Geburt unserer Tochter (Saugglocke + Kristeller-Griff)

Hallo ihr Lieben! 😊

Da die Geburt unseres Sohnes kurz bevor steht, habe ich ich es endlich noch geschafft den Geburtsbericht unserer Tochter zu schreiben (ergĂ€nzt von meinem Mann). Die Geburt dauerte von der ersten Wehe bis zur Geburt 7h, war mit Saugglocke (KiWi) und Kristeller-Griff (diesen empfand ich aber zum GlĂŒck nicht als ĂŒbergriffig).

Denen die Lust haben, viel Spaß beim Lesen:

Am 4.3.19 bin ich morgens um 3 Uhr aufgewacht, weil ich getrĂ€umt hatte, ich habe eine Wehe. Ein paar Minute spĂ€ter kam dann ebenfalls dieses GefĂŒhl und ich war ab diesem Zeitpunkt natĂŒrlich hellwach. Da es sich ganz anders angefĂŒhlt hat, wie alles, was ich davor in der Schwangerschaft gespĂŒrt habe, habe ich angefangen diese Wehen zu messen. Es irritierte mich etwas, dass die AbstĂ€nde schon recht regelmĂ€ssig im 7 Min. Takt kamen. Ich bin dann aufgestanden und etwas durch die Wohnung gewandert, um das Ganze erstmal zu beobachten. Um kurz nach 4 Uhr dachte ich mir, dass ich mal in die Dusche gehe um zu gucken, ob die Wehen durch WĂ€rme wieder verschwinden. Davor habe ich meinen Mann noch Bescheid gegeben: „Ich glaub es könnte losgehen, aber ich gehe erstmal unter die Dusche. Rufe dich aber, wenn was ist.“
Durch das warme Wasser wurden die Wehen etwas stĂ€rker und langsam auch unangenehmer, der regelmĂ€ĂŸige Abstand blieb. Gegen 5/5.30 Uhr habe ich dann im Kreißsaal angerufen und gefragt, ob ich kommen soll. Dort hieß es, dass sie aktuell voll sind und ich erst in 2 Stunden kommen kann. Mein Mann war danach etwas aufgeregt und rief nochmal an, ob wir dann auch wirklich kommen dĂŒrfen (er wollte mich quasi nochmal voranmelden und sicher gehen, dass sie mich dann nicht wieder abweisen).
Danach hat er sich geduscht und gerichtet, da er doch kurz zur Arbeit fahren wollte, um seinen Laptop zu holen (falls es falscher Alarm ist). In der Zwischenzeit wurden die Wehen immer stÀrker und intensiver. Ich hatte noch etwas aufgerÀumt, musste nun aber bei jeder Wehe stehen bleiben, mich festhalten und diese veratmen. Das ging noch recht gut. Eine Banane habe ich auch noch gegessen, um etwas im Magen zu haben. Diese kam aber direkt wieder Retour und auch so musste ich sehr oft auf die Toilette.
Als mein Mann dann fertig war und fragte, was er nun tun solle, habe ich ihm gesagt, dass er nicht mehr fahren soll, da ich mich zunehmend unwohler fĂŒhle, die Wehen auch in immer kĂŒrzeren AbstĂ€nden kamen und immer schmerzhafter wurden. Wie schnell die Wehen kamen und wie lange sie dauerten habe ich zu dem
Zeitpunkt nicht mehr gemessen (es mĂŒssten aber so 3-5 Min. AbstĂ€nde gewesen sein).
Um kurz nach 7 Uhr machten wir uns dann auf den Weg in den Kreißsaal. Mein Mann musste mich schon etwas stĂŒtzen auf dem Weg zum Auto. In den knapp 10 Min. Fahrt zur Klinik hatte ich 3 schmerzhafte Wehen. Ich sagte noch zu ihm: „Wenn sich nix getan hat und das noch ewig dauert, dann will ich eine PDA!!“
Auf den paar Metern in die Klinik kam die nĂ€chste Wehe, bei der wir stehen bleiben mussten. Ebenso als wir in den Kreißsaal eingetreten sind. Mein Mann hatte mich die ganze Zeit gestĂŒtzt.
Dort stand gerade sogar meine EntbindungsĂ€rztin im Eingangsbereich, die eigentlich ab dem Tag Urlaub hatte und nur etwas vorbeibringen wollte. Sie begrĂŒĂŸte uns mit dem Satz: „Das sieht aber schon gut aus“. Und meinte dann, dass sie heute noch in der Stadt sei, das Auto putzen gehe und dann zur Geburt komme.
Die Hebamme A. schloss mich dann an‘s CTG, das regelmĂ€ĂŸige Wehen im 1,5-2 Min. Takt aufzeichneten. Also sollte mein Mann direkt unsere Sachen holen und ich durfte zur Untersuchung. Mir fiel es unglaublich schwer die Wehen zu veratmen und bei jeder Wehe musste ich vor Schmerzen laut aufstöhnen. Mein Muttermund war zu dem Zeitpunkt 6 cm offen. Sie meinte dann, dass ich im Kreißsaalbereich noch etwas trinken, laufen und auf meinen Manm warten kann und wir danach, wenn ich möchte, ein Klysma machen und ich mit Buscopan ZĂ€pfchen in die Badewanne kann, um etwas zu entspannen. Auch wenn mein Mann nur kurz weg war, kam es mir vor wie eine Ewigkeit. Als er dann wieder da war, nahm mich A. mit ins Bad und machte mir das Klysma. Sie sagte, ich solle es 3 Wehen lang drinnen behalten. Nachdem die erste Wehe kam, merkte ich aber schon, dass es nicht mehr geht und sie begleitete mich schnell aufs Klo. Mein Mann wartete davor auf mich und sprach mit mir. Die Wehen ĂŒberrollten mich und das Klysma kam wieder raus. Ich schrie schon fast und meinte, dass ich nicht mehr könne.
Plötzlich war A. da und rief der Putzfrau zu, dass sie schnell den Kreißsaal fertig putzen und frei machen soll - auf einmal war alles ganz hektisch. Ich meinte dann, dass ich nicht meinte, dass das Baby kommt, sondern dass ich das Klysma nicht mehr halten konnte und die Wehen so schmerzhaft sind - mein Mann gab das weiter, aber A. schĂ€tzte die Situation anders ein und sagte zu mir, dass ich jetzt rauskommen soll. Die Beiden fĂŒhrten mich dann in den Kreißsaal auf das Kreißbett. Ich konnte kaum noch stehen oder laufen.
Als ich auf dem Kreißbett lag untersuchte A. nochmal meinen Muttermund, der nun komplett offen war und sagte dann zu mir, dass ich schon etwas mitschieben könne, wenn ich den Drang dazu verspĂŒre. A. meinte dann, dass meine Fruchtblase gleich platzen wĂŒrde und die Wehen dann nochmal schneller kommen. Da dies nicht von selber geklappt hat, hat sie etwas nachgeholfen. Ich spĂŒrte dann, wie viel warmes Wasser zwischen meinen Beinen austrat (es fĂŒhlte sich an wie ein Sturzbach). Jetzt konnte ich richtig mitpressen.
Die Wehen waren so heftig, dass ich bei jeder Wehe schreien musste. Ich bekam dann Lachgas, was ich allerdings zuerst nicht annehmen wollte bzw. nutzte. Bei jeder Wehe presste ich mit.
Ich war komplett im Tunnel, gefangen in meinem Wehenschmerz und versuchte die Anweisungen der Hebamme umzusetzen. Ich hörte immer wieder, dass man schon die Haare sehen könne, aber irgendwie ging es nicht weiter. Es folgte eine Presswehen nach der anderen. Ich sagte immer wieder, dass ich nicht mehr kann und revidierte dies dann wieder. Mein Mann war die ganze Zeit bei mir, saß oder stand neben mir auf/am Doppelkreißbett, unterstĂŒtzte mich und half mir beim Drehen, hielt mein Bein oder sagte mir, wie toll ich das mache. Er war also ganz vorne mit dabei, was von uns beide aber gewollt war.
Mittlerweile war dann auch die BelegĂ€rztin da. Ich bekam mit, wie sie dann sagte, dass sie am Kopf unsrer Tochter ein kleines SchwĂ€mmchen platziere, um diesen zu fixieren, da sie immer wieder reinrutschen wĂŒrde. Ich hĂ€tte dadurch allerdings keine Wehenpause mehr und mĂŒsste gut mitpressen. Man konnte die Herztöne auch nicht mehr ĂŒberwachen, da sie vermutlich schon zu tief unten war, deshalb musste es jetzt schnell gehen. Ich sah, wie sie mir Oxytocin spritzten, damit ich nochmal richtig effektive Wehen bekomme und ich drĂŒckte was das Zeug hielt, wĂ€hrend ich mich vollkommen in die Lachgasmaske reinpresste und die Augen schloss. Hebamme und Ärztin halfen nach, indem sie noch mit auf meinen Bauch drĂŒckten. Als der Kopf geboren war (sie hatte auch noch zusĂ€tzlich die Hand vor dem Gesicht) und der Körper geboren wurde spĂŒrte ich nochmal einen stechenden, brennenden Schmerz, als dieser hinausglitt. Der Schmerz war schlimmer als die Geburt vom Kopf. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass dies wohl die Schulter war, mit der unsere Tochter stecken geblieben war.
Ich guckte direkt zwischen meine Beine und sah unsere Tochter, wie sie Luft holte. Sie gab aber weder einen Schrei noch irgendeinen Ton von sich, was meinen Mann sehr verunsicherte, wie er mir spÀter erzÀhlt hat. Sie wurde mir dann direkt auf die Brust gelegt und ich konnte es nicht fassen, dass es nun geschafft war.
Mein Mann schnitt noch die Nabelschnur durch. Danach habe ich nicht mehr viel mitbekommen von dem, was um mich herum passiert ist. FĂŒr die Geburt der Plazenta habe ich nochmal etwas gespritzt bekommen. Es war ein ekliges GefĂŒhl diese zu gebĂ€ren, allerdings war ich von unserer Tochter so sehr abgelenkt, dass ich mich kaum daran erinnere. Auch wurde danach mein Scheidenriss genĂ€ht, was ich aber nicht richtig wahrgenommen habe. Mein Mann sollte dann meine Plazenta fotografieren, da sie angeblich so toll aussah und herzförmig war, damit ich sie mir danach auch anschauen könne.
Unsere Tochter, mein Mann und ich durften dann ca. 2 Stunden im Kreißsaal kuscheln, zwischendurch wurde noch die U1 gemacht, bei der mein Mann nebendran stand. Da alles Schlag auf Schlag kam musste er die komplette Geburt in seinem Arbeits-Outfit ĂŒberstehen. Danach ging es auf Station in unser Familienzimmer. Wir waren nun zu 3 - eine kleine Familie!

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RĂŒckblickend habe ich mich von der Geburt und dem Wehenschmerz sehr ĂŒberrollt gefĂŒhlt und habe auch etwas Zeit gebraucht, diese zu verarbeiten. Ich hatte relativ schnell ziemliche Probleme die Wehen zu veratmen und mit den Schmerzen klarzukommen, auch weil die Presswehenphase sehr lang dauerte. Dass sie immer wieder reinrutschte lag wohl auch daran, dass die Nabelschnur sehr kurz war.
Vor der zweiten Geburt habe ich etwas Angst, ich bin mir aber sicher, dass ich dieses Mal besser damit umgehen kann und auch die Geburt komplett anders verlaufen wird. Nun bin ich mit meinem
Sohn schon 2 Tage lÀnger schwanger, als damals mit meiner Tochter und warte darauf, dass es losgeht.

Liebe GrĂŒĂŸe an euch alle! 💐
Juli mit 💗(~17M.) und 💙(39+4)

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Schön geschrieben, das hat mir Mut gemacht da meine Geburt vor 5 Jahren auch mit diesem Griff beschleunigt wurde, ich empfand es als unnatĂŒrlich, war aber zu erschöpft um noch sehr viel lĂ€nger durchzuhalten. Auch mich ĂŒberwĂ€ltigen die wehen komplett und ich hatte das GefĂŒhl das ich irgendwie komplett hilflos versuchte mitzumachen aber nicht alles umsetzen konnte. Ich hoffe dieses Mal kann ich mit dem Schmerz besser umgehen und dieses GefĂŒhl einer schönen Geburt nachempfinden, da ich auch Angst habe das es wieder so wird. Ich wĂŒnsche dir alles Gute fĂŒr die bevorstehende Geburt und drĂŒcke die Daumen.