder zum CTG gehen, wenn die Wehen mehr werden. An dieser Stelle war ich unendlich frustriert, weil seit nachts um etwa 2 Uhr niemand eine vaginale Untersuchung gemacht hatte und ich das Gefühl hatte, man nimmt meine Wehen (und Schmerzen) nicht ernst. Also verblieb ich zunächst Wehen veratmend im Zimmer und umarmte meine Bettdecke, bis es irgendwann nicht mehr ging und ich erneut zum CTG lief.

Und da war eine ganz tolle Hebammenschülerin, die ich erst mal hätte knutschen können, als sie das CTG im Stehen schreiben ließ- mein Ischias hat mir auf der Liege davor regelmäßig die Tränen in die Augen getrieben, wenn ich aufstehen sollte. Wieder hat man zwar Spitzen erkannt, aber keine dieser schönen „Berge“, wie die effektiven Wehen wohl aussehen sollen. Die Hebammenschülerin meinte trotzdem, sie sagt Bescheid, damit ich ein Schmerzmittel bekomme und mich etwas ausruhen kann. Dies tat sie telefonisch, und während ich im Schneckentempo den Weg in mein Zimmer antrat, hörte ich den Beginn ihres Gesprächs. Die Nachtschwester muss etwas gesagt haben in Richtung „sie hatte schon Schmerzmittel und die Wehen sind nicht stark genug, als das sie was bewirken“, denn die Schülerin kam in mein Zimmer und sagte, sie kann mir ein Schmerzmittel geben, aber auch erst mal nach dem Muttermund schauen, wenn ich das zulasse. Natürlich ließ ich das zu, und eine kurze Untersuchung später verkündete sie, dass der Muttermund bereits 5cm geöffnet sei und rief im Kreißsaal an, dass wir kommen. #huepf

Im Kreißsaal angekommen kam eine weitere Hebamme dazu und ich bekam ein anständiges Schmerzmittel. Endlich kam ich etwas zur Ruhe, Schlaf brachte es mir zwar nicht, aber ich konnte während der Wehenpausen etwas dösen. Nach etwa zwei Stunden wechselten wir auf Lachgas und arbeiteten mit verschiedenen Positionen, um die Kleine weiter ins Becken rutschen zu lassen. Laut der Hebammenschülerin war mein Muttermund nun 8cm geöffnet. Die beiden Hebammen waren ganz wunderbar, wir verstanden uns super und sie gingen auf mich ein, wenn ich die Position wechseln musste. Weitere zweieinhalb Stunden später checkte die ausgebildete Hebamme noch mal den Muttermund und stellte fest, dass die Schülerin sich vermessen hatte und ich nun erst bei 6/7cm angekommen war- was ich aber nicht schlimm fand, Fehler gehören ja zum Lernen dazu und irgendwann würde mein Kind schon kommen. Allerdings merkte ich etwa zu diesem Zeitpunkt, dass ich wirklich sehr müde und erschöpft war und hatte das dringende Bedürfnis nach etwas Schlaf. Deshalb fragte ich nach Vor- und Nachteilen einer PDA, für die ich mich dann kurzerhand entschied. Der Anästhesist war zufällig gerade im benachbarten Kreißsaal, also ging die ganze Sache flott. Ich weiß zwar nicht, wie das Mittel heißt, was mir gespritzt wurde, um die Wehen für das Legen der PDA zu stoppen bzw. den Schmerz auszusetzen, aber das Zeug war ein Wunder! Meine Schmerzen waren wie weggeblasen und dann setzte die PDA ein und ich war im Himmel. Nachdem alles gut verklebt und verpackt war, drehte ich mich um und schlief. Die Hebammen kamen einmal zum Wenden und dann wurde ich um 7Uhr von zwei neuen Hebammen (wieder eine Schülerin und eine ausgebildete Hebamme) geweckt. Nun war der Muttermund wirklich auf 8cm, die PDA wurde abgestellt und mit Positionswechsel dafür gesorgt, dass mein Kind sich weiter auf den Weg nach unten macht. Diese Hebammen waren genauso toll wie die ersten beiden, die Schülerin ist unter mir herumgekrabbelt, um das CTG festzuhalten und meinem Drang, zu stehen oder zu hocken konnte ich nach Herzenslust nachgeben. Gleichzeitig haben sie immer wieder gesagt, dass ein Stellungswechsel in diese oder jene Richtung gut wäre und dann haben wir das so gut es ging gemeinsam umgesetzt. Ich habe mich absolut wohl gefühlt mit den beiden, wir haben zusammen dafür gearbeitet, dass ich mein Baby in den Armen halten kann und ich hatte das Gefühl, wir sind ein Team. Irgendwann kurz nach 8 schaute ich auf die Uhr und dachte „vielleicht kommt sie zwischen 8 und 9Uhr“- und ich sollte fast Recht behalten.

Der Druck nach unten wurde immer größer, und nachdem die Wirkung der PDA weg war hatte ich erneut das Bedürfnis mal ordentlich zur Toilette zu gehen. Mir ist und war bewusst, dass es ein Anzeichen ist, wenn das Baby wirklich kommt. Während ich mitschieben durfte dachte ich mir dann irgendwann „gut, dann kackst du halt jetzt auf die Unterlage und dann ist es draußen und dann kommt dein Kind“. Wirklich was gekommen ist natürlich nicht, war eben doch der Kopf, der da Druck machte.

Wann genau ich in den Presswehen angekommen bin, kann ich tatsächlich nicht sagen- der Muttermund war ruckzuck vollständig geöffnet und ich konnte während der Wehen richtig spüren, wie ich die Kleine runterschob, aber auch, wie sie wieder zurückrutschte. Irgendwann ging die Hebamme zur Tür und rief „Kind kommt“ und ich dachte „huch, schon?“. Ein Arzt kam hinzu und ich durfte vier Presswehen nicht pressen, was ich überraschenderweise nicht so schlimm fand, wie befürchtet. Dann durfte ich wieder mitschieben und innerhalb einer einzigen weiteren Wehe wurde meine Tochter geboren. Sie hatte ganz viele dunkle Haare, war voll mit Käseschmiere und Blut und so klein, aber so "da". #verliebt
Direkt kam sie zu mir auf die Brust, ich schnitt die Nabelschnur durch und schon kam die Plazenta hinterher. Kurz konnten wir uns beschnuppern, und dann nahm die Hebamme sie für eine Untersuchung, wobei sie etwas schlapp wirkte. Ein gerufener Kinderarzt meinte, dass die Sauerstoffsättigung nicht optimal sei, aber sie durfte trotzdem zu mir, weil sich das wohl meistens gibt, wenn die Kleinen bei Mama sind. So war es dann auch, und zusammen wurden wir in einen anderen Kreißsaal geschoben und durften uns ein bisschen kennenlernen. Irgendwann war ihre Sättigung dann wieder unterhalb des Grenzwertes und der Kinderarzt nahm sie mit auf die Kinderstation. Während ich sie natürlich lieber bei mir gehabt hätte, empfand ich es vollkommen okay, dass sie mitgenommen wurde, um ihr die Anpassung etwas zu erleichtern.

Ich bekam mein Frühstück und wurde anschließend auf die Station gebracht. Etwa eine Stunde nachdem meine Kleine mitgenommen wurde, hatte ich dann stark das Bedürfnis, sie endlich wiederzusehen. Ich war kurz erschrocken, sie verkabelt und mit Sauerstoffschlauch zu sehen, aber die Kinderkrankenschwester beruhigte mich- die Kabel sind Standard für die Überwachung und den Schlauch hatte sie bloß zwanzig Minuten gebraucht und der war nur noch dran, falls sie noch mal Hilfe bräuchte. Meine Tochter hatte ein Hämatom am Hinterkopf und wollte nicht angefasst werden, wobei sie bei mir eine Ausnahme machte (was mich natürlich beruhigte). Coronabedingt gab es Besuchszeiten auf der Intensivstation, sodass ich mich von ihr trennen musste, bevor ich nachmittags wieder zu ihr durfte. Am nächsten Tag wurde sie zunächst auf die Normalstation verlegt und mittags durfte sie mit mir ins Zimmer, und abgegeben habe ich sie danach nicht mehr.

Sie wurde geboren bei 36+1 mit 3360gr auf 52cm, um 9.21Uhr am 12.07.2020

Sie wurde die letzten Male immer groß geschätzt und war zehn Tage weiter entwickelt, bei der frühen Geburt bin ich sehr froß, dass dem so war, sonst wäre sie wirklich arg klein gewesen. Uns geht es beiden absolut gut, Stillen läuft super und sie ist ganz entspannt.

Interessant zu erwähnen ist noch, dass meine Tochter richtig mitgeholfen hat, indem sie sich mit den Füßen innen weggedrückt hat und mehr Druck ausgeübt hat. Gestrampelt hat sie auch gefühlt bis sie letzten Endes draußen war. #rofl Aber dann ging es ihr doch zu schnell #schein

1

Ein toller Geburtsbericht! Danke dir!
Ich wünsche euch alles Gute 🍀

2

Ein toller Bericht, vielen lieben Dank und euch beiden alles Gute 🤭