Fast wie ein Spaziergang...die schöne Geburt von Julian (Vorsicht lang

nun komme auch ich endlich mal dazu, meinen Geburtsbericht einzustellen. Inzwischen ist Julian schon 10 Wochen alt und das süßeste, liebste, lebhafteste und knuddeligste Baby aller Zeiten #freu#freu#freu

Also, dann mal los....
Alles begann am Wochenende 10./11.06.2006...Ich war die Woche davor nochmal beim Frauenarzt gewesen und meine Hebi kam auch fast jeden Tag vorbei....Grund: Ich war schon 40+3, der kleine Faulpelz fühlte sich in meinem Bauch wohl pudelwohl und wollte auf keinen Fall raus. Das war bei meinem ersten Sohn schon so, der war 12 Tage drüber. Der Frauenarzt hatte mir dieses Mal einen Wehensaft aufgeschrieben, den ich dann nehmen sollte, wenn sich am Termin immer noch nix tat. Da ich davor aber ein bisschen Angst hatte - man hört ja immer wieder was von plötzlichen heftigen Wehen, stundenlangen Aufenthalten auf dem Klo wegen Durchfall etc. - habe ich einfach noch ein paar Tage ausgesessen.

Am Samstag nachmittag hab ich mir dann ein Herz gefasst und das Säftchen brav ausgetrunken. Ich wartete mit klopfendem Herzen...1 Stunde...nix....2 Stunden...nix...3 Stunden....nix. Auf gut deutsch: Es tat sich überhaupt nichts. Hatte zwar am Abend ein paar harmlose Wehen, aber ansonsten Funkstille.
Irgendwann gingen mein Mann und ich dann schlafen und bewerteten den Versuch als gescheitert.

Am Sonntag, den 11.06.2006 erwachte ich um 8 Uhr morgens, weil ich auf's Klo musste. Ich erhob mich aus dem Bett und klare schleimige Flüssigkeit lief mir die Beine hinunter...ich war sofort hellwach und dachte nur....Fruchtwasser!!! Und: Jetzt geht's los! Ich ging dann aufs Klo, aber es tröpfelte munter weiter. Dazwischen war auch blutiger Schleim *wie ekelig*, das war wohl der Schleimpfropfen, der sich verabschiedete.

Ich rüttelte meinen Mann wach und meinte: Schatz, steh mal auf, ich glaube wir müssen ins Krankenhaus. Er machte nicht mal die Augen auf und sagte nur: Hab ich noch ne halbe Stunde? Tja, so sind se die Männer. ;-)

Ich also erstmal KH angerufen....Keiner da!
Hebamme angerufen...Mailbox! Na super, langsam machte sich Panik in mir breit
Wieder KH angerufen. Endlich meldete sich eine Hebamme und ich schilderte mein "Problem". Sie war ganz ruhig und sagte, ich solle vorbei kommen, aber es hätte keine Eile, denn wenn es tröpfelt, liegt das Köpfchen meistens fest im Becken.

Eine Stunde später befanden wir uns dann endlich auf der Autobahn Richtung München (wir wohnen ca. 50 km von der Stadtmitte und dem KH weg). Ich merkte auch langsam regelmäßige aber noch gut zu veratmende Wehen, ca. alle 4-5 Minuten.

Im KH wurde ich dann erst Mal untersucht und es gab Entwarnung. Fruchtwasser war es nicht, weil Fruchtblase zwar sehr prall, aber intakt. MuMu 2-3 cm offen. Da war es 11 Uhr. Mein Mann und ich wurden also zum Spazierengehen geschickt. Da wir beide noch nichts gegessen hatten, beschlossen wir aber stattdessen erst mal in dem Cafe schräg gegenüber etwas essen zu gehen. Die Wehen wurden kontinuierlich stärker und ich verzog teilweise schon das Gesicht und pustete. Da das Publikum des Lokals aber anscheinend nur aus "Spazierengehern" zu bestehen schien, störte das niemand. Danach gingen wir wirklich noch im begrünten Innenhof des KH spazieren (also besser gesagt, mein Mann saß und las Zeitung und ich lief den Weg auf und ab - so viel zum Thema Unterstützung ;-))

Als wir um 13.15 Uhr wieder in den Überwachungsraum zurück kamen, untersuchte die Hebamme *übrigens ein ziemlicher Oberfeldwebel - ich hab immer das Glück* erneut und meinte: 5-6 cm offen, ich könne jetzt in den Kreissaal wechseln.

Im Kreissaal wurde dann erst mal Musik angedreht und ich machte es mir gemütlich. Wobei so gemütlich war es nicht mehr...die Wehen kamen immer schneller und wurden auch stärker. Ich verlangte nach einer PDA...wusste ja nicht wie lang sich das noch hinzog und wie stark die Schmerzen noch werden würden. Ja ich gebs zu, ich hatte einfach keine Lust auf Mega-Schmerzen. ;-) Nach allen Formalitäten trafen nach einer halben Stunde ca. auch der Anästhesist und die zugehörige Schwester ein. Das Legen der PDA entwickelte sich dann zum Problem...erstens hatte ich so viel Wasser im Körper, dass der Arzt die Wirbel nicht mehr ordentlich tasten konnte und zweitens kamen die Wehen jetzt schon im 2-Minuten-Takt. Das ganze liess sich dann nur mit einer kleinen Gabe Wehenhemmer in den Griff bekommen...und es war wirklich insgesamt eine wahnsinnig unangenehme schmerzhafte Prozedur.

Dafür war es dann eine Viertelstunde später umso schöner. Ich fühlte mich total gedoped #cool#cool....wie auf Wölkchen und alles war so schön warm und kribbelte. Es wurde auch nichts besonders taub, eben nur schwer. Die nächsten paar Stunden waren total easy, das CTG schlug wie wild aus und zeichnete schöne starke Wehen, aber ich spürte fast nichts davon. Wir unterhielten uns mit der Hebammenschülerin, die sich aufopferungsvoll um mich kümmerte (zusammen mit meinem Mann) über Fußball und die WM (die hatte ja gerade angefangen), wir lachten und es war alles sehr entspannt. Es dauerte auch nicht besonders lange und der MuMu war vollständig eröffnet. Die Hebi sprengte die Fruchtblase und meinte, es wäre etwas grün aber noch nicht trüb. Trotzdem, es wäre wohl schon gut, dass der Kleine sich jetzt auf den Weg nach draussen machte.

Tja und dann begannen die Presswehen....leider dauerten die satte 3 Stunden, weil die Wehen plötzlich nicht mehr stark genug waren...das kann passieren, wenn man eine PDA bekommt. Also wurde ich an den Wehentropf gehängt und dann wurde es krass. Die letzte halbe Stunde habe ich wirklich gedacht, ich quetsche die berühmte Wassermelone da unten raus. ;-) Mein Freund sass in ein paar Metern Entfernung auf einem Stuhl und war auch schon ganz blass um die Nase, weil ich das ganze KH zusammenschrie. Und dann auf einmal flutschte er heraus der kleine Mann. Gott sei Dank. Ich hätte auch keine Wehe mehr ausgehalten. #schwitz

Und da war schon aller Schmerz vergessen. Das kleine Bündel lag da auf meinem Bauch und blickte mich aus grossen dunkelblauen Augen an. Das ist immer wieder das faszinierendste grossartigste Erlebnis, das es gibt.

Hier mal kurz die Daten:
Julian Daniel, geboren am 11.06.2006 um 21.36 Uhr
Größe: 53 cm
Gewicht: 3.860 g
Kopfumfang: 35 cm

Mir selbst fehlte nicht viel...ein paar oberflächliche Risse an den Schamlippen und ein Klitorisanriss...die Ärztin hat das mit ein paar Stichen prima vernäht und ich hatte schon die nächsten Tage kaum Schmerzen. Es verheilte superschnell und man sieht gar nichts mehr davon. Nur Julian hatte durch das grüne Fruchtwasser wohl eine leichte Infektion und bekam Antibiotika über die Kopfarterie. Meine Güte, Rotz und Wasser hab ich geheult bei dem Anblick meines kleinen Süßen mit dieser hässlichen Kanüle am Kopf. Er war auch nachts auf der Überwachung. Aber es war alles immer normal. Herzschlag, Atmung und Temperatur. Nach fünf Tagen KH durften wir dann endlich nach Hause und inzwischen ist dieser kleine Schock auch vergessen.

Und der Bericht ist superlang geworden, sehe ich gerade. Ich hoffe, Ihr habt trotzdem Spaß beim Lesen.

Ich wünsche Euch allen eine ebenso entspannte Geburt, wie die meine. PDA ist schon eine super Erfindung!!!!

LG Andrea + Wonneproppen Julian (Foto in VK)

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Hallo Andrea,
erstmal herzlichen Glückwunsch zur Geburt. Dein Bericht lässt sich toll lesen.
Ja wie die Männer so sind. Aber ganz ehrlich, als die Wehen damals bei mir einsetzten, hab ich auch noch die Augen versucht zusammen zu lassen. Wie kann man mich auch nur in meinem Schönheitsschlaf stören.;-)
Außerdem dachte ich, verschlafe ich noch so ein paar Wehen, die nicht so angenehm sind. Dabei waren die noch wirklich angenehm im Gegensatz zu den späteren. Du siehst nicht nur Männer sind so!

Alles Gute für euch!!!

LG Annette + Jeremy (1) + #ei (10.SSW)